CROWCASS

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Die Abkürzung CROWCASS steht für Central Registry of War Crimes and Security Suspects (deutsch: Zentralregister für Kriegsverbrechen und Sicherheitsverdächtige). Es war ein Vorhaben des Hauptquartiers der US-amerikanischen und britischen Expeditions-Streitkräfte (SHAEF - Supreme Headquartiers of Allied Expeditionary Force) von April 1945 bis März 1948. Bei diesem Vorhaben sollten alle festgesetzten Kriegsgefangene und in Lagern untergebrachte Personen (DP - Displaced Persons) registriert werden, um eine Liste der Personen zu erstellen, die Kriegsverbrechen begangen hatten oder im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen gesucht wurden.

Organisation[Bearbeiten]

Im April 1945 ordnete der US-General und allierte Oberbefehlshaber von SHAFE Dwight D. Eisenhower[1]die Erstellung von CROWCASS an. Die Aufgabe übernahm die 1. Generalstabsabteilung G-1 (personnel and administration) von SHAFE mit Sitz in Paris ab April 1945. Dabei orientierten sich die beauftragten Personen an der Aufstellung von Listen durch die UNWCC (United Nations War Crimes Commission - deutsch: Kommission der Vereinten Nationen für Kriegsvrbrechen)[2]. Unter der Aufsicht von US-amerikanischen und britischen Offizieren sowie einem französischen Verbindungsoffizier wurden anfangs 200 Angestellte mit dem Sammeln, Ordnen und der Weiterverarbeitung der anfallenden Daten beschäftigt. Der Umfang der Daten wurde täglich von bis zu 10.000 Personen erfasst. Diese Datenmenge konnte nur mit Büromaschinen und Lochkarten bewältigt werden[3]. Die Arbeiten wurden durch die Kriegsfolgen und technische Schwierigkeiten wie Stromausfälle behindert. Auch die Ausführung der Zusammenstellung der Daten verlief nicht reibungslos. So stellte sich alsbald heraus, dass es nicht gerechtfertigt war, Fingerabdrücke wegen der mangelnden Vergleichsmöglichkeiten aufzunehmen.

Bei der Menge von anfallenden Daten kam man mit den bisherigen Arbeitskräften nicht aus. Deshalb wurde die Anzahl der Angestellten auf 380 erhöht und 42 alliierte Offiziere und Unteroffiziere zur Unterstützung dazu abgestellt. Mit der auflösung von SHAFE stellte sich ein Umzug der Organisation von CROWCASS nach Berlin als notwendig heraus. Als ab 1. Juni 1946 der Umzug nach Berlin erfolgte, mussten die Arbeiten an CROWCASS für mehrere Monate eingestellt werden. In Berlin beteiligte sich die Sowjetunion nicht an den Arbeiten für CROWCASS.

Nutzung von CROWCASS für Geheimdienste[Bearbeiten]

Von den Interessen der US-Army geleitet, bot sich für die US-Geheimdienste an, die Datenbestände von CROWCASS dazu zu nutzen, um ehemalige Angehörige des SD, der Gestapo und anderer NS-Dienste anzuwerben. Der Stabschef von Eisenhower, US-General Walter Bedell Smith, beauftragte den ehemaligen FBI-Agenten Leon G. Turrou mit der Aufgabe, geeignete Personen aus den Listen von CROWCASS herauszusuchen, die sich für Geheimdienstaufgaben eigneten. Waren erstmal ihre Aufenthaltsorte ermittelt und war die Anwerbung erfolgreich, so wurden diese als Informanten und/oder US-Geheimdienstagenten eingesetzt[4]. Die angeworbbenen Personen wurden dann in den CROWCASS-Listen gestrichen.

Resultate von CROWCASS[Bearbeiten]

Im März 1948 wurden die Arbeiten eingestellt. Die Daten wurden in 40 Registern zu Bänden zusammengestellt und in 12 Länder weitergegeben. Für vermutete Kriegsverbrecher wurden 48.000 Steckbriefe ausgestellt und 130.000 Berichte zu festgenommenen Personen an Dienststellen übergeben[5].

Im Jahre 2005 wurde eine konsolidierte Liste von CROWCASS im Umfang von etwa 731 Seiten veröffentlicht, die mehr als 50.000 Namen auflistet und eine Zusammenfassung von September 1947 ist.[6]

siehe auch:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dwight D. Eisenhower
  2. Lorie Charlesworth, 2 SAS Regiment, War Crimes Investigations, and British Intelligence: Intellignce Officials and the Natzweiler Trial, in: The Journal of Intelligence History, No. 6 (2009), 2, p. 13-60
  3. Robert Sigel, Im Interesse der Gerechtigkeit - Die Dachauer Kriegsverbrecherprozesse 1945-1948, Frankfurt/Main, 1992, S. 20, passim
  4. William R. Corson, The Armies of Ignorance, New York 1977
  5. Christopher Simpson, Der amerikanische Bumerang - NS-Kriegsverbrecher im Sold der USA, Wien 1988, S. 91
  6. CROWCASS-Liste vom September 1947
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