Ethik der Neomoderne

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Als Ethik der Neomoderne oder neomoderne Ethik werden verschiedene ethische Ansätze bezeichnet, die vor dem Hintergrund der Globalisierung und der wissenschaftlich-technischen Entwicklung im 21. Jahrhundert eine Abkehr von einigen Positionen des Partikularismus, des Kommunitarismus und des Kulturrelativismus der Postmoderne vollziehen. Im Gegensatz dazu wird der aus der Aufklärung und Moderne stammende Gedanke einer allgemeinen Menschennatur betont. Für Neomoderne steht auch Post-Postmoderne weitgehend.

Zur Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

In der Postmoderne wurde die Existenz soziokultureller Einheiten (Ethnien, Nationen, Wertegemeinschaften) und die Vielfalt ihrer Wertvorstellungen betont. Seit den 1990er Jahren wurden international verstärkt Auffassungen geäußert, die von einer Weiterentwicklung vom Zeitalter der Moderne über die Postmoderne zum Zeitalter der Neomoderne oder Post-Postmoderne oder auch Metamoderne sprechen und hierfür theoretische Grundlagen liefern. Die englischsprachige Wikipedia enthält bereits den Artikel Neomodernism, der sich insbesondere auf philosophische Positionen bezieht und auch eine Entwicklungsgeschichte dieser Auffassungen seit Anfang der 1980er Jahre umfasst. Ein ebenfalls dort enthaltener Artikel Post-postmodernism beschreibt fünf Entwicklungsetappen seit 1995 und spricht von einer anhaltenden Debatte zur Post-Postmoderne. Ein weiterer Artikel Metamodernism in der englischsprachigen Wikipedia widmet auch der wissenschaftlichen Rezeption einen eigenen Abschnitt.

In Deutschland hat Michael Schmidt-Salomon den Gegenstand Neomoderne in seiner Doktorarbeit von 1997 theoretisch entwickelt, aus der nachfolgend 1999 sein Buch hervorgegangen ist. [1] Der zugehörige Werkartikel Erkenntnis aus Engagement - Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne widmet sich diesem Buch, verschafft einen ersten Einblick in den Originaltext und enthält als Kritik zwei bewertende Stimmen. Hier wird schon ersichtlich, dass Schmidt-Salomon seinen Zugang zur Neomoderne über eine Humanismusdebatte findet, die er später mit dem Buchtitel Manifest des evolutionären Humanismus fortsetzt, und an die schließlich auch der vorliegende Artikel anknüpft. Besondere Aufmerksamkeit verdient das von Schmidt-Salomon entwickelte Modell einer neomodernen, humanistischen Wissenschaft, zu der nicht zuletzt auch Philosophie und Ethik gehören.

Die Debatte zur Post-Postmoderne wurde an der Universität Trier mit einem speziellen Symposium vom 30. Oktober 2004 aufgegriffen.

Der Biologe Hans Mohr[2] bestimmt dann um das Jahr 2010 das moralische Verhalten der Menschen durch die Wechselwirkung von Genen und kulturellen Memen. Er greift dabei auf Gedanken von Richard Dawkins über egoistische Gene zurück. Wie die Gene die Basiselemente des Lebens und damit der menschlichen Existenz sind, so sollen die Meme die Grundelemente der Kultur sein. Eine neomoderne Ethik baut auf solchen Erkenntnissen über die Beziehungen von Gen und Verhalten auf, ohne einem genetischen Determinismus zu folgen.

Francis Fukuyama sah die liberale Demokratie als das Ende der Geschichte und als die Staatsform, in der auch die durch Geningenieurtechnik neu auftretenden Probleme zu lösen sind.[3] Eine neomoderne Ethik muss aber solche vereinfachten Auffassungen einer sehr kritischen Analyse unterwerfen - im Sinne einer Weiterentwicklung zu einer qualitativ neuen Demokratie unter Einschluss qualitativ neuer globaler Kommunikationsmöglichkeiten.

