Blauer Kreis

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kartellvertrag Rhenania Freiburg / Rhenania Tübingen (1858)

Der Blaue Kreis ist ein Verhältniskreis von Corps im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Der blaue Kreis ging aus dem älteren Goldenen Kartell hervor, das sich durch die Kartellabschlüsse zwischen dem Corps Hannovera Göttingen mit dem Corps Lusatia Leipzig (1849) und dem Corps Teutonia Marburg (1858) begründete und in seiner völligen Geschlossenheit dem sogenannten großen Kartellsterben unter den Kösener Corps zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Ersten Weltkriegs zum Opfer fiel. Grundlage für die Bezeichnung war die Tatsache, dass alle drei Corps gold als Farbe in ihren Bändern tragen. Aufgrund der blauen Mützenfarbe der Corps Lusatia Leipzig und Teutonia Marburg sowie weiterer sich später diesem Kartell annähernden Corps entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung „blauer Kreis“.

Das Goldene Kartell besteht heute nur noch zwischen Lusatia Leipzig und Hannovera einerseits und Hannovera und Teutonia Marburg andererseits. Maßgeblicher für die Gestaltung und Wahrnehmung der blauen Corps wurde im 20. Jahrhunderts das Eiserne Kartell zwischen den Corps Rhenania Freiburg, Rhenania Tübingen und Teutonia Marburg. Zu diesem Kartell trat 1908 das von den drei Corps an der neuen Westfälischen Wilhelms-Universität gestiftete Corps Rheno-Guestphalia hinzu. Das Eiserne Kartell wurde früher auch „Kohlekartell“ genannt, weil viele Mitglieder anschließend an ihre Aktivenzeit den Ort ihres Corps verließen und Bergbauwissenschaften studierten. Sie bekleideten als Alte Herren oft führende Positionen im Bergbau und der Schwerindustrie.

Heute lassen sich 18 aktive Kösener Corps dem blauen Kreis zuordnen. Nach wie vor gewinnen sie ihren Nachwuchs vor allem im Bürgertum. Trotz des inoffiziellen Charakters beeinflusst die Kreiszugehörigkeit in teilweise erheblichem Maße die Außenwirkung und Selbstwahrnehmung der jeweiligen Corps; allerdings pflegen nicht alle Corps des Kreises engen Umgang miteinander. Die Anzahl der Verhältnisse spiegelt nicht die kreispolitische Bedeutung des Corps. Auch bestehen traditionsreiche Verhältnisse zu nicht-blauen Corps. Der blaue Kreis ist seit langem der mitgliederstärkste Kreis im KSCV. Das Lebenscorps Onoldia steht dem blauen Kreis nahe.

Mitgliedcorps[Bearbeiten]

Corps Stiftung bl. Verh. Anmerkungen Corpshaus Wappen
Austria 1861 10 1919 von Prag an die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main verlegt
Guestfalia Greifswald 1837 7 1951–1993 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vereinigt mit Guestphalia Bonn
Guestphalia Bonn 1820 9
Hannovera 1809 6 Goldenes Kartell. In Göttingen seit 1856 im Kartell mit dem kreisfreien Corps Nassovia Würzburg.
Isaria 1821 9 gestiftet an der Universität Landshut, seit 1826 in München. Süddeutsches „Führungscorps“ des Blauen Kreises  
Lusatia Leipzig 1807 4 Goldenes Kartell. 1990 aus dem „Exil“ in Erlangen und Berlin nach Leipzig zurückgekehrt
Marchia Berlin 1810 11 älteste Studentenverbindung der preußisch-deutschen Hauptstadt
Masovia 1830 6 nach dem 2. Weltkrieg in Kiel, seit 2001 in Potsdam
Moenania 1814
Palaiomarchia 1844 10 1991 nach Halle (Saale) zurückgekehrt
Palaiomarchia-Masovia 1950 12 1950 unter Mitnahme des Collegium Albertinum (Kiel) von Alten Herren der Corps Palaiomarchia und Masovia in Kiel gestiftet
Palatia-Guestphalia 1952 8 in Freiburg im Breisgau hervorgegangen aus Guestphalia Jena und Palatia Straßburg
Rhaetia 1859 8 2002 von Innsbruck nach Augsburg verlegt
Rhenania Freiburg 1812 7 Kohlekartell
Rhenania Tübingen 1827 6 Kohlekartell
Rheno-Guestphalia 1908 5 in Münster (Westfalen) gestiftet von Rhenania Freiburg, Rhenania Tübingen und Teutonia Marburg. Kohlekartell
Suevia Heidelberg 1810 mit den damaligen Corps Curonia, Rhenania, Vandalia und Hannovera unterzeichnete Suevia den SC-Comment vom 1. Juni 1810, in dem erstmals der Begriff „Corps“ in einem Comment verwendet wurde  
Teutonia Marburg 1825 Goldenes Kartell, Kohlekartell

Frühere Mitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Assmann: Hannovera Göttingen – Rhenania Tübingen. Einst und Jetzt 36 (1991), S. 151–158.
  • Erich Bauer: Geschichte des Corps Lusatia zu Leipzig 1807–1932. Zeulenroda 1932.
  • Corps Rhenania Freiburg (Hg.): Die Freiburger Rhenanen 1812–1961. Zum 150. Stiftungsfest Mai 1962. Freiburg, Düsseldorf 1962.
  • Kurt Beyer, Hans Heinrich Jerschke: Geschichte des Corps Lusatia Breslau 1832 bis 1952. Köln 1982.
  • Ludwig Denecke: Rhenania und Palaiomarchia. Zum 90-jährigen Bestehen einer Freundschaft. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 57 (1975), S. 1257–1259.
  • Rüdiger Döhler (Hg.): Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2.
  • Edwin Fels: Das Corps Isaria 1821–1927, München 1927.
  • Franz Frey-Donzdorf: Geschichte des Corps Rhenania Tübingen 1827–1927. Stuttgart 1927.
  • R.G.S. Weber: The German Corps in the Third Reich Macmillan London 1986, S. 24
  • Jürgen Herrlein, Corps Austria – Corpsgeschichte 1861–2001, Frankfurt am Main 2003.
  • E. Kleinschmidt, H. v. Spindler: Geschichte des Corps Teutonia zu Marburg 1825–1955. Wuppertal 1955.
  • Friedrich Wilhelm Koenig: Geschichte des Corps Palaiomarchia zu Halle a. S. nach den noch vorhandenen Protokollen des CC und des Hallenser SC. Halle (Saale) 1903.
  • Eberhard Naujoks: Geschichte des Corps Suevia zu Heidelberg 1810–1975.
  • Josef Neuwirth: Das acad. Corps Austria zu Prag. Ein chronistischer Versuch. Prag 1881. Digitalisat (PDF; 2,9 MB)
  • Burkhart Sachs: Das Corps Rhaetia Innsbruck 1859–1959. Innsbruck 1989.
  • Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Chronik des Corps Moenania 1814–1989. 1993.
  • Wilhelm Schrader-Rottmers: Die Beziehungen der Palaiomarchia zu anderen Corps von 1844 bis 1950, 1. Folge. Zeitung der Altmärker-Masuren 49 (1971), S. 1033–1037.
  • Franz Stadtmüller (Hg.): Geschichte des Corps Hannovera zu Göttingen 1809–1959. Göttingen 1963.

Weblinks[Bearbeiten]