Negroli (Familie)

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Burgonet von Filippo Negroli im Metropolitan Museum, New York
Helm in Form eines Delphins von Filippo Negroli in der National Gallery of Art, Washington D.C

Die Familie Negroli, auch Negrolo, möglicherweise mit Nachnamen Barini, aber auch möglich ein und die selbe Person/Familie Missaglia, da von manchen Forschern der Familienname als Negroli da Ello called Misaglia angegeben wird, war eine italienische Familie von Rüstungsmachern und Dekorateuren. Viele der Familienmitgliedern arbeiteten über mehrere Generationen in deren eigenem Betrieb und schufen kunstvolle Rüstungen, die heute noch als ein Höhepunkt der metallbearbeitenden Kunst gesehen werden.

Das bekannteste Familienmitglied war wohl Filippo Negroli (etwa *1510-†1579 in Mailand). Er war ein italienischer Rüstungsdekorateur der, bedingt durch seine äußerst hochqualitativen Arbeiten als einer der besten Dekorateure an Waffen und Rüstungen aller Zeiten gilt. Negroli führte seine Arbeiten an Rüstungen, Helmen, Schilden und verschiedenen Waffen durch, die in den besten Sammlungen und Museen der heutigen Zeit aufbewahrt und erhalten werden. Er war bereits in dritter Generation in diesem Bereich tätig. Nach dem Tod Filippos führte sein Cousin Giovani Paolo die Werkstatt weiter. Obwohl unsigniert können Rüstungen die nach Filippos Tod entstanden, aber seine Handschrift tragen, Giovanni Paolo zugeordnet werden.

Über den Namen Negroli herrscht Unsicherheit in der Wissenschaft. Manche denken der Name Negroli oder Negrolo sei ein Bei-oder Rufname, da der richtige Nachname eigentlich Barini lauten solle. Es wird aber auch vermutet das der Name der Familie Missaglia durch Heirat oder ähnliches in Negroli umgewandelt wurde, zumal Negroli die Werkstatt der Missaglia übernahm. Die Angaben über Geburts- und Sterbedaten sind unterschiedlich und zum Teil unbekannt.

Familien und FirmengeschichteBearbeiten

Die Familiengeschichte der Negrolis ist schwer darzustellen, da sich die Begebenheiten zeitlich durch die Aufenthaltsorte der verschiedenen Familienmitglieder oft überschneiden.

Inhaltsverzeichnis

Die Herkunft der Familie, Giovanni de Barinis, etwa 1539Bearbeiten

Der erste bekannte Namen der Familie ist der des Giovanni Negroli. Der richtige Familienname wahr wohl Barini oder Barinis. Der Name Negroli/Negrolo wohl ein Rufname. Geboren wurde er etwa in den Jahren 1410 bis 1420. Er arbeitete wohl bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts als Rüstungsschmied zusammen mit der Familie der Missaglia. Etwa 10 Jahre später arbeitete er zusammen mit noch anderen Rüstungsschmieden und erschuf mit Ihnen das erste bekannte Werk, eine Rüstung für einen Wächter des Klosters Madonna della Grazie in Curtatona. Diese Rüstung trägt zwei Meistermarken, eine aus zwei gekreuzten Schlüsseln und die andere ein gekröntes M. Das Todesdatum Giovannis ist nicht genau bekannt. Vermutlich starb er 1504. Der älteste Sohn Giovannis, Giacomo, ist im Jahre 1474 der einzige eingetragene Rüstungsschmied in der Liste der 72 eingetragenen Rüstungsschmieden in Mailand, die in einem Brief an den Herzog von Milan, Francesco Sforza am 01. Juni 1463 schrieben um sich Patentrechte zu sichern. Mit diesem Schreiben ist der Beweis erbracht, das die Familiengeschäfte vom Vater an den Sohn wietergegeben wurden.

Giovannis Söhne Giacomo, Filippo, Gerolamo und Domenico übernahmen das Geschäft. Gerolamo hatte keine Kinder, so das seine Linie kurz später austarb, während Giacomo zwar Kinder, jedoch keine Enkelkinder hatte starb dessen Linie ebnfalls aus. Domenicos Arbeiten sind gut belegt. Er kann in Schriftstücken als "Jacobinus de Barinis" identifiziert werden, zum Beispiel auf einem Schreiben zum Treffen der Rüstungsmacher. Nach dem Tod Giovannis wurden die Werkstatt und das Familienvermögen sowie die Besitztümer in zwei Teile getrennt. Domenico erbte den mailändischen Teil, seine Brüder den römischen. Domenico und seine Söhne gründeten in Rom ein eigenes Geschäft und wurden dort 1505 auch erwähnt. Die anderen gründeten in Mailand mehrere Geschäfte. Später wurde der römische Besitz sowie ein Teil des Grund- und Gewerbebesitzes unter den Söhnen aufgeteilt. Das Rüstungsgeschäft wurde an Giacomos Söhne übergeben und nach dem Tod des zweiten Sohnes im Jahre 1521 an deren Cousin Bernardo. Warum dieses Geschäft später aufgegeben wurde ist nicht bekannt.

Kaiser Karl V.

Giovannis Sohn Domenico (†1526) war ein wichtiger Meister, der die ersten wichtigen Kunden aus Adel und Militär als Kunden gewann. Domenico führe auch das Familienwappen und die Meistermarke weiter, zwei gekreuzte Schlüssel mit einer Krone und den Buchstaben D und N(Domenico Negroli). Die Marke von Domenico ist nur an zwei Werken nachweisbar, und zwar an einem Paar Armschienen aus den frühen 16. Jahrhundert.

Im Jahre 1504 gründeten Sebastiano Negroni da Ello, genannt "Missaglia" und Domenico Barini genannt "Negroli" eine Werksatt, bei der Risiko und Gewinn vertraglich in gleiche Teile festgelegt wurde. Als das Gewerbe zwischen den Jahren 1513 und 1516 beendet wurde, viel alles zu gleichen Teilen an die Partner.

