Panzerartilleriebataillon 215

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Panzerartilleriebataillon 215
— PzArtBtl 215 —
II
Verbandsabzeichen
Internes Verbandsabzeichen
Aktiv 1. Oktober 1958–30. Juni 2015
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Heer Heer
Truppengattung Artillerietruppe
Typ Bataillon der Eingreifkräfte
Unterstellte
Truppenteile
1.–4. Batterie
Unterstellung Panzerbrigade 21 Panzerbrigade 21
Standort GFM-Rommel-Kaserne Augustdorf
Hauptwaffensystem Panzerhaubitze 2000
Auszeichnungen Flag of North Rhine-Westphalia.svg Fahnenband
Nordrhein-Westfalen (2008)
Kommandeur
letzter Kommandeur Oberstleutnant Alexander Rommel

Das Panzerartilleriebataillon 215 (PzArtBtl 215) war ein Brigadeartilleriebataillon der Bundeswehr von 1958 bis 2015. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte das Bataillon durch einen der schwersten Schießunfälle der Bundeswehr, bei dem am 10. Dezember 2006 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zwei Soldaten getötet und vier weitere schwer verletzt wurden. 2008 wurde ihm das Fahnenband des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Das Bataillon war der Truppenteil der Bundeswehr, der als letztes mit der Panzerhaubitze M109, dem langjährigen Standardgeschütz der Brigadeartillerie, geschossen hat. Der Verband war als Teil der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) stationiert. Letzter Kommandeur war Oberstleutnant Alexander Rommel.

Auftrag und Gliederung[Bearbeiten]

Das Bataillon unterstützte die Brigade mit artilleristischem Feuer und Aufklärung und koordinierte streitkräftegemeinsames Feuer auf Brigadeebene in Operationen hoher Intensität gegen vorwiegend militärisch organisierte Gegner bzw. bei Stabilisierungsoperationen im mittleren und niedrigen Intensitätsspektrum. Als Teil der Eingreifkräfte war es befähigt zur Führung einer Artillery Task Force. Es gliederte sich dazu zuletzt in vier Batterien:

  • 1./PzArtBtl 215: Versorgungs- und Unterstützungsbatterie
  • 2./PzArtBtl 215: Schießende Batterie mit acht Panzerhaubitzen 2000
  • 3./PzArtBtl 215: Schießende Batterie mit acht Panzerhaubitzen 2000
  • 4./PzArtBtl 215: Schießende Batterie mit acht Panzerhaubitzen 2000

Die 5./PzArtBtl 215, die als Einsatzunterstützungsbatterie hauptsächlich mit der Durchführung der Allgemeinen Grundausbildung beauftragt war, wurde bereits 2012 aufgelöst.

