K.D.St.V. Rheno-Franconia München

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Wappen Zirkel
Wappen der K.D.St.V. Rheno-Franconia
ZirkelRF groß.JPG
Bundesland: Bayern
Universität: Ludwig-Maximilians-Universität München sowie alle weiteren Münchner Universitäten und Hochschulen
Gründung: 11. Januar 1899 in München
Verband: CV
Eintritt in CV: 1899
Kürzel: R-F
Farben: weiß-grün-gold
Wahlspruch In Treue fest!
Website: www.rheno-franconia.de/

Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Rheno-Franconia München im CV ist eine 1899 in München gegründete, farbentragende, nichtschlagende Studentenverbindung und Mitglied des größten interdisziplinären Akademikerverbandes Europas, dem Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV). Sie führt die Nummer 24 in der amtlichen Reihenfolge der Cartellverbindungen. Mit ihrer Gründung gab der CV das Singularitätsprinzip auf. Sie sympathisierte mit dem Weißen Ring.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Ausgangssituation[Bearbeiten]

Die Gründung einer zweiten farbentragenden katholischen Verbindung an ein und derselben Universität konnte man sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts kaum vorstellen. Nur wenn diese Neugründung in einen erst noch zu schaffenden „Parallelverband“ einträte, räumte man solch einem Vorhaben überhaupt Chancen ein, da man Rivalitäten und Spannungen mit der bereits bestehenden Verbindung befürchtete. Während die Befürworter betonten, dass die Repräsentation der katholischen Verbindungen v. a. im Studentenausschuss durch mehrere Verbände am Hochschulort steige, forderte die Gegenseite eine „rigorose Bekämpfung dieser Tendenzen, weil eine weitere Aufteilung zum Schaden der katholischen Sache sei." Als Beispiel führten sie die nicht mehr zu beseitigende Rivalität zwischen den CV-Verbindungen und denen des KV an. Außerdem beinhaltete die damalige Geschäftsordnung des CV ein Verbot von mehreren Cartellverbindungen an der gleichen Hochschule (Singularitätsprinzip).

Gründung[Bearbeiten]

 
Gründungsmitglieder (z. T. noch in den Farben der Aenania)

All diesen Schwierigkeiten sah sich die K.D.St.V. Aenania gegenüber, als ein Teil ihrer Aktiven zu der Überzeugung gekommen war, dass bei ihrem unübersichtlichen Mitgliederstand im Wintersemester 1898 von 110 die Gründung einer neuen Verbindung an der Ludwig-Maximilians-Universität vonnöten sei. Seit dem Semesterbeginn waren bereits einige Wochen vergangen, dennoch kannten sich manche Bundesbrüder nicht einmal dem Namen nach.

Auf dem Burschenconvent (BC) am 7. November 1898 beantragte der Aktive Hans Schorer die Gründung einer zweiten Verbindung. Dieser Antrag wurde trotz Bedenken einstimmig angenommen. Eine Kommission sollte die Grundsätze der Neugründung ausarbeiten und sich mit dem Verhältnis der beiden Verbindungen zueinander beschäftigen.

Am 11. Januar 1899 konstituierte sich die neue Verbindung Rheno-Franconia und trat am 3. Februar desselben Jahres unter dem Gründungssenior Wilhelm Laforet mit einem Publikationsfest ins Licht der Öffentlichkeit. Dieser Tag markiert auch das Entstehen des Münchner CV (MCV), dem damals neben der Aenania und der Rheno-Franconia auch die 1897 an der Technische Universität München gegründete K.D.St.V. Vindelicia angehörte.

 
Charge in Vollwichs (Gemälde im Kneipsaal)

Die junge Verbindung bestand aus 47 Mitgliedern, darunter 16 Füchse.

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Rheinfranken wuchsen sehr rasch und so konnte schon 1907 zusammen mit der Mutterverbindung Aenania die K.D.St.V. Burgundia München gegründet werden. Rheno-Franconia gab 20 Mitglieder, Aenania zehn. Im Jahre 1911 übernahm die Rheno-Franconia den Vorortvorsitz unter Heinrich Brand.

Im Laufe des Ersten Weltkrieges standen rund 90 % der Rheinfranken im Felde, wobei 21 fielen.

Nach der Aufhebung des Zuzugsverbotes nach München, das im Zusammenhang mit den Unruhen nach den Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und der Münchner Räterepublik erlassen worden war, kam im Sommersemester 1920 eine stattliche Anzahl Cartellbrüder zu den Rheinfranken. Das Verbindungsleben blühte nach den Kriegsjahren auf. Beim 30. Stiftungsfest im Sommersemester 1929 zählte der Fuchsenstall allein 22 Neofüchse.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 versuchte der damalige Philistersenior Rheno-Franconiae vergeblich einer Auflösung der Verbindung entgegenzuwirken. Der 27. Oktober 1935 bedeutete das Ende des CV und somit auch das Ende der Rheinfranken. Der Altherrenbund existierte noch bis zu seiner Selbstauflösung im Jahre 1938. Auch im Zweiten Weltkrieg mussten nahezu alle Rheinfranken den Dienst an der Waffe leisten, die genauen Todeszahlen sind bis heute unbekannt.

Viele Rheinfranken machten keinen Hehl aus ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Machthabern. Ein bekanntes Beispiel hierfür stellte das Schicksal von Franz Virnich dar. Nachdem er 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat von der Gestapo zur Fahndung ausgeschrieben wurde, floh er in die Niederlande. Dort wurde er 1940 entdeckt, verhaftet und schließlich in Deutschland vor Gericht gestellt. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn 1942 zu zehn Jahren Zuchthaus wegen Volksverrat. Er starb schon 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden unter ungeklärten Umständen.

