Pfullendorfer Notgeld

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Das Pfullendorfer Notgeld war ein aus einer Mangelsituation entstandener Geldersatz, der Anfang des 20. Jahrhunderts fehlende gesetzliche Zahlungsmittel ersetzte und von der Stadt Pfullendorf herausgegeben wurde.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund[Bearbeiten]

Im dritten Jahr des Ersten Weltkriegs, am 3. Oktober 1917, gab die Stadt Pfullendorf aufgrund merklichen Kleingeldmangels im Stadtgebiet erstmals Notgeld (50-Pfennig-Scheine) aus. Nachdem die Währung in den Folgejahren immer weiter verfiel, wurden bis 1923 weitere Notgeld-Ausgaben veranlasst, anfangs in Wertstufen ab 50 Pfennig, zur Zeit der Hochinflation bis zu 1 Billion Mark.

Auf dem Pfullendorfer Notgeld sind die Unterschriften von (Ernst Reinhard) Vollmar (Bürgermeister 1908 bis 1933), (Hugo) Gress (Buchhalter) und/oder dem Stadtrechner F(riedrich) Winkler zu finden.

Insgesamt wurden von der Stadt Pfullendorf folgende Notgeld-Beträge ausgegeben:

Stück Nominal Nennwert
50.000 50 Pfennig 25.000 Mark
4.900
0
100.000 Mark
0
490.000.000 Mark
= 490 Millionen Mark
3.720
0
500.000 Mark
0
1.860.000.000 Mark
= 1,86 Milliarden Mark
2.000
0
5.000.000.000 Mark
0
10.000.000.000.000 Mark
= 10,00 Billionen Mark
2.471
0
10.000.000.000 Mark
0
24.710.000.000.000 Mark
= 24,71 Billionen Mark
5.000
0
50.000.000.000 Mark
0
250.000.000.000.000 Mark
= 250 Billionen Mark
2.650
0
100.000.000.000 Mark
0
265.000.000.000.000 Mark
= 265 Billionen Mark
6.000
0
1.000.000.000.000 Mark
0
6.000.000.000.000.000 Mark
= 6,000 Billiarden Mark
76.471
0
6.549.712.350.025.000 Mark
= 6,549 Billiarden Mark

Die für den lokalen Umlauf vorgesehenen Notgeldscheine gelangten infolge der wirtschaftlichen Beziehungen auch in die Pfullendorfer Nachbargemeinden. Anhand von entsprechenden Vermerken hatten folgende Banken aus der Umgebung das Pfullendorfer Notgeld eingelöst: Oberrhein-Bank Mengen, Bankkommandite Pfäffle u. Cie. Ostrach, Gewerbebank Saulgau, Badische Bauern-Bank-Filialen Sigmaringen und Überlingen, Bankcommandite Sigmund Weil-Filiale Sigmaringen sowie die Württembergische Girozentrale Stuttgart.

Ausgaben[Bearbeiten]

Kleingeld, 1917 bis 1922[Bearbeiten]

Nominal: 50 Pfennig
  Druck: Uhland’sche Buchdruckerei G.m.b.H, Stuttgart; schwarz auf graubraun, auf weißem Papier, mit Wasserzeichen „Z-Muster“; ~ 90 × 46 mm
Auflage: 30.000 Stück mit einem Nennwert von 15.000 Mark
Ausgabe: 3. Oktober 1917 bis 31. Oktober 1919, 30.000 Stück mit einem Nennwert von 15.000 Mark
Vorderseite: Kriegsgeld der Stadt Pfullendorf / Fünfzig Pfennig / Wappen Dieser Geldschein wird von allen Kassen eingelöst + № xxxxx (00001 bis 30000; 5,2 mm, schwarz) + Pfullendorf, 3. Oktober 1917. / Für den Gemeinderat / Der Bürgermeister / Unterschrift
Rückseite: 50 Pfennig + Abbildung: Obertor (Ansicht von 1505) + 50 Pfennig / Gültig bis 31. Okt. 1919. + Nachahmung strafbar. / Uhland’sche Buchdruckerei G. m. b. H., Stuttgart.
Nominal: 50 Pfennig
  Druck: Uhland’sche Buchdruckerei G.m.b.H, Stuttgart; schwarz auf graubraun, auf weißem Papier, mit Wasserzeichen „Wellenbündel“; ~ 90 × 46 mm
Auflage: 20.000 Stück mit einem Nennwert von 10.000 Mark
Ausgabe: nach 30. Juni 1920, 20.000 Stück mit einem Nennwert von 10.000 Mark
Vorderseite: № xxxxx (30001 bis 50000; 5,2 mm, schwarz), ohne Verfallsdatum
Rückseite: Obertor (Ansicht von 1505)

