Musikkapelle Völs am Schlern (Südtirol)
Die Musikkapelle Völs am Schlern ist ein Verein der Gemeinde Völs am Schlern mit 67 Mitgliedern. Der Verein wird seit 2009 von Steffi Rabensteiner (Obfrau) und seit 1996 von Michael Vikoler (Kapellmeister) geleitet.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]- 1 Geschichte der Musikkapelle Völs am Schlern
- 2 Gründungsjahr 1809
- 3 Jugendkapelle Völs am Schlern
- 4 Frauen in der Musikkapelle Völs am Schlern
- 5 Auftritte der Musikkapelle Völs am Schlern
- 5.1 Neujahrwünschen
- 5.2 Musikball
- 5.3 Faschingsumzug
- 5.4 Josephitag
- 5.5 Osterkonzert
- 5.6 Erstkommunion
- 5.7 Firmung
- 5.8 Floriani-Feier
- 5.9 Fronleichnam
- 5.10 Herz Jesu
- 5.11 Oswald-von-Wolkenstein-Ritt
- 5.12 Sommerkonzerte
- 5.13 Sommernachtsfest
- 5.14 Mariä Himmelfahrt: Völser Kirchtag
- 5.15 Erntedank
- 5.16 Allerseelen
- 5.17 Cäcilia-Feier
- 5.18 Turmblasen
- 6 Vorstand/Ausschuss
- 7 Obmänner der Musikkapelle Völs am Schlern
- 8 Kapellmeister der Musikkapelle Völs am Schlern
- 9 Zusammenfassung und Quellen
- 10 Weblinks
Geschichte der Musikkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
Die Musikkapelle Völs am Schlern gehört zu den ältesten des Landes Südtirol. Im Jahr 2009 feierte sie ihr 200-jähriges Bestehen, d. h. der Verein wurde im Jahr 1809 gegründet. Quellen, die auf ein früheres Bestehen hinweisen, sind bis heute nicht gesichert, aber man kann annehmen, dass es die Kapelle bereits vor 1809 gab. In einer Verwechslungsgeschichte, in die der Pfarrer von Völs unschuldigerweise involviert worden war, wird die Musikgruppe erwähnt - das älteste Indiz für ihre Existenz.
Eine schriftliche Dokumentation über den Verein gibt es fast vollständig ab dem Jahr 1925. Ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen der Musikanten zeigt sich in den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkrieges, als die Zeiten zwar schwer und die Kassa fast leer waren, doch die Kapelle wurde nie zur Gänze aufgelöst. Nach dem Krieg ging es mit dem Verein insgesamt wieder aufwärts und es wurden Konzerte in anderen Ortschaften gegeben, er reiste ins Ausland und nahm an zahlreichen Wertungsspielen erfolgreich teil.
Früher wie heute ist die Musikkapelle aus dem Dorfleben von Völs nicht mehr wegzudenken und sie bemüht sich immer wieder, die Hörerschaft mit ihren Klängen zu erfreuen. Sie beteiligt sich an kirchlichen sowie an weltlichen Anlässen und ist das ganze Jahr über in vollem Einsatz. Neben Auftritten, die alljährlich anfallen, kommen außerordentliche Ausrückungen hinzu, die die Kapelle zu Ereignissen außerhalb der Gemeinde bringt.
Gründungsjahr 1809[Bearbeiten]
Keine bis heute bekannte Urkunde belegt die Gründung der Musikkapelle. Lediglich eine dokumentierte Verwechslunsgeschichte sowie zwei Gedichte darüber – von Hermann von Gilm und Norbert Stock – geben den ältesten Hinweis auf das Bestehen einer Kapelle im Kriegsjahr 1809. Franz Crazzolara, der von 1870 bis 1879 Pfarrer von Völs war, schrieb die Geschichte nieder, die von Pfarrer Johannes Schneider (1736-1811) und von Hochwürden Spreng, Kurat in Vals bei Mühlbach, handelt. Der Kurat von Vals forderte die Bauern auf, sich gegen die Franzosen anzulegen, was veranlasste, dass er von den Franzosen gesucht wurde. Diese verwechselten Vals mit Völs, sodass sie am 7. Dezember 1809 in Völs eintrafen, den unschuldigen 73-jährigen Pfarrer Schneider festnahmen und ihn mit der Kutsche nach Bozen brachten, wo er am darauffolgenden Tag zum Tode verurteilt werden sollte. Kurz vor dem Vollzug des Urteils erkannte man die Unschuld des Geistlichen und ließ ihn frei. Pfarrer Schneider kehrte zu seinem Posten in Völs zurück und wurde am 11. Dezember von der Gemeinde mit Fahnen, Böllerschießen, Geläute und Musik empfangen. Der Pfarrer erholte sich von da an nicht mehr so recht und lebte kränklich noch fast zwei Jahre – bis zum 1. Oktober 1811. Dass der Pfarrer bereits am Tag des Empfanges verstarb, wie es in Zeitungen gemeldet und in Gedichten beschrieben wird, stimmt daher nicht. Anscheinend hat Pfarrer Schneider selbst die Notizen über seinen Tod in den Zeitungen gelesen – er wurde beinahe wie ein Freiheitsheld gefeiert.
