Griechisches Projekt

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Als Griechisches Projekt bzw. Hellenisches Projekt wurden die Bestrebungen einzelner europäischer Mächte bezeichnet, welche die Nachfolgerschaft des Römischen Reiches beanspruchten. Das Römische Reich galt über Jahrhunderte hinweg als Sinnbild eines Reiches und der weltweiten Vorherrschaft. Daher diente das Konzept der offiziellen Nachfolgerschaft des Römischen Reiches den europäischen Großmächten über viele Jahrhunderte hinweg als erstrebenswertes oder zu bewahrendes Ziel.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Rom[Bearbeiten]

Als so genanntes Erstes Rom gilt das Römische Reich schlechthin. Dieses sollte vielen nachkommenden Herrschern als Vorbild für deren Machtansprüche dienen. Mit dem Morgenländischen Schisma etablierten sich zwar zwei getrennte Teile des einstigen Römischen Reiches, jedoch waren beide Teile als Reste des einstigen Großreiches anzusehen. Im Gegensatz zum vorherigen Reich, dem "heidnischen Rom", hoben diese Machtgebiete den (jeweils "wahren") christlichen Glauben als Grundlage des allgemeinen Herrschaftsanspruchs hervor.

Westrom wurde im Laufe der Jahrhunderte als Heiliges Römisches Reich bezeichnet, war jedoch von starken inneren Zerwürfnissen geprägt. Ostrom bzw. das Byzantinische Reich hingegen gelangte im Mittelalter zu bemerkenswerter Stärke und wurde zunehmend als das wahrhaftige Reich angesehen, welches die Tradition des Römischen Reiches fortsetzte.

Zweites Rom[Bearbeiten]

Der Aufstieg des Osmanischen Reiches im Mittelalter ist eng verbunden mit der Vorstellung der Einnahme Konstantinopels als Hauptstadt des einstigen Großreiches. Konstantinopel galt damals als uneinnehmbare Festung. Die Eroberung Konstantinopels wurde als strategisches Hauptziel das Osmanischen Reiches verfolgt, um dadurch die Vorherrschaft im Mittelmeerraum einzunehmen. Ebenso wurden neuplatonische Ideen von den Osmanen bewusst übernommen und an deren Kultur adaptiert.

Mit der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 ging das Oströmische Reich unter. Somit ging auch jenes Reich unter, welches sich zum Ziel gesetzt hatte, den wahrhaftigen christlichen Glauben zu verteidigen. Die Vorherrschaft über Europa sollte demzufolge an die muslimisch-gläubigen Osmanen gehen. Fortan entwickelten sich unterschiedliche Herrschaftsansprüche über das einstige Römische Reich. Das Abendland (Christenheit) kämpfte gegen das Morgenland (Islam) um die weltweite Vorherrschaft.

Drittes Rom[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert wurde erneut eine Eroberung Konstantinopels angestrebt, das nunmehr die Bezeichnung Konstantinyye (den Namen Istanbul erhielt es erst 1930) führte, diesmal von Seiten des russischen Zarenreichs. Russland sah sich als Verteidigerin der Christenheit und formulierte daher die Einnahme Konstantinopels als „heiliges“ Kriegsziel Russlands. Die Ziele wurden im Griechischen Plan festgelegt, der ein österreichisch-russisches Offensivbündnis vorsah.

Das Hauptziel war die Restauration Byzantinischen Kaiserreichs als ein selbständiges, aber mit Russland eng verbündetes Kaiserreich. Das Erbe von Byzanz sollte sozusagen nach Moskau verlagert werden. Die Heirat des Großfürsten Iwan III. mit Sofia Palaiologa, der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, Konstantin XI. Palaiologos (1448–1453), wurde als Untermauerung der Stellung des russischen Zarenreiches angesehen.

Das Russische Reich übernahm außerdem byzantinische Symbole, um den Machtanspruch auf das Dritte Rom zu signalisieren (z.B. Russischer Doppeladler)

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Béhar. Vestiges d'empires – La décomposition de l'Europe centrale et balkanique (Desjonquères, Paris, 1999) ISBN 978-2843210150
  • Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf/Wien/New York/Moskau, 1993, ISBN 978-3430144452

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