Die Globalisierung seit den 1990er Jahren lässt neue hierarchische Wertegemeinschaften entstehen, die für eine neomoderne Ethik von besonderem Interesse sind. Der US-amerikanische Wissenschaftler Samuel P. Huntington hat in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam gemacht, dass man es hier mit einer Wiederentdeckung sozialer Werte zu tun hat.[4] Die Hierarchie solcher Wertegemeinschaften reicht von den sozialen Beziehungen in der Familie, im Freundeskreis und in Zusammenschlüssen in Vereinen bis zu Nationen sowie zunehmend bis zu Staatengemeinschaften, Vereinigungen und Konzernen auf internationalen Ebenen. Die Europäische Union (EU) ist eine solche hierarchisch gegliederte Wertegemeinschaft, in der Ethnien, Nationen, Staaten, doch auch übernationale und überstaatliche Interessengruppen wirken. Für die besonderen Fragestellungen solcher neuen Wertegemeinschaften muss eine neomoderne Ethik entsprechende Antworten entwickeln.

Frank Schirrmacher hatte seit 2009 umfangreiche Analysen vorgelegt, um die Auswirkungen von weltweiter Globalisierung und aktuellem wissenschaftlich-technischem Fortschritt auf unser Weltbild und unser ethisches Verhalten zu charakterisieren: Es „verändern sich gesellschaftliche Wertevorstellungen in staunenswerter Geschwindigkeit.“ [5] Als Journalist hat Schirrmacher primär eine kritische Beschreibung solcher neuartiger Entwicklungen geleistet. Eine hierauf aufsetzende Verallgemeinerung und wissenschaftliche Theorienbildung für eine neomoderne Ethik konnte man von ihm jedoch nicht erwarten, weder von seinem letzten Buch noch von dem hierzu vorangegangenen zum Informationszeitalter.[6]

Ein globaler Kampf der unterschiedlichen Kulturen ließe jedoch die Menschheit in Barbarei verfallen. Deshalb forderte der Schweizer Theologe Hans Küng, der langjährig von Tübingen aus hierzu publizistisch wirksam war, ein Weltethos.[7] Aus mehreren seiner Schriften und früheren Bücher seit 1990 hat er u. a. das „Manifest Globales Wirtschaftsethos - Konsequenzen und Herausforderungen für die Weltwirtschaft“ formuliert[8] sowie das „Handbuch Weltethos“ entwickelt, somit also dazu beigetragen, dass globales Denken verschiedener Art in eine neomoderne Ethik einbezogen wird.[9] Zur Beförderung und Umsetzung seines ethischen Gedankengutes hat er eine Stiftung Weltethos mitgegründet und geführt. Zu den Grundüberzeugungen dieses Projektes Weltethos gehört, dass es im modernen Zeitalter kein Zusammenleben auf unserem Globus ohne ein globales Ethos geben kann. Derartige Aspekte müssen auch in eine neomoderne Ethik mit einfließen.

Wissenschaftliche Grundsätze für eine neomoderne Ethik enthält auch ein Sammelband in russischer Sprache aus dem Jahre 2012, der einen beachtenswerten Schritt auf diesem Wege darstellt: „Der Mensch und seine Zukunft. Neue Technologien und die Möglichkeiten des Menschen“.[10]

Für eine neomoderne Ethik existieren also mehrere nationale und internationale Wurzeln.

Programmpunkte[Bearbeiten]

Auf solchen Vorarbeiten aufbauend, wurden Grundzüge zu einer neomodernen Ethik von Helga Hörz und Herbert Hörz entworfen, systematisch zusammengestellt und als wissenschaftliche Arbeit formuliert.[11] Sie entwickeln hierbei ihre Ansätze für eine neomoderne Ethik als Teil eines umfassenden Humanismus. Sie versuchen, Freiheitsgewinn als Ausdruck gewachsener Humanität in sozialen Systemen messbaren Kriterien zu unterwerfen. Mit Humankriterien und Humangeboten geben sie Normen an, die sich aus humanen Werten für ein menschenwürdiges Dasein ableiten lassen. Aus diesen Humankriterien und Humangeboten werden Gebote für eine universalistische Ethik abgeleitet, die moralische Normen umfassen sollen, mit denen den gegenwärtigen Herausforderungen an eine zeitgemäße Ethik entsprochen werden kann.

