Regionale Wirtschaftsgemeinschaft

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ziel einer Regionalen Wirtschaftsgemeinschaft (kurz: ReWiG) ist die Förderung einer dem Leben zugewandten, zukunftsfähigen Wirtschaftsweise als alternativer Lösungsansatz, um aus den verschiedenen Krisen der Gegenwart herauszukommen. Nicht der größtmögliche Gewinn, sondern der größtmögliche Nutzen für die gegenwärtige und die zukünftigen Generationen stehen im Mittelpunkt. [1]

Die ReWiG steht auf den drei Säulen:

- Genossenschaft

- Unternehmensbeteiligungen

- Komplementärwährung


Inhaltsverzeichnis

Drei ReWiGen in Südbayern[Bearbeiten]

Die erste ReWiG wurde als ReWiG München eG am 15. Januar 2011 in München von 45 Gründungsmitgliedern als eingetragene Genossenschaft gegründet. Nach der Prüfung durch den Genossenschaftsverband wurde die ReWiG München am 15. März 2011 offiziell ins Genossenschaftsregister eingetragen.[2] Weitere ReWiGen gründeten sich im Januar 2012 in Schlehdorf[3] und im Juli 2012 in Kempten im Allgäu[4].

Das Konzept[Bearbeiten]

Das Grundkonzept der ReWiGen geht weit über Nischenlösungen wie Tauschkreis oder Regiogeld hinaus. Die ReWiG-Mitglieder wollen ihr Denken auf Generationen anlegen, die Konsequenzen des wirtschaftlichen Handelns sozial, ökonomisch und ökologisch bedenken und zu Ende denken. Anstelle von kurzfristigen Spekulationen sollen bleibende Werte geschaffen werden. Entscheidend für ReWiG-Investitionen in Unternehmen und Projekte ist das Gemeinwohl auf Basis der Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber mit Kriterien wie Kooperation, Wertschätzung, Transparenz und Fair-Teilung.

Genossenschaft - Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Mitglied der ReWiG-Genossenschaft können alle natürlichen und juristischen Personen werden. Stimmberechtigt sind jedoch nur natürliche Personen, die ihren Wohnsitz in einem Umkreis von 40 Kilometern der jeweiligen ReWiG haben.

Der Genossenschaftsanteil pro Mitglied beträgt 100,00 Euro. Bei der Aufnahme wird ein einmaliger Betrag von 10,00 Euro fällig.

Die Jahresmitgliedsgebühr wird jährlich von den Mitgliedern in der Generalversammmlung beschlossen und beträgt seit 2012 60,00 Euro.

Unternehmensbeteiligungen – Genussrechte[Bearbeiten]

Die ReWiG München beteiligt sich an regional in einem Umkreis von 40 Kilometern um München tätigen Betrieben, die ihren Kriterien entsprechen, oder diese in Zukunft umsetzen möchten. Dadurch werden Unternehmen unabhängiger von Banken und verbinden sich direkt mit ihren potenziellen Kunden. Vorbild ist die Regionalwert AG in der Region Freiburg.

Finanziert werden die Beteiligungen über Genussrechte. Dies sind fest definierte und vertraglich festgelegte Geldanlagen.

Käufer von Genussrechten investieren ihr Geld nicht aus dem Aspekt des maximalen Gewinns, sondern aus dem Bedürfnis, ihr Geld regional, sinnstiftend und zukunftsfähig anzulegen. Genussrechte der ReWiG München werden derzeit (2013) in einer Stückelung zu je 1000,00 Euro mit einer Laufzeit von zwölf Jahren und einer Verzinsung von 2 % p.a. ausgegeben, wobei die Zinsen nur dann ausbezahlt werden, wenn die ReWiG Überschüsse erwirtschaftet hat. Die Genussrechte sind wie die Genossenschaftsanteile auch am Verlust der ReWiG München beteiligt, eine Nachschusspflicht besteht jedoch nicht.

Genussrechtsinhaber müssen keine Mitglieder der Genossenschaft sein. Da aber nur Genossenschaftsmitglieder ein Mitspracherecht haben, ist eine Kombination sinnvoll.

Bedingungen für Unternehmensbeteiligungen[Bearbeiten]

Bedingung für eine Beteiligung ist die professionelle Führung der Unternehmen sowie eine gemeinwohlorientierte Ausrichtung, d.h. nachweislich müssen sie sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig wirtschaften. Nach einer Umfrage unter den Mitgliedern der ReWiG München sollen sie insbesondere in Bereichen wie der Grundversorgung der Bevölkerung aktiv sein. Beispiele: Gärtnereien, landwirtschaftliche Betriebe, Handwerk, Bioläden, Fair-Handel, Dienstleister. Die Unternehmen verpflichten sich zur transparenten Berichterstattung in Bezug auf die von der ReWiG München festgelegten Nachhaltigkeitskriterien.

Die ReWiG München vergibt keine Kredite, sondern ist ausschließlich an langfristigen Beteiligungen interessiert.

Die Unternehmen müssen vorher einer strengen Prüfung durch interne und externe Fachleute hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der ReWiG-Kriterienkatalogs der sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit standhalten.

Das maximale Risiko für die Genussrechtsinhaber ist der Verlust ihrer Beteiligung. Ein Nachschießen im Fall wirtschaftlicher Schwierigkeiten des Unternehmens ist ausgeschlossen.

Die Genussrechtsinhaber erhalten eine vertraglich festgelegte Dividende.

Die ReWiG München ist gegenwärtig (Stand 2013) an zwei Unternehmen beteiligt:

- KunstWohnWerke München eG, eine Genossenschaft, die Atelier-, Büro- und Probenräume sowie Werkstätten vermietet[5],

- Obergrashof, ein Öko-Landwirtschaftsbetrieb in Oberbayern[6].

