Larry Hilibrand

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Larry Hilibrand (* 1959) ist ein US-amerikanischer Arbitrage-Trader, der durch seine Beteiligung am weltweiten bekannten Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) bekannt wurde. Hilibrand war einer der engsten Vertrauten von John Meriwether, der LTCM vorstand. Mit dem spektakulären Absturz von LTCM endete auch die erfolgreiche Karriere Hilibrands. Hilibrand lebt aktuell mit Frau und Kindern in Greenwich, Connecticut.

Allgemeines[Bearbeiten]

Hilibrand wurde 1959 als Sohn eines Ingenieurs in Cherry Hill, New Jersey geboren.[1] Hilibrand galt auch auf Grund seiner verschlossenen, schweigsamen, aber präzisen Art als mathematisches Genie.[2] Seine Intelligenz wurde durch 2 Abschlüsse am hoch angesehenen Massachusetts Institute of Technology (MIT) verdeutlicht.[3] Meriwether setzte vor allem auf Absolventen des MIT, da diese oft gut mit den damals neuen Möglichkeiten von Computern vertraut waren. [4]

Berufliche Besonderheiten[Bearbeiten]

Hilibrand war ein neuer Typ eines Händlers. Er stützte seine Positionen auf von ihm entworfene Computersimulationen um sogenannte ,,ineffiziente´´ Stellen ausfindig zu machen, die in der Folgezeit eine Korrektur durch den Markt erhalten würden. Dieses Prinzip war eine der Grundlagen für den erfolgreichen Arbitrage-Handel von LTCM und anderen. Außerdem weigerte sich Hilibrand strikt Informationen über seine Positionen Preis zu geben, dieses Prinzip musste er erst 1998 brechen.[5] Außerdem war Hilibrand von seiner Art zu Handeln überzeugt und zeigte wenig Respekt gegenüber alteingesessenen Händlern, die sich dem Computer-Handel verweigerten. Zu Gute kamen ihm seine mathematischen Kenntnisse und seine große Intelligenz.[6]

Zeit bei Salomon Brothers[Bearbeiten]

Nachdem Meriwether durch Eric Rosenfeld, einen seiner ersten Angestellten, der Erfahrung mit dem MIT hatte, auf Larry Hilibrand aufmerksam gemacht wurde, stellte er diesen ein. Erst arbeitete er in der Forschungsabteilung von Salomon Brothers, wo er sich mit Computersimulationen für Arbitragegeschäfte beschäftigte. Schnell holte Meriwether ihn in die Arbitrage Abteilung der Salomon Brothers, wo er mit Hilfe seiner Simulationen viel Geld verdiente. Nahezu alle anderen Abteilungen machten ab Mitte der 80 er-Jahre kaum mehr Gewinne, nur die Arbitrage-Abteilung der Bank verdiente viel Geld. Diese Tatsache ließ in der Abteilung eine Arroganz entstehen, die sich bis in die Zeit bei LTCM erhalten sollte. Die jungen Trader von Salomon zeigten keinen Respekt vor erfahrenen Händlern und hielten sich dank ihrer Computersimulationen für unbesiegbar. Außerdem wollten sie stets mehr Geld für ihre Abteilungen, da sie scheinbar die Einzigen waren, die daraus etwas machten.[7] 1987 wurde, zur Abwehr einer feindlichen Übernahme, Warren Buffett als Investor bei Salomon vorgestellt. Hilibrand war erbost über diesen Schritt und besuchte Buffett persönlich in Omaha, um ihn zum Ausstieg zu bewegen, aber ohne Erfolg.[8] 1989 wurde auf Druck von Hilibrand eine Klausel eingeführt, die besagte, dass die Arbitrageure 15 % an den Gewinnen der Gruppe erhalten würden. 1989 wurde ein Rekordjahr für die Gruppe und Hilibrand, der am meisten daran verdiente,[9] wurden 23 Millionen Dollar ausgezahlt. Diese unglaublichen Summen sorgten in anderen Abteilungen für großen Unmut. In Folge dessen kam es zur Mozer-Affäre, woraufhin Meriwether unter fragwürdigen Umständen gekündigt wurde. Hilibrand blieb noch einige Zeit bei Salomon, aber der Abgang Meriwethers machte der Abteilung zu schaffen. Hillibrand machte sich nach der juristischen Aufklärung des Falles zu Gunsten von Meriwether für dessen Rückkehr stark, konnte sich aber nicht durchsetzen.[10]

Zeit bei LTCM[Bearbeiten]

Wert eines Investments von 1000 $ in US Schatzanleihen, Dow Jones und LTCM im Vergleich