Francesco Maria della Rovere, Herzog von Urbino

Um das Jahr 1504 hielt die Werkstatt Negroli/Missaglia das Monopol auf erstklassige Rüstungen in Einzelanfertigung auf Wünsche des Kunden in Mailand, wobei andere Schmiede auf die Herstellung von einfacher Standartware zurückgedrängt wurden. Im März 1504 vermietete Giovan Angelo Missaglia eine Werksatt mit zwei Räumen und ein oder zwei (unsicher) Schmieden für die Dauer von 6 Jahren an Luigi Negroli. Die Miete betrug 60 Florint per Anno. 1525 erweiterte Luigi den Betrieb, indem er ein Haus in der Pfarrei Santa Maria Bertrade anmietete in dem mehrere Räume auf vier Stockwerken verteilt waren. Der Mietzins betrug für die damalige Zeit sehr hohe Summe von 430 Lire per Anno. Das Haus wurde "Haus der Missaglia-Rüstungsmacher" genannt. Domenico führte die Geschäfte weiter bis zu seinem Tod 1521. Seine erwachsenen Söhne übernahmen das Geschäft, jedoch starb Nicolo bereits 1531, Andrea folgte ihm 1537, war jedoch schon 1532 nicht mehr in Unterlagen des mailändischen Betriebes erwähnt, da er nach Rom wechselte. Der letzte Sohn, Luigi, arbeitete weiter bis zu seinem Tod am 11. April 1551.

Andreas Tod führte zu einer Vereinigung der anderen Kinder Nicolos und Luigis, da Andrea keine Kinder hatte. Er vererbte die Hälfte seiner Anteile an seinen Bruder Nicolo und den Rest an die Söhne seines Neffen Nicolo. Nicolo vererbte alles seinen Söhnen mit der Auflage das sie das Erbe nicht antreten konnten, bis der jüngste der fünf Brüder, Domenico, ein Alter von 25 Jahren erreicht hatte. 1537 kam es wohl zu Streitigkeiten der Familienmitglieder und das gemeinsame Erbe wurde offiziell aufgeteilt um wieder Frieden zwischen den Söhnen zu schaffen, vor allem unter den Söhnen Luigis. Die Solidarität der Familienmitglieder untereinander zerbrach, was auch mit Folgen für das Unternehmen endete. Nicht alle der fünf Söhne Nicolos arbeiteten weiter im Betrieb. Giovan Paolo und Giovan Battista waren "Meisterschmiede", Giuseppe war gerade in der Ausbildung und Domenico, der jüngste noch in der Schule. Giovan Pietro schlug eine Karriere als Händler ein. Über die Söhne Luigis, Giovan Francesco, Giovan Ambrogio und Alessandro ist bis auf einige biografische Daten nichts bekannt. Giovan Ambrogio vererbte alles seinem Bruder Alessandro.

Die Werkstatt im 16.Jahrhundert. Filippo und seine Brüder,Gerolamo und seine Brüder sowie Giovan und seine BrüderBearbeiten

In der Folge führten die Söhne Gian Giacomos, Filippo, Giovan Battista, Francesco und Alessandro die Geschäfte weiter. Gian Giacomo war um 1538 aktiv, da aus dieser Zeit eine Signatur in einem Helmbart nachgewiesen ist, die heute in den Royal Armories in Leeds/England aufbewahrt wird. Filippo, Gian Giacomo und Francesco fertigten zusammen um 1539 die sogenannte "Maskengarnitur", was durch die Beschlagmarken nachzuweisen ist. Francesco stellte seine Mitareit für zwei Jahre ein, da er sich mit Karl V. 1551 auf einen Kriegszug nach Deutschland begab. Das Familiengeschäft wurde von Filippo, Giova Battista und Alessandro weitergeführt, wo sie bis 1557 weiter produzierten.

Alfonso d’Avalos,1.Marquese von Vasto, Held der Schlacht bei Pavia

Im Jahre 1532 fertigte Filippo seine ersten nachweisbaren Werke, einen Helm für Francesco Maria I. della Rovere, Herzog von Urbino, in eben diesem Jahr, sowie einen Helm und einen Schild für Karl V. im Jahr 1533. Die Werke führten zu einigem Aufsehen, so das der Herzog von Mantua einen Brief an den Herzog von Urbino schrieb, mit der Nachricht, über einen Harnisch des deutchen Harnischmeisters Kolman Helmschmidt aus Augsburg ausgeliefert habe und auf dem Weg zum Kaiser sei und fügte folgenden Inhalt hinzu: ZITAT:" Ich (der Herzog von Mantua) habe seiner Majestät von den beiden Helmen die ihre Excellenz (Francesco Maria della Rovere) besitzt berichtet und diese so sehr gelobt, besonders den gelockten. Also deshalb sende ich meinen delegierten in der Hoffnung das eure Excellenz (Francesco Maria della Rovere) die beiden Helme zusammen mit eurem Harnischmacher, dem des Kaisers Rüstung gezeigt werden soll..." (Freie Übersetzung)ZITAT ENDE. Karl der V. war so begeistert, das er eine Replik des Helmes und des dazugehörigen Schildes orderte. Beide Teile waren noch im selben Jahr fertiggestellt und wurden Karl V. wohl während seines ersten Besuches in der Hauptstadt der Lombardei vom 10 bis 14 Mai 1533 übergeben. Filippo fertigte noch zwei weiter Rüstungen for della Rovere an, eine Rüstung aus Ketten- und Plattenpanzerung, sowie die bekanntere "Ruhmesrüstung" (engl. "Fame-Armour"). Im Sommer 1538 begannen die Negrolis mit den Arbeiten an der sogenannten "Maskengarnitur" für Karl V. Die Rüstung war für die Negrolis eine wichtige und einträgliche Arbeit. Karl V. zahlte eine Summe von 6216 kaiserliche Lire, die er in mehreren Raten beglich. Die Signatur in der Rüstung lautet: "PHILLIPUS-JACOBI-ET-FRATR-NEGROLI FACIEBAND M D XXXIX, wobei das FRATR wohl für "Brüder" (Fratres) steht. Sie bezeugt das die Garnitur von Giacomos Söhnen Filippo, Gian Battista und Francesco gefertigt wurde. Die Inschrift IACOBI ist ein Patronym, sein voller Name lautete Giacomo Filippo. Es ist möglich und wird spekuliert anhand von Archivmaterial, das die Bestellung nicht von Karl selbst stammte sondern die Rüstung von Alfonso d’Avalos(* 25. Februar 1502 in Ischia † 31. März 1546 in Vigevano, Provinz Mailand) geordert wurde. Avalos war der Gouverneur von Mailand, 1.Marquese von Vasto und stammte aus einer reichen, noblen und einflußreichen Mailänder Familie. Zudem war er der Held der Schlacht von Pavia und dem Tunisfeldzug von 1535 und ein berühmter Offizier. Er war auch Träger des Orden vom Goldenen Vlies als einer der ersten Träger Italiens im Jahre 1531, zusammen mit Andrea Doria und Ferrante I. Gonzaga.

