Reform des Lehramtsstudiums

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Zu einer Reform des Lehramtsstudiums kam es im Zuge des Bologna-Prozesses in allen deutschen Bundesländern.

Bologna-Prozess und Reformbedarf[Bearbeiten]

Wegen der Vereinbarung von Bologna sind in allen Bundesländern Bemühungen im Gange, das Lehramtsstudium zumindest zu modularisieren und die Studienleistungen im ECTS-System zu bemessen. Die meisten Bundesländer haben inzwischen auch ein gestuftes Lehramtsstudium geschaffen, das in zwei Phasen eingeteilt ist und mit dem Bachelor bzw. dem Master abschließt. Trotzdem wurde das Staatsexamen nicht abgeschafft. In einigen Bundesländern ersetzt der Masterabschluss das Erste Staatsexamen, aber nicht in allen. Reformbedarf besteht aber darüber hinaus wegen des mangelnden Praxisbezugs des Lehramtsstudiums, das meist infolgedessen meist in einen Praxisschock mündet. Aus diesem Grund experimentiert man seit einiger Zeit im Zuge der Reform mit verschiedenen Möglichkeiten, das Studium mehr in die Schulpraxis einzubinden, etwa durch die Integration eines Exercitium Paedagogicum in das Studium. Ferner wird auch Reformbedarf darin gesehen, dass das Lehramtsstudium nur für das schulische Bildungswesen qualifiziert, aber nicht für das außerschulische bzw. die Erwachsenenbildung, so dass die Studierenden auf den Beruf des Schullehrers festgelegt sind. Aus diesem Grund wird versucht, das Studium polyvalent zu strukturieren,[1] so dass Absolventen auch im außerschulischen Bereich arbeiten können.

KMK-Standards[Bearbeiten]

Wegen der Reformen ist das Lehramtsstudium heute uneinheitlicher als je zuvor,[2] insbesondere Leistungsvergleiche beim Wechsel der Universität oder des Bundeslandes sind schwieriger geworden. Um dennoch eine Vergleichbarkeit für die Studiengänge zu erreichen, hat die Kultusministerkonferenz (KMK) deshalb 2004 die „Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften“ [3] verabschiedet. Am 16.10. 2008 wurden „Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerinnen und Lehrerbildung“ [4] beschlossen. Dabei handelt es sich dabei um einen Katalog von Kompetenzen und Studieninhalten für die fachbezogene Ausbildung in der ersten Phase. Erarbeitet wurden diese Standards von einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe der KMK; gleichermaßen waren Fachwissenschaftler, Fachverbände und Ministerien in die Erstellung miteinbezogen. Die Umstellung auf eine solche neue Vergleichsgrundlage in den Länder- und Universitätsverwaltungen wird im Zuge der rechtlichen Regelungen zwar langsam voranschreiten, bezüglich der anstehenden Akkreditierung können die Standards in den Bundesländern bedeutsam werden. Außerdem wurden „Eckpunkte für die gegenseitige Anerkennung von Bachelor- und Masterabschlüssenin Studiengängen, mit denen die Bildungsvoraussetzungen für ein Lehramt vermittelt werden“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.06.2005) [5] von der Kultusministerkonferenz beschlossen, um langfristig auf eine gemeinsame Entwicklung der Lehramtsstudiengänge hinzuwirken. Im Rahmen dieses Beschlusses wurde festgelegt, dass das Lehramtsstudium dann in allen Bundesländern anerkannt ist, wenn das Studium während der Bachelorphase sowie der Masterphase mindestens zwei Fachwissenschaften sowie Bildungswissenschaften integriert.[6]

Studienmodelle[Bearbeiten]

Im Hinblick auf die Studienstruktur existieren zwei Formen, das sequentielle und das integrative Studienmodell.[7] Beim sequentiellen Modell erfolgt bis zum Bachelor das Studium einer oder zweier Fachwissenschaften und danach wird ein Master in Form eines M.Ed. im Bereich der Erziehungswissenschaften und Didaktik angeschlossen. Beim integrativen Modell, das die Kultusministerkonferenz 2005 in Quedlinburg beschlossen hat, werden hingegen mindestens zwei Fachwissenschaften sowie Bildungswissenschaften, also Pädagogik und Didaktik, in beiden Studienphasen berücksichtigt. Durch den Beschluss der KMK von Quedlinburg im Jahre 2005 müssen jedoch Lehramtsstudiengänge integrativ gestaltet sein, wenn sie in allen Bundesländern anerkannt sein sollen. Daher laufen derzeit alle sequentiellen Studiengänge aus.