Die Wiederbegründung der Rheno-Franconia fand schon am 23. November 1946 statt. 1947 wurden sieben Füchse recipiert. Neun Jahre nach Kriegsende konnte das heutige Verbindungshaus in der Schnorrstraße bezogen werden.

In den Zeiten der Außerparlamentarische Opposition und der 68er hatten Verbindungen im Allgemeinen einen schweren Stand. Man sah sie als „Wegbereiter des Faschismus“. Die Receptionszahlen sanken: Rheno-Franconia überlebte nur durch den unermüdlichen Einsatz der Philister und einiger weniger Aktiver.

 
100. Stiftungsfest

Der Mitgliederstand erholte sich in den 1980er Jahren. Zeitweise standen die Rheinfranken bei den Receptionszahlen an sechster Stelle im CV.

Rheno-Franconia heute[Bearbeiten]

Vom 25. bis zum 28. Mai 2006 fand anlässlich des 150. Jubiläums des Cartellverbandes eine gemeinsame Cartellversammlung von CV und ÖCV in München statt. Die Rheinfranken richteten den Festkommers mit 4.500 Gästen und rund 500 Chargierten aus.

Insgesamt gehören der Verbindung heute rund 400 Mitglieder an.

Farben[Bearbeiten]

Die Burschenfarben weiß-grün-gold sind nicht zufällig gewählt worden: um die innere Einheit mit der Mutterverbindung Aenania auch äußerlich zu zeigen, wurden ihre Farben (grün-weiß-gold) aufgegriffen. Zur Grundfarbe wurde weiß bestimmt.

Wahlspruch[Bearbeiten]

Der Wahlspruch „In Treue fest!“ geht zurück auf den 1445 von Herzog Gerhard II. von Jülich-Berg gestifteten Hubertusorden, der die alte niederfränkische Devise „In traw vast“ führte.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in einem Schild drei Felder, die durch ein Wappen miteinander verbunden sind. Dieses mittlere Wappen steht für die Rheinfranken selbst. Es bildet den kurpfälzischen Löwen und den fränkischen Rechen ab. Das untere Feld des Schildes zeigt den Reichsadler. Er symbolisiert das Prinzip patria. Das Christusmonogramm auf seiner Brust steht für das Prinzip religio. Die Flammenschale auf einem Dreifuß im linken Feld ist ein antikes Attribut für die Philosophen und für die Göttin der Weisheit, Athene (Prinzip scientia). Die 27 Sterne im rechten Feld weisen auf Rheno-Franconia als 27. Verbindung des CV vor der Abspaltung des ÖCV vom CV 1933 hin (Prinzip amicitia).

Besonderheiten im Comment[Bearbeiten]

Bei Kneipen nehmen Chargierte Rheno-Franconiae grundsätzlich keinen Zutrunk aus der Corona an. Des Weiteren reihen sie sich in kein Spalier ein und schreiten auch nicht hindurch. Nationalhymne und Bayernlied werden gestochen.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Winfried Aymans (* 1936), römisch-katholischer Geistlicher und Professor für Kanonistik.
  • Heinrich Brand (1887−1971), Regierungspräsident der Hohenzollernschen Lande, Leiter des Bundespresseamtes und später Regierungspräsident in Aachen.
  • Hans Demmelmeier (1887−1973), Politiker der CSU.
  • Richard Egenter (1902–1981), Professor für Moraltheologie.
  • Reinhold Ewald (* 1956), Physiker und Astronaut.
  • Adolf Flecken (1889−1966), Mitbegründer der CDU in Nordrhein-Westfalen, Innen- und Finanzminister in Nordrhein-Westfalen.
  • Heribert Heinemann (1925–2012), römisch-katholischer Geistlicher und Kanonist.
  • Heinrich Held (1868−1938), Politiker der BVP und bayerischer Ministerpräsident bis zu seiner Absetzung 1933.
  • Wilhelm Laforet (1877–1959), Politiker der CSU, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht und Mitglied des Parlamentarischen Rates.
  • Dieter Lorenz (* 1938), Rechtswissenschaftler.
  • Hermann Maassen (1915–2008), Jurist und Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz.
  • Klaus Mörsdorf (1909−1989), römisch-katholischer Geistlicher und Professor für Kanonistik.
  • Hans Müllejans (1929−2009), römisch-katholischer Geistlicher und Aachener Dompropst.
  • Hans Schuberth (1897–1976), Politiker der CSU und Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen.
  • Wolfgang Suwelack (* 1937), Unternehmer und Pionier der Gefriertrocknung von Lebensmitteln.
  • Franz Virnich (1882–1943), Jurist und NS-Verfolgter.
  • Lothar Wehr (* 1958), römisch-katholischer Geistlicher und Professor für Neues Testament.
  • Josef Zilch (* 1928), Dirigent und Komponist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fischer, Wolfgang, 1899–1999. 100 Jahre K.D.St.V. Rheno-Franconia München, München 1999.
  • Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e.V. (Hg.), CV-Handbuch. 2. Auflage, Regensburg, 2000. ISBN 3-922485-11-1
  • Schwider, Damian, Fuchsenfibel der K.D.St.V. Rheno-Franconia München im CV.
  • Stitz, Peter, Der akademische Kulturkampf um die Daseinsberechtigung der katholischen Studentenkorporationen in Deutschland und in Österreich von 1903 bis 1908. Gesellschaft für CV Geschichte, München, 1960.
  • Stitz, Peter, Der CV 1919–1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Gesellschaft für CV-Geschichte, München, 1970.

Weblinks[Bearbeiten]