1540 bis 41 fertigten die Negrolis den berühmten "Medusenschild" [1]. Die Inschrift auf diesem Werk lautet:"PHILLIP-JACOBI-ET-F-NEGROLI-FACIEBANDM-D-XXXXI". Die Marke weist auf Filippo, Francesco und möglicherweise auch auf die Beteiligung von Giovan Battista hin. Ebenfalls weisst die Marke auf Francescos hohe Fähigkeiten hin, obwohl er zu dieser Zeit noch sehr jung war. Francesco begleitete anschließend Karl V. auf einem Kriegszug nach Algerien und wurde von Karl angeworben um am kaiserlichen Hof zu arbeiten.

Ein Rätsel ist der Burgonet von 1543, dessen Inschrift: "PHILIPP'-NEGROLI'-FECIT" lautet. Sehr ungewöhnlich, da Filippo hier die alleinige Herstellung in Anspruch nimmt und keiner der anderen Negrolis erwähnt ist. In der Folgezeit wird Francesco in Dokumenten nicht mehr erwähnt bis zum Frühling des Jahres 1545, als er all seinen Besitz an seine Brüder verkaufte und zurück an den kaiserlichen Hof ging. Nach dem Tod Giovan Giacomos, bei dem er all seinen Besitz gleichermaßen auf seine Söhne, sowie seine Tochter, die zur Zeit als Nonne im Konvent Santa Maria Maddalena presso Sant Eufemia lebte, sowie an seine Frau Veronica Azori übertrug, übernahm Filippo das Geschäft. Francesco verließ, wie schon erwähnt 1541 das Geschäft und Fillippo 1557. Damit begann der Zusammenhalt der Familie auseinanderzubrechen.

Philipp II. vin Spanien, der auf dem Bild von Tizian vermutlich die erwähnte Rüstung Negrolis trägt

Francesco blieb am kaiserlichen Hof von 1541 bis zum Ende 1542. Danach kehre er in die Werkstatt in Milan zurück und verkaufte am 30. April 1545 seine ganze Habe an seine Brüder.

Bereits nur eine Woche später stellten die restlichen drei Brüder einen Rüstungsmacher Namens Alessandro Nadi mit einem Vertrag der über zwei Jahre datiert war, ein. Die ihm zugesicherte Entlohnung betrug laut Vertrag 6 Lire für jeden gefertigte Rüstung mit Gorget und Tassetten, sowie zuätzlich ein Gehalt von 13 Scudi für den zweijahres Kontrakt. Es liegt nahe, das Nadi als Ersatz für Francesco eingestellt wurde um seine Position in der Werkstatt einzunehmen. 1547 wurde Tomaso Lamber aus Genua eingestellt und bekam einen Vertrag als Auszubildender für die Dauer von 5 Jahren. Im gleichen Jahr kehrte Francesco Negroli in die Werkstatt zurück und löste den Übereignungskontrakt seines Eigentums wieder auf und zahlte seinen Brüdern die gleiche Summe wieder zurück, die er von ihnen als Bezahlung erhalten hatte. Es handelte sich um die Summe von 4254 Lire. Leitender Meister blieb Filippo.

Aus noch erhaltenen Unterlagen kann vermutet werden das zwischen 1545 bis 1548 keine Erzeugnisse verkauft wurden. Eine Rechnung besagt das 1548 eine Rüstung verkauft wurde, für den Betrag von 140 Scudi, die von einem Giovanni Ambrogio Cazzoli überwiesen wurde. Die Rüstung wurde für einen "Monseigneur Chatilion Monseigneur de Firmeto Galiers" hergestellt. Am 10. September 1548 stellte Fiippo einen weiteren Auszubildenden, Geraolamo Bascapè, den Sohn des Meisters Battista Baskapè, für die Dauer von 4 Jahren ein. Das Einstellen des Lehrlings bezeugt das Francesco seine eigene Werkstatt Betrieb und zwar im geichen Haus in der Santa Maria Segrata, jedoch mit einem eigenen Eingang von der Porta Romana aus. Trotz der Trennung vom Familiengeschäft scheint Francescos Geschäft weiterhin floriert zu sein. Zahlungen sind nachgewiesen in denen er 1548 400 Scudi für zwei gravierte Rüstungen, vier Schwerter sowie einen Dolch für Karl V., 200 Scudi im Januar 1549 sowie eine letzte Zahlung für diesn Auftrag, verbunden mit einem Geschenk von 48,5 Scudi erhielt. Im November 1550 begannen Zahlungen an Francesco als "Rüstmeister des Kaisers" (eng. Armourer of the Emperor"). Als erstes erfolgt eine Zahlung von 400 Scudi (Gesamtbetrag 1400 Scudi) für Gold und das Labor das im Herstellungsprozess involviert war, weiterhin eine Zahlung von 372 Scudi im Juni 1551, 300 Scudi für Gold und Labor und den Rest von 72 Scudi für den mitbestellten Rossharnisch, sowie eine letzte Zahlung im Dezember 1535. Durch die Beschreiungen im Geschäftsbriefverkehr sind die hergestellten Rüstungen genau beschrieben. Aus der Darstellung, geschwärzt, mit Mengen and Goldtausia und Vergoldung kann geschlossen werden das die hergestellte Rüstungsgarnitur für Karl V.als Geschenk von seinem Sohn Prinz Philipp (spanisch Felipe II, * 21. Mai 1527 in Valladolid; † 13. September 1598 im Palast El Escorial bei Madrid) diente. Sie ist heute in der Armeria Real in Madrid ausgestellt. Zur gleichen Zeit arbeiteten die anderen Negrolis ebenfalls weiterhin für die hochrangigsten Mitglieder der internationalen Kundschaft.

1551 verließ Francesco wieder die Familie und alle Besitztümer wurden nocheinmal unter allen Brüder aufgeteilt. Hierbei wurde eine Liste mit gezahlten und offenen Rechnungen der aktuellen Kundschaft erstellt die einen guten Eindruck in die Finanzen der Negrolis zulässt. Die Liste enthält eine Aufzählung von 46 Namen, von denen nicht alle identifiziert werden konnten, die aber ihre Rechnungen den Negrolis bezahlt hatten. Eine zweite Liste enthielt die Namen der Kunden die nicht bezahlt hatten und diese war länger. Sie enthielt 96 Namen. Aus dieser Liste lässt sich klar schließen, das die Negrolis finanziell nicht auf dem besten Stand ware. Man muss allein die Kosten der Haushalte und den Bedarf der Werkstatt, Holzkohle in großen Mengen, Stahl, Edelmetalle und Löhne einbeziehen, ebenso wie Rechnungen für persöniche Bedürfnisse wie Kleidung, Schuhe etc. Allein eine Rechnung für Eisen betrug 300 Lire. Noch genauer spiegelt die Situation der Tod Francescos im Jahre 1600 wieder, denn bei der Auflösung seines Hausstandes wurde ein Vermerk aufgenommen der lautete:".....eine Scudi Scala mit ihren Gewichten, sowie ein Brett um Geld zu zählen". Ferner mehrere Rechnungsbücher mit einer großen Anzahl von notariellen Schriftstücken die Geschäfte und familiäre Angelegenheiten betreffend.

