Natürliche Ökonomie des Lebens

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Die Natürliche Ökonomie des Lebens nach Bernd Hückstädt[1], Bernd Senf[2] und Günter Emde [3] ist eine ganzheitliche nachhaltige bionische Wirtschaftstheorie, welche die freiwirtschaftliche Idee einer Umlaufsicherung der Geldmenge M0 nach Silvio Gesell mit dem sozialplitischen Finanztransfermodell eines Aktiven bzw. Bedingungslosen Grundeinkommens zu einem ganzheitlich-nachhaltigen Wirtschaftskreislauf integriert. Weil die Natürliche Ökonomie des Lebens dem Leben dient, trägt das offizielle Tauschmittel dieser Ökonomie den Namen Lebensgeld. Möglich sind verschiedene Ausprägungen der Natürliche Ökonomie des Lebens und somit auch verschiedene Lebensgelder (siehe Beispiele).

Funktionsweise[Bearbeiten]

 
Abb. 1: Kreislauf des Lebens mit Werden und Vergehen
 
Abb. 2: Das dreifache Wohlergehen im Kreislauf der Natürlichen Ökonomie des Lebens
 
Abb. 3: Geldschöpfung und -Vernichtung im Kreislauf der Natürlichen Ökonomie des Lebens
 
Abb. 4: Mögliche Strukturen im Kreislauf der Natürlichen Ökonomie des Lebens

Die zwei Grundpfeiler der Natürliche Ökonomie des Lebens sind die natürlichen Prinzipien des nachhaltigen Kreislaufs des Lebens von Werden und Vergehen (Abb. 1) einerseits und des darin integrierten ganzheitlichen dreifachen Wohlergehens von Individuen, Gemeinschaften und der Umwelt (Abb. 2) andererseits. Das erste Prinzip wird durch regelmäßige Geldschöpfung und -Vernichtung umgesetzt (Abb. 3), das Zweite durch eine entsprechende Verteilung des geschöpften Geldes auf Individuen, Staaten und einen globalen Umweltfonds bei gleichzeitigem Entzug eines Teils der vorhandenen Geldmenge M0 (Abb. 4). Die Geldschöpfung erfolgt proportional zur Anzahl aller lebenden menschlichen Wirtschaftsteilnehmer und die Geldvernichtung proportional zur vorhandenen Geldmenge.

Im Einzelnen dient die pro Kopf geschöpfte Geldmenge dreiteilig zur Sicherstellung der Finanzierbarkeit jedes einzelnen Menschen, zur Finanzierung des jeweils zugehörigen Staates und zur Finanzierung eines globalen Umweltfonds, womit das zweite Prinzip konkret und konsequent umgesetzt wird. Der erste Teil kann dabei wahlweise ausgestaltet werden als Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) oder als gemeinwohlorientiertes Aktives Grundeinkommen (AGE) zur Förderung der individuellen gesellschaftlichen Teilhabe. Der zweite Teil kann einer unabhängigen Finanzierung von Staatshaushalten dienen und hat das Potenzial die häufig kritisierte Einflussnahme privater oder organisierter Geldgeber auf Staaten und ihre Politik zu minimieren. Der dritte Teil kann umweltfreundliches Wirtschaften fördern und infolgedessen umweltschädliches Verhalten unwirtschaftlicher machen.

Mathematisch kann die Änderung der Geldmenge bei kontinuierlicher Geldschöpfung und Geldvernichtung als Differentialgleichung beschrieben werden:

(1)

Wenn die Geldschöpfung konstant stattfindet, z.B. pro Kopf bei gleichbleibender Bevölkerung, und die Geldvernichtung anteilig mit dem Vernichtungsfaktor erfolgt , dann gilt für die Entwicklung der Geldmenge M mit der Zeit t:

(2) .

Bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen strebt das System einem dynamischen Gleichgewichtszustand zu, in dem sich Geldschöpfung und Geldvernichtung genau ausgleichen: , bzw. . Aus Gleichung (2) ergibt sich die Geldmenge M0 im Gleichgewichtszustand durch Grenzwertbildung zu

(3)

Ähnliches gölte insbesondere für einzelne Konten mit BGE, auf denen sich bei wirtschaftlicher Untätigkeit ein Grenzkontostand von

(4)

ergäbe (Siehe Beispiele Gradido und Lindentaler).