Umsetzung[Bearbeiten]

In den meisten Bundesländern werden die Lehramtsstudiengänge auf das konsekutive Bachelor-Master-Modell umgestellt.[8] Faktisch ist dann ein Masterabschluss zu machen, der in einigen Bundesländern inzwischen das Erste Staatsexamen ersetzt hat.[9] Einige Bundesländer wollen auch langfristig das Staatsexamen beibehalten und haben lediglich das Studium reformiert sowie insbesondere modularisiert. Baden-Württemberg [10][11] etwa hat nur eine umfangreiche Studienreform vorgenommen, ebenso wie Sachsen-Anhalt, wo man auch lediglich das Studium modularisiert,[12][13] und Bayern.[14] Der wesentliche Unterschied in den einzelnen Bundesländern ist der Umstand, dass in einigen Ländern der universitäre Masterabschluss für den Beruf des Lehrers genügt, während in anderen Ländern das reformierte Lehramtsstudium nur auf das Erste Staatsexamen vorbereitet und der universitäre Abschluss quasi nur nebenbei zu erwerben ist.

siehe auch: Bochumer Bachelor-/Master-Modell

Besondere Modelle[Bearbeiten]

An der kleinen Universität Eichstätt-Ingolstadt, deren Schwerpunkt die Lehrerbildung darstellt, wurde zum Wintersemester 2007/2008 das Studienmodell „Lehramt plus“ gestartet.[15] Mit diesem Reformmodell wurde versucht, das Lehramtsstudium als integratives Bachelor-/Master-System zu gestalten, das zum Ersten Staatsexamen hinführt, und zugleich die Schulpraxis im Studium zu erweitern sowie eine möglichst große Polyvalenz herbeizuführen.[16] Das Studium besteht aus einem polyvalenten Sockelstudium, das für Grund- und Hauptschulstudierende zwei Semester und für das Realschul- sowie Gymnasiallehramt und den außerschulischen Bereich drei Semester dauert. Innerhalb dieser Semester ist es problemlos möglich, den Studiengang zu wechseln. Auch kann von Anfang der Bereich „außerschulische Bildung“ gewählt werden.[17] Daneben sind die Praktika erweitert, anders auf den Studienverlauf verteilt und durch eine intensivere Betreuung reformiert worden. Außerdem ist die Modulverteilung durch sog. freie Module so geregelt worden, dass man zum einen den Stoff für das Staatsexamen studiert, aber zum anderen auch die Möglichkeit hat, entweder einen B.A. zu machen, indem man die fachspezifischen Module in einer der Fachwissenschaften belegt oder einen Bachelor of Education, wenn man freie Module im EWS-Bereich absolviert. Spezifisch und eine Besonderheit für Eichstätt ist die Schulpsychologie, denn man kann im Rahmen eines Lehramtsstudiums im Lehramt-plus-System ein reguläres Psychologiestudium mit dem Schwerpunkt Schulpsychologie machen, so dass man einen fachwissenschaftlichen B.A. in Psychologie erwirbt und regulär für den eine berufliche Tätigkeit im Bereich der Psychologie qualifiziert ist.

An der Universität Passau existiert seit dem Wintersemester 2006/2007 ein besonderer modularisierter Studiengang für das Lehramt an Realschulen, der mit dem Bachelor of Education abschließt und auf das Erste Staatsexamen in Bayern vorbereitet.[18] Dieser Studiengang wurde vom Lehrstuhl für Realschulpädagogik und –didaktik konzipiert und wird in Zusammenarbeit mit diesem durchgeführt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. zum Begriff http://zlb.uni-due.de/wiki/index.php?title=Polyvalenz
  2. Vgl. zum Folgenden: http://www.zlb.uni-freiburg.de/Doks/bolognaprozess
  3. Vgl. http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung.pdf
  4. Vgl. http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2008/2008_10_16-Fachprofile.pdf
  5. Vgl.http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2005/2005_06_02-Bachelor-Master-Lehramt.pdf
  6. Vgl.http://www.kmk.org/index.php?id=759&type=123
  7. Vgl. zum Folgenden Martin Winter: Pisa, Bologna, Quedlinburg – Wohin treibt die Lehrerausbildung?
  8. Vgl. zu den einzelnen Modellen http://www.hrk.de/bologna/de/home/2603_2642.php
  9. Vgl. http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E0B3F9EC4AAD946A68212B82B1D30C3AF~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  10. Vgl. für das Gymnasiallehramt http://www.uni-heidelberg.de/studium/interesse/abschluesse/gympo2009_basisinfo.html
  11. Vgl. http://www.zeit.de/online/2009/19/stufue-wege-ins-klassenzimmer
  12. Vgl. http://www.hof.uni-halle.de/bama/Konzept_LAB.pdf
  13. Vgl. http://www.zlb.uni-halle.de/1043406_/
  14. Vgl. http://www.km.bayern.de/imperia/md/content/pdf/lehrerbildung/reform-lb-kurzfassung_neu.pdf
  15. Vgl. http://www.faz.net/s/Rub1A09F6EF89FE4FD19B3755342A3F509A/Doc~E39FFFFE3FA8649289FB8999ED8A33ECE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  16. Vgl. zum Studienmodell Lehramt plus http://www.bllv.de/fileadmin/Dateien/Land-PDF/Aktion/Lehrerbildung/Stellungnahme_final.pdf
  17. Vgl. http://www.ba-ma.bayern.de/aktuelles/meldung.asp?NewsID=249
  18. Vgl. http://www.uni-passau.de/fileadmin/dokumente/Studieninteressierte/Studienangebot/Bachelor_of_Education.pdf
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