Marc Jongen

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Marc Jongen (2015)

Marc Jongen (* 1968 in Meran, Südtirol[1]) ist ein deutscher Philosoph und Essayist italienischer Herkunft. Er ist seit 2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.[2][3]

Leben[Bearbeiten]

Jongen wurde in Südtirol geboren. Er studierte zunächst 1987/88 Volkswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und von da an bis 1995 Philosophie sowie eine Fächerkombination aus Indologie, Geschichte, Germanistik und Wissenschaftstheorie an der Universität Wien. Seit 1994 veröffentlicht er Essays, Rezensionen und Reportagen in diversen Zeitungen und Zeitschriften wie Die Presse, Die Zeit oder Sinn und Form. 1996 erhielt er das Diplom und schrieb seine Magisterarbeit mit dem Titel: „Das Wesen spiritueller Erkenntnis erschlossen aus dem Advaita Vedanta Shri Shakaracharyas“, die überarbeitet 1998 im Verlag Eugen Diederich erschien.

In den Jahren zwischen 1996 und 1999 war er Kulturredakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung in Bozen und begann daraufhin ein Doktoratsstudium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe als Stipendiat der Leopold-Ziegler-Stiftung. Von 2001 bis 2003 war Jongen Landesgraduiertenstipendiat des Landes Baden-Württemberg und verfasste seine Dissertation bei Peter Sloterdijk mit dem Titel „'Nichtvergessenheit'. Tradition und Wahrheit im transhistorischen Äon“.

Seit 2003 arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Philosophie und Ästhetik war bis zu dessen Ende der Amtszeit Assistent des Rektors Peter Sloterdijk und übt Tätigkeiten in Forschung und Lehre (bis 2013 gemeinsame Seminare mit Peter Sloterdijk, danach eigene) sowie in der Hochschulverwaltung aus. Er ist Herausgeber der Reihe HfG Forschung.[4]

2009 wurde Jongen zum Dr. phil. mit summa cum laude promoviert und war zwischenzeitlich Leiter des Forschungsinstituts der HfG Karlsruhe.

2011 wurde er in Deutschland eingebürgert.

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Jongen trat im April 2013 in die Alternative für Deutschland (AfD) ein. Auf dem Gründungsparteitag des Landsverbandes Baden-Württemberg wurde er als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Im Januar 2014 wurde er stellvertretender Sprecher der AfD Baden-Württemberg, für die er als Programmkoordinator tätig ist, und im Januar 2015 Mitglied der Bundesprogrammkommission.[5]

Zur Bundestagswahl 2013 trat er als Direktkandidat im Wahlkreis 271 (Karlsruhe-Stadt) an und stand auf Platz 10 der Landesliste.[6] Er erhielt 4,0 % der Erststimmen.[7] 2014 wurde vom Bundesparteitag auf Platz 8 der Kandidatenliste zur Europawahl gewählt.[8]

In Medienberichten wurde Jongen als ein Wertkonservativer und als ein intellektueller Vorkämpfer eines neuen Konservatismus bezeichnet.[8][9] In einem von ihm als „AfD-Manifest“ bezeichneten Aufsatz schrieb er: „Der angebliche Widerspruch zwischen einem konservativen und einem liberalen Parteiflügel der AfD ist damit als Propaganda des politischen Gegners enttarnt. Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein. Zuweilen sogar reaktionär.“[9] Die Politikwissenschaftlerin Karin Priester untersuchte seinen Beitrag, der im Januar 2014 im Cicero erschien: Jongen adaptiere Gedanken der sogenannten „Konservativen Revolution“. Er habe eine „liberal-konservativ-reaktionär-revolutionäre Vision“, die auf Populismus setze, um den Konservatismus im Volk anschlussfähig zu machen. Er setze auf Polarisierung und Moralisierung, den politischen Eliten werfe er „Korruption“ vor.[10] Nach Helmut Kellershohn werden „die Bezüge zum jungkonservativen Tat-Kreis um Hans Zehrer deutlich, der in der Auflösungsphase der Weimarer Republik einer der wichtigsten Intellektuellenzirkel der Konservativen Revolution war“.[11] Die FAZ-Redakteure Justus Bender und Reinhard Bingener porträtierten Jongen als „Parteiphilosophen“, der an einer „philosophischen Grundlegung seiner Partei“ arbeite.[12]

Als Reaktion auf einen offenen Brief, in dem sich mehrere Autoren der Schriftenreihe HfG Forschung besorgt gezeigt hatten, Jongens politisches Engagement könnte Auswirkungen auf seine Lehrtätigkeit an der Hochschule haben und seine Ablösung als Herausgeber der Schriftenreihe forderten, veröffentlichte die Hochschule eine Stellungnahme, in der sie ein Engagement in einer politischen und verfassungskonformen Partei als eine Privatangelegenheit bezeichnete.[13]

