Ökobonus

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Der Ökobonus ist eine Vergütung für ökologisch verträgliches Verhalten. Die Auszahlung dieser Vergütung kann in Form von Geld, Naturalien, Rechten oder Einsparung von Aufwendungen auch für technische Innovation geschehen. Im engeren Sinn bedeutet ein Ökobonus die Pro-Kopf-Rückvergütung von Ökosteuern, insbesonders von Lenkungsabgaben, also unechten Steuern auf Ressourcenverbrauch (z. B. fossiles Öl, Wasser), Schadstoffemission (z. B. Kohlendioxid, Pestizide), schädliches Verhalten (z. B. Lärm) oder Inanspruchnahme von begrenztem Gemeingut (z. B. Grund und Boden in Hauptstädten, Sendefrequenzen).

Prinzip[Bearbeiten]

Der Ökobonus wird zusammen mit Ökosteuern eingesetzt: die eingenommenen Ökosteuern werden als Ökobonus an jeden Bürger pro Kopf in gleicher Höhe zurückgezahlt. Wer viel verschwendet, zahlt viel. Wer ökologisch handelt, zahlt wenig.

Ein für den Staatshaushalt bilanzneutraler, finanzieller Ökobonus wirkt wie ein Ökologisches Basiseinkommen: Erfolgt die Ökobonus-Auszahlung nahezu vollständig und weitgehend gleich an alle Bürger, so hat dies eine sozialverträgliche Umverteilung der Ökosteuern hin zu niedrigen Einkommen zur Folge: Arme haben mehr Geld zur Verfügung, wenn sie sich ökologisch verträglich verhalten, Reiche müssen für ihren überdurchschnittlichen Verbrauch und Emissionen mehr bezahlen, als sie an Ökobonus ausgezahlt bekommen. Somit kann ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) teilfinanziert, im Extremfall ein Ökologisches Grundeinkommen mittels differenzierter Konsumsteuern komplett finanziert werden, wirkt also verändernd auf das Wirtschaftssystem: Im Gegensatz zum Kapitalismus oder zur ungeregelten freien Marktwirtschaft garantiert der Ökobonus die Möglichkeit der Teilnahme am Markt, stärkt also die soziale Marktwirtschaft. Volkswirtschaftlich bleibt die Kaufkraft insgesamt erhalten, da bilanzneutral bezüglich der Staatseinnahmen.

Werden Steuern generell als Ökosteuern umgestaltet und Einkommen überwiegend (mehr als 50 %) mit Ökobonus-Auszahlung finanziert, so liegt auch eine ökosoziale Marktwirtschaft vor. Werden Höhe und zu besteuernde Ressourcen bzw. Schadstoffe in echten demokratischen Entscheidungen festgelegt und die Marktteilnahme an den Ressourcen für alle garantiert, so kann man von basisdemokratischer öko-sozialistischer Marktwirtschaft sprechen. Diese spannt einen Rettungsschirm für alle Bürger, insbesonders für bisher Benachteiligte auf (Kinder, Frauen, Arme, nicht systemkonforme Menschen).

Aktuelle Umsetzung des Ökobonus-Prinzips[Bearbeiten]

