Thomas Paulwitz

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Thomas Eckart Robert Paulwitz (* 13. Juli 1973 in Eichstätt) ist ein deutscher Journalist, Historiker, Sachbuchautor und Sprachkritiker. Er ist Mitbegründer und Chefredakteur der Sprachzeitung „Deutsche Sprachwelt“. Er lebt und arbeitet in Erlangen. Paulwitz ist verheiratet und hat einen Sohn.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Paulwitz wuchs im Altmühltal auf und besuchte den humanistischen Zweig des Willibald-Gymnasiums in Eichstätt. Nach dem Abitur 1992 studierte er an der Universität Erlangen zunächst Biologie, dann Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft mit dem Abschluss Magister Artium. In seiner Magisterarbeit befasste sich Paulwitz mit Richard Scheringer (KPD) und dem Nationalbolschewismus.

Sprachkritik[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum wurde Paulwitz als einer der Herausgeber des Wörterbuchs „Engleutsch? Nein danke! Wie sag ich's auf deutsch? Ein Volks-Wörterbuch“ bekannt. Seit dem Jahr 2000 ist er Chefredakteur der „Deutschen Sprachwelt“, seit 2007 Vorstandsmitglied der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft, seit 2009 Ordensrat für Sprachpflege des Pegnesischen Blumenordens und damit Leiter des Sprachpflegeausschusses, seit 2011 Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Straße der deutschen Sprache".

Paulwitz will ein Bewusstsein für die Schönheit der deutschen Sprache wecken und tritt für eine verständliche Sprache und gutes Deutsch ein.[1] Er wendet sich daher gegen eine „Fast-Food-Sprache“,[2] eine oberflächliche Quasselei mit überflüssigen Fremdwörtern: „Wir brauchen die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken und die Sprache zum Denken.“[3]

Gegenüber der Bild-Zeitung sprach sich Paulwitz im März 2006 gegen eine Umbenennung des Nürnberger Frankenstadions in „easyCredit-Stadion“ aus: „Der neue Name ist ein Plastikname und vor allem ein dümmlicher Anglizismus, der keinerlei Bezug zur Region hat.“[4]

Kritik an der Rechtschreibreform[Bearbeiten]

In einem Interview mit dem Eichstätter Kurier wandte sich Paulwitz gegen die von ihm so wahrgenommenen Beschädigungen an der Ausdruckskraft und Verständlichkeit der Sprache durch die Rechtschreibreform, da das Wissen über Jahrhunderte überliefert werden müsse.[5] Als Historiker kritisiert er deshalb das Durcheinander der Schreibweisen in Wörterbüchern und Hausorthographien und tritt für eine einheitliche Orthographie ein: „Die einheitliche Rechtschreibung ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung der Lesekompetenz.“[6] Paulwitz ist Mitglied der Schweizer Orthographischen Konferenz, die einen Ausweg aus dem "Rechtschreibchaos" sucht.[7]

Vorträge[Bearbeiten]

Paulwitz hält sprachkritische und sprachpflegerische Vorträge auf wissenschaftlichen Konferenzen und in populärwissenschaftlichen Veranstaltungen. Ende 2004 sprach er zum Beispiel vor der Erlanger Universität im Rahmen einer Vortragsreihe der Europäischen Linguistik zum Thema „Sprachpurismus und Sprachpflege in Geschichte und Gegenwart“. Im Mai 2006 war er zur „sprachkritischen Bewertung“ in die Redaktionskonferenz der Bild-Zeitung eingeladen. 2003 trat Paulwitz vor der rechtsextremistischen Gesellschaft für freie Publizistik auf.[8] Paulwitz betont jedoch, sein Engagement sei zwar auch patriotisch begründet („Wer ohne Scheu seine Farben zeigen kann, der kann auch ohne Furcht zu sich selbst und seiner Sprache stehen.“[9], aber nicht nationalistisch oder gar fremdenfeindlich: „Die deutsche Sprache könnte nicht nur zur besseren Verständigung führen, sondern auch den Fremden den Zugang zu unserer Kultur und Geschichte öffnen.“[10]

