Sigurd-Horstmar von Beaulieu-Marconnay

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sigurd-Horstmar („Sigmar“ oder Sigurt) Friedrich Sylvester Freiherr von Beaulieu-Marconnay (* 31. Dezember 1900 in Berlin-Charlottenburg; † 8. Oktober 1953[1] in Krasnopolje) war ein deutscher Oberst. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft war er Kommandant des Arbeitslagers für deutsche Militär-Kriegsgefangene in Frolowo. In der Gefangenschaft wurde er Mitglied im Bund Deutscher Offiziere (BDO) und dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD).

Herkunft[Bearbeiten]

Sigurd von Beaulieu-Marconnay entstammte der adligen Hugenottenfamilie Beaulieu-Marconnay. Seine Eltern waren der preußische Hauptmann Karl Freiherr von Beaulieu-Marconnay und dessen Ehefrau Ottilie, geb. von Schell. Er war der jüngste von vier Brüdern und hatte zudem drei Schwestern. Zwei seiner Brüder waren Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Olivier von Beaulieu-Marconnay (1898–1918) fiel im Einsatz und war jüngster Träger des Ordens Pour le Mérite. Sein Bruder Heinz (1896-1945) und früherer Jagdflieger starb in Magnitogorsk (UdSSR) ebenfalls in der Kriegsgefangenschaft.

Leben[Bearbeiten]

Er trat zum Juli 1917 als Fähnrich zur See in die Kaiserliche Marine ein und absolvierte die Marineschule und die Schiffsausbildung auf der Freya. Ab Dezember 1917 war er zur Ausbildung auf der König Albert, nahm aber an keiner nennenswerten Fahrt mehr teil. Zum Juni 1918 war er Seekadett und nahm bis Ende des Ersten Weltkriegs an weiteren Ausbildungskursen teil. Ende 1918 wurde er zur Reserve entlassen. Zum 21. Februar 1920 schied er mit dem Rang eines Leutnants aus dem Militärdienst aus.[2]

Seit Ende März 1927 war er mit Asta Augusta Pauline Carola Gräfin von Maltzan Freiin zu Wartenberg und Penzlin (1904–1972) verheiratet.[3][4] In der Zeit der Weimarer Republik gehörte er zum elitären Deutschen Herrenklub.[5] In der Zeit nach seinem Ausscheiden aus dem Militär bis zur Übernahme in die Reichwehr soll er in Russland tätig gewesen sein, sodass er, was auch später referenziert wird, fließend russisch sprach.[6]

1933 wurde Beaulieu-Marconnay mit dem Rang eines Oberleutnants in die Reichswehr aufgenommen und dem Infanterie-Regiment 9 zugeteilt. Mitte 1934 erhielt er den Rang eines Hauptmanns verliehen. Bis Oktober 1934 war er Kommandeur von III./Infanterie-Regiment 9.[1] Ende 1935 übernahm von Beaulieu-Marconnay die Führung der 1. Kompanie des MG-Bataillons 8 in Züllichau. Ende Juli 1939 übernahm er das Kommando über das gesamte Bataillon. Im selben Jahr wurde er zum Major befördert. Im September 1939 nahm Beaulieu-Marconnay mit seinem Bataillon am deutschen Überfall auf Polen teil und im folgenden Jahr nahm er am Frankreichfeldzug teil. 1940 wurde Beaulieu-Marconnay dem Korps-Kommando X zugeteilt, bei dem er ab September 1940 als Adjutant verwendet wurde.

Ab 1941 beteiligte Beaulieu-Marconnay sich am Russlandfeldzug. In diesem Jahr erreichte er den Rang eines Oberstleutnants. Im August 1942 übernahm er das Kommando über das motorisierte Infanterieregiment 29, später Grenadierregiment 29, der 3. Infanterie-Division (mot.). Im selben Jahr wurde er zum Oberst befördert. Mitte Januar 1943 wurden sämtliche noch einsatzfähigen Infanteristen der Division in Stalingrad im Grenadierregiment 29 unter dem Kommando Beaulieu-Marconnays zusammengezogen.[7] Am 20. Januar 1943 bekam Beaulieu-Marconnay das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes[8] für seine Leistung, den Südwestvorsprung Dimitrijewka der ansonsten von der Roten Armee eingekesselten deutsch besetzten Stadt Stalingrad bis zum 10. Januar 1943 verteidigt zu haben,[9] was theoretisch die Möglichkeit eines Ausbruches der in der Stadt stehenden Truppen offen hielt (wozu es aufgrund eines Verbotes der deutschen militärischen Führung nicht kam), verliehen. Am 25. Januar bringt er einen Parlamentär der Roten Armee, welcher die Aufforderung zur Kapitulation überbringen möchte, zum Oberkommando.[10]

