Hannoversche Burschenschaft Germania

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Die Hannoversche Burschenschaft Germania (HB! Germania) ist eine farbentragende, fakultativ schlagende Studentenverbindung an der Universität Hannover[1] und wurde am 10. Mai 1891 als erste Burschenschaft Hannovers gegründet. Sie ist Mitglied im Kartell Rheinischer Ring[2] und Gründungsmitglied der Initiative Burschenschaftliche Zukunft (IBZ).[3]

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschule/n: Leibniz Universität Hannover, Hochschule Hannover
Gründung: 10. Mai 1891
Gründungsort: Hannover
Korporationsverband: verbandsfrei
Farben: schwarz-rot-gold
Mütze: schwarze halbsteife Tellermütze
Art des Bundes: Burschenschaft
Stellung zur Mensur: fakultativ schlagend
Wahlspruch: Ehre, Freiheit, Vaterland
Website: hbgermania.de

Inhaltsverzeichnis

Couleur[Bearbeiten]

Das Burschenband zeigt die Farben schwarz-rot-gold mit goldener Perkussion, das Fuchsenband ist schwarz-gold-schwarz mit goldener Perkussion. Die Mütze ist aus schwarzem Samt mit schwarz-rot-goldenem Mützensteg gefertigt. Der Wahlspruch lautet Ehre, Freiheit, Vaterland.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Zu Anfang des Sommersemester 1891 trat aus zwei Verbindungen an der Technischen Hochschule Hannover infolge innerer Unstimmigkeiten eine größere Anzahl von Mitgliedern aus. Diese kamen zum einen aus dem seit 1848 bestehenden "Polytechniker-Gesangsverein" (PGV) und zum anderen aus dem "Naturwissenschaftlich-Technischen-Verein" (NTV). Durch die Initiative eines Stuttgarter Burschenschafters kam es zu einer Annäherung der beiden Gruppen und am 10. Mai 1891 wurde die Hannoversche Burschenschaft Germania gegründet. Unter Berufung auf die Tradition der alten Burschenschaften entschied man sich für den Wahlspruch "Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland" und das Bundeslied "Sind wir vereint zur guten Stunde". Die Farben waren damals noch schwarz-gold-rot.

Das Verhältnis zu den anderen Studentenverbindungen am Ort war zunächst belastet, da vor allem zum PGV und NTV Spannungen bestanden. Daraus resultierte, dass der Bund grundsätzlich Überlegungen anstellte, dem Allgemeinen Deputierten-Convent (ADC) beizutreten. Dies lehnte der ADC allerdings ab. Es kam daraufhin zu einem Freundschaftsverhältnis mit der Cimbria Berlin und der Gotha Charlottenburg. Diese setzten sich für eine Aufnahme der Hannoverschen Burschenschaft Germania in den Niederwald Deputierten Convent (NDC) ein, dem der Bund 1893 beitrat. Sowohl die HB! Germania als auch die Cimbria Berlin kämpften für die Durchsetzung des Maturitätsprinzip im NDC, konnten sich jedoch zunächst nicht durchsetzen. Da die Verfassung des NDC einen Austritt nicht zuließ, suspendierte die Hannoversche Burschenschaft Germania und gründete sich am selben Abend neu.[4] Sie behielt ihre Grundsätze bei, änderten jeodch ihre Farben in schwarz-rot-gold und den Zirkel in den noch heute geführten. Der Wahlspruch wurde erst im Sommer 1895 in „Ehre, Freiheit, Vaterland“ abgewandelt.

Da es in der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert nur wenige Verbindungen in Hannover und dessen unmittelbarer Umgebung gab, gründeten am 25. Juni 1898 fünf Germanen die Hannoversche Burschenschaft Arminia. Es wurde ebenfalls ein Freundschaftsverhältnis mit der Braunschweiger Burschenschaft Alemannia und der Karlsruher Burschenschaft Teutonia mit dem Ziel ins Leben gerufen, das Maturitätsprinzip in den technischen Burschenschaften durchzusetzen.