Wappen[Bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 1978 zeigte das Wappen auf goldfarbenem Wappenschild zwei gekreuzte, schwarze Kanonenrohre als Symbol der Artillerie sowie eine rote Lippische Rose als Zeichen der Verbundenheit mit dem Land Lippe. Die Farben „schwarz, rot, gold“ erinnerten an die Bundesfarben. Davor existierten noch einige andere Wappen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das spätere Panzerartilleriebataillon 215 wurde am 1. Oktober 1958 aus dem Personal des Artillerieregiments 5 (bereits 1957 aufgestellt) im Lager Augustdorf, der späteren Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne als I. Bataillon/Artillerieregiment 7 aufgestellt.[1] Am 16. März 1959 wurde dieses Bataillon in Panzerartilleriebataillon 215 umbenannt und der von Panzergruppe C in Panzerbrigade 21 (PzBrig 21) umbenannten Brigade unterstellt. Im September 1959 musste die 2. Batterie bis auf 15 Soldaten zur Aufstellung des Panzerartilleriebataillon 85 in Lüneburg abgegeben werden. Ab dem 1. Oktober 1959 wurden Wehrpflichtige ausgebildet, die schon im November des gleichen Jahres ihren ersten Truppenübungsplatz­aufenthalt hatten. Zur Zeit der Kubakrise 1962 wurde das Bataillon in „Vollbereitschaft“ versetzt: Die Lagerwachen wurden verdoppelt und es herrschte Ausgangssperre.[2] 1965 übergab der Inspekteur des Heeres dem Verband die Truppenfahne, die von Heinrich Lübke, dem damaligen Bundespräsidenten, gestiftet wurde. In diesem Jahr übernahm das Bataillon auch die Tradition des ehemaligen Feld-Artillerieregiments 58 und des Artillerie-Regiments 6, bis diese 2004 aufgrund eines neu gefassten Traditionserlasses der Bundeswehr beendet werden musste. Im Juli und August 1974 übt das Panzerartilleriebataillon 215 als erster Artillerieverband auf dem kanadischen Übungsplatz Shilo[3] (damals umfasst die Artillerietruppe über 80 Verbände). Der letzte Platzaufenthalt vom PzArtBtl 215 dortfand 1997 statt. 1978 wurde eine Lehrübung für Angehörige der chinesischen Volksbefreiungsarmee durchgeführt.[4] 1979 fand erstmals der Augustdorfer Soldatentag statt. 1980 wurde die 4. Batterie aufgestellt. Davor bestand das Bataillon lediglich aus der 1. (Stabs-/Versorgungs-) und zwei schießenden Batterien. 1987 wurde die 4. Batterie im Zuge der Einnahme der Heeresstruktur IV wieder aufgelöst, 1992 aber wieder aufgestellt. 2003 erfolgte die erneute Auflösung, 2006 die erneute Aufstellung. 1983 feierte das PzArtBtl 215 den 25. Jahrestag seines Bestehens, 1987 wurde eine Patenschaft mit der 3rd Royal Horse Artillery in Paderborn übernommen.[5] Aufgrund von Renovierungsarbeiten muss das gesamte Bataillon 1989 in sogenannte Feldhäuser umziehen. 1991 konnte dann in die sanierten alten Unterkünfte zurückgekehrt werden, bevor kurz darauf ein Umzug in die Gebäude des ausgelösten Panzerbataillons 213 erfolgte (alles innerhalb der GFM-Rommel-Kaserne). Von 1993 bis 1996 führte der Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr von 2010 bis 2018, das Bataillon. 1998 wurde eine Patenschaft mit dem Heimatschutzbataillon 631 eingegangen,[6] das aber kurze Zeit später aufgelöst wurde. Am 30. September 2006 wurde die 7. Panzerdivision aufgelöst, der auch das PzArtBtl 215 seit ihrem Bestehen unterstand. Danach war das PzArtlBtl 215 Teil der 1. Panzerdivision in Hannover.

Am 10. Dezember 2006 kam es erstmals zu einem tödlichen Schießunfall beim PzArtBtl 215, bei dem auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz ein Geschützfeldwebel sein Leben verlor. Ein Soldat einer anderen Einheit wurde ebenfalls getötet sowie vier weitere Personen zum Teil schwer verletzt.[7] Am 3. September 2008 wurde dem Bataillon das Fahnenband des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.[8] Mit der Einführung der Streitkräftekategorien Eingreifkräfte, Stabilisierungskräfte und Unterstützungskräfte durch die Konzeption der Bundeswehr 2004 war das PzArtBtl 215 wie alle verbliebenen Artilleriekräfte, mit Ausnahme des Artillerieregiments 345, den Eingreifkräften zugeordnet worden. Damit sollte es insbesondere zu Einsätzen hoher Intensität befähigt sein.

Einsätze[Bearbeiten]

Das Panzerartilleriebataillon 215 hat sich als Ganzes oder in Teilen bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr auf dem Balkan, sowie bei Naturkatastrophen (Sturmflut 1962,[9] Oderhochwasser 1997, Elbhochwasser 2002 und 2013) bewährt. Im Jahr 2008 wurden große Teile des Bataillons für vier bis sechs Monate als ISAF Truppenteile nach Afghanistan verlegt, nahmen dort aber keine artilleristischen Aufgaben wahr. Im Jahr 2011 verlegte das Battalion als Leitverband für das 24./25. Einsatzkontingent ISAF nach Afghanistan in das Feldlager Faizabad.[10]

Großgerät[Bearbeiten]

Panzerhaubitze 2000

In der Anfangszeit war das Bataillon mit je sechs Panzerhaubitzen 105 mm M7B2 und M52 ausgestattet.[11] Das Bataillon wurde als Erprobungs- und Schulungsbataillon geführt. Bis 1966 wurden die PzH M52 durch M7B2 ersetzt. Diese Haubitzen wurden ab dem 20. April 1966 durch die Panzerhaubitze M109 ersetzt.[12] 1977 liefen dem Bataillon die M113-Beobachtungspanzer zu. Gleichzeitig wurden die Hotchkiss-Panzer abgegeben. In diesem Jahr wurde auch der Artillerierechner Falke, seit 1997 der Artillerie-, Daten-, Lage- und Einsatz-Rechnerverbund (ADLER) eingeführt. Eine modifizierte Form der Panzerhaubitze M109 (GE A2) wurde ab 2006 von der Panzerhaubitze 2000 abgelöst. Der letzte Schuss einer M109 der gesamten Bundeswehr wurde durch das PzArtBtl 215 im November 2005 auf dem Truppenübungsplatz (TrÜbPl) Baumholder abgegeben.[13]

Zuletzt verfügte das Bataillon über 24 Panzerhaubitzen 2000 sowie neun Marder 1 A3 der Joint Fire Support Teams, vier Bergepanzer Büffel, etwa zwei Dutzend M113 in verschiedenen Ausführungen (Zugtrupp, Feuerleittrupp etc.), drei ABRA-Artilleriebeobachtungsradare und zahlreiche weitere Radfahrzeuge.

