Liste von Einsätzen in der Seenotrettung

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Die Liste von Einsätzen in der Seenotrettung umfasst Such- und Rettungseinsätze in Küstennähe und auf hoher See.

Einsätze im Atlantik[Bearbeiten]

Suche nach der München 1978[Bearbeiten]

Eine der größten und langwierigsten internationalen Hochseeeinsätze fand im Dezember 1978 im Atlantik nördlich der Azoren statt. Der LASH-Carrier München der Hapag-Lloyd-Reederei wurde in einem heftigen Orkan vermutlich von einer Monsterwelle getroffen und schwer beschädigt. Ein schwacher SOS-Ruf löste die Aktion aus, die 10 Tage dauerte. Ca. 100 Handelsschiffe und mindestens 13 Suchflugzeuge verschiedener Staaten beteiligten sich an der vergeblichen Suche. Die München blieb mit ihrer 28-köpfigen Besatzung verschollen.

Einsatz vom 7. Juli 2017 vor Florida[Bearbeiten]

Ein beispielloser Hochsee-Rettungseinsatz erfolgte am 7. Juli 2017 ca. 500 Seemeilen vor der Ostküste von Florida für zwei deutsche Segler der Segelyacht Caroona.[1] Eine Verpuffung im Motorraum setzte die Segelyacht in Brand, bei dem eine der beiden Personen schwere Brandverletzungen erlitt. Bevor die Yacht sank, konnte die Rettungsinsel ausgelöst und bestiegen werden. Ein letzter Notruf über Satellitentelefon erreichte die Seenotleitung Bremen, die umgehend das JRCC in Miami alarmierte. Fast zeitgleich traf der Alarm der Notfunkbake der Segelyacht mit den exakten Koordinaten bei der US-Küstenwache ein, die den Alarm wegen der großen Entfernung zum Unglücksort sofort an die US Air Force weiterleitete.

Damit übernahm die Spezialeinheit 920th Rescue Wing die SAR-Aktion. Die respektvoll „Guardian Angels“ (dt. Schutzengel) genannten US-Fallschirmspringer sind speziell für Rettungseinsätze von verwundeten Soldaten in Kriegsgebieten ausgebildet. Fünf der „Angels“ wurden per Flugzeug an der Rettungsinsel im Atlantik abgesetzt. Nach Zusammenbau des mit abgeworfenen Rettungsbootes und Sammlung der abgeworfenen Ausrüstung erreichten sie acht Stunden nach Absetzen des Notrufs die beiden Segler und konnten die medizinische Versorgung für den Schwerverletzten leisten. Ein vom JRCC umgeleiteter Tanker erreichte zur gleichen Zeit die Rettungsinsel und konnte Retter und Gerettete an Bord nehmen.

Mit Eintreffen der Retter am Unglücksort starteten zwei Hubschrauber und ein Tankflugzeug von der Patrick Air Force Base. Da die Reichweite der Hubschrauber für die Entfernung nicht ausreicht, mussten diese unterwegs viermal aufgetankt werden. Die fünf Retter und zwei Segler wurden von Bord des Tanker aufgewinscht und nach Florida gebracht. Für diesen erfolgreichen und vorbildlichen Rettungseinsatz hat die DGzRS dem 920th Rescue Wing die Medaille zur Rettung aus Seenot am Band in Gold verliehen.[2]

Einsätze im Mittelmeer[Bearbeiten]

Einsätze im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise im Mittelmeer[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der derzeitigen Flüchtlingskrise in Europa versuchen viele Migranten, mit kaum seetauglichen Booten das Mittelmeer Richtung Norden zu überqueren. Diverse Staaten und Nichtregierungsorganisationen haben daraufhin besondere Schiffe entsannt, um diese Schiffe zu suchen und die Besatzungen zu retten.

Griechische SAR-Zone[Bearbeiten]

Während der Flüchtlingskrise in Griechenland reichten die griechischen Seenotrettungs-Kapazitäten nicht aus. Im Rahmen des Programms Retter helfen Rettern der International Maritime Rescue Federation unterstützten zahlreiche Seenotrettungsorganisationen die griechischen Kräfte mit eigenen Booten und Personal. Darunter die NGOs DGzRS, DLRG, Migrant Offshore Aid Station, Sea-Watch, Redningsselskapet, Sjöräddningssällskapet und Royal National Lifeboat Institution.[3] Das Hellenic Rescue Team erhielt für die Rettung von tausenden von Flüchtlingen den Nansen-Flüchtlingspreis 2016 des UNHCR.[4]

Libysche SAR-Zone[Bearbeiten]

Im Mittelmeer ergab sich bedingt durch den libyschen Bürgerkrieg die Situation, dass die libyschen Behörden ihrer Verantwortung für die libysche SAR-Zone nicht mehr gerecht werden konnten. Bei der Operation Triton wurde vielfach versucht bei Rettungsrufen von Schiffen die libyschen SAR-Verantwortlichen zu kontaktieren, die Kontakte wurden jedoch verweigert.[5] Es ergab sich die Schwierigkeit, dass das internationale Recht eine Regelungslücke hinsichtlich von SAR-Interventionen im Territorium eines Drittstaates hat.[6]

Die von Frontex geführten Operationen und die Operation Sophia hatten zwar zunächst einen anderen Fokus, wurden aber zu einer SAR-Intervention. Parallel dazu unterstütze die EU den Wiederaufbau der libyschen Küstenwache.[7]