Die humane Lösung globaler Probleme fordert dabei die Menschheit als sittliches Objekt heraus. Sie soll sich bei Strafe des Untergangs oder des Übergangs zur Barbarei von einer Katastrophengemeinschaft zur Verantwortungsgemeinschaft entwickeln unter Einschluss der UNO und anderer internationaler Aktivitäten.[12]

Humankriterien[Bearbeiten]

  1. Eine kulturell und individuell sinnvolle Tätigkeit ist für jedes Individuum wichtig, wenn es seinem menschlichen Wesen gerecht werden will. Die Forderung nach Freiheit impliziert Anspruch auf Arbeit. Kulturell notwendige Arbeit sollte als individuell sinnvolle Tätigkeit angeboten werden. Die Entwicklung neuer Formen der Produktion und Konsumtion, des menschlichen Zusammenlebens, der Bildung und Betreuung bietet viele Möglichkeiten dafür.
  2. Persönlichkeitsfördernde Kommunikation braucht jeder Mensch, da er nicht nur ein denkendes und handelndes Wesen, sondern auch ein sozial organisiertes kommunikatives Geschöpf ist. Er nutzt Arbeitsteilung und braucht Hilfe in schwierigen Situationen. Jeder Mensch lebt mit Familie, Freunden und Kollegen. Er sucht Anerkennung und Liebe von Partnern, Solidarität in der Not, Hilfe bei Konflikten.
  3. Die individuell spürbare Erhöhung des Lebensniveaus für alle Glieder des sozialen Systems entspricht einer Forderung, die fast jedes moderne politische Programm sozialer Gestaltung der Strukturen und ihrer Umgestaltung enthält. Für die Befriedigung von Bedürfnissen der Individuen ist der Anteil am gesellschaftlichen Reichtum in jedem gesellschaftlichen System entscheidend. Da Bedürfnisse ständig wachsen und die Tendenz besteht, sich dem Niveau höchster möglicher Befriedigung zu nähern, ist gesellschaftliche Entwicklung mit Freiheitsgewinn aller Glieder einer soziokulturellen Identität mit Bedürfnisgestaltung verbunden, die auf solche Bedürfnisse orientiert, die sinnvoll sind, weil sie das Leben reicher und glücklicher machen.
  4. Die garantierte und geförderte Entwicklung der Individualität ist mit der Erweiterung gesellschaftlicher Freiheitsräume verbunden. In ihnen ist Nahrung, Obdach, Bildung, Arbeit, Erholung zu garantieren. Individualität ist genetisch-biotisch determiniert. Sie bildet sich in einer bestimmten Umgebung durch die soziale Realisierung einer Möglichkeit aus dem durch die genetisch-biotischen Prädispositionen bestimmten Möglichkeitsfeld heraus. Individuen sind nicht grenzenlos bildungsfähig. Der richtige Einsatz von Individuen für Tätigkeiten, die ihren Fähigkeiten und Entwicklungspotenzen entsprechen, müsste durch die Gesellschaft bei der Ausbildung der Fähigkeiten, bei der Bewertung der Leistungen und bei der Suche nach dem richtigen Platz unterstützt werden. Selbstverwirklichung führt zur Stärkung des Selbstwertgefühls und erhöht das Glücksempfinden. Human ist das nur, wenn nicht Egozentrik überwiegt, sondern Eigennutz und Gemeinnutz im reziproken Altruismus garantiert sind.
  5. Gesellschaftliche Verantwortung hat Behinderte, sozial Schwache, Ausgegrenzte und Diffamierte einzuschließen, wenn sich eine dem entwickelten Menschsein angemessene Solidargemeinschaft herausbilden soll. Wird durch Ausgrenzung und Diffamierung einem Menschen, einer sozialen Gruppe, einer ethnischen Einheit, einer Nation, einem Staatsgebilde das Existenzrecht abgesprochen, indem das Toleranzgebot als Ausdruck des Gebots zur Achtung der Menschenwürde verletzt wird, dann ist Humanität in Frage gestellt.