Genussrechtsinhaber werden zu „Prosumenten“[Bearbeiten]

Die Genussrechtsinhaber sind Mitinhaber der Unternehmen und an deren Wohlergehen interessiert. Durch den Kauf von Waren und Dienstleistungen dieser Unternehmen unterstützen sie diese. Auf diese Weise werden die Grenzen zwischen Teilhabern und Unternehmen durchlässig, die Konsumenten werden zu „Prosumenten“.

Komplementärwährung Realo – Marktplatz[Bearbeiten]

Der Realo ist eine Komplementärwährung, die komplett Euro-unabhängig und zinsfrei ist. Der Realo erhebt den Anspruch, einen realen Wert zu besitzen, da er durch reale Werte (Unternehmensbeteiligungen und eingebrachte Leistungen) gedeckt ist.

Realos existieren nur als Buchgeld zum elektronischen Verrechnen zwischen zwei Buchungskonten. Sie entstehen durch einen Kreditrahmen wie ein Überziehungskredit. Auf diese Weise kommt innerhalb des Realo-Raums Geld in Umlauf. Inhaber von Genussrechten können ihr Realo-Konto bis zu 80 Prozent des Wertes als Sicherheit für ihren Kreditrahmen verwenden.

BaFin-Genehmigung[Bearbeiten]

Realos können nicht in Euros umgetauscht werden. Daher sind die Realos nach Aussage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht genehmigungspflichtig. Es handelt sich also nicht wie bei den übrigen Regios (komplementäre Regionalwährungen) um durch die BaFin lediglich geduldete Zahlungsmittel.

Der Kauf und Verkauf von Realo gegen Euro ist nicht erlaubt.

Realo-Marktplatz[Bearbeiten]

Der auf der OpenSource-Software Cyclos basierende Marktplatz der ReWiGen ermöglicht private und gewerbliche Angebote und Gesuche mit Realo-Bezahlung. Es ist möglich, zwei Konten (privat und gewerblich) zu führen.

Gewerbliche Leistungen unterliegen wie üblich der Steuerpflicht.

Kosten für die Marktplatz-Teilnahme[Bearbeiten]

Die Teilnahme am Marktplatz kostet: - einmalig 10,00 Euro Aufnahmegebühr, - eine Jahresmitgliedsgebühr nach Selbsteinschätzung, Richtwert 30,00 Euro. - Um die Kosten der Tauschgemeinschaft zu decken, wird eine Transaktionsgebühr von 1,5 Prozent des Wertes der Transaktion erhoben. Diese zahlt der Zahlende zusätzlich zum vereinbarten Preis der erworbenen Leistung.

Um das Horten von Realo zu vermeiden und zu einem ausgewogenen Geben und Nehmen zu ermuntern, wird jeden Monatsanfang von jedem Realo-Konto eine Umlaufsicherung in Höhe von 0,5 Prozent des positiven Kontostands eingezogen. Damit wird die Währung den Waren gleichsetzen, die alle mit der Zeit verderben, rosten oder brüchig (sprich: weniger Wert) werden. Diese Umlaufsicherung ist nicht weg, sondern kommt auf ein gemeinsames Konto der Marktplatz-Teilnehmer und diese können entscheiden, was damit geschehen soll. Die Umlaufsicherungsgebühr vermeiden Inhaber von Realo-Konten, indem sie ihren Kontostand um Null halten. Wer „zuviel“ Plus erwirtschaftet hat, kann die Realos selbst ausgeben oder zinsfrei verleihen

Am Schluss steht eine Null[Bearbeiten]

Wer die Tauschgemeinschaft wieder verlassen will, muss vorher sein Realo-Konto auf Null gebracht haben.

Quellen des Konzepts[Bearbeiten]

Das Konzept entwickelten Anna-Lisa Schmalz und Tim Reeves als Koautor. Es geht auf Ideen aus der Gemeinwohl-Ökonomie, der Regionalwert AG und der Transition Town-Initiativen sowie auf Silvio Gesells Freigeld-Theorie und die Regeln einer stabilen Komplementärwährung (ROCS - Robust Complementary Community Currency System) von Bernard Lietaer zurück. Das Konzept vereint die alternativen Ansätze von nachbarschaftlichem Tauschring, geschäftlicher Kredit- und Tauschgemeinschaft, Barterring und Regionalwährung in der ReWiG. So sollen überall regionale Wirtschaftsgemeinschaften als Kooperationspartner der globalen Wirtschaft entstehen und letztere ergänzen.

Geschützt und doch frei verfügbar[Bearbeiten]

Das Konzept der Regionalen Wirtschaftsgemeinschaft kann frei umgesetzt werden. Der Name ReWiG ist markenrechtlich geschützt und darf nur gemeinsam mit einem Beratungspaket der ReWiG München eG als Keimzelle der ReWiGs genutzt werden. Dadurch wird die Qualität der Umsetzung unter dem Markennamen ReWiG gewährleistet.

Das Konzept Regionaler Wirtschaftsgemeinschaften sowie die Umsetzung durch die ReWiG München eG lassen sich in anderen Wikipedia-Artikeln und Weblinks nachlesen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Wikilinks - Wikis & Websites mit Artikeln zum Thema[Bearbeiten]

(Trage deinen Link zum Artikel ein, wenn du eine Seite zum Thema oder diesen Artikel in dein Wiki exportiert hast)

Social Networks[Bearbeiten]

Netzwerke[Bearbeiten]

Blogs[Bearbeiten]

  Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.