Konsequent umgesetzt wurden Ökobonus-Modelle jedoch bisher erst auf nichtstaatlicher Ebene in Lebensgemeinschaften, Wohngemeinschaften und Kommune-Projekten. Auch: Solidarische Ökonomie. Für die nationale Ebene blieb eine komplett verwirklichte Ökobonus-Gesellschaft bisher Vision. Eine soziale Utopie ist es hingegen keineswegs, wie die Ökobonus-Rückzahlung von VOC-Abgabe und CO2–Abgabe in der Schweiz zeigt. 2010 wurden 81,60 Schweizer Franken über die Krankenkassen zurückgezahlt, für das Jahr 2013 sind 35,40 F vorgesehen. Auch in einzelnen Gemeinden werden Lenkungsabgaben rückvergütet (Basel). In Deutschland würde alleine ein Energie-Grundeinkommen aufgrund der Ökosteuern von mindestens 10,15 Euro pro Monat und Person zurückgezahlt werden, wie es STEFAN BACH in [1] für das Jahr 2003 berechnet hat. Auch die Regierung Hollande in Frankreich diskutiert derzeit ein Ökobonus-Gesetz mit einer Bonus-Malus-Regelung beim Strompreis, sowie beim Erdgas mit progressiver Wirkung [2]. Jedoch ist auch ein Grundkontingent für Strom und Energie im Gespräch. Im Gegensatz zu Sozialtarifen beim Strom, oder kostenlosen Grundkontingenten von Nahrungsmitteln oder Benzin, vermeidet der Ökobonus einen hohen administrativen, bürokratischen Aufwand bei Bedürftigkeitsprüfung und Allokation.

Ökobonus als Finanzierungsinstrument für Öko-Projekte[Bearbeiten]

Auch wird diskutiert, Ökosteuern nicht komplett nach dem Ökobonus-Prinzip zurück zu verteilen, sondern mit beispielsweise 5 bis 20 Prozent der Steuereinnahmen (revenues) ökologische Projekte zu finanzieren, z.B. Regenwald- und Meeresschutzgebiete oder Anschubfinanzierung von Erneuerbaren Energien. Siehe Welt-Klimavertrag [3]. Auch Verwaltungskosten fliessen nicht zurück. Die Quote der einbehaltenen Steuern oder Abgaben darf jedoch nicht zu hoch sein, soll die Aufkommensneutralität des Gesamtsystems nicht gefährdet werden. Denn im Gegensatz zu Steuern ohne Rückverteilung kann mit dem Ökobonus die Kaufkraft erhalten werden. Ein Ökobonus kann als Anreiz zur Verhaltensänderung instrumentalisiert werden. Andererseits sollen neue, umweltpolitisch erwünschte Wirtschaftsaktivitäten (Jobs) erschlossen werden, indem schadstoffintensive Aktivitäten mit hohen Ökosteuern oder Lenkungsabgaben belegt werden. Ein solcher Anreiz muss eine gewisse Wahrnehmungs-Schwelle übersteigen, um eine merkliche Verhaltensänderung zu bewirken, da psychologisch erst ein deutlich wahrnehmbarer finanzieller Vorteil erkennbar sein muss. Ins Englische könnte man Ökobonus daher als eco-balancing-incentive-tax übersetzen, Steering tax würde mehr eine planwirtschaftliche Ausprägung betonen.

Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen[Bearbeiten]

Für die Funktionsfähigkeit des Ökobonus ist die Verhinderung von Monopolen, Oligopolen und Markt- und Macht-Kartellen ausserhalb der demokratischen Kontrolle elementar: Nur ein Finanzierungssystem mit wirksamen Ökosteuern und der weitgehend freie Marktzugang Aller ermöglicht die individuelle Freiheit bei Verhaltensentscheidungen im Rahmen der ökologischen Grenzen des Planeten und der Grenzen des Wachstums (Club Of Rome). Der Ökobonus steht daher gegensätzlich zu Korruption und Öko-Diktatur (ordnungspolitische Verbote und Strafen). Der Ökobonus stellt die Freiheit zur ökologischen Verantwortung auf dem Planeten und die Abwägung ökologischer Kosten mit individuellen Bedürfnissen und wirtschaftlicher Aktivität in den Mittelpunkt: Der Gesetzgeber schafft für alle im Markt gleiche Rahmenbedingungen / Spielregeln (mit Steuerquote, Rückzahlung, caps), sichert damit den fairen Wettbewerb. Konsumenten sowie Unternehmen bleibt im Gegensatz zur staatlichen Planwirtschaft oder kompletten Verboten (siehe „Glühlampenverbot“) ein großer Gestaltungsspielraum erhalten. Es wird sogar von der Wiederherstellung der Wahlfreiheit des Konsumenten gesprochen, siehe Österr. AG-Mehrweg [4].