Dies ist die älteste Quelle, die über die Musikkapelle erhalten ist – wahrscheinlich bestand sie jedoch schon früher.
Jugendkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
In der Musikkapelle Völs am Schlern wurde bereits in den frühen Jahren auf die Jugendarbeit großer Wert gelegt. Dies wurde in den letzten Jahren noch deutlich verstärkt. Man ist stets darum bemüht, die jungen Musikantinnen und Musikanten zu fördern und ihnen die Musik mit Freude und Abwechslung näher zu bringen. Dies geschieht nicht nur in der seit einigen Jahren bestehenden Jugendkapelle, sondern auch in der Formierung einer Bigband, die bei diversen kulturellen Veranstaltungen wie beim Oswald-von-Wolkenstein-Ritt oder bei touristischen Abendveranstaltungen auftrat. Weiters wird das Ensemblespiel bzw. das Spiel in kleinen Gruppen großgeschrieben, wo die jungen Musikantinnen und Musikanten selbstständig und in diversen Besetzungen ihre Gemeinschaft, ihr Zusammenspiel und nicht zuletzt ihr Können unter Beweis stellen können. Dies erfolgt beispielsweise bei Umrahmungen von kirchlichen Feiern oder musikkapelleninternen Ereignissen. Die erste Erwähnung einer Jugendgruppe in der Musikkapelle Völs fällt auf den 1. Juni 1958. Den Schwerpunkt der Jugendarbeit bildet die Jugendkapelle, die nun seit dem Jahr 2000 durchgehend besteht. Das erste Konzert fand am 20. Oktober 2000 unter der damaligen Jugendleiterin Birgit Weissenegger statt. Ihr folgte Martin Rabensteiner. Seit 2009 obliegt die Leitung der Jugendkapelle dem Jugendleiter Christof Grumer. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums hat sich Jugendleiter Martin Rabensteiner etwas Besonderes zur Aufgabe gemacht: Zusammen mit Kindern und Jugendlichen der Grundschule und des Kinderchores studierte die Jugendkapelle das Kindermusical Sammy von Veronika te Reh und Wolfgang König ein und führte es am 11. Juli 2009 im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten auf.
Frauen in der Musikkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
Die Völser Musikkapelle war eine der ersten des Landes, die die weiblichen Mitglieder mit der traditionellen, bodenständigen Ortstracht einkleidete. Mit dem Eintritt von Musikantinnen in die Kapellen stellte sich die Frage, wie sie sich denn kleiden sollten, ohne vom einheitlichen Erscheinungsbild abzuweichen. Man passte die Frauentracht jener der Männer gewaltsam an, obwohl es keinen historischen Bezug gab: vielfach wurde lediglich die Hose durch einen Rock ersetzt, Hosenträger und Männerhut wurden beibehalten. Diese Notlösung empfand man schließlich nicht mehr als tragbar und die Musikantinnen wurden mit der Frauentracht des jeweiligen Ortes eingekleidet. Aus trachtenpflegerischer Sicht war das der vernünftigste Weg, sodass im April 1980 im Rahmen des Landesverbandes für Heimatpflege die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht gegründet wurde. Die Umstellung der Trachten war für einige Kapellen finanziell nicht möglich. Mit Hilfe des Verbandes Südtiroler Musikkapellen wurde ein Förderprojekt Mädchentrachten eingeleitet, das die Kapellen mit Beiträgen unterstützte, damit sie sich an der Umstellung beteiligen konnten. Während die Marketenderinnen schon seit Beginn der Chronik und wahrscheinlich schon früher Teil des Vereins waren, wurden im Jahr 1979 die ersten Musikantinnen in der Völser Musikkapelle begrüßt. Im Protokollbuch werden sie erstmals im Zusammenhang mit der Cäcilia-Feier 1981 erwähnt, an der sie beim Flöten- und Klarinettenspiel teilnahmen. Die drei ersten weiblichen Musikanten, die 1979 der Völser Kapelle beitreten durften, waren Edith Haselrieder, Ulrike Mitterstieler und Heidi Pigneter. Ihre Kleidung wurde zunächst der Festtagstracht der Männer angepasst. Heute erscheinen die Mädchen und Frauen in der traditionellen Frauentracht des Ortes. Im Jahr 2009 zählt die Jubelkapelle 18 Musikantinnen und 5 Marketenderinnen – also 23 weibliche Mitglieder von 64, was 35 Prozent ausmacht.
