Transdifferenz
Transdifferenz bezeichnet in Sozial- und Geisteswissenschaft das Nebeneinanderbestehen (die Kopräsenz) von mehreren kulturellen Affiliations- und Differenzpositionen. Für den relativ neuen Begriff finden sich im deutschen Sprachraum bisher kaum positive Definitionen, eher wird erklärt, was der Begriff nicht ist oder was er ausschließt (eine Begriffsbestimmung durch ex negativo). Er wird mit einer beschreibenden Sammlung von Gegenständen verbunden, entlang denen Identifikationen psychologischer, sozialer und kultureller Art erfolgen. In fachlichen Zusammenhängen wird Transdifferenz auch als positive Formulierung des Begriffes „Intersektionalität“ verstanden, als Zusammenwirken von gleichzeitig mehreren Formen der Diskriminierung einer Person oder einer sozialen Gruppe.
Ebenso wie der Begriff Differenz, ist Transdifferenz ein Gegenbegriff zu Identität und soll den nicht-zweifachen Charakter des Differenzbegriffs erweitern. Transdifferenz ist somit als Sammelbegriff zu verstehen für verschiedene, nicht-lineare Phänomene, die sich einer zweifachen (binären) und klar abgrenzenden und ausschließenden Logik entziehen.[1]
Siehe auch[Bearbeiten]
- Hybridität (Mischform zweier zuvor getrennter Systeme)
- Diskursanalyse (geschichtswissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen)
Literatur[Bearbeiten]
- Helmbrecht Breinig, Klaus Lösch: Introduction: Difference and Transdifference. In: Dieselben, Jürgen Gebhardt (Hrsg.): Multiculturalism in Contemporary Societies. Perspectives on Difference and Transdifference. Universitätsbund, Erlangen 2002, S. 11–36 (englisch).
- Doris Feldmann, Ina Habermann (Hrsg.): Theorising Cultural Difference and Transdifference. With contributions on the theory of transdifference, negotiations of age in literature, religious philosophy and sound studies. In: Journal for the Study of British Cultures. Band 13, Nr. 2., Narr, Tübingen 2006, S. 100–190 (englisch).
- Britta Kalscheuer, Lars Allolio-Näcke (Hrsg.): Kulturelle Differenzen begreifen. Das Konzept der Transdifferenz aus interdisziplinärer Sicht. Campus, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-593-38475-7 (Zusammenfassung und Besprechung auf qualitative-research.net).
- Klaus Lösch: Begriff und Phänomen der Transdifferenz. Zur Infragestellung binärer Differenzkonstrukte. In: Lars Allolio-Näcke, Britta Kalscheuer, Arne Manzeschke (Hrsg.): Differenzen anders denken. Campus, Frankfurt 2005, S. 26–49 (PDF-Datei; 233 kB; 24 Seiten auf uni-bremen.de).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Helmbrecht Breinig, Klaus Lösch: Introduction: Difference and Transdifference. In: Dieselben, Jürgen Gebhardt (Hrsg.): Multiculturalism in Contemporary Societies. Perspectives on Difference and Transdifference. Universitätsbund, Erlangen 2002, S. 11–36, hier S. 23.