C & A (Hannover)

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
Modehaus C & A, Rückseite mit grauer Beton-Verschalung

C & A oder auch Brenninkmeyer C & A Mode[1] oder auch Brenninkmeier in Hannover[2] ist ein Modehaus des niederländischen Bekleidungsunternehmen C&A.[1] Standort des Gebäudes ist die Georgstraße 21[3] im hannoverschen Stadtteil Mitte.[4] Das in der Mitte der 1920er-Jahre eröffnete Mode-Kaufhaus „[...] bot ‚nahezu konkurrenzlos‘ als eines der ersten Häuser am Ort Kleidung für die ganze Familie“.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

In Hannover hatten sich erst Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts die frühesten Nachfolger der frühneuzeitlichen Kaufmannshäuser entwickelt: Die ältesten heute noch erhalten Gebäude dieser frühen Stufe in der Entwicklung des Bautyps „Geschäftshaus“ stellen das erst 1890 errichtete Haus Eichhorn sowie das in den Jahren 1913 bis 1914 erbaute Haus Zieseniss in der auf die Georgstraße zulaufenden Steintorstraße dar.[5]

Das 1903 eröffnete Herren- und Knaben-Bekleidungshaus Ernst Zeyn; als C & A-Filiale im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört;
punktgerasterte Fotografie, Ausschnitt aus einer Werbung aus dem Jahr 1922
Blick auf die belebte Georgstraße, ganz rechts warb das mit plastischem Jugendstil-Schmuck verzierte Haus Ernst Zeyn unter anderem mit „Tropenkleidung“ für die besonders gut betuchten Herren;
1911 als „Soldatenkarte“ versandte Ansichtskarte
Kaufhaus, Vorderseite (2016)
Logo E Z des Hauses Ernst Zeyn

Demgegenüber setzte das noch in der späten Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs 1903 eröffnete anfangs noch Herren- und Knaben-Bekleidungshaus Ernst Zeyn genannte Gebäude[6] an der Georgstraße gänzlich neue Maßstäbe in der zuvor noch vielfach durch kleinere Bauten im Rundbogenstil geprägten[7] Hauptstraße der Innenstadt Hannovers:[8] Der Neubau in Stahlskelettbauweise war mit mehrgeschossigen vollverglasten Fensterfronten an zwei von Anklängen des Jugendstils geprägten Fassaden und halbplastischem Figurenschmuck[9] versehen,[7] Jahre bevor mit der gegenüberliegenden hannoverschen Karstadt-Filiale 1906 ein erstes Kaufhaus mit Vollsortiment eröffnet wurde.[10]

Das Gebäude von Ernst Zeyn nahm zugleich die Stelle von zwei älteren bemerkenswerten Bauten ein, die zuvor noch im Königreich Hannover errichtet worden waren: Zum einen das 1859 von dem Geheimen Regierungsbaurat Hermann Hunaeus als Backsteinbau im Stil der Neoromanik errichtete Haus Cohen, zugleich Ateliergebäude des Architekten Edwin Oppler unter der ehemaligen Adresse Georgstraße 35, zum anderen das auf der stumpfen Ecke zur Schillerstraße 1856 von dem Stadtbaurat Ludwig Droste ebenfalls in neoromanischen Formen errichtete Haus Sternheim in weißem Sandstein unter der - zeitweiligen - Adresse Schillerstraße 35.[11]

Während des Ersten Weltkrieges und der damit einhergehenden Deutschen Hyperinflation konnten in Not geratene Menschen beim Ortsausschuss der Arbeiterwohlfahrt Gutscheine erhalten, für die sie dann Kleidungsstücke bei Zeyn erhielten.[12]

Innenaufnahme vom Eingang auf die Freitreppe in den Ersten Stock
Blick vom Ersten Stock in das Atrium unter Glasdach

Zur Zeit der Weimarer Republik warb das Unternehmen noch in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre als „Größtes Haus für erstklassige Herren- und Knabenbekleidung in Stadt und Provinz Hannover“,[13] doch schon im Folgejahr 1925 eröffnete an seiner statt und an seinem noch heute bestehenden Standort die siebte Filiale von Brenninkmeyer C & A Mode, deren Buchstaben C und A die Vornamen der beiden Firmengründer Clemens und August Brenninkmeyer signalisierten.[1]

Als eines der ersten Häuser in Hannover bot das Modehaus „nahezu konkurrenzlos“ Kleidung für die ganze Familie unter dem Wahlspruch „Viel Mode für wenig Geld“.[1]

Im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialsten wurde der gelernte Diplomkaufmann Wilhelm Naegel 1933 Hauptgeschäftsführer der hannoverschen C & A-Niederlassung.[14]

