Corps Franconia Hamburg

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Wappen der Franconia

Das Corps Franconia war eine Studentenverbindung im Berliner Militärärztlichen SC, dem Senioren-Convent an der Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen. Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte das Corps an die Universität Hamburg. Es suspendierte 1970 zum zweiten Mal und löste sich 1979 auf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Die spätere Franconia ging aus dem Gesangverein „Militärärztliche Stimmritze“ hervor, der am 13. Mai 1861 an der Pépinière gegründet worden war. Die geplante Umbenennung in Friderico-Guilelmia (1897) wurde von der Direktion der Akademie nicht genehmigt. Vielmehr suspendierte sie sowohl die Friderico-Guilelmia als auch die ebenfalls umgetaufte Suevo-Borussia. Alle sechs Chargierten der beiden Verbindungen erhielten zudem sechs Tage Arrest. Nach zwei Monaten konnten die Alten Herren schließlich eine Aufhebung der Suspension erreichen. Die Vereinigung nahm daraufhin mehr und mehr Corpssitten mit Zirkel (1899) und Bestimmungsmensuren (1903) an. Studentische Fechtwaffen wurden angeschafft, weil dem SC zu Berlin die große Anzahl von Waffenbelegern lästig wurde. Zugunsten des Fechtens wurde ferner der Chorgesang im Winter 1902/03 abgeschafft. Das rot-weiß-rote Corpsburschenband (1904), die rote Studentenmütze (Berliner Format) und die roten Kneipjacken (1906) wurden der Franconia vom Corps Holsatia Kiel vergeblich streitig gemacht.

Corps[Bearbeiten]

Seit 1907 nannte sich die Vereinigung Corps Franconia. Der Zirkel erhielt die endgültige Form. Der Wahlspruch war Pro patria et honore. Eingeführt wurde zudem die Corpsschleife, die auch Bräuten Alter Herren am Tage der Vermählung verliehen werden konnte.

Während des Ersten Weltkrieges musste die Franconia, ob des Einzuges vieler Studenten zum Militärdienst, suspendieren. Nach dem Friedensvertrag von Versailles wurde die Kaiser-Wilhelms-Akademie 1919 aufgelöst. Der Altherrenverband sah (zu Recht) keine Möglichkeit das Corps in Berlin wieder aufzutun. Deshalb beschloss Franconia, gemeinsam mit den anderen KWA-Corps an eine andere Universität zu verlegen. Die Wahl fiel auf die Universität Hamburg, an der nur das Corps Irminsul und die Landsmannschaft Hammonia akkreditiert waren.

Verlegung nach Hamburg[Bearbeiten]

 
SC zu Hamburg (1952)

Noch in Berlin wurden drei Inaktive, fünf Corpsburschen (die schon vor dem Kriege aktiv gewesen waren) und drei Füchse als Conkneipanten übernommen. Zur Übersiedelung nach Hamburg zum Wintersemester 1919/20 wurde Franconia dann als Kösener Corps von drei Alten Herren der Teutonia Marburg, zwei AH der Guestfalia Greifswald und je einem AH der Rhenania Tübingen und der Hannovera neugegründet. Als Stiftungstag der Franconia Hamburg genehmigte der oKC 1920 den Gründungstag der Berliner Zeit, den 13. Mai 1861. Die formale Neugründung war nötig, weil Franconia wie die beiden anderen Pépinière-Corps nicht im Berliner Senioren-Convent (KSCV) und damit nicht im Kösener Senioren-Convents-Verband gewesen waren. Zu dem Zeitpunkt hatte das Corps knapp 500 (größtenteils noch lebende) Alte Herren.[1]

Als erste Pflichterfüllung gegenüber der neuen Universitätsstadt beschloss der Konvent, eine Art Versammlung der Mitglieder des Corps, den geschlossenen Eintritt in das Freiwilligencorps Groß-Hamburg (Bahrenfelder Jägercorps), um etwaige erwartete Unruhen der Kommunisten in der Weimarer Republik entgegenzutreten.

1923 übernahm Franconia 51 Angehörige des suspendierten KWA-Corps Saxonia, das vergeblich versucht hatte in Hamburg Fuß zu fassen. Die Saxonia löste sich 1930 aus dieser Fusion und rekonstituierte in Hann. Münden. Die Franconia gehörte zu den Bünden, die Die Idee der republikanischen Verfassung – eine bedeutende Rede des Rektors Ernst Cassirer zur Verfassungsfeier des Hamburger Senats am 11. August 1928 – boykottierten.[2]

Die Aktiven der Franconia betrieben neben dem Studium Sport (Fechten, Schwimmen, Leichtathletik) und engagierten sich in Hamburg hochschulpolitisch im Großdeutschen Ring, der die Interessen des Hamburger Korporationsstudententums gegenüber dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund und der Sozialistischen Hochschulgruppe vertrat. Im Sommersemester 1932 waren im Hamburger AStA fünf NSDStB-Mitglieder, zwei Korporierte, zwei Nationale und drei Sozialisten. Aufgrund der weiteren politischen Entwicklung suspendierte Franconia am 9. November 1935, was am 12. Februar 1936 in eine Auflösung umgewandelt wurde. Der Altherrenverband mit Sitz in Berlin bestand indessen weiter.

Zwei Franken – Busch und Riege – gingen als Geschwaderärzte mit der Bismarck unter.

1951–1979[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstituierte Franconia 1951 im Hamburger Senioren-Convent. 1960 hatte das Corps 659 Mitglieder.[3] Wegen Nachwuchsmangels und innerer Probleme durch die 68er-Bewegung beschloss das aktive Corps am 24. Oktober 1970 zu suspendieren. Franconia löste sich im Jahr 1979 schließlich auf. Der Altherrenverband der Franconia besteht noch. Traditionsträger wurde das Corps Brunsviga Göttingen, mit dem 1979 noch ein Freundschaftsvertrag geschlossen wurde und dem sich daraufhin einige Franken anschlossen. In Zusammenhang mit der Wende in der DDR wurde auch von Alten Herren der Franconia noch (vergeblich) versucht, eine Wiederaufnahme der Franconia der am 23. Juli 1989 gegründete Akademische Fechtgemeinschaft Halle/Leipzig AFG in Leipzig (vgl. Studentenverbindungen_in_der_DDR#1989) anzutragen.[4] Dies misslang aber, während etwa das Corps Thuringia Jena bereits vor Ende der DDR von Hamburg nach Jena umzog.

Verhältnisse[Bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Dengel: Das Corps Franconia. Berlin 1911
  • Hans Brettner: Das Corps Franconia zu Hamburg. Berlin-Schöneberg 1929
  • Georg Bacmeister: Geschichte des Corps Brunsviga. Teil II: 1924–1993, Celle 2002, S. 253–259

Weblinks[Bearbeiten]

  Commons: Corps Franconia Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, S. 598–608
  2. Emily J. Levine: Dreamland of Humanists: Warburg, Cassirer, Panofsky, and the Hamburg School. University of Chicago Press, 2013, ISBN 978-0-226-06171-9 (google.com [abgerufen am 20. Januar 2016] S. 365. Zitiert wird aus Rainer Nicolaysen, in Hamburg im Dritten Reich 2005, dort S. 339).
  3. Kösener Corpslisten 1960, S. 60
  4. Kurt U. Bertrams: Studentenverbindungen in der DDR: vor der Öffnung der Mauer bis zur Gründung der Rudelsburger Allianz. WJK-Verlag, 2006, ISBN 978-3-933892-99-7 (google.com [abgerufen am 20. Januar 2016]).
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