MotivStrukturAnalyse MSA
Die MotivStukturAnalyse MSA ist ein psychodiagnostisches Testverfahren, das in Form von 18 bipolaren, komplementären Grundmotiven die individuell einzigartige intrinsische Motiv- und Antriebsstruktur als "emotionalen Grundcharakter" eines Menschen erfasst.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]Grundlage[Bearbeiten]
Die historische Konzentration der Mainstreampsychologie nach dem Krieg auf drei Motive – Anschluss, Macht und Leistung – ist überholt und wird der individuell intrinsischen Antriebsvielfalt nicht gerecht. In der Tradition der Personologie von Henry Murray – der kurz vor dem Krieg eine Liste mit 20 Grundmotiven ("basic needs") entwickelt und erforscht hatte – lautet die
Die MotivStrukturAnalyse MSA berücksichtigt die aktuelle wie historische Persönlichkeits- und Motivationsforschung und beruht wesentlich auf Arbeiten namhafter Motivationspsychologen wie Gordon Allport, Paul Costa & Robert McCrae, Edward Deci & Richard Ryan, Dan McAdams, William McDougall, Henry Murray oder Steven Reiss. Dabei ist die MotivStrukturAnalyse MSA kein psychodiagnostisches Instrument aus dem klinischen Umfeld sondern ein ressourcenorientiertes Verfahren der Positiven Psychologie, das besonders für den berufsbezogenen Einsatz im deutschen Sprach-, Handlungs- und Kulturraum entwickelt wurde.
Aufbau[Bearbeiten]
Das MSA-Profil besteht aus 18 bipolaren, komplementären Grundmotiven: Wissen, Prinzipientreue, Macht, Status, Ordnung, Materielle Sicherheit, Freiheit, Beziehung, Hilfe/ Fürsorge, Familie, Idealismus, Anerkennung, Wettkampf, Risiko, Essen, Körperliche Aktivität, Sinnlichkeit und Spiritualität.
Alle 18 MSA-Motive sind normalverteilt. Die Analyse berücksichtigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Individuelle Ausprägungen, der Grad und die Ausrichtung der Motive, werden in Prozentangaben 2-98% angegeben. Im Bereich 31% - 69% liegt nach der Gauß´schen Normalverteilung die "durchschnittliche“ Ausprägung für rund zwei Drittel aller Teilnehmer, Werte darüber oder darunter gelten als auffällig stark ausgeprägt.
Anwendung[Bearbeiten]
Die Erfassung der intrinsischen Motivationsstruktur und emotionalen Energie- und Antriebspotentiale ist effiziente Grundlage für individuelle Beratungen/Coachings, wie Menschen ihre Persönlichkeit, (Lebens-)Zufriedenheit und dauerhafte Leistungsfreude wesentlich stabilisieren und weiterentwickeln können.
Prinzipiell gilt für die MSA-Anwendung die These: Kein sinnvolles und im besten Sinne erfolgreiches Coaching ohne qualitative Analyse, Deutung und Stärkung motivationaler Ressourcen der eigenen Persönlichkeit – einschließlich grundmotivationsorientierter Ziele- und Wertereflexion!
Alle Grundfragen des Coachings – beispielsweise Was will ich wirklich wirklich? Welche Aktivitäten und Ziele sind mir wirklich sinn- und wertvoll? Wie kann ich ein bejahenswertes Leben führen? - sind ohne eine Erschließung und Entwicklung der eigenen Motivstruktur und des eigenen emotionalen Grundcharakters im Beratungs- und Coachingprozess kaum professionell umfassend zu beantworten und zu gestalten.
Einzelne Anwendungsfelder:[Bearbeiten]
(1) Einzelarbeit
- Coaching
- Persönlichkeitsanalyse- und entwicklung ("Standortbestimmung")
- Entscheidungsfindung/ Karriere
- Kommunikation
- Leistung & Eigenmotivation
- Work-Life-Balancing
- Partnerschaft/Partnerberatung
(2) im Unternehmen
- Organisationsentwicklung
- Personalentwicklung
- Personalauswahl
- Führungskräfteenwicklung
- Kommunikation
- Teamentwicklung
- Vertrieb
(3) Leistungssport
- Leistungssteigerung im professionellen Einzel- und Teamsport
Entwicklung[Bearbeiten]
Die Testentwicklung der MotivStrukturAnalyse MSA bezüglich Itemselektion, Konstrukt-Validierung und Normierung umfasste von Mai 2006 bis Juni 2007 vier Untersuchungen mit fast 1500 Teilnehmern aus 15 Branchen und über 140 unterschiedlichen Berufsgruppen.
In weiteren fünf Studien wurde die MotivStrukturAnalyse MSA hinsichtlich Konstrukt-, Konvergenz- und Kriteriumsvalidierungen, Retest-Reliabilität und einer repräsentativen Aktualisierung der Erstnormierung wissenschaftlich weiterentwickelt.
An der MSA Testentwicklung nahmen insgesamt über 4000 Personen teil – bis Juli 2010 wurden über 8.000 Analysen erfasst.
Gütekriterien[Bearbeiten]
Die MotivStrukturAnalyse ist objektiv, reliabel und valide.
- Objektivität: sehr hoch und versuchsleiterunabhängig durch PC-Durchführung, rechnergestützte Auswertung
- Reliabilität:
- (1) Interne Konsistenz: (Durchschnitts-)Cronbach αØ = .84 (Range von .70 bis .95) –
- (2) Test-Retest-Reliabilität (zwei unabhängige Studien): r 4W = .84 / .82
- Validität:
- (a) Konstruktvalidität qua konfirmatorischer Varianzanalyse: RMSEA = 0.041 (Chi-Quadrat = 8923.04, P = 0.0; df= 4293; hochsignifikante Bestätigung der 18 Faktoren-/Grundmotivstruktur der MSA)
- (b) Konvergenzvalidität: rø = .48 (Range: .25 < r < .67 ; Median: .48; erfasst für 14 Grundmotive – außer Essen, körp. Aktivität, Risiko, mater. Sicherheit – qua signifikanter Korrelationen mit Neo-FFI (Neo Five-Factor-Inventory) und/oder TCI (Temperament and Character Inventory)
- (c) Kriteriumsvalidität: für alle 18 Grundmotive qua signifikanter Varianzanalysen einschlägiger Berufsprofile.
Das Verfahren ist zudem fair und ökonomisch: die MSA-Auswertung basiert auf geschlechtsspezifischen Normen und die etwa 20- bis 30minütige Durchführung ist stabile Grundlage für ein effizientes Coaching in vielen Berufs- und Lebensbereichen.
Die MSA erfasst auch die Tendenz zur sozialen Erwünschtheit ("Lügenskala").
Literatur[Bearbeiten]
- Allport, Gordon: Persönlichkeit. Stuttgart: Klett 1949.ISBN 978-0300000023
- Fuchs, Helmut; Andreas Huber: Die 16 Lebensmotive, 3. Auflage. Was uns wirklich antreibt. DTV, München 2005. ISBN 978-3423243193