Positive Auswirkungen[Bearbeiten]

Die sozial ungerechte, regressive Wirkung alleiniger Ökosteuern, also die überproportionale Belastung kleiner Einkommen, sowie die progressive Wirkung von Ökoboni, also Belastung hoher Einkommen, wird bei Bach [1] analysiert. Die Rückvergütung der Stromsteuer, eventuell sogar deren Verdopplung als bilanzneutrale Massnahme für den Staatshaushalt, könnte die Belastungen kleiner Einkommen aufgrund der Steigerung der EEG-Umlage (Solar-Förderung) mehr als ausgleichen. Besonders entlastet würden vor allem Alleinstehende mit Kindern, sowie Nicht-Einkommens-Steuer-Zahlende mit niedrigem Einkommen, also auch Armuts-Rentner.

Entlastet werden könnten die Strom-Konsumenten ebenso von den Windfall profits der Stromkonzerne, die bisher leistungslos durch den EU-Emissionshandel abgeschöpft werden. Ebenso wie die EEG-Umlage werden diese in die Stromrechnung eingepreist, jedoch ohne grosse ökologische Wirkung, da viel zu viele Zertifikate auf dem Markt sind. Felix Ekardt (2010) bevorzugt deshalb "die Variante, selbst auf einen neuen EU-Emissionshandel zu verzichten und einfach auf nationaler Ebene einen Ökobonus einzuführen. Dieser könnte beispielsweise aus der bisherigen Ökosteuer gespeist werden; allerdings käme allein dadurch noch keine relevante Verteilungsmasse zusammen. Ein rein nationaler Ökobonus müsste deshalb mit einer deutlich erhöhten Ökosteuer einhergehen." [5] Gesetzesänderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) könnten sich ab sofort auf unstrittige Probleme hinsichtlich Verfügbarkeit und Netzstabilität einer 100% erneuerbaren Stromversorgung konzentrieren: Die Solar- und Windkraft-Förderung nach der kontinuierlichen Verfügbarkeit für die Stromversorgung staffeln, also den Bau von Speicherkapazitäten für Strom mit zusätzlicher Anschub-Förderung in das EEG einzupreisen, ist gesellschaftspolitisch sodann möglich, weil die soziale Ungerechtigkeit mit dem Instrument Ökobonus beseitigt wird. Anhand dieses Beispiels wird deutlich: Der Ökobonus wird als Voraussetzung für stabile Investitionen des von den Zentralbanken (EZB) in den Geldmarkt gepumpten Geldes für ökologisch verträgliches Wachstum angesehen, dem Green New Deal. Denn der Geldwert einer Währung oder einer Teil-Investition beruht immer auf langfristigen, gesellschaftlich akzeptierten Verträgen, auf darauf aufbauenden Steuereinnahmen. Ulrich Schachtschneider [6] bezeichnet ein auf dem Prinzip des Tax and Share aufbauendes öGE-Konzept Sozialer Green New Deal ohne Wachstum. "Ein ÖGE könnte ein zentrales Element des dafür vorgeschlagenen Gesellschaftsvertrages sein. Durch die Besteuerung von Umweltverbrauch würden die Bürger einen Teil ihrer Komfortmacht an die Natur (durch das Weglassen bestimmter Konsumtionen) und an die Schlechtergestellten (durch die Auszahlung an jeden) abgeben. Aber ein ÖGE ist mehr als ein Umverteilungsmodell. Mit einem ÖGE kann der Green New Deal einen libertären Charakter erlangen, da die Spielräume zur Gestaltung eines eigenen Lebensplans für alle, nicht nur die Begüterten, größer werden. Mit dem ÖGE wird der Green New Deal zudem antiproduktivistisch." (vgl.: Postwachstumsökonomie)

Ökobonus versus Pfand[Bearbeiten]