Am 17. September 1922 verloren die Kleingeldscheine ihre Gültigkeit. Die bis dahin wieder eingezogenen Geldscheine wurden verbrannt, zuletzt 6409 Stück am 22. Februar 1923.

Großgeld, 1922[Bearbeiten]

Die seit dem 25. Oktober 1922 geplanten und am 5. November genehmigten Ausgaben von 100-, 500- sowie 1000-Mark-Scheinen – insgesamt 25 Millionen Mark – kamen nicht zur Ausgabe: Der Pfullendorfer Gemeinderat nahm am 22. November seinen Beschluss aufgrund zu kurz bemessener Laufzeit zurück.

Großgeld, 1923[Bearbeiten]

Nominal: 100.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf braunem (Töne) Unterdruck, auf weißem Papier, ohne Wasserzeichen; ~ 156 × 93 mm
Auflage: 4.900 Stück mit einem Nennwert von 490 Millionen Mark
Ausgabe: ab 17. August 1923, 4.900 Stück mit einem Nennwert von 490 Millionen Mark
Vorderseite: № xxxxx (00001 bis 04900; 4,0 mm, schwarz)
Rückseite: „Pfullendorf um 1700“ in braun, Stich von Xaver Schilling, Meersburg
Nominal: 500.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf braunem (Töne) Unterdruck, auf hellrosa Papier, ohne Wasserzeichen; ~ 164 × 115 mm
Auflage: 1.520 Stück mit einem Nennwert von 760 Millionen Mark
Ausgabe: ab 17. August 1923, 1.520 Stück mit einem Nennwert von 760 Millionen Mark
Vorderseite: № xxxxx (00001 bis 01520; 4,0 mm, schwarz)
Rückseite: „Pfullendorf um 1720“, Stich aus dem Verlag von Joh. Christ. Leopold, Augsburg
Nominal: 500.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf goldbraunem Unterdruck, auf rotem Papier, ohne Wasserzeichen; ~ 164 × 115 mm
Auflage: 2.199 Stück mit einem Nennwert von 1,0995 Milliarden Mark
Ausgabe: ab 18. August 1923, 2.199 Stück mit einem Nennwert von 1,0995 Milliarden Mark
Vorderseite: № xxxxx (01521 bis 03720; 4,0 mm, schwarz)
Rückseite: „Pfullendorf um 1720“, Stich aus dem Verlag von Joh. Christ. Leopold, Augsburg
Nominal: 5.000.000.000 Mark
  Druck: Fr. List, Pfullendorf; schwarz auf weißem Papier, ohne Wasserzeichen; ~ 108 × 85 mm
Auflage: 2.000 Stück mit einem Nennwert von 10 Billionen Mark
Ausgabe: 27. Oktober (KN 1 bis 1000) bis 2. November 1923 (KN 1001 bis 2000), 2.000 Stück mit einem Nennwert von 10 Billionen Mark
Vorderseite: № xxxxx (1 bis 2000; 6,0 mm, handgestempelt)
Rückseite: „Königsbronner Pflegehof mit Stadtturm“ in Schwarz
Sonstiges: Die Rechnungen beliefen sich auf 150 Milliarden Mark (KN 1 bis 1.000) und 300 Milliarden Mark (KN 1001 bis 2000)
Nominal: 10.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf grünem Unterdruck, auf weißem Papier, mit Wasserzeichen „Schachmuster“; ~ 120 × 93 mm
Auflage: 1.230 Stück mit einem Nennwert von 12,3 Billionen Mark
Ausgabe: 27. Oktober (KN 1 bis 1300), 2. November (KN 1301 bis 1400 und 1430 bis 1500) und 3. November 1923 (KN 1501 bis 2500), insgesamt 1.230 Stück mit einem Nennwert von 12,3 Billionen Mark
