Mordfall Friedrich Roger

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Der Mordfall Friedrich Roger ereignete sich im Juli 1986 in Wien und ist der bislang letzte ungeklärte Mord an einem Exekutivbediensteten in Österreich.

Opfer[Bearbeiten]

Der am 6. November 1927 in Wien geborene Friedrich Roger war Bezirksinspektor beim Donaudienst der Bundespolizeidirektion Wien und hatte sein Wachzimmer am Freudenauer Hafen im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt. Zu seinen Aufgaben gehörte es, ankommenden ausländischen Matrosen Landgangscheine auszustellen, Patrouillenboote zu kontrollieren und das Badeverbot zu überwachen. Während seiner 30-jährigen Dienstzeit rettete er 23 Menschen vor dem Ertrinken und musste nie seine Waffe gegen jemanden einsetzen.

Vor seinem Eintritt in die Polizei arbeitete er als Maschinist bei der Donauschifffahrt. Zum Zeitpunkt seines Todes war er verheiratet und Vater von drei Kindern. Am Freitag, dem 8. August 1986 wurde er unter Anwesenheit von rund 1000 Personen am Friedhof Großjedlersdorf beigesetzt. Zu den Anwesenden zählten Innenminister Karl Blecha, Polizeipräsident Karl Reidinger und Generalinspektor Günther Bögl.

Mord und Ermittlungen[Bearbeiten]

Roger wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli 1986 vor dem Wachzimmer am Freudenauer Hafen von einem Unbekannten erschossen. Seine Leiche wurde gegen 04:30 Uhr von Beamten der Zollwache entdeckt, die das Verschwinden seines Fahrzeuges bemerkt hatten und Nachschau hielten. Die Ermittlungen ergaben, dass jemand zwei Steine durch die geschlossenen Wachzimmerfenster geworfen und den alleinig anwesenden Roger damit scheinbar gezielt vor die Türe gelockt hatte. Anschließend hatte der Täter im Schutze eines Transportcontainers zwei Schüsse aus einem Sturmgewehr abgefeuert, wobei Roger von einem der Schüsse in den Kopf getroffen und vermutlich sofort getötet wurde. Der zweite Schuss hatte einen dahinterliegenden Stahlcontainer durchschlagen. Die Ermittler grenzten den Tatzeitpunkt auf die letzten zweieinhalb Stunden vor Auffinden der Leiche ein.

Der Täter hatte dem toten Beamten anschließend die Dienstpistole mit 14 Schuss, die Handschellen und das Funkgerät entwendet und war mit dessen privatem Fiat 132 vom Tatort geflohen. Das Fahrzeug wurde noch im Laufe des Vormittags in der rund sieben Kilometer entfernten Florian-Hedorfer-Straße im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering sichergestellt. Im Inneren fanden sich das Funkgerät und die Handschellen von Roger.

Die Fahndung gestaltete sich jedoch äußerst schwierig, da weder in der durchsuchten Wachstube noch im Fiat Fingerabdrücke gefunden werden konnten. Zudem schien es keinen Zeugen zu geben und auch die Suche nach einer möglichen Tatwaffe blieb ergebnislos. So hatten Polizeitaucher unter anderem erfolglos das Freudenauer Hafenbecken abgesucht. Ein weiteres Rätsel war das Motiv, welches laut Ermittler von einer Mutprobe aus dem Rockermilieu bis hin zu einem Anschlag einer politkriminellen Organisation reichen könnte. Als Reaktion auf den Mord wurde das Wachzimmer nun mit zwei Beamten besetzt und ab dem 30. Juli über die Nachtstunden geschlossen.

Als mögliche Tatwaffe kam ein Sturmgewehr 58 in Frage, die ehemalige Standardinfanteriewaffe des Bundesheeres. Durch die umfangreichen Nachforschungen kam es zur Klärung weiterer Straftaten, unter anderem die Überführung illegaler Waffenbesitzer und die Festnahme eines Bankräubers. Den Beamten gelang es sogar nach eineinhalb Wochen, ein aus Heeresbeständen entwendetes Sturmgewehr 58 ausfindig zu machen, welches inzwischen fünf illegale Besitzer gehabt hatte. Der damit durchgeführte Beschusstest blieb jedoch negativ. Zwei Wochen nach der Tat waren erst etwa 50 Hinweise bei der Polizei eingegangen, die allerdings zu keinem Ergebnis führten. Die Belohnung zur Klärung des Falles betrug bereits 100.000 Schilling.

Verbindung zu weiteren Straftaten[Bearbeiten]

Die Beamten hatten auch eine Verbindung zu zwei weiteren Straftaten mit Sturmgewehren gleichen Kalibers in Wien und Umgebung hergestellt, darunter der Raubmord an einer Tankstellenpächterin im Mai 1984 und die Schüsse auf eine Polizeistreife am 4. Juli desselben Jahres.

Weitere Bewegung in den Fall kam erst am 10. Oktober 1986, als die 40-jährige Prostituierte Brigitte Hranka in Wien-Leopoldstadt von einem Mann bedroht wurde, der zu ihr ins Auto gestiegen war. Dieser gab an, Prostituierte zu hassen und sie deshalb erschießen zu wollen. Als Hrankas Hund auf der Rückbank zu bellen begann, erschoss der Täter diesen. Hranka gelang es daraufhin, nach einem wilden Handgemenge, bei dem sie verletzt wurde, aus dem Wagen zu springen und zu entkommen. Der Täter sprang daraufhin ebenfalls aus dem Fahrzeug und flüchtete, hatte aber zuvor beim Kampf das Magazin seiner Pistole verloren. Ermittler fanden heraus, dass es sich um das Magazin aus der Waffe von Friedrich Roger handelte.

Am 30. September 1988, fast zwei Jahre nach diesem Vorfall, wurde Brigitte Hranka nachts beim Autostrich im Wiener Prater vermutlich vom selben Mann mit einer Pumpgun erschossen. Die Ermittlungen blieben jedoch erneut erfolglos. Selbst die Ausstrahlung der Verbrechen an Roger und Hranka bei Aktenzeichen XY … ungelöst, am 10. Oktober 1986 als Studiofall, am 7. November 1986 als Rückblick sowie am 12. Mai 1989 als Filmfall brachte keine erhofften Hinweise.

Im November 1988 wurde der mehrfache Bankräuber und Mörder Johann Kastenberger verhaftet, der als „Pumpgun-Ronnie“ in die österreichische Kriminalgeschichte einging. Neben Überfällen auf neun Geldinstitute wurden ihm auch die Morde an einem Mechaniker, der genannten Tankstellenpächterin, Brigitte Hranka und Friedrich Roger zur Last gelegt. Es konnte ermittelt werden, dass Kastenbergers bevorzugte Laufstrecke am Polizeiwachzimmer in Freudenau vorbeiführte und er zum Tatzeitpunkt in Simmering wohnte, wo damals der Wagen von Roger aufgefunden worden war. Mit dem Autostrich am Prater war er ebenfalls vertraut, brachte er doch gelegentlich eine befreundete Prostituierte mit seinem Wagen dorthin.

Doch dieser Verdacht konnte nicht erhärtet werden, da Kastenberger bereits am nächsten Tag aus dem Polizeigewahrsam entkommen konnte und sich im Laufe der Flucht das Leben nahm. Das Verbrechen an Friedrich Roger ist weiterhin ungeklärt.

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