Ein vergleichbares System der Rückverteilung von Einnahmen mit dem Ziel einer sozial-ökologisch verträglichen Verhaltensänderung existiert unterhalb der staatlichen Ebene bereits mit Pfandsystemen. Für die Rückgabe von Mehrweg-oder Einweg-Flaschen, die Nutzung von Einkaufswagen, Fahrrädern oder Schliessfächern wird zunehmend in Europa und besonders in Deutschland, auch durch die Erfolge der Umweltbewegung, Pfand mit dem Ziel einer Lenkungswirkung erhoben (Dosenpfand). Der Erfolg zeigt sich im Entstehen neuer Jobs, wenn auch vorläufig oft nur im informellen Sektor (Flaschensammler). Die Bepfandung von klar abgrenzbaren Gegenständen hat jedoch Grenzen, auch wenn das negative Verhalten eindeutig zu Lasten des Gemeinwohls geht: Wertstoffe wie Schadstoffe sind nur in Form von Konsumgütern mit einem Pfand zu versehen, die Ausweitung auf Batterien und Energiesparlampen wird diskutiert. CO2-Moleküle sind nur schlecht zu bepfanden, auch nicht mit Nanotechnik, sie sind viel zu zahlreich und zu klein. Gerade im Bereich der Abfallvermeidung wird der Ökobonus daher auch als aufkommensneutrales Bonus-Malus-System diskutiert und angewandt, z.B. in Norwegen, siehe Österreichische AG-Mehrweg [4]. Hierbei können Zielquoten (im englischen caps) fixiert werden. Dies ist nicht nur auf der Ebene der Endverbraucher, sondern auch für Unternehmen möglich.

Ähnliche Modelle[Bearbeiten]

Kommunale Ebene[Bearbeiten]

Im wirtschaftlichen Teilsystem der Wasserversorgung und der Lenkungsabgaben oder Umlagen für Abwasseraufbereitung ist ein Bonus-Malus-System bereits realisiert und hat - auf den Nationalstaat Deutschland bezogen – zu einer Absenkung des Pro-Kopf-Wasserverbrauchs auf 122 l pro Tag geführt (Beispiel Giessen: Giessener Anzeiger, 14.11.2012). Die Gewässer wurden nachweislich sauberer. Bei kommunalen Unternehmen erfolgt jedoch die Rückvergütung der Kapital-Renditen aus Unternehmens-Überschüssen als Dividenden-Zahlung: Nicht gut sichtbar für den Bürger, fliessen gezahlte Abgaben zurück in die Kasse der eigenen Kommune, finanzieren so allerdings bereits heute Gemeinschafts-Aufgaben der Gemeinden. Öko-Boni könnten auch hier zu einer Inclusion der Citoyen als Teilhaber der Gemeinden, zu mehr Transparenz über die Profite beitragen. Auf Gemeinde-Ebene könnten auch kommunale Grundsteuern, Einnahmen aus Parkgebühren und Kommunal-Steuern als Ökobonus an die jeweilige Bürgerschaft pro Kopf zurückgezahlt werden.

Ähnlich wie bei Pfandsystemen führt der Ökobonus zu einer Regionalisierung durch höhere Treibstoff-Ökosteuern (siehe Transition-Town-Bewegung), sowie einer Dezentralisierung mit höherer Netzstabilität bei der Stromversorgung, wie dies in Deutschland nach einer Übergangszeit bereits erkennbar wird (siehe Grosse Transformation der Energie-Systeme, PIK, Rio + 20, Club of Rome, attac, Boell-foundation). Dies stärkt die kommunale Selbstverwaltung.