Liste der Kommandeure[Bearbeiten]

Nummer[14] Dienstgrad Name Kommandeur von Kommandeur bis Bemerkungen
1 Oberstleutnant Leggewie 01.10.1958 31.01.1960
2 Oberstleutnant Oldigs 01.02.1960 30.09.1962
3 Oberstleutnant Hildebrand 01.10.1962 30.09.1965
4 Oberstleutnant Beste 01.00.1965 31.05.1968
5 Oberstleutnant Hansgeorg Model 01.06.1968 30.06.1970 später Brigadegeneral
6 Oberstleutnant Wolfgang Malecha 01.07.1970 31.03.1972 später Generalleutnant und stv. Inspekteur des Heeres
7 Oberstleutnant von Klocke 01.04.1972 31.03.1973
8 Oberstleutnant Dieter Schilken 01.04.1973 31.03.1980 Kommandeur mit der längsten Stehzeit im Bataillon
9 Oberstleutnant Reich 01.04.1980 21.03.1982
10 Oberstleutnant Karl Schneider 22.03.1982 31.03.1987
11 Oberstleutnant Schmidt 01.04.1987 16.03.1989
12 Oberstleutnant Künne 17.03.1989 19.09.1991
13 Oberstleutnant Mohler 20.09.1991 30.09.1993
14 Oberstleutnant Volker Wieker 01.10.1993 14.02.1996 2010–2018 Generalinspekteur der Bundeswehr
15 Oberstleutnant Joachim Pollok 15.02.1996 18.11.1999
16 Oberstleutnant Wilfried Conz 19.11.1999 23.09.2001
17 Oberstleutnant Bernd Spiegel 24.09.2001 05.02.2004
18 Oberstleutnant Josef Verschüer 06.02.2004 15.12.2005
19 Oberstleutnant Axel Hermeling 16.12.2005 17.12.2007 derzeit Kommandeur Unteroffizierschule des Heeres
20 Oberstleutnant Jörg Reichstein 17.12.2007 28.02.2010 ISAF-Einsatz (Kunduz) mit Teilen des Bataillons
21 Oberstleutnant Michael Merzbach 01.03.2010 11.01.2011
22 Oberstleutnant Markus Lück 12.01.2011 16.12.2012 ISAF-Einsatz (Faizabad) mit Teilen des Bataillons
23 Oberstleutnant Alexander Rommel 17.12.2012 05.12.2014
23 Oberstleutnant Roman Paschek[15] 05.12.2014 30.06.2015 nur kommissarisch

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Krause: 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. Spenge 2009, ISBN 978-3-00-027808-2.
  • Panzerartilleriebataillon 215 Augustdorf: 1958 – 1988. WEKA-Verlag, Kissing/Zürich/Paris et al. 1988.
  • 25 Jahre Panzerartilleriebatallon 215: 1.10.1958 – 1.10.1983. Augustdorf 1983.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 25
  2. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 31
  3. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 187
  4. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 197
  5. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 220
  6. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 258
  7. Ladefehler führte zu Schießunglück in: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12. Dezember 2006
  8. Rüttgers zeichnet Truppe aus. In: Neue Westfälische, 4. September 2008 (Fahnenbänder gelten als besondere Auszeichnung.)
  9. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 161
  10. Augustdorfer Soldaten behaupten sich im Höhen-Feldlager Fayzabad. lz.de, 22. Juni 2011, abgerufen am 6. April 2019.
  11. Hans Georg Krause(2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 30
  12. Hans Georg Krause(2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 32
  13. Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 35
  14. Nr. 1–20: Hans Georg Krause (2009): 50 Jahre Panzerartilleriebataillon 215. S. 71ff
  15. Thorsten Engelhardt: Ein Lipper führt Panzerartilleriebataillon 215 bis zur Auflösung: Oberstleutnant Roman Paschek schließt die Türen zu. In: https://www.lz.de/. Lippische Landeszeitung, 23. November 2014, abgerufen am 29. August 2019.
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51.9114888.7656Koordinaten: 51° 54′ 41,4″ N, 8° 45′ 56,2″ O