Adam Tellmeister

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Adam Tellmeister (* 17. März 1961 in Sumiswald in der Schweiz) eigentlich Adam Meister, ist ein Schweizer Künstler.

Leben[Bearbeiten]

Er lebt und arbeitet über 20 Jahre lang als sans-papier in Deutschland, seit 1989 in Berlin, Stadtteil Prenzlauer Berg. Und versteht sich als Kunstfigur Tellmeister. Aufgewachsen in Wissachen verweigert er als Mitglied der Friedensbewegung den Schweizer Kriegsdienst. Um der Haftstrafe zu entgehen, flüchtet er zunächst nach Venedig, dann nach Bottrop, wo er einen Asylantrag als Kunstaktion stellte. Nach der Ablehnung des Verwaltungsgerichts setzt er sich in die Niederlande ab. Auch dort scheitert er mit seiner Aktion Asyl zu bekommen; dort erhielt er – seine Identitätskarte wurde von den deutschen Behörden zurückbehalten - eine neue Asylkarte auf den der Name G.P.Adam,welchen er fortan als Künstlername verwendete.Privat stellt er sich mit Tellmeister vor. Der Kunsthistoriker Oliver Grau setzte sich mit Gutachten über die Arbeit von Tellmeister für Unterstützung ein,jedoch ohne Erfolg.Da er illegal war und keine Förderung bekommen konnte, erschlich er sich sein Arbeitsmaterial auf Baustellen, als Freskenmaler, wo er Bauchemie für seine Arbeit abzweigen konnte. Er vertrieb seine Kunst auf einem schwarzen Kunstmarkt. Die Käufer erhielten einen Schließfachschlüssel von einem Berliner Bahnhof und kamen so an die gekaufte Ware. Seine Ausstellung dauerte meistens nicht mehr als vier Stunden, in Anwaltskanzleien, Arztpraxen oder Privatwohnungen, wo sich Tellmeister oft von arbeitslosen, attraktiven Schauspielern doubeln ließ. Um den Verkauf besser anzukurbeln, trat er selber als aus der Schweiz kommender in Erscheinung und machte Stützkäufe seiner eigenen Arbeit. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts von Joschka Fischer bekam er wieder eine Perspektive auf Legalität. 2007 erstreitet er sich juristisch den selbst gewählten Namen Tellmeister und seiner Kunstfigur, einen anerkanntes Dokument.

Tellmeister setzt sich mit dem Ur-Mythos Wilhelm Tell und seiner Heldensaga kritisch und künstlerisch auseinander. Er veranstaltet diverse Verunreinigungen am Tell-Bild. Behandelt Schillers Tell als Infektion am Mythos, um Reinigungsfunktionen zu aktivieren. Tell ist für ihn ein Synonym für „Fortsetzung“. Eine der ersten bürgerlichen Kunstaktionen in der Schweiz aus dem 13. Jahrhundert, die verschiedene politische Kuratoren erfahren hat. Sein Versuch ist, in Tells Spannungsverhältnis von Tyrannenmörder und heutigem Terroristen eine Gegenwartsfigur herauszubilden und in Umlauf zu bringen, als neuen Schweizer.

Zum Schweizer Nationalfeiertag 2008 bekam er seinen neuen Pass auf den neuen Namen ausgestellt. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp übergab ihm diesen in einem Schweizer Zopfbrot. Über 200 Künstlerkollegen aus der Schweiz schickten Tellmeister ein Heimatpaket nach Berlin. Darunter auch ein abgeschnittener Schweinekopf ohne Absender.

Werk[Bearbeiten]

In seinen frühen Arbeiten der 1980er-Jahre befasste er sich thematisch mit dem bürgerlichen Anstand in seinen Bildern. Er bemalte seine Bilder auch von hinten, so dass sie gedreht werden konnten und so das Gegenteil darstellten. Die Werke seiner Exilzeit zeichnen sich durch Material mit organischen Farbstoffen, wie Lichtexperimente aus. Thematisch vor allem durch sein ambivalentes Verhältnis zu Schweizer Geschichten und Mythen. Als Maler entwickelte Tellmeister 1995 ein dreidimensionales Malverfahren, mit speziellen lichtreflektierenden Farben. Er malt zwei Bilder ineinander, bestehend aus über 32 Schichten. Das zweite Bild wird mit LED`s, die im Rahmen versteckt eingebaut sind, sichtbar. Aktiviert man sie, erscheint das zweite Bild als gemalte Holografie in einer noch unbekannten Tiefenschärfe. Diese Wechselwirkung der Gemälde thematisiert er. Wo man zuvor eine leere weiße Leinwand sieht, taucht plötzlich eine Landschaft mit Figuren in leuchtenden Farben auf. Ein gegenständliches Bild wird so abstrakt oder noch abstrakter. Nichts scheint so zu sein, wie es scheint. Die Erarbeitung eines Gemäldes dauert ein gutes Jahr und wird sorgfältig geplant, bis es abgeschlossen ist, inspiriert von den Perspektivenbildern mit Perspektivenglas aus dem 16. Jahrhundert. Wie auch der Ästhetik der Kriegsmaschinen, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen, wie das Verschwinden in den unsichtbaren Bereich oder die Anpassung an den Untergrund. Seine Malmethode ist ein Tarnspiel mit Farben und Licht. Seine holografischen Gemälde sind filmtechnisch nicht erfassbar. Man sieht sie nur mit den eigenen Augen. Der Stil der Zeichnungen und Bilder Tellmeisters ist beeinflusst von Kalligrafien und der Figuration Librè. Den Gemälden wird eine eigentümliche Sogkraft nachgesagt. Neben Gemälden und Aktionen schuf Tellmeister Aquarelle, Bleistiftzeichnungen, Ölkreidezeichnungen, Holzschnitte, Fresken und Skulpturen.

