Heinrich Reiser

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Josef Heinrich Reiser (* 17. Oktober 1899 in Ehingen an der Donau) war als SS-Obersturmbannführer (SS-Nr. 21844) und Kriminalkommissar Leiter der Gestapo Tabor und Leiter des Sonderkommissariats Reiser bei der Staatspolizeileitstelle Karlsruhe (Gestapo Karlsruhe).

Lebensstationen[Bearbeiten]

Als Sohn eines Maurers besuchte er die Volksschule in Ehingen.[1]. Danach nahm er eine Weiterbildung vom Mai 1913 bis September 1915 an der Fratelli dei Scuoli Christianori in Favria Cavanese bei Turin auf. Dort wurde er in den Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch unterrichtet. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und Italien auf der Seite der Feindmächte am Krieg teilnahm, konnte er die Ausbildung nicht fortsetzen.

In der Heimat konnte er aus wirtschaftlichen Gründen seine Ausbildung nicht weiterführen. So wurde er im Jahre 1917 zum Kriegsdienst mobilisiert. Aus der englischen Gefangenschaft wurde er erst 1919 entlassen. Nach überwundener Krankheit in einem Militärkrankenhaus nahm er 1920 eine Ausbildung an einer Handelsschule und zum Elektromonteur in Stuttgart auf. Danach ging er als Kaufmann und Techniker für die nächsten acht Jahre ins Ausland, davon von 1927 bis 1930 nach Brasilien. Auch ihn trafen die Folgen der Weltwirtschaftskrise ab 1930. Nach seiner Heimkehr konnte er sich auch in Deutschland nicht wirtschaftlich behaupten. Politisch orintierte er sich früh bei den Nationalsozialisten, so dass er 1931 Mitglied der SS und ab 1. Febraur 1932 Miglied der NSDAP wurde.

Dienstzeit bei der Gestapo[Bearbeiten]

Nach einer Beschäftigung als Hilfsarbeiter kam er am 20. September 1933 zur Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Stuttgart. Hier konnte er sich bewähren, so dass er am 13. Juli 1935 zum stellvertretenden Leiter der SD-Dienststelle von Württemberg ernannt wurde. Seine Beförderung zum Kriminalkommissar erfolgte am 1. März 1939[2]. Gleichzeitig wurde er zur Gestapo Karlsruhe versetzt, wo er bis September 1939 als stellvertretender Leiter des Judenreferats eingesetzt wurde. Danach wurde er zum Einsatzukommando Stossberg nach Tabor versetzt. Dort übernahm er ab Herbst 1939 bis Oktober 1940 die Leitung der Gestapo Tabor[3]. Danach wurde er Abteilungsleiter IV A beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei (BdS) bis Mitte November 1942 in Paris.

Von Ende 1942 bis Juli 1943 war er beim Sonderkommando Rote Kapelle - dem Pariser Ableger - tätig, wo er polizeiliche Aufgaben ausführte[4].

Ab Mitte 1943 führte er nach seiner Rückkehr zur Gestapo Karlsruhe dort das Sonderkommissariat Reiser. In dieser Funktion sollte Reiser eine Untergrundorganisation sowjetischer Zwangsarbeiter bekämpfen und auflösen. Reiser gab den Angehörigen des Sonderkommandos in den Verfolgungen auf, mit allen Mitteln gegen die Gefangenen vorzugehen. Michael Stolle beurteilte die Folgen dieser Anweidung so[5]:

Bald darauf kam es zu den vielleicht brutalsten Folterungen in Baden überhaupt, sämtlich vorgenommen auf dem Speicher des Polizei- und Gestapogefängnisses in Ettlingen.

Nachkriegstätigkeiten[Bearbeiten]

Von 1945 bis 1947 tauchte Reiser mit einer neuen Identität in Ravensburg unter. Gegen Ende 1947 bis Juli 1949 wurde er interniert.

Dienst für die Organisation Gehlen[Bearbeiten]

Reiser war nach Kriegsende davon überzeugt, dass die Organisation Rote Kappelle auch weiterhin tätig sein würde[6]. Diese Vorstellung traf auch auf den Leiter der Organisation Gehlen (OG) Reinhard Gehlen zu. Nach seiner französischen Internierung kam Reiser wieder nach Karlsruhe, wo er erstmal wieder von deutschen Dienststellen inhaftiert wurde.

Am 30. März 1950 wurde er aus der Haft entlassen. Wenige Tage danach verpflichtete er sich zum Dienst in der OG, was den US-amerikanischen Geheimdienst sichtlich verärgerte, weil diese ihn verpflichten wollten[7]. Zur Tarnung war er aber als Elektriker und Industriekaufmann beruflich tätig.

siehe auch:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Stolle, Die Geheime Staatspolizei in Baden, Konstanz 2001, S. 166 passim
  2. Michael Stolle, ebenda, S. 361
  3. Leitung der Gestapo Tabor
  4. Leopold Trepper: Die Wahrheit, München 1978, S. 206; in manchen Publikationen wird behauptet, er sei in Paris Kommandoführer gewesen. Trepper aber behauptet, Heiser habe unter dem Kommando von Karl Giering nur polizeiliche Aufgaben des "Sonderkommandos Rote Kapelle in Paris ausgeführt
  5. Michael Stolle, ebenda, S. 207
  6. Heinz Höhne, Kennwort Direktor - Die Geschichte der Roten Kapelle, Frankfurt am Main, 1972, S. 292
  7. Richard Breitman et al., US Intelligence and the Nazis, New York 2005, S. 306
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