Globale Ebene[Bearbeiten]

Bei den Verhandlungen zu einem Welt-Klimavertrag, auch internationaler Anstrengungen zur Reduzierung von global wirkenden Treibhausgasen, sowie der Versauerung der Weltmeere durch Kohlendioxid (CO2), kommt dem Ökobonus eine wesentliche Rolle zu: Unter dem Aspekt von gleichen Grundrechten und Teilhabe an der Nutzung der Erd-Atmosphäre für alle Erdenbürger (Equal Rights, Klimagerechtigkeit), hat jeder Mensch individuell auf dem Globus die gleiche Höhe an Emissionsrechten: Abgeleitet vom demokratischen Wahlrecht one man – one vote, gilt global das Grundrecht one human – one emission right! [5] (FELIX EKARDT) bzw. „one wo-man = one equal emission right!“ [7] (MICHELER). (siehe auch: Ottmar EDENHOFER, RADERMACHER und WEIZSÄCKER). Ausgehend von diesem Menschenrecht zur Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse, sowie dem für alle gleichen Bürgerrecht auf eine für die Biosphäre noch vertretbare Emission an CO2, sollten die Vereinten Nationen vorrangig marktwirtschaftlich wirksame Lenkungsabgaben vereinbaren, bevor sie zum Mittel von Verboten, Öko-Diktatur oder Geo-Engineering Experimenten mit der Erdatmosphäre greifen. Die Lenkungsabgaben sind als Ökobonus jedem Erdenbürger aufgrund seiner Bürgerrechte in gleicher Höhe zurückzuerstatten. Die Finanzmittel fliessen also auch in diejenigen Staaten zurück, die CO2-Steuern erheben. Desto mehr, je erfolgreicher Treibhausgase reduziert werden. Gerade weil die Finanzierung eines Grünen Klimafonds (Green Climate Fund)(GCS) bisher völlig unzureichend ist, kann das Prinzip-Ökobonus eine Lösung für künftige UN-Klimakonferenzen sein. Ein Anteil von 10 - 20 Prozent aus der Besteuerung von Treibhausgasen, zunächst auch aus dem Emissionshandel, könnte als Green Climate Compensation and Adaptation Foundation Projekte zur Anpassung an den Klimawandel finanzieren. Ob allerdings bereits auf der UN-Klimakonferenz in Doha 2012 ein derartig sozial gerechter Vertrag als Nachfolge für den Adaptation Fund zustande kommt, bleibt fraglich.

Diskutiert wird wegen der fest gefahrenen Positionen im Post-Kyoto-Prozess auch, den Contract nicht zwischen Nationalstaaten oder auf UN-Funktionärsebene zu verhandeln, sondern als Welt-Klima-Vertrag der Citoyen (Bürger_innen) in der globalen Zivilgesellschaft auszuhandeln. (Globale Gerechtigkeitsbewegung).

Zur Abgrenzung der verwandten Instrumente tax and dividend, Fee and dividend dividend-fund, Cap and Trade, Robin Hood Tax, tax and share, siehe Welt-Klima-Vertrag der Bürger_innen.

Wirkung als volkswirtschaftliches Instrument[Bearbeiten]