Ausstellungen und Kunstaktionen (Auswahl)[Bearbeiten]

1986 machte Tellmeister seine erste Kunstaktion in Deutschland. Im Essener Rathaus, wo er einen Antrag auf politisches Asyl mit einer Tellperformance stellte. Und sich dabei auf das deutsche Grundgesetz bezieht, dass kein Mensch gegen seinen Willen zu Kriegsdienst gezwungen werden darf. Er machte in der Kunstszene, wie auch in der politischen Szene auf sich aufmerksam. 1988 setzte er sich nach gescheitertem deutschen Asylantrag in die Niederlande ab, wo er eine Tell-Verunreinigungsperformance im Schweizer Konsulat in Amsterdam machte und wegen Hausfriedensbruch in Gewahrsam genommen wird. Dort stellte er erneut einen Antrag auf Asyl.

1989. Nachdem erneut gescheitertem NL-Asylantrag, beschließt er, in die DDR auszuwandern, um die Rote Gefahr kennen zu lernen und stellt seinen letzten Asylantrag. Nach der Abdankung derDeuschen Demokratischen Republik wird Tellmeister illegal.

1990. Ausstellungsaktion in der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zuFrank Castorfs Inszenierung "Die Räuber" von Schiller. Tellmeister stellt großformatige auf PVC-Belag gemalte Bilder, mit Schweizer Militärgeheimnissen, bestehend aus Munitionslagern, Landeplätzen, Abwehrstellungen und Informationen aus. Gregor Gysi eröffnete die Ausstellung und Tellmeister dirigierte eine DDR-Militärkapelle dazu.

Währungsaktionen[Bearbeiten]

1990. Guerilla-Aktion. „Kapitalismus ist Gewinn bringend“. Tellmeister tauschte DM gegen Ostmark auf dem Schwarzmarkt (Bahnhof Zoo) zum Kurs von 1:15 und füllte reihenweise, bei bedürftigen 40-60jährigen die Konten auf, bevor die Währungsunion in Kraft trat. Er beteiligte die Kontoinhaber aus der DDR mit 30% am Gewinn. Mit der anderen Hälfte fördert er seine nächsten Kunstaktionen.

1991. Kunst auf eigene Gefahr (Galerie Weißer Elefant Berlin), bestand aus 10 Tonnen Sand, vermischt mit Hundekot und Bierglasscherben. In mitten der verteilten Sandfläche, war eine Aussparung mit Stuhl und Fernglas. Der Besucher konnte die kleinen Zeichnungen nach Hinweisen absuchen, wo sich das Geld im Sand versteckt und musste sich Zeit kaufen, danach zu suchen.

1992. Spekulieren Sie mit Kunst (Galerie Basic Berlin), bestand aus 20 Stück 100 DM Scheinen, original bemalt. Der einzelne Schein wurde für 80 DM zum Eröffnungspreis angeboten, die an dem Abend alle verkauft wurden. die meisten Käufer wollten ihren Schein gewinnbringend weiterverkaufen oder in der Bank umtauschen. Nach drei Tagen haben die Galeristen mit dem Künstler die Käufer persönlich angeschrieben oder angerufen, um ihnen zu erklären, dass ein Nebeninteressent mehr bieten würde, für ihren gekauften Schein. Es wurde nochmals erklärt, dass das Motto der Ausstellung „Spekulieren Sie mit Kunst“ heißt und die Galerie, wie auch der Künstler sich vom Motto nicht distanzieren und dem Meistbietenden verkaufen würden.

