Englische Löwenrüstung

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Detail der engl. Löwenrüstung: Linke Achsel von hinten
Der Helm der engl. Löwenrüstung von vorn
Seitenansicht, Helm und Achsel der englischen Löwenrüstung von links

Die Englische Löwenrüstung ist eine Löwenrüstung, die sich in den Sammlungen der Royal Armouries in Leeds, England befindet. Sie ist in der Stilrichtung "all antika" gefertigt, die neben anderen Stilen sehr beliebt für Rüstungsentwürfe der Herstellungszeit war.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung ist äußerst prunkvoll und in handwerklicher Meisterleistung gefertigt. Der Plattner der die Rüstung fertigte ist nicht bekannt. Es wird vermutet das die Plattner Filippo Negroli oder auch Etienne Delaunè die Urheber der Rüstung sein könnten, da deren Stil ähnlich dem Fertigungsstil der Rüstung sind. Unterstützt wird diese Theorie duch den Helm, der einem anderen Helm, gearbeitet von Giovan (oder Giovanni) Paolo Negroli gefertigt wurde und für Heinrich II. von England bestimmt war. Bei diesem Helm sind starke ähnlichkeiten im Bezug auf die Löwendarstellung, der Form des Visiers, sowie der sehr starken Ähnlichkeit der Treib- und Gravurarbeiten[1]. Gefertigt wurde die Rüstung vermutlich für König Henri II. von Frankreich. Die Fertigung erfolgte etwa gegen 1550 in Italien. Dies konnte anhand der fertigungsstile der einzelnen Bestandteile der Rüstung selbst, als auch durch Vergleiche mit anderen Gegenständen festgestellt werden. Erschwert wird die Bestimmung der Herstellungszeit durch das Nichtvorhandensein jeglicher Meistermarken oder Zeichen.

Im Laufe der Geschichte gibt es mehrere Gemälde und Medallien auf denen die Dargestellten mit dieser Rüstung bekleidet sind. Darunter Henry Montagu, 2. Earl of Manchester (* 1621; † 1628), Charles I. von England (* 19. November 1600 in Dunfermline; † 30. Januar 1649 in London), Charles II. von England (* 29. Mai 1630 in London; † 6. Februar 1685 ebenda) und George Monck, 1. Duke of Albemarle(* 6. Dezember 1608 in Potheridge, Devonshire; † 3. Januar 1670 in The Cockpit, Whitehall in London) .

Das Dekor der Rüstung ist graviert und feuervergoldet, getrieben und als Einlegearbeiten sowie zum Teil schwarz aufgefüllt oder in einem noch leicht bearbeiteten Hammerschlagfinish belassen. An mehreren Stellen sind Abbildungen von Löwen gestaltet, so am Ringkragen, am Helm, den Kniepanzern, den Schulterpanzern, der Oberseite der Panzerhandschuhe und den Ellbogenpanzern. Die Löwenköpfe sind aussergewöhnlich fein gearbeitet. Die Gesichter sind geschwärzt und mit feinen Stichelspuren versehen, die das Fell der Tiere Darstellen sollen. Die Schurrhaarwurzeln sind mit einer leichten Silberverzierung in Punktform angedeutet, die Ohren bestehen aus leicht verdrehten Spiralen und sind von Haarlocken umgeben.

Die Darstellung von Löwen war sehr beliebt, vor allem bei Herrschern, da der Löwe ein Symbol für Stärke, Macht und die Herrschaftsstellung stand. Die Löwendarstellung wurde schon im Römischen Reich benutzt um Eindruck zu erwecken, wozu z.B die römischen Standartenträger (Signifer) ein Löwenfell als Kopfbedeckung verwendeten. Andererseits diente es als eichen mit magischen Kräften, wie der Erhöhung der Stärke des Trägers, sowie in Verbindung mit mythischen Gestalten wie dem griechischen Helden Herkules (der "Nemedische Löwe") als Symbol für Gerechtigkeit sowie als Tropäe nach einem Sieg über den Feind. Im Mittelalter war es das beliebteste Element zur Verzierung von Harnischen des "all antica" Stiles[2]

