Flex4Work
Flex4Work ist ein Projekt zur Erforschung des Einsatzes von Flexibilisierungsinstrumenten der Arbeit mit dem Schwerpunkt Zeitarbeit. Untersuchungsgegenstand sind Unternehmen der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Im Zentrum der Forschung steht die Suche nach der optimalen Balance zwischen Flexibilität und Stabilität am Arbeitsplatz, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Flex4Work wird unter dem Förderkennzeichen 01FH09161 mit insgesamt 1,175 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Europäischen Sozialfonds und der Europäischen Union gefördert.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]Ziele[Bearbeiten]
Ausgehend vom Bedeutungsverlust des klassischen Normalarbeitsverhältnisses und der Zunahme neuer Beschäftigungsformen untersucht Flex4Work die Wirkungen unterschiedlicher Flexibilisierungsstrategien der Arbeit - insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Stammbelegschaft und Zeitarbeitnehmern. Interdisziplinär angelegt werden die betriebswirtschaftlichen, psychologischen, rechtlichen und gesundheitlichen Wirkungen und Einflussfaktoren verschiedener Flexibilisierungsstrategien in der Metall- und Elektroindustrie erhoben, bewertet und verallgemeinert.
Im Zuge der zunehmenden Flexibilisierung der Erwerbstätigkeit steht die Balance zwischen Stabilität und Flexibilität für Personen und Institutionen im Zentrum der Forschung. Es gilt, die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und zu fördern, ohne die gesundheitliche und soziale Integrität von Beschäftigten und Familien zu verletzen.
Das Projekt behandelt drei zentrale Fragestellungen:
- Wie viel Stabilität ist für Stamm- und Zeitarbeitsbelegschaft erforderlich, wie viel Flexibilität ist zumutbar?
- Wie lässt sich im Bereich der Beschäftigung in beiden Bereichen eine Balance von Stabilität und Flexibilität in Unternehmen herstellen?
- Wie lässt sich diese Balance vor dem Hintergrund zunehmender Flexibilisierung für beide Belegschaften optimieren?
Projektteam[Bearbeiten]
Flex4Work ist ein Verbundprojekt, in dem vier Partner, zwei Universitäten und zwei Unternehmen, Flexibilität und Stabilität wissenschaftlich und in der Praxis untersuchen. Zum Projektteam gehören:
- Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Strategisches Management und Organisation (Prof. Dr. Ricarda B. Bouncken) [3]
- Universität Greifswald, Lehrstuhl für Sozialpsychologie, für Arbeits- und Organisationspsychologie, Prof. Dr. Manfred Bornewasser [4]
- ml&s GmbH & Co. KG, Greifswald, Dienstleister für die Elektroindustrie [5]
- Dipl.-Ing. H. Sitte Unternehmensgruppe, Bramstedt, Hersteller von Schaltanlagen und Personaldienstleister [6]
Value-Partner[Bearbeiten]
Value-Partner sind Institutionen und Unternehmen, die das Projekt inhaltlich unterstützen, ohne daraus einen direkten finanziellen Vorteil zu ziehen. Folgende Partner unterstützen das Projekt durch ihre Expertise, mit Fallstudien oder der Mitarbeit zur Beantwortung von Forschungsfragen:
- der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.(ZVEI)
- das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL)
- der Arbeitgeberverband Nordmetall e.V. (Nordmetall)
- die Geschäftsstelle Stralsund der Bundesagentur für Arbeit ([7])
- der Personaldienstleister Axiom Nord GmbH ([8])
- GermanPersonnel e-search GmbH, E-Recruiting Spezialist für Zeitarbeit aus Germering bei München, [9]
- KANZAS, Kanzlei für Arbeits- und Sozialrecht, Greifswald ([10])
Ergebnisse[Bearbeiten]
Bislang wurden folgende wesentlichen Forschungsergebnisse erzielt:
- Die Hauptmotive für den Einsatz von Zeitarbeit aus Unternehmenssicht sind der Ausgleich von Nachfrageschwankungen, die Reduzierung des Beschäftigungsrisikos und die Auslagerung von Personalfunktionen.[1]
- Zeitarbeit ist nicht gleich Zeitarbeit: Einsatzcharakteristika und -logik sowie die Auswirkungen auf die Zeitarbeitnehmer unterscheiden sich, je nachdem, welches Nutzungsmotiv seitens der Entleihunternehmen vorliegt.[2]
- Zeitarbeitnehmer entfalten besondere Formen der Bindung gegenüber Ver- und Entleihern (duales commitment). Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen der Ausprägung des "affektiven Commitments" (vgl. auch: Commitment) gegenüber dem Verleiher als eigentlichem Arbeitgeber und dem Entleiher.[3]
- Zeitarbeitnehmer unterliegen einer im Vergleich zu anderen Beschäftigten deutlich höheren Jobunsicherheit, sie werden in der Regel schlechter als diese entlohnt und verfügen über geringere Karrierechancen.[4]
Literatur[Bearbeiten]
- Bornewasser, M. und Bouncken, R. B. (2011), Beiträge zur Flexibilisierung – Schwerpunkt Zeitarbeit, Band 1, [11]
- Durian, A., Schwaab, M.O. (2009), Zeitarbeit: Chancen-Erfahrungen-Herausforderungen, Gabler, Wiesbaden
- Holst, H., Nachtwey, O. und Dörre, K. (2009), Funktionswandel von Leiharbeit - Neue Nutzungsstrategien und ihre arbeits-und mitbestimmungspolitischen Folgen, Otto-Brenner-Stiftung, Frankfurt am Main
- Mitlacher, L.W. (2005), Temporary agency work, the changing employment relationship and its impact on human resource management, Management Revue, Vol. 16 (3), S. 370-388
- Promberger, M. et al. (2006), Leiharbeit im Betrieb: Strukturen, Kontexte und Handhabung einer atypischen Beschäftigungsform, Hans-Böckler-Stiftung, Nürnberg
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- Hochspringen ↑ [http: //opus.ub.uni-bayreuth.de/volltextsuche/2010/734/“Lehmann, C., Ratzmann,M., Bouncken, R. B.“]. Erhebung Mittelständische Zeitarbeit – Ergebnisbericht, Bayreuths Reports on Strategy, Nr. 1, 2010, Seite 1-24. Abgerufen am 26. September 2011
- Hochspringen ↑ [1]. Einsatzstrategien von Zeitarbeit in Unternehmen. Abgerufen am 26. September 2011
- Hochspringen ↑ [2] In: „Bornewasser, M. und Bouncken, R.B. (Hrsg.), Beiträge zur Flexibilisierung, Band 1, S. 7-33“. 2011. Abgerufen am 26. September 2011
- Hochspringen ↑ [http:// www.flex4work.de/fileadmin/download/Lemanski_et_al_2010_ Mitarbeiterbefragung.pdf] Vergleich Zeitarbeitnehmer und Stammbeschäftigte. Abgerufen am 26. September 2011