Auftritte der Musikkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
Neujahrwünschen[Bearbeiten]
Sammelaktion für den Verein. Die Musikanten ziehen von Haus zu Haus und überbringen Wünsche für das Neue Jahr. Das Neujahrwünschen findet immer am Stephanstag (26. Dezember) und dem darauffolgenden Tag statt
Musikball[Bearbeiten]
Der Musikball wird zusammen mit dem Kirchenchor von Völs am Schlern organisiert. Es wird darauf Wert gelegt, dass Volksmusik ohne elektrische Verstärker gespielt wird. Der Ball findet an einem Samstag Ende Januar statt.
Faschingsumzug[Bearbeiten]
Am Unsinnigen Donnerstag nimmt die Musikkapelle Völs am Schlern am Faschingsumzug des Dorfes teil und verkleidet sich einheitlich.
Josephitag[Bearbeiten]
Die Musikkapelle Völs am Schlern umrahmt einen Gottesdienst in der Fastenzeit und spielt anschließend ein Platzkonzert auf dem Kirchplatz von Völs am Schlern.
Osterkonzert[Bearbeiten]
Das Osterkonzert ist das Hauptkonzert des Vereins. Es findet am Ostersonntag nachmittags im Kultursaal von Völs am Schlern statt.
Programm des Osterkonzertes im Jahr 2011:
Fanfarenklänge - Julius Fucík
Die Felsenmühle - Carl Gottlob Reissiger
Variazioni Konzert für Klarinette und Blasorchester - Gioacchino Rossini
Die Irrfahrt um’s Glück - Franz von Suppé
Dragon Fight - Otto M. Schwarz
Cinemania - Robert Finn
Mit Schwert und Lanze - Hermann Starke
Erstkommunion[Bearbeiten]
Der Einzug der Erstkommunikanten zur Kirche wird von der Musikkapelle Völs am Schlern begleitet.
Firmung[Bearbeiten]
Der Einzug der Firmlinge zur Kirche wird von der Musikkapelle Völs am Schlern begleitet.
Floriani-Feier[Bearbeiten]
Die Musikkapelle Völs am Schlern gestaltet musikalisch den Gottesdienst zu Ehren des Hl. Florian, Patron der Feuerwehren.
Fronleichnam[Bearbeiten]
Kirchlicher Auftritt. Prozession.
Herz Jesu[Bearbeiten]
Kirchlicher Auftritt. Prozession.
Oswald-von-Wolkenstein-Ritt[Bearbeiten]
Beteiligung am Festumzug
Sommerkonzerte[Bearbeiten]
Einstündige Konzerte für Einheimische und Touristen wöchentlich in den Sommermonaten auf dem Schulplatz von Völs am Schlern.
Sommernachtsfest[Bearbeiten]
Fest auf dem Festplatz von Völs am Schlern, organisiert von Sportverein, Feuerwehr und Musikkapelle. Die Musikkapelle Völs am Schlern konzertiert.
Mariä Himmelfahrt: Völser Kirchtag[Bearbeiten]
Zweitägiges Kirchtagsfest (14.-15. August) in Völs am Schlern. Die Musikkapelle nimmt an Prozession und Umzug teil und gibt ein Konzert.
Erntedank[Bearbeiten]
Kirchlicher Auftritt. Prozession.
Allerseelen[Bearbeiten]
Totengedenken am Friedhof zu Ehren der Kriegsgefallenen.