Giovanni Battista übernachm nun die Geschäfte und arbeitete weiter mit Filippo und Alessandro zusammen. 1552, im April und November stellten sie zwei Handwerksmeister,Bernardo Santagustino und Giovan Angelo Legnani mit einem Zweijahresvertrag ein. 1554 wurde Gian Battista vorgeworfen Ausrüstung an den Feind (Frankreich) geliefert zu haben was er auch zugab. Die Genehmigung dazu hatte er vom derzeitigen Gouverneur Mailands, Ferrante Gonzaga erhalten, der diese Genehmigungen mit steigenden Preisen an jeden der Bezahlte weitergab und die Preise laufend erhöhte. Bei Nachfragen ob sich auch andere Waffen- und Harnischmacher an diesen Aktionen beteiligten sagte er aus das unter anderem auch Francesco Negroli, Giovan Paolo Negroli sowie deren Brüder, Battista Biatti und Bastiano de Portis ebensolche Liefererlaubnisse besorgt und die Lieferungen auch ausgeführt hatten. Ab 1556 stiegen die Aufträge wohl wieder und damit auch das Einkommen, was durch Zahlungsanweisungen und die Geschäftsbücher auch nachweisen. Die neuen Aktivitäten waren nicht nur die ihre Kunden zufriedenzustellen sondern auch ihre Kenntnisse zum Umgehen von Verkaufs- und Exportverboten. Am 24. November stellten die Negrolis zwei Assistenten, Camillo de Cesa und Dionigi Calvi ein, die als Tageslöhner bezahlt wurden. Knapp ein Jahr später, am 19. November legte Filippo seine Mitarbeit in der Werkstatt endgültig nieder und erklärte das er sich nicht mehr in die Geschäfte seiner Brüder einmischen würde. Nach seiner Auszahlung durch seine Brüder verblieben noch mehrere fertiggestellte Rüstungen in der Werksatt, darunder eine Rüstung für das Gestech, bestellt von Alberico I. Cybo Malspina, Marchese di Massa, sowie verschiedene Schilde und Helme. Filippo arbeitete seit der Trennung nicht mehr als Rüstungsmacher, sondern beschäftigte sich mit der Herstellung von "Tremolante" oder "Tremola". Am ersten Dezember 1570 verfasste er sein drittes Testament, verkaufte sein gesamtes Hab und Gut aufgrund von schweren Erkrankungen und muss wohl auch erlindet sein. Er verstarb am 24. November 1579.

Ab 1576 führten Giovan Battista und Alessandro das Geschaft allein weiter. 1595 stellte Giovan Battista und Alesssandro Pietro Bergomo an um für sie laut Vertrag für 10 Monate zu arbeiten. Soresina arbeitete für 11 Soldi pro Tag als Tagelöhner bekam aber das Versprechen das die beiden ihn zum Rüstungsmacher Ausbilden wenn er seinen Meistertitel erhalten habe. Alessandro verstarb im Frühling 1573 nachdem er alles den Söhnen seines Bruders Giovan Battista, Giacomo Filippo (geb. um 1556) und Paolo Camillo (geb. um 1572) verebte. Am 23. Mai 1587 verkauften Giovan Battista und sein Sohn Giacomo Filippo das gesamte Inventar der Werkstatt in der Santa Maria Segreta an Francesco Negroli, dem Sohn von Gerolamo für 12000 Lire. Giovan Battista verstarb am 21. September 1592. Nun übernahmen Gerolamo, Giovan Pietro und Givan Giacomos Bruder Francesco die Werkstatt. 1547 erhielten sie einen wichtigen Auftrag über eine kleine Garnitur für Luigi de Leiva, Prinz von Ascoli, den Sohn Antonio de Leivas, der später Gouvaneur von Mailand wurde. Die Garnitur bestand aus kompletter Rüstung, zwei Helmen und einem Schild, sowie Bauteilen die es erlaubten die Rüstung zum Kampf zu Fuß und für den Kampf vom Pferd ermöglichten. Die vereinbarte Summe betrug 220 Goldscudi als Bezahlung und das Lieferdatum wurde auf November, vier Monate nach Auftragsannahme festgelegt.

Weitere Aufzeichnungen sind bis zum 19. Oktober 1570, dem Todestag Gerolamos nicht erhalten. Er hinterließ acht Werkstätten im Wert von 2000 Scudi, 50 unfertige, geätzte Brustpanzer von niedriger Qualität im Wert von 200 Scudi sowie weitere 15 Brustpanter besserer Qualität, ebenfalls unfertig und geätzt im Wert von 80 Scudi, sowie Haus- und Grundstücksbesitz im Wert von 1725 Scudi. Seine Brüder setzte er als Vormund und Pflegeväter für seinen Sohn ein. Gerolamos Bruder Antonio verstarb am 25. April 1574.

1541 übernahmen nun Giovan Paolo und Nicolos Söhne Giovan Paolo, Giovan Battsta und Giuseppe die Werkstatt und stellten zwei Meister ein, Agostino de Farinaris aus Brescia und seinen Assistenten Battista, sowie Giovan Antonio Crippa als Designer und Ätzer. Zu Beginn der 1540er stieß Giuseppe Negroli hinzu, der nun seine Ausbildung beendet hatte. Im Dezember 1541 stellten sie einen dritten Meister, Pietro del Campo ein, einen Spezialisten für Waffen und Rossharnische. In den Arbeitsverträgen sind die Namen aller fünf Negrolis vorhanden, obwohl Giovan Pietro und Domenico erst um die Vierzehn gewesen sein dürften, was wohl ein Zeichen für die Solidarität der Negrolis untereinander sein sollte.