Vorderseite: № xxxxx (00001 bis 01230; 4,0 mm, schwarz)
Rückseite: „Obertor von 1505“ in grau
Nominal: 10.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf grünem Unterdruck, auf weißem Papier, ohne Wasserzeichen; ~ 120 × 93 mm
Auflage: 1.240 Stück mit einem Nennwert von 12,4 Billionen Mark
Ausgabe: 31. Oktober 1923, 1.240 Stück mit einem Nennwert von 12,4 Billionen Mark
Vorderseite: № xxxxx (4,0 mm, schwarz)
Rückseite: „Obertor von 1505“ in grau
Nominal: 50.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf grauem Unterdruck, auf weißem Papier, mit Wasserzeichen „Dreieckrad“; ~ 137 × 95 mm
Auflage: 5.000 Stück mit einem Nennwert von 25 Billionen Mark
Ausgabe: 3. November 1923, 5.000 Stück mit einem Nennwert von 25 Billionen Mark
Vorderseite: Fünfzig Milliarden Mark. (hochkant) / Siegel / № xxxxx (00001 bis 05000, 4,0 mm, schwarz)00Die / Stadtgemeinde Pfullendorf / zahlt gegen diesen Gut-Schein den Betrag von / 50 Milliarden Mark / in Reichsbanknoten. / Pfullendorf, den 3. November 1923. / Der Gemeinderat 0Wappen0 Für die Kontrolle: Stadtverrechnung: / Unterschriften Vollmar und F. Winkler / 5000Die Scheine werden nach Aufruf im Pfullendorfer Anzeiger und Volksblatt bei allen städt. u. spit. Kassen, sowie bei der Sparkasse Pfullendorf eingelöst.0050
Rückseite: „Altes Haus (Schoberhaus) von 1317“ in Schwarz
Nominal: 100.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf grünem Unterdruck, auf weißem Papier, mit Wasserzeichen „Dreieckrad“; ~ 136 × 97 mm
Auflage: 2.650 Stück mit einem Nennwert von 265 Billionen Mark
Ausgabe: 13. November 1923, 2.650 Stück mit einem Nennwert von 265 Billionen Mark
Vorderseite: Umlauf EINHUNDERT MILLIARDEN MARK; Die Stadtgemeinde Pfullendorf / zahlt gegen diesen Gut-Schein den Betrag von / HUNDERT MILLIARDEN / 100000000000 MARK00№ xxxxx / in Reichsbanknoten. / Pfullendorf, den 13. November 1923. / Der Gemeinderat:00Für die Kontrolle: Stadtverrechnung: / Unterschrift Vollmar 0Siegel0 Unterschrift F. Winkler / NB.: Die Scheine werden nach Aufruf im Pfullendorfer Anzeiger und Volksblatt bei allen städt. und spitäl. Kasse, sowie bei der Sparkasse Pfullendorf eingelöst.
Rückseite: „Ehemaliges Gebsentor“ in Schwarz
Nominal: 1.000.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf graulila Unterdruck, auf weißem Papier, ohne Wasserzeichen oder mit Fabrik-Wasserzeichen „J. P. SONNTAG EMMENDINGEN / NORMAL 4 a“; ~ 150 × 95…99 mm
Auflage: 1.000 Stück mit einem Nennwert von 1 Billiarde Mark; KN 00001 bis 01000
Ausgabe: 13. November 1923, 1.000 Stück mit einem Nennwert von 1 Billiarde Mark