Am 31. Januar 1943 geriet Beaulieu-Marconnay in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Inhaftiert wurde er wie viele Soldaten der deutschen Wehrmacht in Arbeitslagern, wo die Unterbringung in hygienischer Hinsicht wie auch der Essensversorgung erbärmlich war. Geschlafen wurde auf dem blanken Boden oder auf kahlen Pritschen. Die administrative Verwaltung der Gefangenenlager mussten die Inhaftierten selbst übernehmen. Der damals 42-jährige Oberst von Beaulieu-Marconnay wurde der erste Lagerkommandant von Frolowo,[9] musste aber in der Folge die Lagerumstände nicht selbst ertragen, da er sehr schnell mit den Sowjets kooperierte und dadurch Privilegien genoss. Er schloss sich in der Kriegsgefangenschaft dem Bund Deutscher Offiziere (BDO)[11] bzw. später dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD)[12] an.

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Weitere Angaben aus Arthur Boje "Stalins deutsche Agenten" und Leonid Rešin "Feldmarschall im Kreuzverhör" sind zu ergänzen.
Hilf, indem du sie recherchierst und einfügst.

Später wurde er als „Aufpasser“ kurz vor Kriegsende Adjutant[13] für den ebenfalls in Stalingrad gefangenengenommenen Feldmarschall Friedrich Paulus eingesetzt. Hierfür war er gemeinsam mit Paulus und Generalmajor Hans-Georg Leyser in einer Datscha bei Moskau untergebracht.[14] In Gefangenschaft wurde unter den gefangengenommenen Offizieren sogar Weihnachten gefeiert. Es wurde gesungen, Gedichte aufgesagt und u. a. durch von Beaulieu-Marconnay Geschenke verteilt.[15] Im Juni 1944, nach dem Zusammenbruch des Kessels von Bobruisk und einer bevorstehenden Überstellung weiterer deutschen Generale in das Kriegsgefangenenlagers, wurde von Beaulieu-Marconnay, gemeinsam mit Oberst Wilhelm Adam, einig aus dem Lager gebracht.[16]

Nach mehr als zehnjähriger Kriegsgefangenschaft starb er im Oktober 1953 im Gefangenenlager Krasnopolje.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Wolfgang Paul: Das Potsdamer Infanterie-Regiment 9, 1918-1945: Dokumentenband. Biblio, 1984, S. 343 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  2. Albert Stoelzel: Ehrenrangliste der Kaiserlich Deutschen Marine, 1914-1918. Marine Offizier Verband, 1930, S. 650 (google.de [abgerufen am 22. Dezember 2020]).
  3. Genealogisches Handbuch des Adels, C.A. Starke, Limburg/Lahn 1981, Genealogisches Handbuch des Adels S. 279.
  4. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser. Justus Perthes., 1942, S. 345 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  5. Manfred Schoeps: Der Deutsche Herrenklub: ein Beitrag zur Geschichte des Jungkonservativismus in der Weimarer Republik, S. 244.
  6. William Craig: Enemy at the Gates: The Battle for Stalingrad. Open Road Media, 2015, ISBN 978-1-5040-2134-0, S. 372 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  7. Gerhard Dieckhoff: 3. Infanterie-Division (mot.), 3. Panzergrenadier-Division 1939 - 1945, E. Börries Druck und Verlag, Göttingen 1960
  8. Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 207.
  9. 9,0 9,1 9,2 Andreas Petersen und Bärbel Görzig: Unerzähltes Stalingrad. Eine biographische Recherche zu Kurt und Edith Oppers, Zeit & Zeugen, Berlin 2016, S. 178.
  10. Gerhard Dieckhoff: 3. Infanterie-Division (mot.), 3. Panzergrenadier-Division 1939 - 1945, E. Börries Druck und Verlag, Göttingen 1960, S. 235
  11. Willy Wolf: An der Seite der Roten Armee: zum Wirken des Nationalkomitees Freies Deutschland an der sowjetisch-deutschen Front 1943 bis 1945. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik 1973 S. 212
  12. Bernhard Fisch: Stalin und die Oder-Neisse-Grenze: ein europäisches Problem. Gesellschaftswissenschaftliches Forum 2000, S. 27
  13. Walter Kempowski: Das Echolot: 12. bis 20. Januar 1945. Knaus Albrecht, 1999, ISBN 978-3-8135-1995-2, S. 438 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  14. Arthur Boje: Stalins deutsche Agenten: ein Kriegsgefangener berichtet. Stocker, 2002, ISBN 978-3-7020-0946-5, S. 105 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  15. Leonid Reschin: Feldmarschall im Kreuzverhör: Friedrich Paulus in sowjetischer Gefangenschaft 1943 - 1953. edituon q, 1996, ISBN 978-3-86124-323-6, S. 101 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  16. Leonid Reschin: Feldmarschall im Kreuzverhör: Friedrich Paulus in sowjetischer Gefangenschaft 1943 - 1953. edition q, 1996, ISBN 978-3-86124-323-6, S. 109 (google.de [abgerufen am 25. Dezember 2020]).
  Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.