Jürgen Wächter

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Jürgen Wächter

Jürgen Wächter (* 17. Juni 1962 in Bielefeld, Westfalen) ist ein deutscher Historiker und Politiker der Partei Bündnis90/Die Grünen. Er forscht zur Geschichte der Naturwissenschaften und zur Umweltgeschichte sowie zu Bryologie.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Hans-Jürgen Karl Wächter besuchte die Osningschule in Bielefeld-Sieker und danach das Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld.

Nach Ableistung des Wehrdienstes als Schreibfunker in Lippstadt und Augustdorf besuchte er ab 1984 die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld und machte dort 1987 seinen Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt. Danach arbeitete er im Wasserschutzamt der Stadt Bielefeld.

Von 1999 bis 2011 studierte er an der Fernuniversität Hagen Geschichte und Politikwissenschaft, um danach seine Promotionsschrift "Geschichte der Bryologie in Mitteleuropa" zu verfassen.

Jürgen Wächter wohnt in Werther (Westf.) und ist alleinerziehender Vater eines Sohnes.

Politik[Bearbeiten]

Jürgen Wächter wurde erstmals 2009 für die CDU in den Rat der Stadt Werther (Westf.) gewählt und war in den Ausschüssen für Bauen, Planen und Umwelt sowie für Stadtentwicklung, Kultur und Sport tätig. Er legte seine Ämter 2012 nieder, da er die Politik der CDU für zu rückwärtsgewand erlebte und er sein Engagement für den Erhalt der Natur sowie für soziale Gerechtigkeit dort nicht genug verwirklichen konnte.

Jürgen Wächter trat 2013 Bündnis90/Die Grünen bei und wurde 2014 mit einem Ergebnis von 22,63 % zum Ratsmitglied der Fraktion Bündnis90/Die Grünen in Werther (Westf.) gewählt. Er ist dort im Ausschuss für Klimaschutz, Stadtentwicklung und Kultur sowie im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt tätig.[1]

2016 wurde er in den Vorstand von Bündnis90/Die Grünen im Kreis Gütersloh gewählt.[2]

2016 erfolgte die Wahl zum Direktkandidaten von Bündnis90/Die Grünen für die Wahlen zum Deutschen Bundestag 2017 im Bundestagswahlkreis Gütersloh I (Wahlkreis 131).[3][4] Am 17. Juni 2016 erhielt er vom Bezirksverband Ostwestfalen das 2. offene Votum für die Landesliste zur Bundestagswahl.[5]

Jürgen Wächter setzt sich besonders für den Naturschutz, soziale Marktwirtschaft und für soziale Gerechtigkeit ein.

Naturschutz[Bearbeiten]

Jürgen Wächter setzt sich für einen nachhaltigen Naturschutz ein, der besonders auch bisher nicht berücksichtigte Artengruppen berücksichtigen soll (z. B. Moose, Flechten). Dies soll durch eine deutliche Verringerung von chemischen Mitteln in der Landwirtschaft, eine Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in größerem Stil und eine Reduzierung von anderweitigen Stoffeinträgen in die Natur (insb. Stickstoffverbindungen) erreicht werden. Die Fläche der Naturschutzgebiete soll erhöht werden; auch steht er für die Ausweisung eines Nationalparks in der Senne.

Gleichzeitig fordert Wächter jedoch keinen extremen Naturschutz ohne Berücksichtigung anderer Belange der Menschen. Ein Aussperren der Menschen aus der Natur (z. B. durch Sperrung von Wegen) und die Verhinderung von wichtigen Infrastrukturprojekten (z. B. A33) lehnt er ab. Vielmehr soll ein Konzept gefunden werden, bei dem Mensch und Natur in Eintracht zusammen bestehen können.

Engagement[Bearbeiten]

Jürgen Wächter ist Pate eines Kindes in Peru (über PLAN.de Deutschland).[6]

Bei der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa ist er ehrenamtlich als Naturschutzreferent tätig[7] und setzt sich für einen Naturschutz für Moose ein.[1][8]

Der Findlingsgarten am Obersee in Bielefeld basiert auf einer Idee von Jürgen Wächter. Er entwarf die aus 100 Findlingen bestehende Anlage, deren Steine in drei Ringe mit verbindenden Linien in Form eines Wassermoleküls angeordnet sind.[9]

Forschungen[Bearbeiten]

Krenologie[Bearbeiten]

Wächter führte verschiedene floristische und hydrologische Forschungen an Quellen durch.[10] Die Wissenschaft von der Erforschung der Quellen (Krenologie) führte zu deren Einstufung als schützenswerte Biotope im Bundesnaturschutzgesetz.