Vorderseite: 100 Milliarden Mark (hochkant) / Umlauf EINTAUSEND MILLIARDEN MARK; Die Stadtgemeinde Pfullendorf / zahlt gegen diesen Gut-Schein den Betrag von / EINE BILLION MARK / 1000 Milliarden00№ xxxxx / in Reichsbanknoten. / Pfullendorf, den 27. November 1923. / Der Gemeinderat:00Für die Kontrolle: Stadtverrechnung: / Unterschrift Vollmar 0Siegel0 Unterschrift F. Winkler / NB.: Die Scheine werden nach Aufruf im Pfullendorfer Anzeiger und Volksblatt bei allen städt. und spitäl. Kasse, sowie bei der Sparkasse Pfullendorf eingelöst.
Rückseite: „Ehemaliges Steinbrunnentor“ in Schwarz
Nominal: 1.000.000.000.000 Mark
  Druck: Johann Maier, Pfullendorf; schwarz auf graulila Unterdruck, auf weißem Papier, ohne Wasserzeichen oder mit Fabrik-Wasserzeichen „J. P. SONNTAG EMMENDINGEN / NORMAL 4 a“; ~ 150 × 95…99 mm
Auflage: 5.000 Stück mit einem Nennwert von 5 Billiarden Mark; KN 01001 bis 06000
Ausgabe: 27. November 1923, 5.000 Stück mit einem Nennwert von 5 Billiarden Mark
Vorderseite: 100 Milliarden Mark (hochkant) / Umlauf EINTAUSEND MILLIARDEN MARK; Die Stadtgemeinde Pfullendorf / zahlt gegen diesen Gut-Schein den Betrag von / EINE BILLION MARK / 1000 Milliarden00№ xxxxx / in Reichsbanknoten. / Pfullendorf, den 27. November 1923. / Der Gemeinderat:00Für die Kontrolle: Stadtverrechnung: / Unterschrift Vollmar 0Siegel0 Unterschrift F. Winkler / NB.: Die Scheine werden nach Aufruf im Pfullendorfer Anzeiger und Volksblatt bei allen städt. und spitäl. Kasse, sowie bei der Sparkasse Pfullendorf eingelöst.
Rückseite: „Ehemaliges Steinbrunnentor“ in Schwarz

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens-Uwe Rixen: Notgeldausgaben im badischen Bodenseegebiet 1914–1918 (Teil 2). In: Hegau-Geschichtsverein Singen e. V. (Hrsg.): HEGAU – Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebiets zwischen Rhein, Donau und Bodensee; Jahrbuch 1988. September 1990, ISSN 0438-9034, S. 165–240.
  • Hans-Ludwig Grabowski und Manfred Mehl: Deutsches Notgeld: Deutsche Serienscheine 1918–1922: 2 Bände (Band 1: A – K, Band 2: L – Z). 3. Auflage. 1 und 2. Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2009, ISBN 978-3-86646-518-3.
  • Anton Geiger: Deutsches Notgeld: Das deutsche Großnotgeld von 1918 bis 1921: Katalog aller Notgeldscheine im Nennwert von 1 bis 100 Mark. 3. Auflage. Band 3. Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2010, ISBN 978-3-86646-533-6.
  • Manfred Müller: Deutsches Notgeld: Die Notgeldscheine der deutschen Inflation: von August 1922 bis Juni 1923. 3. Auflage. Band 4. Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2010, ISBN 978-3-86646-534-3.

Weblinks[Bearbeiten]

  Commons: Pfullendorfer Notgeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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