Ruhmann-Kunstsammlungen
Die Ruhmann-Kunstsammlungen der Brüder Franz, Alfred und Karl Ruhmann umfassten Kunstwerke verschiedenster Gattungen, etwa Glas- und Porzellankunstwerke, Fotografien, Gemälde, Uhren, Möbel, Teppiche und Edel-Zinn.
Franz Ruhmann spezialisierte sich auf Gläser und Porzellan, Alfred Ruhmann auf Schmetterlinge, Foto- und Ethnografie, Karl Ruhmann auf Uhren, Gemälde und Edel-Zinn. 1938 wurde der Wert ihrer Sammlungen gleich hoch eingeschätzt wie die 12 Fabriken, die damals zum Ruhmann-Imperium gehörten. Die wichtigsten Teile der international bekannten Ruhmann-Sammlungen wurden zwischen 1939 und 1945 im Zuge der sogenannten Arisierungen zerschlagen. Vieles wurde von verschiedenen Museen freiwillig wieder restituiert, etliches konnte bei Kollaborateuren des NS-Regimes sichergestellt werden. Als Dank beschickte Karl Ruhmann Gemälde- und Zinnausstellungen (z. B. in Innsbruck) und schenkte mehrere kostbare Gläser in memoriam seines Bruders Franz Ruhmann dem Museum für angewandte Kunst und dem heutigen Wien Museum am Karlsplatz.
Karl Ruhmanns Witwe Katharina Ruhmann (* 1910; † 2000) verwendete den Erlös aus dem Verkauf von restituierten Uhren, Porzellan-Ensembles und Gemälden für die Umstellung der ehemaligen Bierdeckel-Fabrik ihres Gatten auf Elektrizitätserzeugung und Landbewirtschaftung. 1988 errichtete sie außerdem ein Museum in Stocking für seine Zinnsammlung von über 420 Edelzinn-Exponaten, um wenigstens eine der Ruhmann-Sammlungen weitgehend komplett für die Zukunft zu erhalten. Sie enthält Kostbarkeiten vom 11. und 12. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie gilt als die größte private Zinnsammlung Europas.
Da die vier Ruhmann-Brüder und Katharina Ruhmann keine Nachkommen hatten, überschrieb sie das ganze verbliebene Vermögen zur Erhaltung der Zinnsammlung und der kulturellen Besonderheiten im Ruhmann-Areal (Herrenhaus, Nullerl-Haus, Alpengarten, Voiliere etc.) in die „Dr. Ludwig Karl Ruhmann-Stiftung“ in Vaduz. Die laufenden Einnahmen aus der Elektrizitätserzeugung sind eine wertvolle Absicherung für den nachhaltigen Bestand dieser Stiftung.
Quellen[Bearbeiten]
- Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsauszeichnungen von Georg, Franz, Alfred, Ludwig (Karl) Ruhmann
- Prager Presse, 5. Februar 1928 und 4. Dezember 1927
- Neues Wiener Tagblatt, 14. September 1928
- Neues Grazer Tagblatt, 14. November 1920 und 14. November 1928
- Das Interessante Blatt, Wien, Nr. 44, 1928
- Beeidete Schätzung des Dorotheum-Kunstexperten Hans Enzinger von Gemälden in der Ruhmann-Wohnung Wien IV, Theresianum-Gasse 5, ohne Datum; 51 Gemälde (Alte Meister, Moritz Daffinger, Franz Alt etc.) wurden auf 4185 RM geschätzt.
- Gerichtlich beeidete Schätzung des Werts der Ruhmann-Fabriken und Grundstücke von DI Waldemar Delieter, Graz, vom 28. März 1940
- Katharina Ruhmann, Edel-Zinn, Museums-Katalog der Dr. Karl Ruhmann Zinnsammlung, Wildon, 1988
- Katharina Ruhmann, Freude am Zinn aus der Sammlung Dr. Karl Ruhmann, Wildon, Jänner 1991