1993. Knochengeld (Galerie O.2 Berlin) Künstleraktion in Berlin Prenzlauer Berg. Nach der Devise des "Tonnenphilosophen" Diogenes Geld aus Knochen, die stinken, keiner hortet, keinen reich und alle gleich macht, gestalteten 55 Grafiker Knochengeldscheine, um damit auch an Silvio Gesells rostende Banknoten und den damit verbundenen Währungsverfall zu erinnern. Die Scheine zu je 20 Knochen kamen umgangssprachlich aus dem alten DDR-Pfund-Begriff, wo 1 Pfund gleich 20 Mark entsprachen. Die Knochen waren nun aber im Verhältnis 1:1 DM wert und dienten in 21 bis zu 26 Kneipen und Läden in Prenzlauer Berg als Zahlungsmittel. Die befristete Parallelwährung mit Duldung Landezentralbank Berlin verlor pro Schein und Woche 5 Prozent, was einen Knochen entsprach an Wert, der durch Nachkauf eines Klebemarken- Kupons für 1 DM ausgeglichen werden konnte. Das Kunstgeld mit der Aufschrift "loe Bsaffot" stammte aus dem Rotwelsch und bedeutet etwa "falsche Papiere". Jeder Künstler hatte 150 seiner entworfenen Knochen-Exemplare per Hand kopiert, nummeriert, signiert und gestempelt und sie dadurch gültig sowie per Musterbuch fälschungssicher gemacht. Je 50 verschiedene Scheine waren mit einer Banderole gebündelt in der Galerie, die nun als "Dezentralbank" fungierte, im Gegenwert zu 1000 DM zu erwerben. Die Auflage betrug 100.000 DM bzw. 100 mal 1000 Knochen. Die Knochen verloren wöchentlich 1 DM an Nominalwert. Im Extremfall war ein 20 Knochenschein nach sieben Wochen nur noch 13 DM wert. Die Geschäfte und die Besitzer der Scheine mussten also rasch die Knochen in der Galerie umtauschen bzw. sie per Klebemarkenkauf wieder aufwerten. Während der Aktion lief ein künstlerisches Rahmenprogramm um die Knochen mit Vorträgen über die Freigeldidee gestern und heute. Die Aktion ähnelte mehr dem Kantinengeldmodell. Sie war weniger Freigeldexperiment, sondern eher ein medienreifes Kunstspektakel, deren Objekte im Februar 1994 per Auktion versteigert wurden und wo die eigentlich verfallenden Knochen wieder eine Wertsteigerung erfuhren. Den Erlös der Auktion von ca. 80.000 DM teilten sich die beteiligten Künstler untereinander auf. Im Laufe der Aktion, kamen allerdings nur ein Viertel der aufgelegten Knochen in Umlauf. Der Rest schien von Sammlern gleich zu Hause gehortet zu werden, in der Hoffnung auf Wertsteigerung der Kunstobjekte.

1995. lokale Wasserwährung (ehemaliges DDR-Flohkino Berlin) die Installation bestand aus einem großformatigen Gemälde und einem Eistaler-Automat, wie auch einem Kühlschrank als Tresor. Der Betrachter konnte einen Bierdeckelgroßen Eistaler für 2 DM kaufen, den er in den Automaten steckte, der wiederum schickte das Gemälde in die Wechselwirkung. Es erscheint für 10 Minuten ein neues dreidimensionales Gemälde. Nach Ablauf der 10 Minuten schmelzte der Automate den Taler und verflüssigte ihn für die Talerproduktion im Kühlschrank und der Kreislauf konnte von neuem beginnen. Tellmeister ließ seine Installation für sich arbeiten und strich den Gewinn monatlich ein. Danach ging die Installation an einen Sammler im Allgäu.

2009. Stille Eröffnung (Galerie Wernicke und Hasshoff Berlin). Installation zum Biometrischen Chip. Tellmeister macht seine komplette Biometrik sichtbar und thematisiert einen neuen Leistungsrassismus, den er in den Tendenzen der biometrischen Maßnahmen der Gegenwart sieht. Hauptaktion der Ausstellung war, die „politische Finissage“, wo Tellmeister mit einem Chirurgenteam den biometrischen Chip aus seinem neuen Pass heraus operiert und ihn vernichtet.

2009. Rütlifeier im Berliner Hinterzimmer (Galerie Wernicke und Hasshoff Berlin). War eine Installation mit großformatigen Zeichnungen und verschiedenen Totenmasken von Tell, als letztes Bild und stellt den Zusammenhang zwischen Kultabsicht und ausdruckspsychologischer Analyse her. Tell`s Totenmaske steht neben den vonGudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, mit eingefallenem Gesicht, geformt vom politischen Raum der Gefängnisse (gebrannter Ton mit Brotteig). Die Zeichnungen verweisen auf die Heldensaga vom Tell, als Akt des Kindesmissbrauchs. Die Ausstellung wurde erweitert durch 20 Zeichnungen, unter dem Motto „böser Tell“ in einem Berliner Kindergarten.

Zahlreiche Privatsammler in Deutschland, Schweiz, Niederlande, Österreich

Medienberichte (Auswahl)[Bearbeiten]

http://www.upi.com/Top_News/Special/2009/08/07/Swiss-artist-fights-biometric-passport/UPI-37811249672039 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0731/feuilleton/0002/index.html http://www.tagesspiegel.de/kultur/Schweiz-Wilhelm-Tell;art772,2863855

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