Das Atelier Lahr

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michael Götz Kluth 2017 Photo: Pangerl
Armin Pangerl 2017 Photo. Gabi Wagner

Das Atelier Lahr wurde 2004[1] vom Sozialpsychiatrischen Dienst Lahr und Armin A. Pangerl sowie Michael Götz-Kluth ins Leben gerufen.[2] Es bietet den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, ihre individuellen schöpferischen Potenziale zur Entfaltung kommen zu lassen. Im Gegensatz zu kunsttherapeutischen Angeboten handelt es sich hier um ein offenes, freies Atelier, in dem sich die KünstlerInnen selbst organisieren. Es wird gemalt, gezeichnet, gesprüht, getöpfert, mit Holz und anderen Materialien gearbeitet. Es ist auch möglich, nur zum Plaudern und Kaffee trinken zu kommen. Künstlerisches Schaffen steht gleichwertig neben der Pflege von Kontakten und Beziehungen. Die im Atelier entstandenen Kunstwerke werden immer wieder in Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert, sie können auch gekauft oder gemietet werden. Organisatorisch und finanziell wird das Kunstprojekt von der Psychologischen Beratungsstelle/ Sozialpsychiatrischer Dienst Lahr sowie der „Brücke – Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not Lahr e.V.“ unterstützt.

Geschichte und Konzept[Bearbeiten]

Auf Initiative des Sozialpsychiatrischen Dienstes Lahr und Armin A. Pangerl wurde Anfang 2004 „das Atelier – Selbsthilfeprojekt von Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung“ ins Leben gerufen. Die Erfahrung der professionell psychiatrisch Tätigen zeigt, dass Menschen mit psychischen Handicaps oft künstlerische Medien nutzen, um ihren eigenen Lebenswelten Ausdruck zu verleihen. Nicht ohne Grund wird deshalb kreatives Schaffen als Therapie genutzt, um mit den Betroffenen an ihren Lebensgeschichten zu arbeiten. Mit dem geplanten Projekt wird jedoch nicht ein dezidiert therapeutisches Konzept verfolgt, vielmehr sollten über das Angebot eines offenen Ateliers die Selbstorganisations- und Selbsthilfepotentiale der NutzerInnen gefördert werden. Die TeilnehmerInnen übernahmen von Beginn an selbst die Verantwortung für das Projekt. Dieses bietet Möglichkeiten und Räume für freies künstlerisches Arbeiten sowie die Möglichkeit, die Kunstwerke zu präsentieren und zu vermarkten. Schöpferische Tätigkeit steht gleichwertig neben dem Aufbau und der Entwicklung von tragfähigen Kontakten, Beziehungen und Netzwerken. Durch das kreative Arbeiten und den Austausch mit anderen können neue Erfahrungen gemacht und verlorenes (Selbst-) Vertrauen wieder erlangt werden. Insofern hat dieses Projekt, ohne als Therapie definiert zu sein, dennoch therapeutische Wirkungen.

Die ersten Jahre über begleiteten zwei frei schaffende Künstler das Atelier mit ihren Erfahrungen. Sie organisierten Material, waren da als Ansprechpartner für künstlerische und technische Fragen und konnten wertvolle Unterstützung für das Präsentieren der Werke geben. Inzwischen arbeitet das Atelier ohne diese Begleitung.

Außerdem übernimmt „die Brücke“ die Kosten für das Ateliermaterial sowie die Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Ausstellungen). Eine weitere Unterstützung erfährt das Atelier durch die kostenfreie Überlassung von Kellerräumen der Psychologischen Beratungsstelle. Schließlich fungiert ein Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes als Ansprechpartner, Supervisor und Coach für das Projekt.

Gestartet ist das Atelier im Februar 2004 mit einem halben Dutzend Interessierten, im Laufe der Jahre hat sich die Teilnehmerzahl auf über 20 Menschen vergrößert, von denen rund zehn regelmäßig anwesend sind. Die Teilnahme ist für alle kostenlos. Finanziert wird das Projekt von der „Brücke“, von Spenden, Einnahmen durch öffentliche Veranstaltungen sowie von Vermietung von Kunstwerken.

Von Beginn an war es den TeilnehmerInnen wichtig, das Projekt und die Kunstwerke der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wurde schon im ersten Jahr eine Ausstellung in den Räumen der Psychologischen Beratungsstelle organisiert. Mit den Jahren erweiterte sich der Radius der Ausstellungsorte über Lahr, die Region, das Land bis ins europäische Ausland (s. Auflistung der Ausstellungen).

Auch die Vernetzung mit anderen Outsider Art-Projekten wurde kontinuierlich weiter entwickelt. Es wurden Kontakte geknüpft zum Museum der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg und zu ähnlichen Projekten in Freiburg, Zürich und Florenz.

Seit Februar 2018 ist das Projekt eine Kooperation mit der VHS Lahr eingegangen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Das Atelier Lahr Photo: Pangerl
2004
Psychologische Beratungsstelle Lahr
2005
Zentrum für Psychiatrie Emmendingen
Volkshochschule Lahr
Nominierung des Projekts für den Preis der Bodenseekonferenz
Info-Stand auf der Art Karlsruhe
2007
Teilnahme am Outsider Art Markt im Museum der Sammlung Prinzhorn Heidelberg
2008
Gemeinschaftsausstellung „Outsider Art Inside“ im Kulturzentrum „Glashaus“, Freiburg, zusammen mit der Kunstgruppe der Freiburger Hilfsgemeinschaft und der Bildhauerei des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen
2011
Wanderausstellung „Grenzgänger“, zusammen mit den Ateliers „La Tinaia“, Florenz, „Vom Wolf in der Säule“, Zürich und der Kunstgruppe der Freiburger Hilfsgemeinschaft im Kulturzentrum „E-Werk“ Freiburg, im Kulturzentrum „Schlachthof“ Lahr[3][4][5]
2012
im Kulturzentrum „Le Murate“ Florenz und im Museum Bärengasse Zürich
2013
Begegnungshaus Lahr
2014
Landratsamt Ortenaukreis Offenburg
2015
"Fensterblicke" Installation Stühlinger Kirchplatz, Freiburg
2016
Bahnhöfle/ Seelbach
2017
Herzklinik Lahr/Mediclin

Weblinks[Bearbeiten]

Youtube.svg Aktion Mensch: 5 Sterne-Gewinner vom 13. Januar 2013 : "Das Atelier" in Lahr
  • Muriel Resnik: Atelier Lahr im Fokus. In: Singulart-Blog. 6. November 2017, abgerufen am 17. November 2017.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hannah Fedricks Zelaya: Drei Seiten sprechen eine gemeinsame Sprache. In: Badische Zeitung. 4. August 2017, abgerufen am 16. November 2017.
  2. Beate Zehnle-Lehmann: Kunst, die doppelt etwas gibt. In: Badische Zeitung. 6. April 2016, abgerufen am 1. Februar 2017.
  3. Lahrer Bilder sind in Florenz zu sehen: "Grenzgänger"-Ausstellung. In: Badische Zeitung. 12. Mai 2012, abgerufen am 16. November 2017.
  4. "Nachahmung anregen und Vernetzungen bieten": Drei Fragen an Ulrike Thomann, Kuratorin von "Grenzgänger". In: Badische Zeitung. 23. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2017.
  5. Boris Marberg: Grenzgänger – Ausstellungsprojekt. In: modaCYCLE. 13. Juli 2011, abgerufen am 26. Dezember 2017.
Info Sign.svg Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.