Die undekorierten Flächen sind geschwärzt. Die Löwendarstellungen sind jeweils mit imitiertem Fell umgeben, das eine Löwenmähne darstellen soll. Die restlichen Verzierungen neben den Hauptbildern bestehen aus Ranken- und Blumenmustern.[3], [4]. An manchen Stellen wurden Spuren des Treibens erhalten und nicht wie allgemein üblich abgeschliffen und poliert, so das ein feines Hammermuster erhalten blieb, das zu den anderen Dekorationen passt und nicht zufällig erhalten blieb. Diese rauher erscheinenden Stellen sind vor allem an den Bereichen der Rüstung zu sehen, die in schwarz gehalten wurden. Alle Ränder und Abschlüsse der einzelnen Bauteile sind mit einer abgerundeten Einfassung abgegrenzt, die einem Seil ähnlich gearbeitet ist ("geseilt"). Die Oberfläche wurde in einem chemischen- oder Wärmebehandlungsverfahren so bearbeitet, das die Oberfläche in einem Braunton erscheint.

Es ist nicht möglich das ein einfacher Plattner diese Arbeiten ausgeführen konnte. Alle Arbeiten, ob Treib., Gravur- oder Einlegearbeiten sind extrem fein und mit großer Erfahrung und handwerklichem Geschick angefertigt worden. Daher wird Vermutet das die Rüstung in Oberitalien gefertigt wurde, da in Oberitalien mehrere ausgezeichnete Plattner, Dekorateure und Graveure angesiedelt waren. Die gesamte Art der Rüstung stellt einen italienischen Harnisch einer "kleinen" Rüstungsgarnitur dar.

Die heute noch bestehende Rüstung ist unvollständig. Der in der Regel an Rüstungen dieser Art bestehende Ringkragen (auch "Gorget") fehlt, ebenso ein Bestandteil des Visiers, sowie die zusätzlichen Anbau- und Wechselteile, sind bis auf die Brustverstärkung jedoch vermutlich nicht erhalten.

Die Rüstung erscheint als Parade- oder Prunkrüstung, ist aber durch ihre Konstruktion und die verwendeten Materialien absolut kampftauglich. Bei Untersuchungen in den Royal Armouries sind Kampfspuren, hervorgerufen durch Schwertschläge von oben auf den Helm nachgewiesen worden. Ob diese Spuren von einem Duell, einem Turnier oder einem Kriegseinsatz stammen ist nicht nachweisbar. Vom Hersteller und Auftraggeber war eine Verwendung als Parade- und Turnierrüstung vorgesehen, da eine Verstärkungsplatte für die Brust besteht, sowie eine Vorrichtung zum Anbringen eines Rüsthakens zum Auflegen der Lanze beim Turnier, angebracht ist, die durch die Verstärkungsplatte des Brustharnischs hindurchläuft. Auf dem eigentlichen Brustpanzer sind Löcher angebracht, in dnen der Rüsthaken fixiert und befestigt werden kann. Ob eine Verwendung als Kampfrüstung gedacht war, ist nicht bekannt[5].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Stuart W Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998, Seite 312, Abbildungen 62a und b, ISBN 978-0-87099-872-0 (Vollständig einsehbar bei Google-Books)
  2. Hochspringen Carolyn Springer, Armour and Masculinity in the Italian Renaissance, Verlag University of Toronto Press, 2010, Seite 107, ISBN 978-1-4426-4055-9
  3. Hochspringen ild der Kompletten Rüstung in den Royal Armouries,Leeds,(engl., eingesehen am 23. Mai 2013)
  4. Hochspringen Bilder der Rüstungsteile in den Royal Armouries,Leeds,(engl., eingesehen am 23. Mai 2013)
  5. Hochspringen Stuart W Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998, Seite 309-315 ISBN 978-0-87099-872-0
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