Sprache und Identität[Bearbeiten]

Als Beweggrund für sein sprachpflegerisches Engagement meint Paulwitz: „Wer die Sprache schädigt, behindert das Denken und greift die Identität an.“[11] Er vertritt zudem die Auffassung, dass Identität über Abstammung, Geschichte, Sitten und Gebräuche geschaffen werde: „Identität wird nicht über ein Bekenntnis geschaffen. Sie ist Schicksal.“[12] Dieses verlange jedoch das Bekenntnis zur Identität. Die vielen verschiedenen Sprachen in Deutschlands Innenstädten erweckten den Eindruck „eine(r) babylonische(n) Sprachverwirrung, die bekanntlich eine Strafe Gottes war“.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Thomas Paulwitz, Stefan Micko: Engleutsch? Nein, danke! Wie sag ich's auf deutsch? Ein Volks-Wörterbuch, 2. Auflage, Erlangen und Wien, 2000, 132 Seiten, ISBN 3-00-005949-0
  • Dieter Stein (Hrsg.): Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. Edition JF, Berlin 2004 (Reihe Dokumentation, Band 9), ISBN 3-929886-21-9 (mit sieben Beiträgen von Thomas Paulwitz)
  • Grundlagen und Ansätze für eine gemeinsame Sprachpflege, in: Genius, hrgg. von der Gesellschaft für freiheitliches Denken, 4/2000, Seite 256-263.
  • Die vergessene Alternative. Konservativer Sozialismus (Teil 1 bis 6), in: Preußische Mitteilungen zur Förderung der preußischen Staatsauffassung und des deutschen Geschichts- und Kulturbewußtseins, hrgg. vom Vorstand des Preußeninstituts, Nr. 157 bis 162, Remscheid April 2000 bis Februar 2001.

Querverweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arno Stoffels: Nix gute Sprache? Wissenschaftler fordern einen bewussten Umgang mit Deutsch, in: Nürnberger Nachrichten, 21. Februar 2004
  2. Irini Tsainis: Sprachpflegers Vorschlag zur Fastenzeit: 40 Tage ohne „Fremdwortvöllerei“. Interview mit Thomas Paulwitz, in: Nürnberger Zeitung Nr. 32 vom Mittwoch, den 9. Februar 2005, S. 13
  3. Thomas Paulwitz: Sprache zum Denken, in: Ökologie-Politik. Das ödp-Journal, hrsg. von der Ökologisch-Demokratischen Partei, Nr. 121, 7/2004, Seite 24-25
  4. Martin Funk: Boykott gegen Stadion-Namen, in: BILD, 15. März 2006
  5. Hermann Redl: „Belemmert“ bis „Belämmert“. EK-Interview mit „Sprachwelt“-Schriftleiter Thomas Paulwitz. In: Eichstätter Kurier Nr. 179 vom Samstag/Sonntag, 5./6. August 2006, Seite 25 (Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch von Thomas Paulwitz erscheint das Interview in alter Rechtschreibung.)
  6. So ist's recht, Deutsche Welle, 3. Januar 2004
  7. Gründer und Mitglieder der Schweizer Orthographischen Konferenz
  8. Gesellschaft für freie Publizistik: Unsere Referenten (11. Juli 2006)
  9. Thomas Paulwitz: Schwarz-Rot-Gold tut gut, in: Deutsche Sprachwelt 24, Sommer 2006, Seite 1
  10. Thomas Paulwitz, in: Deutsche Sprachwelt 18, Dezember 2004, Seite 1
  11. Thorsten Thaler: „Sprachverbote sind Denkbarrieren“. Gerhard-Löwenthal-Preis 2006: Im Gespräch mit Thomas Paulwitz , Schriftleiter der „Deutschen Sprachwelt“, in: Junge Freiheit 49/06, 1. Dezember 2006.
  12. 12,0 12,1 Thomas Paulwitz: Sprache und Identität, in Deutschland-Journal 2003 pdf
  13. Gerhard-Löwenthal-Preis
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