1994 gründete John Meriwether den Hedgefonds Long Term Capital Management. Daraufhin kamen viele Mitglieder der Arbitrage-Gruppe bei Salomon Brothers in diesem Fonds erneut zusammen. Die Methoden waren ähnlich und die Gruppe wurde durch herausragende Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler ergänzt.[11] Larry Hilibrand war ebenfalls Teil der Gruppe und knüpfte in den ersten Jahren an seine überaus erfolgreiche Zeit bei Salomon an. Dadurch wurde er ein reicher Mann. Am Höhepunkt von LTCM betrug sein Privatvermögen circa eine halbe Milliarde Dollar. Bei LTCM war Hilibrand als Mitglied erster Stunde einer der wichtigsten Köpfe und hatte auf Grund seiner Erfolge große Freiheiten. Er entwickelte immer neue Computersimulationen und erweiterte sein Portfolio schließlich auch auf Aktienmärkte. Hilibrands Sturheit stellte er bei den für LTCM wichtigen Verhandlungen mit Bear Stearns, die für LTCM das lebenswichtige Clearing übernahmen, unter Beweis, indem er die Verhandlungen über ein Clearing-Abkommen zum Platzen brachte.[12] Nach großem Erfolg wurden LTCMs Geschäfte schwieriger, da immer mehr Banken und Hedgefonds die Methoden von LTCM kopierten und die Spreads schnell schlossen, die zur Arbitrage notwendig sind (siehe Arbitrage). Durch diese Schwierigkeiten wurden die Teilnehmer, vor allem Hilibrand, zu riskanteren Geschäften gezwungen, um die riesigen Gewinne der ersten Jahre zu erneuern. Hilibrand hielt den Hedgefonds weiterhin für unfehlbar und investierte auch sein privates Vermögen. Außerdem nahm er, wie viele Teilnehmer, zusätzliche Kredite in Millionenhöhe auf, um sich liquide zu halten. Hilibrand entfernte sich immer mehr von seinen Kernmärkten, beispielsweise den Anleihen , und ging, entgegen der Firmenphilosophie, auch hohe Risiken ein. Er erweiterte seine Arbitragegeschäfte unter anderem um die riskante Fusionsarbitrage. Im August 1998 fing der rasante Abstieg LTCMs an. Durch die Währungskrise in Russland gab es weltweit Turbulenzen auf den Märkten und Hilibrand verlor viele Millionen. Larry Hilibrands Vertrauen in LTCM wurde durch diese Misere soweit zerstört, dass er sein Anwesen in Greenwich an seine Frau überschrieb. Seine enorme Verschwiegenheit bezüglich seiner Positionen musste er auf Druck von Meriwether in der Krise brechen, um eine Katastrophe zu verhindern.[13] Im September 1998 wurde der Hedgefonds geschlossen und Hilibrands Reichtum verminderte sich erheblich.[14]

Nach LTCMs Absturz[Bearbeiten]

Larry Hilibrand konnte nach LTCMs Absturz 1998 nie mehr an seine Erfolge bei Salomon und LTCM anknüpfen. Er blieb treuer Mitarbeiter Meriwethers und arbeitete in seinem neuen Hedgefonds JWM Partners. Dieser verlor aber innerhalb von 18 Monaten über 40 % seines Kapitals und wurde daraufhin geschlossen. Hilibrand lebt nun mit Frau und Kindern auf seinem Anwesen in Greenwich.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.30. Hrsg.: Random House 2000.
  2. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.36. Hrsg.: Random House 2000.
  3. Revolvy, LLC: "Larry Hilibrand" on Revolvy.com. Abgerufen am 20. April 2017 (englisch).
  4. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.28. Hrsg.: Random House 2000.
  5. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.219. Hrsg.: Random House 2000.
  6. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.28. Hrsg.: Random House 2000.
  7. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.35,37. Hrsg.: Random House 2000.
  8. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.38. Hrsg.: Random House 2000.
  9. Larry Hilibrand. Abgerufen am 21. April 2017 (amerikanisches Englisch).
  10. Roger Lowenstein: Der große Irrtum,S.40-41. Hrsg.: Random House 2000.
  11. Investopedia Staff: Long-Term Capital Management - LTCM. In: Investopedia. 8. Februar 2005 (investopedia.com [abgerufen am 21. April 2017]).
  12. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.127. Hrsg.: Random House 2000.
  13. Roger Lowenstein: Der große Irrtum, S.212. Hrsg.: Random House 2000.
  14. Peter Truell: THE MARKETS; Salomon Set To End Group On Arbitrage. In: The New York Times. 7. Juli 1998, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 21. April 2017]).
  15. virtualglobetrotting. Abgerufen am 21. April 2017 (englisch).
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