Beer Babes

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Als Beer Babes wurde eine Gruppe von 36 niederländischen Frauen bekannt, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika unter den Verdacht gerieten, Ambush Marketing für die niederländische Brauerei Bavaria zu betreiben.

Vor allem die Gegenmaßnahmen der FIFA erregten öffentliches Aufsehen.

Hergang[Bearbeiten]

Nach dem ersten Spiel der Gruppe E, Niederlande – Dänemark (2:0) am 14. Juni, erregten zunächst die Gegenmaßnahmen der FIFA gegen das behauptete „Schmarotzermarketing“ öffentliches Aufsehen:[1] 36 Frauen in orangenen Kleidern saßen auf Plätzen nahe des Spielfeldrandes, lärmten und sangen, so dass die Fernsehkameras sie mehrfach ins Bild nahmen.[1] Da FIFA-Mitarbeiter sie beschuldigten, heimlich für eine nicht zu den offiziellen Sponsoren gehörenden Biermarke zu werben, wurden sie in der zweiten Halbzeit von 40 Ordnern umstellt und zum Verlassen des Stadions gezwungen. Nach einer Befragung durch die FIFA seien die Frauen auch von der Polizei verhört worden.[2][1] Die FIFA bestritt Festnahmen,[3] erklärte jedoch, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen die Bavaria-Brauerei ausschöpfen zu wollen,[3] die bereits 2006 mit einem Ambush-Marketing-Versuch beim Spiel Niederlande–Elfenbeinküste aufgefallen war.[4] Schon 2006 hatte sich die Bavaria-Brauerei dagegen ausgesprochen, als die FIFA Fußballfans zum Ablegen von Kleidungsstücken zwang, auf denen sich unlizenzierte Firmenlogos befanden.[4]

FIFA Ermittlungen[Bearbeiten]

Offizieller Sponsor:
Promotion Girl von Budweiser, hier beim Grand Prix in Kanada

Nach FIFA-Ermittlungen über die Herkunft der Eintrittskarten der beschuldigten Frauen entließ der Fernsehsender ITV seinen Fußball-Experten Robbie Earle, da er für Familie und Freunde bestimmte Karten regelwidrig an Dritte weitergegeben haben soll.[3] Die FIFA konfiszierte von Earle weitergegebene Karten für spätere Spiele, um sie neu zu verkaufen.[5] Die am 14. Juni aus Soccer City entfernten Frauen, die nach Angaben von Bavaria in keiner Verbindung zur Brauerei stünden, hätten lediglich als Werbemittel mit Bavaria-Produkten verkaufte orangene Kleider getragen, die keine Brauerei-Logos trugen.[1] Brauerei-Vorstand Peer Swinkels sagte, Niederländer trügen bei Feiertagen oder Großveranstaltungen eben gerne Orange, dies könne man ihnen nicht verbieten.[6][1]

Zwei der Niederländerinnen wurden zwei Tage nach dem Spiel in ihrem Hotel erneut festgenommen und erst nach Zahlung einer Kaution und Abgabe ihrer Reisepässe auf freien Fuß gesetzt.[5][7] Es wurde festgestellt, dass sich ein Bavaria-Logo, „nicht größer als eine Briefmarke, […] kaum sichtbar auf schwarzen Schildern am Kleid“ befand.[5] Der Anwalt der Beschuldigten berichtete, sie seien „völlig traumatisiert“, da sie behandelt wurden „wie Gewalttäter“.[7] Kritik am Vorgehen von FIFA und südafrikanischen Behörden äußerten auch der niederländische Außenminister Maxime Verhagen, der es in einer offiziellen Protestnote als unverhältnismäßig und absurd bezeichnete, und die niederländische Botschaft in Pretoria.[8] Peer Swinkels wies darauf hin, dass die Werbewirkung der orangen Kleider nur durch das Einschreiten der FIFA entstand, da nun die ganze Welt über Bavaria und die sogenannten Beer Babes rede.[5]

Einer der Hauptsponsoren der Fußball-WM 2010, und die einzige Biermarke mit Werbeerlaubnis in WM-Stadien,[9] ist die US-amerikanische Budweiser-Brauerei. Die FIFA hatte vor Beginn der Weltmeisterschaft bereits 2.500 Fälle angeblichen Ambush Marketings behandelt, darunter auch den Werbespruch „Inoffizielle nationale Fluglinie der Sie-Wissen-Schon-Was“ der südafrikanischen Fluglinie Kulala, den die FIFA untersagt hatte.[10]