Ebenfalls zur Zeit des Nationalsozialismus war laut dem Adressbuch der Stadt Hannover von 1942 das Grundstück zwischen der Schillerstraße und der Kanalstraße, auf dem C & C Brennikmeyer unter der damaligen Hausnummer 45 seine Konfektion anbot, im Eigentum der „Cab“-Grundstücksgesellschaft GmbH.[15]

Während der Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zum größten Teil zerstört.[1] Dennoch reisten in den Jahren der Not zwischen 1945 und 1947 Menschen von weit her an - beispielsweise aus Peine[2] oder der seinerzeit in der Sowjetischen Besatzungszone liegenden Stadt Chemnitz und lange vor dem Bau der Berliner Mauer - um in dem nun in der Britischen Besatzungszone liegenden hannoverschen C & A-Kaufhaus zum Beispiel ein Betttuch abzugeben, das dann durch C & A umgefärbt wurde und innerhalb von vierzehn Tagen zu einem Staubmantel umgearbeitet wurde.[16] Zu der Zeit war Wilhelm Naegel, 1945 Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union in Hannover, später unter anderem Präsident des Einzelhandelsverbandes Niedersachsen und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Hannover, noch immer Geschäftsführer von C & A Brenninkmeyer in Hannover.[14]

Nach dem Neuaufbau wurde das Bauwerk in den 1970er- und 1980er-Jahren vollkommen umgebaut und aufgestockt.[1]

Zuletzt war Bernhard Grotehans (Stand: Juli 2016) zum Geschäftsführer des Hauses bestellt worden.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: C & A Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Waldemar R. Röhrbein: Brenninkmeyer C & A Mode, in: Stadtlexikon Hannover, S. 83, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. 2,0 2,1 Gerolf Haubenreißer: Mühlenstraße 12 oder meine „wilden fünfziger Jahre“ in Peine, Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2008, ISBN 978-3-8334-7662-4, S. 62; online über Google-Bücher
  3. Filialsuche / 483 C&A Filiale(n) gefunden auf der Seite c-and-a.com, zuletzt abgerufen am 29. Juli 2016
  4. Helmut Zimmermann: Georgstraße, in ders.: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 90
  5. Gerd Weiß: Geschäfts- und Kaufhäuser, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Band 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1985, ISBN 3-528-06208-8, S. 60f., 179f.; sowie Mitte im Addendum Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege) / Stand: 1. Juli 1985 / Stadt Hannover. S. 3ff.
  6. Vergleiche beispielsweise diese Annonce von Ernst Zeyn aus der Zeit der frühen 1920er-Jahre
  7. 7,0 7,1 Vergleiche etwa diese Ansichtskarte von Karl F. Wunder mit einer Abbildung der umgebenden Gebäude aus der Zeit um 1898]]
  8. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Georgstraße, in: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon (HKuKL), Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 120f.
  9. Vergleiche beispielsweise den Abdruck einer Fotografie vom Anfang der 1920er-Jahre
  10. Waldemar R. Röhrbein: Karstadt – Rudolf K. AG, in: Stadtlexikon Hannover, S. 338
  11. Vergleiche den beigelegten hannoverschen Stadtplan und den Text in Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover (Hrsg.), Theodor Unger (Red.): Hannover. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Festschrift zur fünften Generalversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- Ingenieur-Vereine. Klindworth, Hannover 1882, S. 29, 33
  12. Bernd Rabe: Solidarität im Alltagsleben. Geschichte der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Hannover e.V., Hannover: Fackelträger Verlag, 1990, ISBN 3-7716-2314-6, S. 39; Vorschau über Google-Bücher
  13. Vergleiche beispielsweise die illustrierte ganzseitige Werbeanzeige aus der Zeit um 1924 als Verkaufsangebot bei ebay, zuletzt abgerufen am 29. Juli 2016
  14. 14,0 14,1 Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Naegel, Wilhelm, in dies.: Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949 - 2002, Bd. 1: A - M, 2002, ISBN 3-598-23782-0, passim, vor allem S. 593; online über Google-Bücher
  15. Vergleiche beispielsweise Teil 2, S. 92 aus dem Adressbuch von 1942
  16. Siegfried S. Müller: Emilienstraße 17-19-21. Nachkriegszeit in Chemnitz, Norderstedt: Books on Demand, 2012, ISBN 978-3-8448-0402-7, S. 118, 126, 153; online über Google-Bücher
  17. Karin Fourier (Verantw.): Zum Start des neuen Schuljahres: C&A spendet 2.000 Euro an "Hallo Einstein" vom Stadtteilgespräch Roderbruch auf der Seite finv.net der Inititative Frauen in Verantwortung, zuletzt abgerufen am 30. Juli 2016
Info Sign.svg Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.

52.375439.73534Koordinaten: 52° 22′ 31,5″ N, 9° 44′ 7,2″ O