Unter anderem gelang es diesen Bünden, den Binger Deputierten Convent, der aus dem aufgelösten Niederwald Deputierten Convent (NDC) hervorgegangen war, mit dem Karlsruher Deputierten-Convent zu vereinen und am 10. März 1900 den Rüdesheimer Depurtierten-Convent (RDC) zu gründen,[5] in dem das Maturitätsprinzip, welches bereits seit 1894 angestrebt wurde, durchgesetzt werden konnte. Der RDC nannte sich ab 1905 Rüdesheimer Verband Deutscher Burschenschaften (RVDB) und besaß 1913 bereits 34 Mitgliedsbünde. Im Januar 1919 vereinigte sich der RVDB mit dem Allgemeinen Deputierten Convent (ADC) zur Deutschen Burschenschaft (DB).

Am 08. Februar 1904 gründeten elf Germanen die Hannoversche Burschenschaft Cimbria mit.

Das Freundschaftsverhältnis wurde 1906 in ein Verkehrsverhältnis umgewandelt und nach der Gründung der Deutschen Burschenschaft bildete sich daraus eine Art Arbeitsgemeinschaft, die 1920 den Namen Bauernbund annahm, den man inoffiziell bereits seit 1908 führte. Außer der Hannoverschen Burschenschaft Germania gehörten ihm die Burschenschaften Alemannia Braunschweig, Ghibellinia Stuttgart, Teutonia Karlsruhe, Rugia Berlin, Germania Danzig und Germania Wien an. Der Bauernbund wurde am 25. Juli 1927 aufgelöst.

In der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Mit der Gründung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) gewann die Idee des Nationalsozialismus auch bei der studentischen Jugend immer mehr an Einfluss. Nachdem die Deutsche Burschenschaft bereits 18.Oktober 1935 aufgelöst wurde, konnte auch die Germania bedingt durch die Gleichschaltung kein offizielles Bundesleben mehr ausüben. Um das burschenschaftliche Gedankengut weiterhin pflegen und weitergeben zu können, gründeten die Angehörigen der Hannoverschen Burschenschaft Germania die Kameradschaft Scharnhorst. Durch den Beginn des zweiten Weltkrieges wurde auch diese Art des Fortbestehens weitestgehend unmöglich gemacht.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 wurde das Germanenhaus durch einen Bombenangriff vollständig zerstört. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Mitglieder des Bundes über das komplette Bundesgebiet verstreut, in Gefangenschaft oder gefallen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute[Bearbeiten]

Nach dem Kriege gab es Bestrebungen zu einer Neugründung der Germania und nach der Genehmigung durch die Besatzungsmacht kam es bereits im Mai 1948 zum ersten Treffen einiger Alter Herren in Hannover. Das erste Stiftungsfest der Nachkriegszeit fand ein Jahr später statt. Obwohl die Britische Besatzungsmacht der Hannoverschen Burschenschaft Germania das Eigentumsrecht an Trümmern und Grundstück zunächst entzogen hatte, gelang die Rückgabe und es wurde mit dem Wiederaufbau eines Verbindungshauses begonnen. 1953 fand die erste Kneipe im neuen Haus statt.

Der Hannoverschen Burschenschaft Cimbria gelang keine Neugründung und man beschloss, mit der HB! Germania, aus der man hervorgegangen war, 10. Mai 1952 zu fusionieren.

Am 5. Dezember 1950 trat die Hannoversche Burschenschaft in die wiedergegründete DB ein. Der Paukbetrieb wurde im Januar 1955 wieder aufgenommen und die ersten Nachkriegspartien am 12. Juli 1955 geschlagen. 1957 trat die Germania dem seit 1920 bestehendem Rheinischen Ring bei, der sich aus einem Freundschaftsbund in ein Kartell gewandelt hatte.

Während der steigenden Anspannungen in dem Verband Deutsche Burschenschaft gründete die Hannoversche Burschenschaft Germania die Initiative Burschenschaftliche Zukunft mit. Durch die Entwicklungen in der DB entschied sich der Bund 2012 aus der DB auszutreten.

2014 gründete die Hannoversche Burschenschaft Germania den Intercorporativen Convent mit, der die Zusammenarbeit der Studentenverbindungen in Hannover fördert.

