Misericordismus

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Als Misericordismus (von lat. misericordia – „Barmherzigkeit“)[1][2][3] bezeichnen einige römisch-katholische Kardinäle und Theologen eine Strömung innerhalb ihrer Kirche, die von einer Sündenvergebung ohne die Notwendigkeit der objektiven Umkehr ausgehe. Sie setze eine subjektivistische Auffassung der Wirklichkeit voraus, nach der grundsätzlich keine allgemeinen und objektiv gültigen moralischen Urteile gefällt werden könnten, sondern immer „von Fall zu Fall“ und vor allem nach einer Selbstprüfung des Betroffenen zu urteilen sei, die als sein persönlicher Gewissensentscheid angesehen werde. Dieser „Misericordismus“ stelle sich als eine innerkirchliche Variante des postmodernen Relativismus dar.

Innerhalb der katholischen Kirche gab es seit der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia Widerspruch gegen eine solche Auffassung der göttlichen Barmherzigkeit. Einige Philosophen und Theologen machten ihre Kritik öffentlich.[4][5][6] 2016 legten die Kardinäle Walter Brandmüller, Raymond Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner Papst Franziskus fünf Dubia (lat. „Zweifel, Anfragen“) zu diesem Thema vor.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dio: giustizia, non solo misericordia - CCC - Confederazione Civiltà Cristiana. Abgerufen am 8. Juni 2017 (it-IT).
  2. Il "misericordismo" è moralismo. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  3. Frate Giovanni Cavalcoli: "La Chiesa parla troppo di misericordia e poco di peccato" | lafedequotidiana.it. In: lafedequotidiana.it. 30. Mai 2016 (lafedequotidiana.it [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  4. Josef Seifert: Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen. Hrsg.: AEMAET – Wissenschaftliche Zeitschrift für Philosophie und Theologie. Band 5, Nr. 2, 2016, S. 2–84.
  5. Anian Christoph Wimmer: EXKLUSIV: "Ein Bruch mit der Lehrtradition" – Robert Spaemann über Amoris Laetitia. (catholicnewsagency.com [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  6. Weihbischof Athanasius Schneider: „Amoris laetitia“: Klärungsbedarf zur Vermeidung einer allgemeinen Verwirrung. kathnews.de, 26. April 2016, abgerufen am 08.06.2017 (Deutsch).
  7. "Amoris Laetitia": Kardinäle bitten Papst um Klärung. Abgerufen am 8. Juni 2017.
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