Unter dem Aspekt der Kybernetik in einem Regelkreislauf des Finanz-Systems kann der Ökobonus, wie übrigens auch das Bedingungslose Grundeinkommen generell, als Gegenspieler, als Gegenkraft zum Zins aufgefasst werden. Er wirkt dabei nicht nur als dämpfendes Element, ähnlich wie rostendes Geld bei Silvio Gesell, der Aufblähung der privaten Geldmenge, insbesonders der verheerenden Wirkung der Buchgeldvermehrung auf die Stabilität einer Währung entgegen (Finanz-Blasen durch Spekulation bei der Kreditvergabe). Indem der Ökobonus zur Redistribution des Geldes an die Konsumenten führt, also übergrosses privates Kapital recycelt, wird die Mitte der Realwirtschaft durch höhere Marktmacht der Verbraucher gestärkt. Der Ökobonus kann bei entsprechender Grössenordnung der Öko-Steuern, und damit des Rückflusses privat akkumulierter Zinsgewinne aus der Wertschöpfung von Gemeingütern (Commons), die Geldmenge der öffentlichen Haushalte sogar ebenso erhöhen, ohne das Wirtschaftswachstum generell abzubremsen. Der Staat gewinnt Handlungs-Spielraum mit der Erhebung und stufenweisen Erhöhung sozial abgefederter Öko-Steuern zurück, weil er ja einen kleinen Teil davon für Projekte und Anschubfinanzierung einsetzen kann, also nicht komplett zurückzahlt. Die finanziell Begüterten bezahlen also für Gemeinschafts-Aufgaben. Andererseits werden nur umweltschädliche Verhaltensweisen finanziell abgebremst. Arbeitskraft wird – anders als bei Lohn- und Einkommens-Steuer – eher motiviert, da ja die verfügbaren Einkommen der globalen unteren Mittelschicht, der Unterschicht in reichen Nationen, der nicht Erwerbsfähigen, insbesonders der Kinder in Richtung eines Durchschnitts-Einkommens steigen, freilich durch geringer oder gar nicht besteuertes Arbeitseinkommen vom Individuum mit eigener Arbeit leichter erhöht werden können, als ohne ein ökologisches Grund-Einkommen (öGE). Der Sockelbetrag für die Basisbedürfnisse sollte ja durch die Ökobonus-Zahlungen bereits abgedeckt sein. Arbeitseinkommen zählt also ab dem ersten Euro als Zusatz-Einkommen, oder Beitrag für künftige Rentenzahlungen über das öGE hinaus. Durch höhere Endpreise mittels Öko-Steuern wird bewußt eine nur partielle Inflation ausgelöst, da ja wegen der Grenzen des Wachstums aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen auf diesem Planeten, eine Miniaturisierung des Verbrauchs dort volkswirtschaftlich durchaus erwünscht ist. Die Schrumpfung wird mit Öko-Steuern vorweg genommen, in die Endpreise für den Verbraucher sichtbar eingepreist, bevor es zum Oeco-Crash kommt (Klimakatastrophe, Tipping-Points, Kipppunkte). Der Ökobonus kann daher in einem kybernetischen Regelkreislauf des Geld-Systems als Regelelement für eine negative Rückkopplung des Zinsgewinns aus Naturverbrauch angesehen werden. Diese negative Rückkopplung kann sehr wohl auch als Dämpfung gegen Finanzblasen wirken. Hilft ökologische Schäden zu vermeiden, oder zumindest abzumildern. Am einfachsten kann dieser mathematische Regelungs-Zusammenhang mit einem beliebten Kybernetikspiel der 80er Jahre, Ökolopoly von Frederic Vester nachvollzogen werden.

Kritik[Bearbeiten]

Rebound-Effekt[Bearbeiten]

Zu beachten ist allerdings der Rebound-Effekt bei zu gering steigenden Lenkungsabgaben, wobei die Lenkungswirkung ausbleibt oder ins Gegenteil umschlägt, weil ja die unteren Einkommen durch Ökoboni etwas ansteigen, also mehr konsumiert werden kann. Ohne Bildung gerade in nicht entwickelten Nationen könnte die gutgemeinte Wirkung verpuffen, und zu mehr ungebremstem Wachstum führen.

Problematischer Einsatz des Ökobonus in Entwicklungsländern[Bearbeiten]

In Staaten ohne entwickeltes Finanz-System (Afrika, Asien) ist weder die Erhebung von Öko-Steuern, noch die egalitäre Redistribution von Ökoboni möglich. Allerdings noch viel weniger die Ökologische Bewertung von Produktion in einem parallelen footprint-System mit individuellen Nutzungs- oder Emissionsrechten (Personal carbon trading). Selbst in europäischen Staaten mit langer Tradition von Korruption und Steuerhinterziehung, wie Italien, Griechenland, Spanien, Portugal, aber auch Teilen von Frankreich, wird dies eine grosse Aufgabe der Zivilgesellschaft sein, den Profit durch korrekte Zahlung von Ökosteuern für die Stabilität der Gesamt-Gesellschaft darzustellen, auch wenn Ökoboni direkt wieder ausgezahlt, die Citoyen sich mit dem Öko-Civic als stabil verfügbares Grund-Einkommen sich mehr als wirkliche Teilhaber_innen des Staates erleben werden. Reiche wie Arme haben gleiche finanzielle Grundrechte (Inclusion). Fraglich ist in der Tat, ob die finanziell Wohlhabenden bereit sind, zu teilen (Menschenbild). Oder ob die global Reichen und Mächtigen auf der Weiterzahlung von Renditen aus fossilen Kraftwerken, Nukleartechnik, Wegwerfprodukten, Verbrennungsmotoren, Ausbeutung von Arbeitskraft in Billiglohnländern, Agrarindustrie, Extraktion von Bodenschätzen, insgesamt auf ein expansives ungehemmtes Wohlstandsmodell für Wenige bestehen.

