Popdada

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Popdada (auch Popdadaismus) - eine 2016 von Enfants Terribles (auch Nana ET Matvey) - Nana Rosenørn Holland Bastrup (kurz: Nana Bastrup) (* 1987 in Kopenhagen) und Matvey Slavin (* 1987 in Leningrad - heute St. Petersburg) gegründete Kunstform.

Aktion Sieben Matveys 2014. Der Verehrer an einer der drei Nanaplastiken am Leibnizufer in Hannover

Begriff[Bearbeiten]

2016 zeigten Bastrup und Slavin in der Berliner Ausstellung Popdada eine Auswahl von popdadaistischen Werken: Laufbilder, Mauerwerke und die Videoskulptur - Dadakind, Kleinbruder 2014–2016. Die auf einem Sockel mit schwarzem Lack übergossene Kindfigur hält in einer Hand einen Bildschirm mit Video Popdada 2010–2016 am Gesicht. In der anderen ausgestreckten Hand ist eine Spielzeugpistole, mit der das Kind vor sich zielt. Mit der Ausstellung Popdada benennt und gründet das Künstlerduo die Kunstform Popdada (auch Popdadaismus) – 100 Jahre nach Entstehung von Dada (auch Dadaismus). Die Intention des popdadaistischen Konzeptes ist die Welt nicht mehr wegen ihrer Konventionalität zu hinterfragen und zu parodieren, sondern wegen der Banalität und Manipulativität.[1] [2]

Begriffsherkunft und Anfänge[Bearbeiten]

Bastrup und Slavin verwenden verschiedene Techniken und Medien - Zeichnung, Malerei, Collage, Fotodruck, Skulptur und Video.[1] Sie thematisieren Tabus und knüpfen an die Arbeiten der Dadaisten an. In Nana Bastrups Collagen und Kurzvideos geht es um Konsumwahn in der heutigen Gesellschaft. Matvey Slavin, der expressiv-realistische Maler, entwirft als Zeichner vergleichbar mit Jacques Callot eine bizarr-satirische Figurenwelt.[3] Die sozialkritischen Arbeiten von Slavin führen in alptraumhaften Visionen die Idiotie einer Gesellschaft vor. Die Bezüge zu George Grosz und Otto Dix sind in seinen Zeichnungen zu erkennen. Die Übertreibung der Gesten und groteske Überzeichnung der dargestellten Personen bilden Merkmale seiner Werke.[4] Gemeinsam haben sie eine Ausdrucksform erfunden, die sie Laufbilder nennen. [5] Die Laufbilder zeigen Ausstellungssituationen, die sie erschafft haben und Ausstellungsstationen, die sie durchlaufen haben. Bastrup und Slavin verbinden dort ihre künstlerische Laufbahn, symbolische Verbindungen der Elemente und groteske Situationen.[6] Die Verbindung von Dokumentation und Kunstwerk bezieht sich auf die eigene Laufbahn und wird fortlaufend produziert und umgearbeitet: Aufnahmen bisheriger Aktionen werden durch Collage-Eingriffe von Nana Bastrup verändert und mit den Bleistiftüberzeichnungen von Matvey Slavin im Druck auf PVC-Plane vereint. [7] Die Arbeiten von Nana Bastrup und Matvey Slavin sind autobiografisch und von der Auseinandersetzung mit der künstlerischen Berufung und den gängigen Kunstbetrieb-Belangen geprägt. Sie sind in der Komposition und deren Zusammensetzung gleichzeitig von der Kunstgeschichte und der gegenwärtigen digitalen Medien-Welt inspiriert. Bastrup und Slavin arbeiten mit Fotodokumentation von ihren Aktionen, Alltag und Ausstellungen und bauen sie in multimediale Collagen ein. [2] 2014 haben die Aktionskünstler in Hannover sieben kleine Kunstfiguren Matveys mit bunten Hütchen den drei Nana-Plastiken von Niki de Saint Phalle beigefügt: Der Verehrer, Der Kritiker, Der Besserwisser, Der Bewunderer, Der Skeptiker, Der Tourist und Der Zerstörer. Realisiert wurde die Aktion nicht nur wegen des Vornamens von Nana Bastrup, sondern auch wegen der Auseinandersetzungen, die es um die Kunstform im Hannover der 1970er Jahre gegeben hat.[4] [8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Till Bräuning: Enfants Terribles. Bräuning Contemporary, Hamburg 2012, ISBN 978-3-00-039981-7.
  • Friedrich Holtiegel, Joachim Voß: Enfants Terribles. Kinder der Louise B. Kunstverein Barsinghausen e.V., Barsinghausen 2014, ISBN 978-3-945527-00-9.
  • Michael Stoeber: Enfants Terribles - Über das Werk von/On the Oeuvre of Enfants Terribles. Hamburg 2014, ISBN 978-3-00-047552-8.
  • Michael Stoeber, Merle Radtke, Hanna Richter-Kiewning, Friedrich Holtiegel, Kerstin Hengevoss-Dürkop, John Czapilcka: 3 Jahre Enfants Terribles. Künstlerhaus Meinersen, Meinersen 2015, ISBN 978-3-00-049034-7.
  • Kerstin Hengevoss-Dürkop, John Czapicka, Matthias Schatz: Enfants Terribles – Footwork. Galerie Hengevoss-Dürkop, Hamburg 2015, ISBN 978-3-00-049805-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 "Artfacts.net - Enfants Terribles, Ausstellung "Popdada". Abgerufen am 25. September 2016
  2. 2,0 2,1 "Galerie Subject-Object", Ausstellung ”Popdada”. Abgerufen am 25. September 2016
  3. "Enfants terribles" überraschen mit interaktiven Videoinstallationen, Calenberger Online News. Abgerufen am 24. September 2016
  4. 4,0 4,1 Michael Stoeber, Merle Radtke, Hanna Richter-Kiewning, Friedrich Holtiegel, Kerstin Hengevoss-Dürkop, John Czapilcka: 3 Jahre Enfants Terribles... (siehe Literatur)
  5. Enfants Terribles - Kinder der Louise B., Kunstverein Barsinghausen. Abgerufen am 26. November 2015
  6. Galerie Ubik Space, Abgerufen 9. Juni 2014.
  7. Grenzüberschreitungen, Die Tageszeitung von heute, 18. Oktober 2014. Abgerufen 17. August 2015.
  8. Die Nanas haben Gesellschaft, Hannoversche Allgemeine, 2. August 2014. Abgerufen am 26. November 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enfants Terribles (artists) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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