Wilhelmbrief

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Der Wilhelmbrief war ein Brief König Wilhelms, die der vertrauensselige Kaiser ohne Bismarcks Einwilligung während des Deutsch-Französischen Krieges am 26. Oktober 1870 an Eugénie de Montijo schrieb. Er spielte eine gewichtige Rolle während der Friedensvertragsverhandlungen von Versailles und diente als Untermauerung der Forderung nach Elsaß-Lothringen durch Frankreich ohne Plebiszit.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der entscheidenden Schlacht von Sedan und damit in Abwesenheit des Kaisers, der ein Gefangener war, und in einer Zeit, da die französische Regierung mit der nationalen Verteidigung beschäftigt war, die aus deutscher Sicht ein Aufstand war, stellte die Kaiserin den Rest der regulären Autorität dar. Daher wurde mit ihr, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, das Land weiter zu spalten, indirekte Gespräche in Form einer brieflichen Korrespondenz unternommen. Zögerlich ging die Kaiserin darauf ein, um die Voraussetzungen für einen künftigen Frieden zu eruieren. Als sie schließlich von den Expansionsbestrebungen auf deutscher Seite erfuhr, verlangte sie von Kaiser Wilhelm eine Erklärung, da diese Absichten einem nachhaltigen Frieden gefährden könnte. Der preußische Monarch antwortete am 26. Oktober 1870 von Versailles und rechtfertigte die geplante Annexion zur Erlangung einer Pufferzone.

„J’aime mon pays comme vous, Madame, vous aimez le vôtre, et par conséquent je comprends les amertumes qui remplissent le cœur de Votre Majesté et j’y compatis bien sincèrement. Mais, après avoir fait d’immenses sacrifices pour sa défense, l’Allemagne veut être assurée que la guerre prochaine la trouvera mieux préparée à repousser l’agression sur laquelle nous pouvons compter aussitôt que la France aura réparé ses forces et trouvé des alliés. C’est cette considération seule, et non le désir d’agrandir une patrie dont le territoire est assez grand, qui me force à insister sur des cessions de territoires, qui n’ont d’autre but que de reculer le point de départ des armées françaises qui, à l’avenir, viendront nous attaquer.“

„Madam, ich liebe mein Land, wie Sie das Ihre lieben und verstehe daher die Bitterkeit, die das Herz Eurer Majestät erfüllen muss. Aber nachdem Deutschland im Interesse seiner Verteidigung ungeheure Opfer gebracht hat, will es sicher gehen, dass es im nächsten Kriege besser gerüstet sei, den Angriff zurückzuweisen, auf den wir zählen können, sobald Frankreich seine Kräfte wiedergewonnen oder Verbündete gefunden haben wird. Diese traurige Überlegung allein und nicht der Wunsch, mein Vaterland zu vergrößern, zwingt mich, auf Gebietsabtretungen zu bestehen, die keinen anderen Zweck haben als den, den Aufmarschraum der französischen Armeen in Zukunft weiter zurückzuverlegen.“

Wilhelm I.[1]

1917 war die Rückgabe der Provinzen für die amerikanische Seite für die Aufnahme in den 14-Punkte-Programm nicht einsehbar, da sogar die französischen Sozialisten das Land als deutsch bezeichneten.[2] Nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker verlangte man ein Plebiszit. Die französische Regierung geriet daher unter Erklärungsnot, wie man diese Forderung legitimieren solle. Durch die zufällige Vermittlung des Pariser Zahnarztes Arthur Hugenschmidt, hatte die Kaiserin indirekten Kontakt mit Georges Clemenceau. Darüber erfuhr dieser 1918 von der Existenz eines Briefs Kaiser Wilhelms und bat nicht erfolglos um diesen. Der französische Außenminister Stéphen Pichon verlas ihn öffentlich in einer Sitzung am 1. März 1918 im großen Amphitheater der Sorbonne, die als Protest gegen die Abtrennung von Elsass und Lothringen gedacht war und rief damit einen tiefen Eindruck hervor. Clemenceau nutze den Brief als Trumpfkarte beim Friedensvertrag von Versailles gegen Woodrow Wilson: Eine Region, die Deutschland sich eingestandenermaßen nur zu kriegerischen Zwecken angeeignet hatte, musste es wieder herausgeben. Eugénie ließ er ein Dankschreiben zugehen: Sie habe Frankreich einen Dienst erwiesen.[3] Die Kaiserin stimmte zu, dass diese wertvolle Handschrift dem Nationalarchiv zuzuführen sei. Den Versailler Vertrag verurteilte sie dennoch entschieden:

„In jedem Artikel dieses Friedensvertrages sehe ich ein kleines Ei, eine Keimzelle weiterer Kriege … Die Alliierten erlegen unmögliche Bedingungen auf. Damit nicht zufrieden, gehen sie daran, die deutsche Seefahrt, den Handel, alles zu vernichten. Wie kann Deutschland jemals das Geld aufbringen, um seine gerechten Schulden zu bezahlen? Wahnsinn! Verrücktheit!“

Eugénie de Montijo[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maurice Paléologue, Paul Aretz: Vertrauliche Gespräche mit der Kaiserin Eugenie. Dresden 1928
  • Harold Kurtz: Eugénie, Tübingen 1965
  • Jean Jacques Becker, 1917 en Europe: l'année impossible, Éditions Complexe, 1er janvier 1997

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Worldpress abgerufen am 7. Mai 2016
  2. siehe Artikel 8: "Das Unrecht, das Frankreich im Jahre 1871 in Beziehung auf Elsass-Lothringen durch Preußen angetan worden ist und das den Weltfrieden während nahezu fünfzig Jahren erschüttert hat, muss wiedergutgemacht werden, damit der Friede im Interesse Aller wiederhergestellt werden kann."
  3. Golo Mann: Zerstörung einer Legende. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1966, S. 66–69 (online3. Januar 1966).
  4. Maurice Paléologue, Paul Aretz: Vertrauliche Gespräche mit der Kaiserin Eugenie. Dresden 1928.
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