Mißbrauch des Begriffs Ökobonus[Bearbeiten]

Seit der zunehmenden Übersetzung mit Suchmaschinen im Internet wird der ursprüngliche Begriff Ökobonus als oecological-bonus, durch den Begriff Ökobonus als economical-bonus überformt. Dies dürfte für die Sprachwissenschaft höchst interessant sein, könnten doch auch die Öko-Spinner bald als Öko-Spin-Doctors in einer Bank sitzen und die Regierungen beraten. Es entsteht durch die Dominanz von kapitalstarken Firmen aus dem englischsprachigen Wirtschafts-Raum auch im Internet eine Doppeldeutigkeit des Begriffs, die auch leicht als greenwashing aufgefasst werden kann, wenn nur zu Marketingzwecken bereits etwa SUV-Autos mit Ökobonus verkauft werden. Herabgestuft zur Werbefloskel, wird die Ursprungsidee grandios pervertiert, kommt der Rebound-Effekt voll zum Tragen.

Geschichte[Bearbeiten]

  • VCS (Verkehrs-Club der Schweiz)(1985): Erste Forderungen von der Politik
  • Umwelt- und Prognose-Institut (UPI)(1988): Ökobonus-Veröffentlichungen
  • UPI (Umwelt- und Prognose-Institut Heidelberg e.V.) (1988): Ökosteuern als marktwirtschaftliches Instrument
im Umweltschutz – Vorschläge für eine ökologische Steuerreform. UPI-Bericht Nr. 9. Heidelberg.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Verkehr der GRÜNEN (BAG Verkehr) (1990): Fachprogramm Verkehr.
  • Bündnis 90/Die Grünen, verschiedene Texte (bitte noch belegen!).

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Novy, Gerald Pfeiffer: Der Ökobonus: Eine soziale und umweltfreundliche Ökoabgabe mit Rückvergütung. Peter Lang - Internationaler Verlag der Wissenschaften. Frankfurt/M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, 1994. ISBN 978-3-631-47172-2.
  • Felix Ekardt: Ökobonus für Afrika. In: Ökologisches Wirtschaften. IÖW und oekom Verlag, 2010. (PDF)
  • Ludwig Micheler: Greece-green = more peace! - plan. Leserbrief, Gießener Anzeiger. 2012.
  • Umwelt- und Prognose-Institut (UPI)(1988): Bundesarbeitsgemeinschaft Verkehr der GRÜNEN (BAG Verkehr) (1990): Fachprogramm. Bündnis 90/Die Grünen: Verschiedene Texte.
  • G. Ziegler: Der Ressourcen-Ökobonus―ein Weg zur Reduktion des Energieverbrauchs. In: Brennstoff-Wärme-Kraft, 1992, vol. 44, no1-2, pp. 25-28. ISSN 0006-9612.
  • Ralf Klingsieck: Ein Bonus für das Stromsparen. neues deutschland, 10.9.2012, S. 9. Paris. 2012. ([1])

Weblinks[Bearbeiten]