Am 22. Juni 2010, acht Tage nach dem Vorfall in Soccer City, sollten die beiden verhafteten und nicht in Südafrika ansässigen Holländerinnen vor ein südafrikanisches WM-Sondergericht gestellt werden, wo ihnen eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten drohte.[11] Trotz ihrer juristischen Unterstützung durch die niederländische Botschaft in Pretoria vermuteten Medienberichte vor dem Prozesstermin, dass die FIFA ein Exempel statuieren lassen könnte.[11] Die WM-Sondergerichte hätten bis dahin schnelle und harte Verurteilungen zu langjährigen Gefängnisstrafen ausgesprochen.[11] Am Prozesstag gab die Staatsanwaltschaft jedoch bekannt, die Anklage sei fallengelassen worden.[12] Da die FIFA nach einer Übereinkunft mit der Bavaria-Brauerei kein Interesse mehr „an einer Fortführung der Angelegenheit habe“, sprach sich die Staatsanwaltschaft gegen eine weitere Strafverfolgung aus.[12] Über die Inhalte der außergerichtlichen Einigung wurde nichts bekannt,[13] Spekulationen sprechen von einer Bavaria-Zahlung von einer Million Euro, beurteilen diese jedoch als geringen Preis für die gewonnene Medienaufmerksamkeit:[14]

Kritik[Bearbeiten]

Über die Gerichtsverhandlung wollten 50 Reporter berichten,[14] die Ereignisse hatten die „Titelseiten südafrikanischer Zeitungen“[13] gefüllt, weltweite Medienaufmerksamkeit erhalten und zu „einer diplomatischen Verstimmung zwischen den Niederlanden und Südafrika“[14] geführt. Das Medienecho kritisierte überwiegend „die ‚allmächtige Fifa‘, die es sich herausgenommen habe, ‚unschuldige Mädchen vorübergehend zu verhaften‘.“[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 World Cup 2010: Fifa detains 36 female Holland fans for ‘ambush marketing’. In: Guardian.co.uk, 15. Juni 2010, abgerufen am 15. Juni 2010.
  2. “The police came and kept on asking us the same questions over and over, asking if we worked for Bavaria. They said we were ambush-marketing and it was against the law in South Africa. They said we would be arrested and would stay in jail for six months. Girls were crying. It was bad.” (Barbara Castelein in: World Cup 2010: Fifa detains 36 female Holland fans for ‘ambush marketing’. In: Guardian.co.uk, 15. Juni 2010, abgerufen am 15. Juni 2010., deutsch: „Die Polizei kam und fragte uns immer wieder die selben Fragen, fragte ob wir für Bavaria arbeiteten. Sie sagten wir betrieben Ambush Marketing, und das sei gegen das Gesetz in Südafrika. Sie sagten wir würden eingesperrt und für sechs Monate im Gefängnis bleiben. Mädchen weinten. Es war schlimm.“)
  3. 3,0 3,1 3,2 Andy Winter: ITV Sacks Pundit Over World Cup Ticket Claims. In: News.Sky.com, 15. Juni 2010, abgerufen am 15. Juni 2010.
  4. 4,0 4,1 Laura Smith-Spark: Dutch fans given shorts for match. In: BBC News, 21. Juni 2006, abgerufen am 15. Juni 2010.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Wer nicht zahlt, darf auch nicht werben. In: Welt Online, 18. Juni 2010, abgerufen am 18. Juni 2010.
  6. “In my opinion, people should have the right to wear whatever they want. […] And Fifa don’t have a monopoly over orange.” (Peer Swinkels in: World Cup 2010: Fifa detains 36 female Holland fans for ‘ambush marketing’. In: Guardian.co.uk, 15. Juni 2010, abgerufen am 15. Juni 2010., deutsch: „Meiner Meinung nach sollten die Leute das Recht haben, zu tragen was sie wollen. […] Und die FIFA hat kein Monopol auf Orange.“)
  7. 7,0 7,1 Fußball-WM 2010. Verhaftete "Bier-Babes" unter Schock. In: Zeit Online, 17. Juni 2010, abgerufen am 18. Juni 2010.
  8. Markus Völker: Die Fifa ist Spitze darin, die Interessen ihrer Großsponsoren zu schützen. Bei Blatter piepst es. In: taz.de, 17. Juni 2010, abgerufen am 18. Juni 2010.
  9. Beer babes ‘ad’ to Dutch match. In: New York Post, 16. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.
  10. Die „Beer Babes“ hatten sich verkleidet. Holländerinnen kamen als Däninnen – 2500 Verstöße gegen Trittbrettmarketing. In: Der Standard, 17. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.
  11. 11,0 11,1 11,2 Die „Beer Babes“ vor Gericht. In: Der Standard, 21. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.
  12. 12,0 12,1 Fußball-WM 2010. Anklage gegen „Bier Babes“ fallen gelassen. In: Zeit Online, 22. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.
  13. 13,0 13,1 Verfahren eingestellt. Nach außergerichtlicher Einigung der Streitparteien FIFA und Bavaria. In: Der Standard, 22. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.
  14. 14,0 14,1 14,2 14,3 Küsschen und Rosen: Die „Beer Babes“ sind frei. In: Die Presse, 22. Juni 2010, abgerufen am 22. Juni 2010.


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