Die einzelnen Negrolis bildeten sich jeder als Spezialist in einer bestimmten Arbeitsweise aus. Später wurde noch ein Meister für die Summe von 40 Scudi pro Jahr eingstellt, sowie 1547 ein Assistent, Pietro Paolo Canistani aus Neapel, der für Giovan Paolo und Giovan Pietro als Hilfe für die Dauer von drei Jahren arbeiten sollte. In einem Schreiben ist ein weiterer Mitarbeiter erwähnt, Marco Antonio Somiliano aus Como aber in Mailand lebend, der als Repräsentant und als Vertreter der Negrolis am Hof der Savoyer arbeitete. Mehrere Geschäftsabschlüsse von ihm sind nachgewiesen, unter anderem der Verkauf von 30 Brustpanzern an den Vertreter Andrea Dorias dem Admiral der kaiserlichen Flotte, sowie einem weiteren Brustpanzer für den Preis von 42 Scudi die dem Kapitän Antonio Duplisis gehörte. Jedoch gab es Streit über die Aufträge, da sie auf Kredit angenommen wurden was Somiliano laut Vertrag nicht erlaubt war. Somiliano zahlte die Verluste jedoch aus eigener Tasche zurück. Ende der 1540er hielt sich Domenico, zu dieser Zeit 21 Jahre alt in Antwerpen auf und arbeitete dort weiter. Nebenbei beschäftigte er sich mit dem Handel von Textilien. Giovan Pietro befand sich um 1535 in Rom als er etwa 20 Jahre alt war. Um diese Jahre herum gibt es nur noch wenige Dokumente, aber es ist bekannt das die Werkastatt in Mailand auch während der Jahre des Krieges zwischen Italien und Frankreich immer noch florierte. Unter anderem gab es einen Vertrag mit Francis de Lorraine, Herzog von Guise um 100 Brustpanzer und 100 weisse Morions, glatt gestaltet, geätzt und graviert, sowie Schilde und Burgonets. Der Handel in dieser Zeit erwies sich als schwierig, da sich der Krieg mit Frankreich auch auf den Handel auswirkte. Giovan Paolo erwies sich geschäftlich als ziemlich skrupellos, da er auf Anfrage einer Komission als seine Einnahmen und Lieferungen darzulegen, auch die auf französisch besetztes Gebiet. Die Aufstellung betraf die Zeit zwischen 1548 bis 1553 und verschwieg auch die Zahlungen an verschiedene Funktionäge nicht, um Exportgenehmigungen zu erhalten. Ingesamt handelte es sich um 42 Exportanfragen und um 30 bestätigte Bezahlungen für diese Lieferungen. Auch Bestechungsgelder, vom Gouverneur bis zum Kammerdiener sind erwähnt.

Domenico war in dieser Zeit zu einem reichen Kaufmann aufestiegen der mit Waffen, Seide, Silber und Gold handelte, Landkaüfe unternahm und Manager eines Handelsschiffes in Genua war, das für Geschäftsfahrten mit Flandern diente. Der Hauptverkaufsort der Negrolis lag nun in Paris. Giovan Paolo und Giovan Battista blieben in Mailand und betrieben die dortigen Werkstätten. Giovan Pietro blieb in Paris um dort die Waren der Negrolis, sowie anderer wichtiger, italienischer Produzenten zu Handeln. Giuseppe reiste zwischen beiden Orten hin und her.

Prinz Emanuel Philibert von Savoyen

1559 verstarb Giuseppe und es kam wieder zu einer Teilung des Geschäftes, nun in drei Teile. Die gleichmäßige Verteilung seines Erbes erwies sich als sehr schwierig, da Häuser und Grundbesitz, der Wert des Geschäftes und der Werkzeuge leicht zu bestimmen war, sah es anders mit den offenen Rechnungen und daher mit Beträgen die sie noch zu erhalten und auch zu Zahlen hatten. Alles wurde am Ende in drei gleiche Teile aufgeteilt, wobei sich heraustellte das ein Vermögen über 80.000 Scudi vorhanden war, aber jedoch auch 52.000 Scudi Schulden bestanden. Alle noch vorhandenen fertigen- und unfertigen Waffen, Pulverflschen. Rossharnische und ein goldenes, mit Diamanten besetztes Kreuz sowie einge Zukäufe wurden an Giovan Pietro übergeben um diese in Paris zu verkaufen. Ein Abkommen wurde geschlossen das alle Einnahmen wieder in den Betrieb investiert werden sollten, mit dem Ziel in neue Waffen zu investieren.

Der Handel in Frankreich erwies sich als extrem wichtig für die Geschäfte der Negrolis. Sie begannen mit der Produktion verhältnismäßig einfacher Rüstungen, bei denen der Profit jedoch höher war als bei nur in Extraqualität hergestellten. Natürlich nahmen sie auch noch Aufträge für in extrem hoher Qualität anzufertigender Rüstungen an. Allein nach Mailand wurden im Jahr 1561 drei Lieferungen von Rüstungen getätigt, die für Emanuele Filiberti, Herzog von Savoyen, genannt "Eisenschädel" übergeben wurden, wovon zwei, komplett mit Schilden, als Geschenk für den französischen Kaiser und den Herzog von Orlèans gedacht waren. Der Kurs der Produktion wurde erfolgreich trotz der Teils sehr hohen Investitionen beibehalten, was auch durch Handelsdokumente bestätigt wird. Als Beispiel dient der Verkauf von 35 Rüstungen mit Einlagen zum Stückpreis von 25 Scudi an Fabrizio Pignatelli aus Neapel. Weitere Lieferungen wurden mit Exportgenehmigungen nach Frankreich verschickt, da sie das Handelsembargo nicht betrafen, das nur für Kriegsmunition und Standartrüstungen galt, nicht jedoch für dekorierte Rüstungen. Diese Lieferung waren 71 komplette Infantrierüstungen, zum Teil dekoriert und zum Teil Blank poliert, gefüttert mit Samt und gravierten Nieten, 140 dekorierte Morions, sowie 160 komplette Arkebusen. Andere Lieferungen betrugen einige 100 Waren unbekannter Art, sowie eine Schiffsladung für Lyon, die Mengen an dekorierten Waffen und Rüstungen enthielt.