Germanenhaus[Bearbeiten]

Die Hannoversche Burschenschaft Germania besitzt ein eigenes Verbindungshaus. Dieses wurde kurz nach der Gründung als eigenstehendes Doppelhaus erworben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es komplett zerstört. Nach erfolgreichem Rückerwerb des Grundstückes und Genehmigung durch die Besatzungsmächte konnte auf den alten Grundmauern ein Neubau im zweckmäßigen Stil der Nachkriegszeit errichtet werden.

Kartell und Freundschaftverhältnis[Bearbeiten]

Die Hannoversche Burschenschaft Germania gehört dem Kartell Rheinischer Ring[6] seit 1957 an.

Im Sommersemester 1999 wurde ein Freundschaftsverhältnis mit der Gießener Burschenschaft Germania begründet.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Wilhelm Hippmeier (1867-1943), erster Sprecher der Hannoverschen Burschenschaft Germania, Chemiker [7] und Fabrikinspekteur
  • Ferdinand Döhne (1874-1937), Dr.-Ing. Maschinenbau, Fachliteraturautor [8]
  • Ernst Dorias Schramm (1879-1957), Architekt, Dr. h.c. der Universität California
  • Eugen Poth (1880-1954), ehemaliger Leiter der Berliner Wasserbetriebe
  • Otto Mackensen (1879-1940), Dr.-Ing. Maschinenbau (Fachrichtung Optik) [9]
  • Diedrich Dieckmann (1878-1936), Dr.-Ing., Chemiker und Bauingenieur
  • Paul Georg Firsbach (1879-1963), Branddirektor und Oberst der Feuerschutzpolizei Dortmund
  • Burghard Körner (1886-1973), Dr.-Ing. h.c., Professor an der Technischen Hochschule Hannover
  • Rudolf Hase (1888–1967), deutscher Physiker und Professor, Wissenschaftlicher Leiter des Pyro-Werk Hannover
  • Wilhelm Florin (1890-1956), Verfasser des Studentenliedes "Die alte Gasse"
  • Heinrich Heitkamp, Bauunternehmer, Inhaber der Tiefbaufirma Heitkamp
  • Walter Wittke (*1934), Prof. Dr.-Ing. habil., deutscher Universitätsprofessor mit dem Schwerpunkt Geotechnik

Mitgliederverzeichnis:

  • Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1015–1016.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – ihre Darstellungen in Einzelchroniken. WJK, Hilden 2005, ISBN 978-3-933892-97-3. S. 211.
  • Michael Doeberl et al. (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 839.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leibniz Universität Hannover: Studentische Gruppierungen
  2. Auszug aus der Chronik der Hannoverschen Burschenschaft Arminia: Entstehung des Rheinischen Rings
  3. Mitglieder der IBZ, (abgerufen: 02. Juni 2015)
  4. Paul Wentzcke, Georg Heer: Geschichte der Deutschen Burschenschaft. Band 4: Die Burschenschaft in der Zeit der Vorbereitung des zweiten Reiches, im zweiten Reich und im Weltkrieg: von 1859 bis 1919. Heidelberg 1939. S. 123.
  5. Frank Grobe: Zirkel und Zahnrad. Ingenieure im bürgerlichen Emanzipationskampf um 1900. Die Geschichte der technischen Burschenschaft, in: Oldenhage, Klaus (Hrsg.), Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 17, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009. ISBN 978-3-8253-5644-6.
  6. Reinhard Wetterau: Die Einigungsbestrebungen der Technischen Burschenschaften in Deutschland sowie die Geschichte des Rheinischen Ringes, Braunschweig 2006. (als pdf)
  7. Veröffentlichungen, an denen Wilhelm Hippmeyer mitwirkte, (abgerufen: 02. Juni 2015)
  8. DNB 127676481 Veröffentlichungen von Ferdinand Döhne, (abgerufen: 2. Juni 2015)
  9. Biografie von Otto Mackensen, (abgerufen: 02. Juni 2015)
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52.3800179.726034Koordinaten: 52° 22′ 48,1″ N, 9° 43′ 33,7″ O