Humangebote[Bearbeiten]

  1. Das Gebot zur menschenwürdigen Gestaltung der Natur verlangt eine Analyse ökologischer Zyklen, um die Erhaltung und Gestaltung der Natur so durchführen zu können, dass die natürlichen Lebensbedingungen der Menschen nicht zerstört werden und dabei die Lebensqualität erhöht wird. Zu finden sind Effektivitätsmittel, die eine Einheit von ökonomischen und ökologischen Forderungen verwirklichen, wie kostengünstige und umweltschonende Technologien für die Urbanisierung, zur Energiegewinnung und generell zur humanen Lebensgestaltung, die auch für ärmere Länder brauchbar sind, um den Raubbau an den natürlichen Ressourcen zu verhindern.
  2. Das Gebot zur Erhaltung der menschlichen Gattung fordert die Ächtung und das Verbot von Massenvernichtungswaffen, die Abwendung ökologischer Katastrophen und die Risikominimierung bei der Verwertung, Entwicklung und dem Neueinsatz von Technologien. Menschen sind zwar in der Lage, ihre Selbstvernichtung zu organisieren, sie sollen jedoch ihre Kraft zur Selbsterhaltung einsetzen.
  3. Das Gebot zur Erhöhung der Lebensqualität betrifft die Strukturen eines sozialen Systems, die für die Verteilung das gesellschaftlichen Reichtums entscheidend sind; es geht um Verteilungsgerechtigkeit. Leistungen für die Gesellschaft sind entsprechend zu belohnen und das Prinzip solidarischer Verantwortung durchzusetzen. Das Gebot ist zugleich der Ruf nach solchen Technologien, die das Leben erleichtern, Freude an der Produktion materieller und kultureller Güter ermöglichen und Freiheitsgewinn fördern.
  4. Das Gebot zur Achtung der Menschenwürde hat individuelle und soziale Aspekte. Die sozialen Rechte sind mit den Humankriterien angesprochen. In den Forderungen nach einer qualitativen Demokratie zur Förderung der Autonomie und Souveränität der Individuen werden neue Aspekte der Menschenrechte verdeutlicht. Dabei steht das Gebot zur Achtung der Menschenwürde über dem Toleranzgebot, da stets genau zu prüfen ist, was sich mit den Humankriterien vereinbaren lässt und was als antihuman nicht toleriert werden darf.

Gebote für eine universalistische Ethik[Bearbeiten]

  1. Gebot der Beseitigung von Gefahrenrisiken: Handle so, dass die Existenz der Menschheit nicht gefährdet werden kann.
  2. Gebot zum Erfolgsrisiko: Setze Deine ganze Kraft dafür ein, dass die Lebensqualität erhöht wird. Dieses Gebot schließt den Kampf gegen Unterentwicklung, Ausbeutung, Hunger, Analphabetentum und damit die Ausschöpfung der Humanpotenziale des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im Interesse aller existierenden Kulturen in der Welt ein.
  3. Gebot zur humanen Naturgestaltung: Gestalte und erhalte die natürlichen Bedingungen menschlicher Existenz durch die Einordnung der Bedürfnisbefriedigung in ökologische Zyklen und durch die Achtung der Schönheit der Natur. Missachte nicht die Würde der Kreatur und führe keine unnötigen Tierexperimente durch.
  4. Gebot zur Achtung der Persönlichkeit: Prüfe die möglichen zukünftigen Folgen gegenwärtigen Tuns. Achte die Integrität und Würde der Persönlichkeit durch Höflichkeit und Toleranz im Umgang miteinander. Dieses Gebot schließt bei Experimenten mit und am Menschen die Abschätzung des persönlichen Nutzens im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Nutzen, die Risikominimierung, die Entscheidungsfreiheit der Betroffen und das erhöhte Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten ein.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Neomoderne hat seit dem Erscheinen des grundlegenden Buches von Schmidt-Salomon im Jahre 1999 zunehmend auch Eingang in eine neomoderne Ethik gefunden. Für den gesamten deutschsprachigen Raum steht hierfür die nachfolgende Auswahl von Beispielen.