Die letzten Jahre und die letzte GesellschaftBearbeiten

Aus Dokumenten ist nachweisbar das die Negrolis ihr eigentliches Handwerk verließen und nun mit Gold, Silber, Seide und auch Waffen wobei sie ihre Aktivitäten in Frankreich erweiterten. Pietro ging zurück nach Mailand wo er und die anderen Brüder 1566 in eine Firma zur Herstellung von gesponnenem Gold eine Summe von 20.000 Lire investierten und für sie selbst drei Viertel des Gewinnes entnahmen. Zusammen gründeten sie nun ein Gewerbe für Waffen und gesponnenes Gold. Diese Firma wurde bereits ein Jahr später aufgelöst. Es sieht jedoch so aus als wenn der Betrieb bis 1573 weitergelaufen ist. Warum die Firma aufgelöst wurde ist nicht bekannt, jedoch kann eine Fehlinvestition nicht der Grund gewesen sein, da in 15 Monaten die Gesamtinvestition von 91.600 Lire verdoppelt wurde.

In den folgenden Jahren, durch die Geschäfte nun wirklich reich geworden, machten sie Pläne zur Errichtung einer Kapelle zum Familiengedenken. Die Kirche die sie auswählten war die Basilica von Sankt Eustorgio, da dort mehrere negrolis begraben wurden und wohl noch einige folgen würden. Dort schlossen sie mit den Priestern einen Kontrakt, wonach sie alle Reparaturen der Schränke in der Sakristei übernahmen, wo auch noch ein geweihter Altar gebaut wurde und die Sakristei in "Negroli Kapelle" umbenannt würde. Um dies auch allen anderen darzustellen wurde das Wappen der Familie in den Spiegeln und an den Schränken angebracht. Der Meisterschreiner Giovan Paolo Gazzo wurde mit der Arbeit betraut die Schränke innerhalb eines Jahres zu bauen. Als Bezahlung wurden 280 Scudi vereinbart. Da ihr Seelenheil nun gesichert waren kümmerten sie sich darum alle weltlichen Proleme vor dem Tod zu Bereinigen. Alle schlossen ihre Testamente ab. Giovan Paolos Testament ist verloren, aber aus anderen Quellen konnnte festgestellt werden, das er als Universalerben seine Söhne Niccolo und Ludovico einsetzte. Seine Frau Cornelia Moresini bekam eine Summe von 100 Scudi jährlich und wurde zur Obhut ihrer gemeinsamen Söhne bestellt. Giovan Pietros Testament vom 28. März 1589 enthielt mehrere Spenden an wohltätige Gesellschaften, die Kirche, Verwandte und seine Nichten. Eine Summe von 45.000 Scudi hinterließ er den beiden Söhnen Giovan Paolo's. Als sein Haupterbe wurde sein Sohn Cesare eingesetzt, mit der Auflage das er mit seinen beiden Söhnen nach Mailand zurückkehren musste und Paris den Rücken zu kehren, und das innerhalb der Frist von zwei Jahren. Sollte Cesare ohne Erben sterben so ging das Vermögen an Nicolo und Ludovico über. Außerdem gab es einen Abschnitt betreffend Giovan Battista, den fünften Bruder der schon seit Jahren eigenen Geschäften nachging und mit ihnen keinen geschäftlichen Kontakt mehr hatte.

Giovan Pietro und Giovan Paolo starben mit nur einem Tag Unterschied am 12. und 13. Mai 1569. Die letzten nun überlebenden, Domenico und Cesare gründeten eine Firma zum Handel mit Textilien, Waffen und Wandteppichen mit Sitz in Lyon und Antwerpen. Das vorhandene Kapital, zu dieser Zeit 150.000 Lire wurde in zwei gleiche Teile aufgeteilt. Die Firma lief jedoch nicht lange, da Domenico im Juni 1571 verstarb. Wie im Testament seines Vaters festgesetzt musste Cesare nun nach Mailand umziehen. Aus diesem Grund wurde wieder eine Bestandsliste aufgenommen. Diesmal enthielt sie: Waffen und Rüstungen die in Paris auf Lager waren: 2300 Stück inklusive kompletter Rstungen, Morions, Pulverflaschen, Musketen, Schwerter, Sallets, Sättel und [Brigantine]]n im Wert von 52.173,50 Lire, andere Handelswaren und Stoffe im Wert von über 80.000 Lire, Wandteppiche im Mailand gelagert etwa 3600 Lire und Waffen verschiedener Art in Antwerpen im Preis von 3100 Lire. Die Summe für das Inventar betrug ungefähr 114.000 Lire. Alle Schulden abgerechnet müsste wohl jedem der beiden ein Profit von ca. 24.000 Lire zugestanden haben. An Profit aus den Investitionen müsste eine Summe von etwa 75.000 Lire eingeflossen sein, was anhand des Zinses von 15 %jährlich auzurechnen ist.

Cesare gab den Beruf auf, wechselte zum lukrativeren Bankwesen über und wurde in den folgenden Jahren zum bedeutensten Handelsbanker in Mailand. Bei seinem Tode 1590 hatte allein das Inventar seines Hauses einen Wert von 2 Millionen Lire, was ein 15tel des Jahreshandels von Mailand war[2].

Vorbilder und Darstellungen auf den Werken der NegrolisBearbeiten

Die Dekorationen der Negrolis waren von Darstellungen in der Antike inspiriert, die er als Vorbild nahm und wurden als Rüstungen und Rüstungsteile "all' antica" (nach Art der Antike, im Stil der Antike), "all' romana" (nach Art der Römer, im Stil der Römer) und "all' eroica" (nach Art der Helden, im Stil der Helden) beschrieben und bezeichnet. Die Bezeichnungen wurden im 16. Jahrhundert oft verwendet und leiteten sich von Beschreibungen und Funden aus der Antike ab. "all' antica" meint eine Rüstung die suggeriert von der Antike übernommen zu sein. Beispiel das Burgonet im Metropolitan Museum, New York ([]). "all' romana" Bezeichnet eine Rüstung oder Rüstungsteil das getreu nach römischen Vorlagen wie zum Beispiel dem Muskelpanzer der Römer nachgearbeitet ist. "All' eroica" bezeichnet Rüstungen die in der fantastischen, archäologisch nicht bewiesener Art der in den historischen Epen und Legenden beschriebenen fantastischen Rüstungen der antiken Helden gearbeitet sind. Ein Beispiel für die Art "all' eroica" ist die als "Fame-Armor" (Rühmesrüstung) bezeichnete Rüstung die von Negroli gearbeitet wurde.