Bionische Herleitung[Bearbeiten]

Die zwei Prinzipien der Natürlichen Ökonomie des Lebens können abgeleitet werden aus direkten Naturbeobachtungen. In nachhaltigen lebendigen Systemen ist der Kreislauf des Lebens mit Werden und Vergehen allgegenwärtig (Abb. 1).

Ebenfalls aus der Natur nachhaltiger lebendiger Systeme abgeleitet und in der Natürliche Ökonomie des Lebens integriert ist das Prinzip des dreifachen Wohlergehens - das Wohl der Individuen, der Gemeinschaft und der Umwelt. Zu beobachten ist dieses zweite Prinzip z.B. bei Lebewesen (Zellen - Organe - Gesamtorganismus) oder bei wachsenden Beständen wie Wäldern oder Korallenriffen (Einzelwesen - Bestand - Bestand plus Nutznießer). Dabei hängt die Nachhaltigkeit des Großen Ganzen eng mit der immerwährenden Erneuerung und Vergänglichkeit der Individuen zusammen. Gegenbeispiel wäre das ungebremste Wachstum, welches gesetzmäßig zu Katastrophen wie Insektenplagen, Algenplagen, Schimmel oder Krebs führt.

Das Lebensgeld fließt also beständig durch den Wirtschaftskreislauf und hält diesen am Leben, ähnlich wie bei einem Wassereimer mit einem Loch am Boden, in den ständig von oben Wasser ein und durch das Loch wieder abfließt. Je mehr Wasser sich im Eimer befindet, desto größer wird deer Wasserdruck am Boden und desto mehr Wasser fließt ab. Bei einer bestimmten Höhe werden Einfluss und Abfluss gleichgroß. Dem Geldvernichtungsfaktor entspräche hierbei der Querschnitt des Loches. Der Geldmenge entspräche der Wasserdruck am Boden bzw. die Wasserhöhe im Eimer. Und obwohl sich alles Wasser in Bewegung befindet, bleibt die Wasserhöhe in diesem dynamischen Gleichgewicht konstant.

Beispiele und Anwendung[Bearbeiten]

Die Natürliche Ökonomie des Lebens besitzt als eine zentrale Stellschraube den Faktor der Geldvernichtung . Gegenwärtig wird auf zwei online-basierten Experimentierfeldern das Wirtschaften mit Lebensgeld global und regional erprobt. Beiden Ökonomien liegt ein Geldvernichtungsfaktor von monatlich zugrunde, was ohne anderweitige Einnahmen und Ausgaben einem natürlichen Geldverlust von 5% pro Monat entspricht. Unterschiede gibt es derzeit beim BGE sowie bei der Art und Weise der Geldvernichtung (diskret beim Lindentaler, kontinuierlich bei Gradido). Zur Berechnung der Grenzkontostände siehe Funktionsweise Gleichung (4).

  • global mit dem Lebensgeld Gradido,
  • regional mit dem Lebensgeld Lindentaler(Leipzig),

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Hückstädt: Gradido – Natürliche Ökonomie des Lebens. 2. Auflage. Gradido Akademie, 2013, ISBN 978-1-4717-0374-4 (gradido.net (PDF; 1,35 MB)).
  • Bernd Senf: Der Tanz um den Gewinn - Von der Besinnungslosigkeit zur Besinnung der Ökonomie. 3. Auflage. Gauke Verlag, 2009, ISBN 3-87998-448-4.
  • Tobias Plettenbacher: Neues Geld - Neue Welt, Die drohende Wirtschaftskrise - Ursachen und Auswege (Mit umfangreichem Literaturverzeichnis). 2. Auflage. planetVerlag, Wien 2008, ISBN 978-3-0902555-16-8(?!) – (neuesgeld.com).

Weblinks[Bearbeiten]