Die Universität Köln unterhält in ihrer Philosophischen Fakultät ein Zentrum für Moderneforschung (ZfMod), dessen Forschungsprofil auch die neomoderne Ethik integriert: „Der Begriff der Moderne bezieht seit einigen Jahrzehnten seine Bedeutung u. a. aus Debatten um das Ende der Moderne, also v. a. über die Postmoderne. Neu ist die Auseinandersetzung mit dem Entwurf einer Neomoderne in der Bildenden Kunst (Tomma Abts, Guy Denning), aber auch im populärphilosophischen Bereich (Richard Dawkins, Michael Schmidt-Salomon, Jost Hermand, Slavoj Žižek, Steven Pinker). Diese Diskussion wird in verschiedenen Bereichen wie etwa Architekturtheorie, Kunstgeschichte, Ethik, Religionsphilosophie, Soziologie und Wissenschaftstheorie geführt.“[13]

Peter Kern als emeritierter Professor der Pädagogischen Hochschule Freiburg i. B. beteiligte sich in seinen „Philosophischen Peanuts“ im Zusammenwirken mit dem Schweizer „Haus des Verstehens“ an der Diskussion zum Thema „Neomoderne“, indem er mit Bezug auf die Ethikdebatte formuliert:

„Deshalb ist es sinnvoll, zwischen Genese, Geltung, Anerkennung und Durchsetzung von ethisch begründeten Normen zu unterscheiden. Die genetisch, also historisch letzte vorherrschende Position in der Ethikdiskussion ist die der Postmoderne mit der Negierung der Vernunft. Die genetisch aktuellste Erkenntnis muss aber nicht zwangsläufig auch die in der Geltung wertranghöchste sein. Die Argumente in der Neomoderne rehabilitieren ja gerade die Vernunft und zeigen ihren unhintergehbaren universalen Wert. Die rationale Begründung der Vernunft als universalen Wert hat aber nicht zwangsläufig deren Anerkennung und Durchsetzung zur Folge. Dazu bedarf es der entsprechenden Wert-Erfahrungen.“[14] Mit dieser Ansicht steht er nahe bei den Auffassungen des Hörz‘schen Buches.

Peter Fleissner als Professor an der Universität Wien und Experte auf EU-Ebene, hat eine ausführliche Rezension zu dem Buchtitel von Helga E. Hörz und H. Hörz veröffentlicht. Hierin bespricht er die Darstellungen unter dem Aspekt einer solchen neomodernen Ethik, zunächst also historische Vorbilder, dann die außereuropäische und europäische Ethik, geht auf die Religionen, das revolutionäre Programm sowie den Realsozialismus ein, legt die Veränderungen durch globale Problemstellungen dar und die neuen möglichen Formen der Demokratie sowie schließlich den ethischen Wandel in Wissenschaft und Religion. Er gelangt zu einer positiven Einschätzung des innovativen Inhalts. Daher erhofft er einen großen Leserkreis vor allem bei der Jugend, die aufbauend auf den im Buch vermittelten Grundlagen und Erkenntnissen zur neomodernen Ethik praktikable und innovative Alternativen für die Gesellschaft entwickeln könnte.[15]

Junko Althaus aus Zürich hat in ihrem Buch „Die moralische Intuition“ auch Aspekte der neomodernen Ethik behandelt.[16] Hierzu hat Monika Kasper, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Zürich, in ihrer Rezension formuliert: „Mit ihrer entwicklungsorientierten Ethik vermeidet die Autorin somit die Gefahr eines absoluten Werterelativismus ebenso wie eine fundamentalistische Auffassung von Wahrheit. Gerade dadurch ist die Schrift von Junko Althaus auch im Einklang mit den Forderungen, die derzeit die neomoderne Ethik erhebt. Verantwortung in der Gegenwart ist nach dieser Ethik die Pflicht zur Beförderung der Humanität. Die Chance, human zu leben, müssen sich die Menschen in soziokulturellen Einheiten selbst erkämpfen. Zu zeigen, wie die neomoderne ethische Forderung nach Humanität, also nach dem, was allen Menschen gemeinsam ist, ohne dass dabei ihre Vielfalt und Individualität verlorengehen, umgesetzt werden kann, ist das besondere Verdienst von Junko Althaus, die mit ihrer Arbeit auf vorbildliche Weise die Voraussetzung dafür geschaffen hat.“[17]