Bryologie[Bearbeiten]

 
Bryum argenteum

Wächter erforschte in Projekten die Verbreitung der Moose.[11][12] Besondere Bedeutung erlangten die Untersuchungen zu den Vorkommen in der Senne als Vorbereitung für die Ausweisung eines dortigen Nationalparks.[13]

Geschichte[Bearbeiten]

Wächters Forschungen flossen in den behördlichen Naturschutz ein.[14][15][16]

Weitere Forschungen erfolgten zur Geschichte der Naturwissenschaften,[17] der Geschichte des Naturschutzes sowie zur Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts und der Naturgeschichte.[18][19]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Wächter auf der Homepage der Grünen in Werther
  2. Jürgen Wächter auf der Homepage der Grünen im Kreis Gütersloh
  3. MEHR GRÜN FÜR DEN KREIS: PRESSEMITTEILUNGEN » MEHR GRÜN FÜR DEN KREIS. In: gruene-kreisgt.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  4. MEHR GRÜN FÜR DEN KREIS: GRÜNE LEGEN SICH AUF IHRE KANDIDAT*INNEN FEST » MEHR GRÜN FÜR DEN KREIS. In: gruene-kreisgt.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  5. Grüne in OWL küren ihre Kandidaten, Haller Kreisblatt vom 29.06.2016.
  6. Plan Deutschland e.V.: Patengalerie. In: www.plan.de. Abgerufen am 18. Juni 2016 (de-DE).
  7. BLAM e.V., Dr. Norbert J. Stapper: Bryology and Lichenology in Central Europe (Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa, BLAM e.V.). In: www.blam-hp.eu. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  8. WÄCHTER, H. J. (2015): Arbeitsgruppe Artenschutz Flechten und Moose, Herzogiella, 2: 29-30.
  9. WÄCHTER, H. J.; KEITER, M. (2016): Der Findlingsgarten in Bielefeld, Ber. Naturwiss. V. Bielefeld, u. U. (im Druck).
  10. Wächter, H. Jürgen: Quellenverhältnisse und Quellschdigung im Mittleren Teutoburger Wald. In: Ber. Naturwiss. V. Bielefeld u. U. Band 33. Bielefeld 1992, S. 369–402.
  11. Wächter, H. Jürgen: Zur Ausbildung Sphagnum-reicher Quellfluren im Teutoburger Wald. In: Ber. Naturwiss. V. Bielefeld u. U. Band 35. Bielefeld 1994, S. 351–398.
  12. WÄCHTER, H. J. (1996): Zur Moosvegetation von Findlingen zwischen Ems und Weser, Osnabrücker Naturwiss. Mitt., 22: 89-110.
  13. Wächter, H. Jürgen: Moosflora der Senne (mit südlichem Teutoburger Wald), Teil 1: Allgemeiner Teil und Musci - Sphagnidae. In: Ber. Naturwiss. V. Bielefeld u. U. Band 44. Bielefeld 2004, S. 47–67.
  14. Stadt Gütersloh - Moose. In: www.guetersloh.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  15. Bielefeld - Moos. In: www.bielefeld.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  16. Bielefeld - Umwelttouren. In: www.bielefeld.de. Abgerufen am 18. Juni 2016.
  17. Wächter, H. Jürgen: Die Reaktion auf A. W. Crosbys "Ecological Imperialism" - Ein Beispiel für den Umgang der Geschichtswissenschaft mit historisch-naturwissenschaftlichen Fragestellungen. In: Historische Mitteilungen. Band 16, 2003, S. 251–267.
  18. Wächter, H. Jürgen: Zur Naturgeschichte der Lutterquellen im Bielefelder Pass (Teutoburger Wald). In: Ber. Naturwiss. Bielefeld. Band 36. Bielefeld 1995, S. 275–305.
  19. Wächter, H. Jürgen: Zum Einfluss des prähistorischen Menschen auf die Ausbildung der Sennelandschaft - Modell einer Landschaftsentwicklung. In: Ber. Naturwiss. V. Bielefeld u. U. Band 40. Bielefeld 1999, S. 171–237.
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