Cäcilia-Feier[Bearbeiten]
Die Musikkapelle Völs am Schlern feiert die Hl. Cäcilia, Patronin der Musik. Der Verein umrahmt den Gottesdienst musikalisch.
Turmblasen[Bearbeiten]
Eine Bläsergruppe der Musikkapelle Völs am Schlern findet sich im Kirchturm der Pfarrkirche zusammen und spielt nach der Christmette einige Weihnachtsweisen.
Vorstand/Ausschuss[Bearbeiten]
Der Vorstand der Musikkapelle Völs am Schlern setzt sich aus folgenden Ämtern zusammen: Obmann/-frau, ObmannstellvertreterIn, KapellmeisterIn, KapellmeisterstellvertreterIn, SchriftführerIn, JugendleiterIn, KassierIn, ZeugwartIn, NotenwartIn, Aufsichtsrat/-rätin.
Obmänner der Musikkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
1924-1926 | Franz Baumgartner Kreitertischler (†) |
1926-1927 | Alois Villgrattner Hofmüller (†) |
1927-1928 | Josef Kompatscher Gradsepp (†) |
1928-1933 | Anton Pitscheider Rumpler (†) |
1933-1934 | Josef Haselrieder Runker (†) |
1934-1936 | Otto Egger Schmied (†) |
1938-1946 | Josef Mahlknecht Neuhauser (†) |
1946-1952 | Anton Kompatscher Moar (†) |
1952-1955 | Eduard Baumgartner (†) |
1955-1961 | Walter Kompatscher |
1961-1996 | Anton Kompatscher Zimmerlehen Toni (Ehrenobmann) |
1996-2009 | Dietmar Stürz |
seit 2009 | Steffi Rabensteiner |
Kapellmeister der Musikkapelle Völs am Schlern[Bearbeiten]
1924-1928 | Josef Kritzinger Ackerer (†) |
1928-1938 | Josef Kritzinger Salmseiner (†) |
1938-1944 | Josef Lanziner Gabriel (†) |
1944-1945 | Johann Niederbacher Lehrer (†) |
1945-1952 | Josef Lanziner Gabriel (†) |
1952-1962 | Franz Kompatscher Tschafon (†) |
1962-1970 | Simon Vikoler Hohenrain |
1970-Dezember 1986 | Franz Kompatscher Tschafon (†) |
Februar 1987-Mai 1988 | Paul Bozzetta |
Mai 1988-Oktober 1989 | Armand Maier |
Oktober 1989-Dezember 1992 | Paul Bozzetta |
Jänner 1993-Oktober 1994 | Georg Pichler-Giulay |
November 1994-August 1996 | Paul Bozzetta |
seit 1996 | Michael Vikoler |
Zusammenfassung und Quellen[Bearbeiten]
- Simone Rungger, Richard Mahlknecht, Steffi Rabensteiner: 200 Jahre Musikkapelle Völs am Schlern: 1809 - 2009 ; Festschrift und Chronik, 2009
- Norbert STOCK, Der Pfarrer von Völs – Jänner 1810 (Gedicht), Ferdinandeumsbibliothek (FB) 427, S. 85
- Hermann GILM, Der Pfarrer von Völs (Gedicht), FB 379, S. 152
- Erich EGG – Wolfgang PFAUNDLER, Das große Tiroler Blasmusikbuch, Verlag Fritz Molden, Wien, München, Zürich, Innsbruck 1979
- Christoph GASSER, 200 Jahre Musikkapelle Kastelruth. Festschrift und Chronik, Bozen 1996
- Josef NÖSSING (Bearbeiter), Völs am Schlern 888-1988. Ein Gemeindebuch, Bozen 1988, 502ff
- Thomas NUSSBAUMER, Zu den Blasmusik-Magnetophonaufnahmen (1940 bis 1942) in der Südtiroler Volksmusiksammlung von Alfred Quellmalz, in: Bernhard HABLA (Hg.), Kongressberichte Bad Waltersdorf/Steiermark 2000, Lana/Südtirol 2002, Hans Schneider, Tutzing 2003, 429-448
- Thomas NUSSBAUMER, Zum Quellenwert der Südtiroler Volksmusiksammlung von Alfred Quellmalz (1940-1942), in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Band LVI/105, Wien 2002, 125-148
- Tätigkeitsberichte der Musikkapelle Völs von 1925-1993
- Tätigkeitsberichte der Musikkapelle Völs von 1993-2008