Ludwig Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (der Ältere)

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Ludwig Ferdinand Paul Franz Stanislaus Ulrich Otto Ludolf Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (* 4. April 1910 auf Schloss Berleburg; † 22. November 1943 bei Tschernjachiw) war ein Offizier der Reichswehr und der Wehrmacht, zuletzt Oberst des Heeres.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Ludwig Ferdinand stammte aus dem Haus Sayn-Wittgenstein, eine Familie des deutschen Hochadels. Der Rufname Ludwig Ferdinand weist auf den ältesten Sohn des Grafen Casimir, Ludwig Ferdinand Graf zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1712–1773) hin, der die nördliche Wittgensteiner Grafschaft von 1741 bis 1773 regierte.[1] Er wurde als drittes Kind von Fürst Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1882–1925) und seiner Ehefrau Madeleine geb. Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1895–1976) geboren.[2][3] Sein älterer Bruder war Gustav Albrecht (1907–1944).

Ludwig Ferdinand erhielt zunächst Privatunterricht im elterlichen Schloss und besuchte ab 1926 die Johann-Conrad-Schlaun-Oberrealschule in Münster, wo er 1930 sein Abitur ablegte. Als ausgezeichneter Reiter entschied er sich für eine militärische Laufbahn, die seiner Begabung entsprach.

Militärkarriere[Bearbeiten]

Ludwig Ferdinand trat am 1. April 1930 in das Kavallerie-Regiment 18 der Reichswehr in Stuttgart-Bad Cannstatt ein.[4] 1939 wurde er Kommandeur der Aufklärungs-Abteilung 35 der 35. Infanterie-Division. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm er an den Feldzügen gegen Polen und Frankreich teil und wurde danach an der Ostfront in Russland eingesetzt.

Ludwig Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg war zuletzt Oberstleutnant und erster Kommandeur des am 1. Juni 1943 aufgestellten Kavallerie-Regiments Süd.[5][6][7] Er starb am 22. November 1943 im Alter von 33 Jahren in der Nähe von Tschernjachiw bei den Kämpfen um die ukrainische Stadt Schytomyr.[8][9][10] Beim Sammeln in einem Granattrichter schlug ein Volltreffer ein und tötete den Prinz, seinen Adjutanten Rittmeister Rudolf Bacherer jr. und den Kommandeur der I. Abteilung, Rittmeister Grützner; die Führer der 1. und 4. Schwadron wurden dabei so schwer verletzt, dass sie 2 Tage später ihren Verletzungen erlagen.

Er wurde mit militärischen Ehren auf dem deutschen Soldatenfriedhof Hegewald, etwa zwei Kilometer südlich von Schytomyr begraben. Wittgenstein wurde posthum zum Oberst befördert und man verlieh ihm ebenfalls posthum das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz.[11][12]

Er war seit 1935 mit Friederike Juliane, Tochter von Otto II. Fürst zu Salm-Horstmar, verheiratet und hatte zwei Töchter und drei Söhne. Der zweitjüngste unter den fünf Kindern war Ludwig Ferdinand.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Burkhardt, Ulf Lückel: Das Fürstliche Haus zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Deutsche Fürstenhäuser, Heft 17, Börde-Verlag Werl, 4. Auflage 2008.
  • Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 14: Die Landstreitkräfte: Namensverbände, Die Luftstreitkräfte: Fliegende Verbände, Flakeinsatz im Reich, Biblio-Verlag Osnabrück 1980.
  • Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, ISBN 3-87943-603-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philipp Dickel: Stammtafel des mediatisierten Hauses Sayn und Wittgenstein. Die Linie Berleburg, Tafel 6. Wernigerode 1907. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1907, Heimat-Verlag und Antiquariat, Angelika Wied, Bad Laasphe 2009, Nr. 9/100.
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band XIX. Sayn-Wittgenstein. C.A. Starke Verlag, 2011. ISBN 978-3-7980-0849-6. S. 314–338.
  3. Almanach de Gotha Sayn und Wittgenstein. Justus Perthes, 1944, S. 284–291.
  4. Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, S. 360.
  5. Klaus-Christian Richter: Die feldgrauen Reiter. Die berittenen Truppen in Reichswehr und Wehrmacht. Lizenzausgabe Weltbild Verlag, Augsburg 1993, S. 229.
  6. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939 von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine usw. Scherzers Militärverlag, Jena 2007. S. 652.
  7. Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, S. 231.
  8. Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, S. 244.
  9. Todesanzeige der Fürstin Madeleine zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg namens der Familie In: National Zeitung, Amtliches Kreisblatt für den Kreis Wittgenstein vom 4. Dezember 1943.
  10. "Der 22. November 1943 wurde zu einem Schicksalstag des Regiments. Beim Einweisen eines Angriffs auf den wichtigen sowjetischen Eckpfeiler Tschernjechoff, 30 km nördlich Shitomir wurde der Regiments-Kommandeur Oberstleutnant Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (er erhielt am Abend zuvor seine Ernennung zum Oberstleutnant), ebenso sein Adjutant Rittmeister Helmut Bacherer, der Kommandeur der I. Abteilung, Rittmeister Grützner tödlich verwundet." Auszug aus der HP kavallerieregiment 18.de, letzter Zugriff: 16. Januar 2019, 11.00 h.
  11. Walther-Peer Fellgiebel: Elite of the Third Reich: The Recipients of the Knight's Cross of the Iron Cross, 1939–45. Helion & Company Limited, 2003, S. 302.
  12. Klaus Christian Richter: Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919–1945. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Aufl. 1978, S. 244.
  13. Walther-Peer Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes, 1939–1945. Die Inhaber der höchsten Auszeichnung des Zweiten Weltkrieges aller Wehrmachtteile. Verlag Podzun-Pallas, Friedberg 2000, S. 372.
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