Im Juni 2016 beschloss der Rat der Europäischen Union, zum Kapazitätsaufbau der libyschen Küstenwache beizutragen, damit diese wieder gegen Schlepper vorgehen sowie Such- und Rettungsaktivitäten durchführen kann. Im Februar 2017 wurde die Ausbildung von 89 Angehörigen der libyschen Küstenwache und Marine abgeschlossen.[8] Vier Patrouillenboote der libyschen Küstenwache wurden überholt und sechs weitere bereitgestellt. Bis Anfang Juli 2017 rettete die libysche Küstenwache 10.000 Menschen aus Seenot.[9]

Mare Nostrum 2013/2014[Bearbeiten]

Nachdem bei zwei Bootsunglücken vor Lampedusa Anfang Oktober 2013 binnen weniger Tage mehr als 600 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken waren, wurde am 18. Oktober 2013 die italienische Militär-Operation Mare Nostrum in der Straße von Sizilien zur Rettung von Migranten in Seenot und zur Verfolgung von Menschenschmuggel durchgeführt. Bis Oktober 2014 wurden insgesamt etwa 150.000 Menschen gerettet, das entspricht 400 Menschen pro Tag.[10] Während bzw. trotz der Operation Mare Nostrum kamen in 2014 3.000 Menschen bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen ums Leben.[11]

Operation Triton[Bearbeiten]

Die LÉ Eithne rettet Migranten, Triton-Mission, 15. Juni 2015

Nach der Beendigung von Mare Nostrum im Oktober 2014 und durch den eingeschränkten Aktionsraum von Frontex und der im Oktober 2014 anlaufenden Operation Triton fehlten geeignete Seenotrettungsschiffe in der Straße von Sizilien, so dass Handelsschiffe angewiesen vom MRCC Rom einen bedeutenden Anteil an den Rettungseinsätzen dort zu tragen hatten. Frontex und die italienische Küstenwache waren sich im Klaren, dass die Handelsschiffe für solche Einsätze nicht geeignet waren. Als innerhalb einer Woche etwa 1.200 Menschen bei zwei Rettungsversuchen von kommerziellen Schiffen ums Leben kamen, nannte der Präsident der Europäischen Kommission Jean Claude Juncker die Beendigung von Mare Nostrum einen schweren Fehler.[12] Am 23. April 2015 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU, die Mittel für die Mission Triton (Operation) zu verdreifachen.[13] Im Mai 2015 wurde das Operationsgebiet auf rund 138 Seemeilen südlich von Sizilien ausgeweitet.[14]

Operation Sophia[Bearbeiten]

Die European Union Naval Force – Mediterranean auch als EU EUNAVFOR MED oder ab Oktober 2015 auch Operation Sophia nach dem Namen eines ertrunkenen Mädchens, soll seit Juni 2015 in den internationalen Gewässern vor Libyen Schleusern das Handwerk legen, wobei auch die Seenotrettung im Operationsraum betrieben wird.[15] In den drei Jahren ihres Bestehens retteten die Schiffe der Mission bis Juli 2018 etwa 49.000 Menschen aus Seenot.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.af.mil/News/Article-Display/Article/1242034/rescue-airmen-save-two-german-citizens-stranded-at-sea/ Hochseerettung vor der US-Küste von Florida
  2. https://www.seenotretter.de/aktuelles/neuigkeiten/ansicht/news/deutsche-gesellschaft-zur-rettung-schiffbruechiger-verleiht-medaille-fuer-rettung-aus-seenot-am-bande/ Auszeichnung durch die DGzRS
  3. IMRF Members Working Together to Help Save Lives on the Aegean Sea, IMRF 3. März 2017, abgerufen 28. August 2018
  4. Kate Bond, Gordon Welters: Heeding cries for help lands Hellenic Rescue Team 2016 Nansen Award. UNHCR 6. September 2016, abgerufen 28. August 2018
  5. Gemma Andreone, The Future of the Law of the Sea, Springer, 2017, ISBN 9783319512747, S. 184
  6. Gemma Andreone, The Future of the Law of the Sea, Springer, 2017, ISBN 9783319512747, S. 186
  7. Gemma Andreone, The Future of the Law of the Sea, Springer, 2017, ISBN 9783319512747, S. 186
  8. Einsatz.Bundeswehr.de, Gegen Schleusernetzwerke - Der Einsatz im Mittelmeer, 30. Juni 2017
  9. Die Welt, Thomas de Maizière, Marco Minniti, Die Migrationskrise wird in Afrika bewältigt, 12. Juli 2017
  10. So funktionierte „Mare Nostrum“. Handelsblatt, 20. April 2015, abgerufen 13. August 2018
  11. Deutschlandfunk, Italiens Flüchtlingspolitik vor einem Kurswechsel, 01.12.2014
  12. Charles Heller und Lorenzo Pezzani: "Death by Rescue" Goldsmiths, University of London auf statewatch.org 2015
  13. EU verdreifacht die Mittel für Triton-Mission. Euronews, 23. April 2015, abgerufen am 14. August 2018.
  14. Frontex weitet Einsatzgebiet im Mittelmeer erheblich aus. Standard, 26. Mai 2015, abgerufen 14. August 2018
  15. EUNAVFOR MED Sophia: EU-Einsatz im Mittelmeer. Bundeswehr.de, abgerufen 22. August 2018.
  16. EU-Seenotrettung "Sophia" kann erst einmal bis Ende August laufen. Tagesspiegel, 21. Juli 2018, abgerufen 22. August 2018.
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