Vor allem die Rüstungen "all'antica" sind von den damaligen Vorstellungen der römischen Historie geprägt. Auffallend sind die immer vorhandenen Arm- und Beinschienen, der vorn überlappende Brustpanzer sowie die Gestaltung des Rückenpanzers über dem Gesäß. Panzer dieser Art aus dem 14. Jahrhundert sind keine erhalten geblieben, jedoch in ihrer Gestaltung zu sehen auf Grabmälern italienischer Fürsten und Heiliger wie dem des florentinischen Ritters Lorenzo di Niccolò Acciaiuoli, zu sehen an der Familienkrypta auf dem Friedhof von Certosa di Vel d`Ema sowie der Staue des Heligen Georg die von Donatello geschaffen, und von der Rüstungsmachergilde bestellt wurde. Ausgestellt wurde die Figur in der Kirche von Orsanmichele in Florenz. Ebenso dienten Arbeiten der italienischen Künstler wie Leonardo Da'Vinci, Jacopo Bellini, Michelangelo, Nicollò della Casa, Andrea del Verrocchio und Carlo Crivelli als Inspiration für Negrolis Arbeiten. Negroli und auch andere Rüstungsmacher versuchten nun diese Pseudo-historischen Rüstungen in ihren Arbeiten umzusetzen.

Da zu dieser Zeit (um 1500)die Rüstungen zumeist aus kompletter Plattenpanzerungen bestanden erwies sich die Umsetzung als schwierig, zumal wenn es sich um Rüstungen handelte die kampftauglich sein musssten. Um nun gute Ergebnisse zu erreichen mussten neue hersellungsverfahren gefunden werden. Die Harnischmacher, Dekorateure, Treiber, Punzierer uns andere schufen ihre Werke in dem sie das Metall der Plattenpanzer bis auf Spiegelqualität polierten, andere Plattenteile so wie sie aus der Schmiede kamen schwarz ließen, durch Wärmebehandlung bläuten, bräunten und andere Farbnuancen erschufen. Einlagen aus Amber, Elfenbein wurden in Einlegearbeiten angebracht, die Plattenteile graviert und gepunzt. Dekorteile aus Gussmetall wie Kupfer- und Messinglegierungen wurden angefertigt und auf den Rüstungsteilen angebracht. Gleichzeitig wurden alle Maßnahmen ergriffen um den Stahl vor Rost zu schützen.

Farbliche Abhebungen wurden erreicht indem buntgefärbte Stoffe wie Seide, Brokat und Wolle verwendet wurden, die an gewünschten Stellen aus dem Panzer austrat und so eine farbliche Auffrischung und Hervorhebung erzeugte. Verschiedene Arten von Leder, die sich farblich unterschieden wurden zur Polsterung verwendet. Ätzgemälde wurden etwa im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts angebracht indem das Metall mit speziellen Farben, Lacken (Abdecklack, Abdeckfarben oder Wachsen (Bienenwachs) abgedeckt wurden und anschließend die entworfenen Dekorationsentwürfe in die Abdeckungen kratzte und diese Bereiche mit einer Säure bearbeitet wurde, die leicht in das Metall eindrang und die Bilddarstellungen in das Metall übertrug. Als letzter Schritt der Ätztechnik wurden die entwürfe direkt auf das Metall aufgemalt und nur der Hintergrund mit Säure entfernt. Diese Ätzprozesse liefen wesentlich schneller ab als das zeitaufwändige gravieren und treiben.

Trotzdem sind die Meisterarbeiten der Negrolis hauptsächlich in Treibarbeit ausgeführt. Oft wurden für derartige Prunkrüstungen, Helme und Schilde nur Eisen oder auch Kupfer verwendet, da das Material leichter zu bearbeiten war als Stahl und die Helme keine wiederstandsfähige Rüstung bilden mussten, da sie nie zum Kampf, sondern ausschließlich für Dekorations- und Paradezwecke gedacht waren. Negrolis arbeiten wiederlegten die Meinung das solche Darstellungen nicht in Stahl möglich wären, da das Material zu Hart für eine genaue Darstellung wäre. Seine Arbeiten wirken trotz der Härte und des Gewichtes eines Rüstungsteiles äußerst leicht und plastisch. Durch seine Fähigkeiten war es sogar möglch die härtesten, kampffähigen Rüstungen mit einem beeindruckenden Dekor zu versehen, was in Untersuchungen an Rüstungen die Negrolis Arbeiten tragen in der Wiener Hofrüstkammer des Kunsthistorischen Museums und dem Metropolitan Museum in New York nachgewiesen werden konnte[3].

WerkBearbeiten

Brustpanzer von Giovanni Paolo Negroli

Viele der Werke der Negrolis sind erhalten, darunter auch diejenigen, die in Zusammenarbeit mit seinem Cousin und seinen Brüdern erfolgte. Bei vielen Werken ist die Zuordnung schwierig, welcher der Negrolis die Rüstungen fertigte und bei manchen ist nicht klar ob die Negrolis oder andere Rüstungsmacher diese fertigte. In der Literatur wurde oft mit unterschiedlichen Meinungen dargestellt wer bestimmte Arbeiten ausführte und warum nicht und warum andere Dekorateure diese wohl anfertigten. Manche Zuordnungen sind sicher, andere werden unterschiedlich zugeschrieben. Die Zuordnung ist bis heute nicht gesichert und wird immer noch diskutiert. Verschiedene Meinungen um die Zuornung zu den einzelnen Künstlern der Familie Negroli vertraten unter anderem Thomas and Gamber (1958), Jacopo Gelli und Gaetano Moretti (1903 und 1914), Wendelin Boeheim in "Works of the Milanese Armourers in the European Collections" (1889), Èduard de Beaumont (1869), Angelo Angelucci (1886, drei verschiedene Bücher,1890), Juan Bautista Crooke y Navarrot, Conde de Valencia de Don Juan in "Rela'cion de Valladolid" (1989-90), Sir Francis Guy Leaking in "Record of European Armour and Arms Trough Seven Centuries" (Vol.5, 1920-22), Charles Beard (1938), James G.Mann (1938), Bashford Dean (1916), Bruno Thomas und Ortwin Gamber (1958), Boccia und Coelho (1967), Mario Scalini (1987), Lionello Boccia (1993).