  • Bettina Herlitzius, Gerhard Schick: Ökobonus - neues Instrument für Klimaschutz und ökologische Gerechtigkeit. (PDF)
  • Melina Klaus, Christiane Maringer: Wärme & Licht - Es ist dein Recht. Basic Income Earth Network Congress (BIEN2012), Workshop 55 (Öko-Grundeinkommen, Öko-Bonus), 16.9.2012. (PDF)
  • Ludwig Micheler: Welt-Klimavertrag der BürgerInnen. Basic Income Earth Network Congress (BIEN2012), Workshop 39, 14.9.2012. (PDF)
  • Ludwig Micheler: Ökobonus - finanziert aus Lenkungsabgaben. Basic Income Earth Network Congress (BIEN2012), Workshop 55, 16.9.2012. (PDF)
  • Ulrich Schachtschneider: Netzwerk Grundeinkommen, 31.01.2012, grundeinkommen.de. [2]
  • Alwine Schreiber-Martens: Ökobonus – Ein Weg zur Verbindung von Sozialem und Ökologischem. Institut Solidarische Moderne, summer-factory, Workshop 3, 16.9.2011. (Web)
  • Alwine Schreiber-Martens: Ökologisches Grundeinkommen. Basic Income Earth Network Congress (BIEN2012), Workshop 55 (Öko-Grundeinkommen, Öko-Bonus), 16.9.2012. (PDF)
  • European Environment Agency, EEA Technical report No 16/2011: Environmental tax reform in Europe: implications for income distribution. ISSN 1725-2237. ISBN 978-92-9213-237-8 (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Stefan Bach: Empirical Studies on Tax Distribution and Tax Reform in Germany. Universität Potsdam, Dissertation. Published online at the Institutional Repository of the University of Potsdam, 2012. Anmerkungen (dieser Text kann nach Abschluss der Löschdiskussion wieder gekürzt werden, bzw sollte in Abstimmung mit dem Autor in den Textzusammenhang oben eingearbeitet werden): besonders Seite 171–184: Entlastung vor allem für Alleinstehende mit Kindern, sowie Nicht-Einkommens-Steuer-Zahlende mit niedrigem Einkommen. Ökobonus als Energie-Grundeinkommen pro Monat und Kopf: 10,15 Euro auf Basis der bestehenden Ökosteuer für das Jahr 2003, Seite 182: Table 4.4-5 Distribution of the ecological tax reform1), 2003 with revenue-neutral compensation by an eco bonus equal per capita by income group and household type : Tabelle erklärt soziale und finanzielle Wirkung des Ökobonus! S. 187: The increased energy taxes show a clear regressive impact relative to disposable income. Families with children face a higher tax burden relative to household income. The reduction of pension contributions and the automatic adjustment of social security transfers widely mitigate this regressive impact. Households with low income or with many children nevertheless bear a slight increase in tax burden. Refunding the eco tax revenue by an eco bonus would make the reform clearly progressive. .
  2. Ralf Klingsieck: Ein Bonus für das Stromsparen. neues deutschland, S. 9, 10.9.2012.
  3. Ludwig Micheler: Welt-Klimavertrag der BürgerInnen. BIEN-2012-Konferenz, Ökobonus, 2012.
  4. 4,0 4,1 AG Mehrweg: Das Ökobonus-Modell. Arbeitsgruppe zur Sicherung und Optimierung der Mehrweg-Getränkeverpackungssysteme in Österreich, 2010 (PDF)
  5. 5,0 5,1 PDF, Felix Ekardt, Christian Heitmann, Bettina Hennig: Soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik. Edition Hans Böckler Stiftung. download: Klimabibliothek, Kategorie 4, bei der online-conference Klima-2012-Klimawissen, 2010. ISBN 978-3-86593-142-9.
  6. PDF, Ulrich Schachtschneider: Ökologisches Grundeinkommen: Ein Einstieg ist möglich. Basic Income Earth Network Congress (BIEN2012), Workshop 55 (Öko-Grundeinkommen, Öko-Bonus), 16.9.2012.
  7. Web, Ludwig Micheler, Antje Amstein: Was ist ein Energie-Grundeinkommen für alle / Lenkungsabgabe?. Gießener Zeitung, 30.04.2011.
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