Der behandelte Gegenstand und die hierfür gewählte Begriffsbildung neomoderne Ethik werden also von der nationalen und internationalen scientific community rezipiert und diskutiert sowie auf diesem Wege zukünftig auch fortgeführt. Insbesondere darf in absehbarer Zeit die konsequente Fortsetzung der bestehenden Wikipedia-Artikel Moderne und Postmoderne durch einen weiteren Artikel zu Neomoderne und Post-Postmoderne erwartet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Michael Schmidt-Salomon: Erkenntnis aus Engagement - Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 1999, 486 Seiten, ISBN 3-932710-606. Vgl. auch Herbert Hörz: Wissenschaft als Aufklärung? – Von der Postmoderne zur Neomoderne. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, Jg. 1999, Bd. 28, H. 1. trafo Wissenschaftsverlag, Berlin 1999.
  2. Hochspringen Hans Mohr: Evolutionäre Ethik. In: Erwägen, Wissen, Ethik, Jg. 2010, Heft 2.
  3. Hochspringen Francis Fukuyama: Das Ende des Menschen. Deutsche-Verlags-Anstalt, Stuttgart; München 2002.
  4. Hochspringen Samuel P. Huntington: Who are we? Die Krise der amerikanischen Identität. Europaverlag, München; Wien 2004, ISBN 3-203-78060-7.
  5. Hochspringen Frank Schirrmacher: EGO - Das Spiel des Lebens. Karl Blessing Verlag, München 2013, 352 Seiten, ISBN 978-3-89667-427-2.
  6. Hochspringen Frank Schirrmacher: Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. Karl Blessing Verlag, München 2009, 240 Seiten, ISBN 978-3-89667-336-7.
  7. Hochspringen Hans Küng: Projekt Weltethos. Piper Verlag, München 1990.
  8. Hochspringen Hans Küng, Klaus M. Leisinger, Josef Wieland: Manifest Globales Wirtschaftsethos - Konsequenzen und Herausforderungen für die Weltwirtschaft. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-423-34628-3.
  9. Hochspringen Hans Küng: Handbuch Weltethos. Eine Vision und ihre Umsetzung. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-30059-9.
  10. Hochspringen Galina L. Belkina (Hrsg.): Tschelowek i ego Buduschtschee. Nowye Technologii i Wosmoschnosti Tscheloweka. Moskwa: Lenand 2012, ISBN 9785-9710-0488-2.
  11. Hochspringen Helga E. Hörz und Herbert Hörz: Ist Egoismus unmoralisch? Grundzüge einer neomodernen Ethik. trafo Verlagsgruppe, Berlin 2013, 459 Seiten, ISBN 978-3-86464-038-4.
  12. Hochspringen Helga E. Hörz: Zwischen Uni und UNO. Erfahrungen einer Ethikerin. Reihe Autobiographien, Bd. 37. trafo Verlagsgruppe, Berlin 2009, 393 Seiten, ISBN 978-3-89626-924-9.
  13. Hochspringen www.zfmod.uni-koeln.de/forschungsprofil.html?&L=0
  14. Hochspringen Peter Kern: Neomoderne. In: „Ergänzungstexte“. Alphabetisch geordnet. www.haus-des-verstehens.ch
  15. Hochspringen www.transform.or.at
  16. Hochspringen Junko Althaus: Die moralische Intuition - Anleitung zu einem Erkenntnisprozess auf Grundlage der «Philosophie der Freiheit» Rudolf Steiners. Jakchos Verlag, Zürich 2014, 144 Seiten, ISBN 978-3-906160-12-2.
  17. Hochspringen www.jakchosverlag.ch
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