Bekannte Werke der Negrolis sind unter anderem:

  • Einer der Helme (Sallets) für Karl V. [1]
  • Harnisch der sogenannten "Maskengarnitur" [2]
  • Die Rüstung für den Dauphin Henry von Frankreich (auch "Dolphins Armor" Aufgrund der Dekoration mit Delphinen) im Museè del Armeè/Paris [3]
  • Der Löwenhelm und das Medusaschild in Wien Löwenhelm,Medusenschild, Medusenschld Nahaufnahme
  • Die Garnitur Charles V. [4]
  • Die sogennannte "Römanische Rüstung" des Erzherzog Ferdinand II. von Tirol Pferd, Helm, Stiefel, Schulterpanzer, Rossstirn, Rossharnisch und Rüstung
  • Die sogenannte "Deutsche Rüstung" des Erzherzog Ferdinand von Tirol [5]
  • The Bourgonet in Washington, der sogenannte "Delphinhelm" [6]
  • The Bourgonet in the Wallace Collection [7], [8]
  • Die Rüstung Heinrich II. von Frankreich [9], [10]
  • Die "Löwenrüstung" von Giovanni Paolo Negroli im Museè del Armeè in Paris [11]
  • Rüstung des Francesco Maria della Rovere, Herzog von Urbino in Wien [12]
  • Helm Philipp des Schönen, Mailand 1496-1500 [13].
  • Greifenhelm (Sallet) im Mesee de Armee/Paris [14]
  • Sogenannter "Bärtiger Helm".Paradehelm Kaiser V. Armeria Real de Madrid, 1533 [15]
  • Prunkelm des Giubaldo della Rovere, Herzog von Urbino [16]
  • Helm All'antica von Filippo Negroli, Eigentum der Familie Della Rovere im Metropolitan Museum/New York [17]
  • Burgonet, Meisterarbeit von Filippo Negroli, im Metropolitan Museum/New York [18]
  • Brustplatte von Giovanni Paolo Negroli im Metropolitan Museum/New York [19]
  • Geschlossener Visierhelm von Giovanni Paolo Negroli im Metropolitan Museum/New York [20]
  • Brustpanzer, Meisterstück von Filippo Negroli [21]
  • Der sogenannte "Morosoni-Helm [22],[23], [24]
  • Medusenschild Karl V. in der Armeria Real de Madrid [25]
  • Brustpanzer im Metropolitan Museum von Giovanni Paolo Negroli (siehe Bild rechts)
  • Der Löwenhelm im Fitzwilliam-Museum [26]
  • Die "Armatura alla francese" [27]
  • Die sogenannte "Maskenrüstung" Karl V., entstanden 1539, Entwurf von Filippo und Gravuren von Francesco Negroli, Aufbewahrt in der Armeria Real de Madrid [28]

Genealogie der Negrolis, die als Rüstungsmacher ArbeitetenBearbeiten

  • 1.)Giacomo Negroli (verstorben vor Januar 1504)
    2.)Giacomo († vor Januar 1504)
    3.)Pietro Antonio (* etwa 1476 †27. November 1506)
    4.)2 Töchter (Antonia, Ludovica)
    3.)Giovan Ambrogio († zwischen 9. und 27. July 1521)
    4.)4 Töchter (Cecilia, Costanza,Lucrezia,Barbara)
    2.)Filippo († vor Januar 1504)
    3.)Francesco (noch lebend November 1515, † vor Februar 1519)
    4.)Gerolamo (*etwa 1512 †19. Oktober 1570)
    5.)Francesco (*etwa 1560 †nach Oktober 1599)
    4.)Giovan Pietro (*etwa 1514 †nach 1578)
    4.)Giovan Antonio (* etwa 1517 †21. April 1573)
    3.)Bernardo (noch lebend 1526,† vor Februar 1530)
    4.)(keine Nachkommen)
    3.)Gian Giacomo (*etwa 1463 †05. Dezember 1543)
    4.)Filippo (*etwa 1510 †24. November 1579)
    5.) (Keine Nachkommen)
    4.)Giovan Battista (*etwa 1511 †21. September 1591)
    5.)Giacomo Filippo (*etwa 1566 †vor 06. August 1624)
    5.)Paolo Camillo (*etwa 1572 noch lebend 06. August 1624)
    4.)Francesco (*etwa 1522 †06. July 1600)
    5.)Gian Giacomo (†12. August 1587)
    4.)Alessandro (*etwa 1528 †28. Mai 1573)
    5.)(Keine Nachkommen)
    2.)Gerolamo (* etwa 1457 †4. October 1507)
    3.)(keine bekannten Nachkommen)
    2.)Domenico (†zwischen 17. Januar und 01. März 1526)
    3.)Nicolò (†zwischen 10. August und 01. September 1531)
    4.)Giovan Paolo (*etwa 1513 †13. Mai 1569)
    5.)Nicolò (unbedeutend, noch lebend November 1599)
    5.)Ludovico (unbedeutend, † vor September 1615)
    6.)Giovan Paolo (*etwa 1597)
    6.)Giuseppe (*etwa 1601)
    4.)Giovan Pietro (*etwa 1515 †12. Mai 1569)
    5.)Cesare (*etwa 1545 †kurz vor Februar 1590)
    4.)Giovan Battista (*etwa 1517 noch lebend 1579 †vor Oktober 1582)
    4.)Giuseppe (*etwa 1524-26 †1559)
    4.)Domenico (*etwa 1527 †11. Juni 1571)
    5.)Giovan Francesco (getauft 12. April 1570 † nach 1600)
    6.)Domenico (getauft 15. Januar 1588)
    5.)Pietro Francesco (notarisch eingetragen 1590-1626)
    3.)Andrea († zwischen 14. Februar und 29. November 1551)
    4.) (keine Nachkommen)
    3.)Luigi (* etwa 1486 † 11. April 1551)
    4.)Giovan Francesco (noch lebend July 1552)
    4.)Giovan Ambrogio (noch lebend Oktober 1573)
    4.)Alessandro (noch lebend 1586, evtl. 1591)

Verwendete MeistermarkenBearbeiten

  • Zwei gekreuzte Schlüssel mit den Schlüsselbärten nach unten gerichtet.
  • Zwei gekreuzte Schüssel mit den Bärten nach unten gerichtet und einer Krone über den Schlüsseln
  • Zwei Schlüssel mit der Krone und den Buchstaben D (rechts neben den Schlüsseln) und N (links neben den Schlüsseln, auf dem Kopf stehend)
  • zwei gekreuzte Schlüssel, der Buchstabe F rechts davon

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Medusenschild auf der Website des Kunsthistorischen Museum,Wien,(deutsch., eingesehen am 14. September 2013
  2. Stuart W. Pyhrr, Heroic Armor of the Italian Renaissance: Filippo Negroli and his contemporaries, Illustriert von Filippo Negroli, Verlag Metropolitan Museum of Art, 1998,gesamte Schrift, ISBN 978-0-87099-872-0
  3. Allan R. Williams, The Steel of Negroli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität von Reading, technische Abteilung, Seite 1, (engl., Online voll einsehbar)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

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