Werk[Bearbeiten]

Der Leipziger Medienwissenschaftler Stefan Kramer rezensierte den Sammelband Philosophie des Raumes in der Zeitschrift MEDIENwissenschaft kritisch. Er vermutete, dass „es sich bei dem gesamten Projekt vor allem um eine Eigenwerbung der ihm zugrunde liegenden Institution und für deren Professoren“ handle. Jongen weise etwa in der Einleitung „den Begriff einer ‚Karlsruher Schule’ unentschlossen von sich und seinen Professoren Groys und Sloterdijk [..], um ihn damit recht eigentlich erst ins Spiel zu bringen“.[14]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten]

  • Nichtvergessenheit. Tradition und Wahrheit im transhistorischen Äon. Umrisse einer hermetischen Gegenwartsdeutung im Anschluss an zentrale Motive bei Leopold Ziegler und Peter Sloterdijk. Dissertation HfG Karlsruhe, 2009.
  • Das Wesen spiritueller Erkenntnis. Eine Reise ins Innere des Geistes (= Diederichs gelbe Reihe. Band 141). Diederichs, München 1998, ISBN 3-424-01392-7.

Herausgeberschaften[Bearbeiten]

Essays (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Magia – Matrix – Imaginatio. Überlegungen zur Simulation anlässlich des Todes Jean Baudrillards. In: Marburger Forum. Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart. Jg. 8 (2007), Heft 2.

Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Sein und Raum. Scholien zum „ungeschriebenen Über-Buch der abendländischen Philosophie“. In: Marc Jongen (Hrsg.): Philosophie des Raumes. Standortbestimmungen ästhetischer und politischer Theorie. Fink, München 2008, ISBN 978-3-7705-4643-5, S. 59–88.
  • Die zweiten Hieroglyphen. Entwurf einer Theorie der Hyperbilder. In: Ingo Berensmeyer (Hrsg.): Mystik und Medien. Erfahrung – Bild – Ton (= Mystik und Moderne. Band 4). Fink, München 2008, ISBN 978-3-7705-4677-0, S. 151–172.
  • Vom Arbeiter zum Roboter. Ein Gestaltwandel zweiter Ordnung. In: Alexander Pschera (Hrsg.): Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht. Matthes & Seitz, Berlin 2008, ISBN 978-3-88221-725-4, S. 994–308.
  • Paranoia macht high. Zu: Luca Di Blasi: Der Geist in der Revolte. Der Gnostizismus und seine Wiederkehr in der Postmoderne. In: Dialektik 2003/1, S. 181–184.

Politische Aufsätze[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marc Jongen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelles der Leopold Ziegler Stiftung
  2. Eintrag auf der Website des HfG Forschungsinstituts
  3. Eintrag auf der Website der HfG Karlsruhe
  4. Schriftenreihe des HfG-Forschungskollegs, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  5. Seite des AfD-Verbandes BW - Vorstandsmitglieder, abgerufen am 27. Januar 2016
  6. Marc Jongen Karlsruher Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für den Bundestag. In: Boulevard Baden. 12. Juli 2013, archiviert vom Original am 16. September 2013; abgerufen am 27. Januar 2016.
  7. Bundestagswahl am 22. September 2013 in Karlsruhe - Amtliches Endergebnis - Erststimmen Gesamtstadt (WK 271)
  8. 8,0 8,1 AfD wirbt mit harscher EU-Kritik um Protestwähler. In: Handelsblatt. 1. Februar 2014, abgerufen am 23. März 2014.
  9. 9,0 9,1 Kathrin Haimerl: Marschrichtung "Mut zu Deutschland". In: Süddeutsche Zeitung. 25. Januar 2014, abgerufen am 23. März 2014.
  10. Karin Priester: »Erkenne die Lage!« Über die rechtspopulistische Versuchung des bundesdeutschen Konservatismus. In: INDES – Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 3/2015, S. 84–92, hier: S. 89 ff. doi:10.13109/inde.2015.4.3.84
  11. Helmut Kellershohn: Die Verfassung befreien!. Über das Interesse der jungkonservativen Neuen Rechten an der AfD. In: FORUM Wissenschaft 4/2014, S. 53–57, hier: S. 54.
  12. Justus Bender, Reinhard Bingener: Marc Jongen: Der Parteiphilosoph der AfD. faz.net, 15. Januar 2016.
  13. „Streit um AfD-Mitglied Marc Jongen: Hochschule veröffentlicht Statement“ in MONOPOL Magazin am 9. Dezember 2015. Abgerufen am 18. Januar 2016
  14. Stefan Kramer: Marc Jongen (Hg.): Philosophie des Raumes. Standortbestimmungen ästhetischer und politischer Theorie (Rez.). In: MEDIENwissenschaft 2/2009, S. 139 f.
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