Jüdische Geilheit

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Die Vorstellung von Jüdischer Geilheit (auch jüdische Lüsternheit) wird zu den antisemitischen Klischees gerechnet und und ist ein „fester Bestandteil der antisemitischen Nachrede“[1]. Die Anschuldigung wird als Sexualantisemitismus bezeichnet.

Gerade jüdischen Männern wurde unterstellt, in unlauterer Weise germanische Mädchen zu verführen. Die nationalsozialistische Propaganda lernte bald, dass „jüdische Geilheit“, „jüdischer Mädchenhandel“ und „jüdische Perversionen“ aller Art publikumswirksame Themen abgaben. Julius Streicher, Gründer, Eigentümer und Herausgeber des sexualantisemitischen Hetzblattes Der Stürmer, führte den angeblichen Nachweis, dass deutsche Frauen von Juden als „Freiwild für jüdische Geilheit, Freiwild für fremdrassige Laster“ benutzt würden.[2][3]

Im Jahr 1935 wurde die Eheschließung sowie sexuelle Kontakte zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland als Rassenschande verboten. Sexualvergehen wurden als große allgemeine Sittenskandale inszeniert, über die sich der Zeitgenosse entrüstete und doch gerne las.[4] Als vermeintliche Belege für die behauptete jüdische Geilheit verwiesen Antisemiten auf sittliche Vergehen Einzelner, den Talmud, sowie Kriminalstatistiken. Des Weiteren wurde jüdischen Bürgern vorgeworfen, sie würden im Bereich von Theater und Kunst der Unzucht und Unsittlichkeit zum Einzug verhelfen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Henschel: Neidgeschrei. Antisemitismus und Sexualität, Hoffmann und Campe Verlag: Hamburg 2008, ISBN 978-3-455-09497-8
  • Marcel Atze: Unser Hitler: der Hitler-Mythos im Spiegel der deutschsprachigen Literatur nach 1945, Druckausgabe, Göttingen: Wallstein-Verl., 2003, S. 76, ISBN 3-89244-644-X
  • Christina Braun: Antisemitische Stereotype und Sexualphantasien, in: Jüdisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): Die Macht der Bilder, Picus-Verlag: Wien 1995, S. 180-191, 184f. ISBN 3-85452-275-4
  • Comité des Delegations Juives (Hrsg.): Das Schwarzbuch. Die Lage der Juden in Deutschland 1933. Paris 1934, Neuauflage Frankfurt/Berlin/Wien 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Hanno Helbling: Spiel mit Feindbildern. Eine prekäre Erbschaft der klerikalen Judenfeindschaft, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vom 6. Februar 2004, S. 35.
  2. Hochspringen Gieri Cavelty: Freiwild. Analyse zu „Köln“ und den hitzigen Diskussionen, die darauf folgten. In: Aargauer Zeitung. Die Nordwestschweiz. 15. Januar, 2016.
  3. Hochspringen Franco Ruault: „Neuschöpfer des deutschen Volkes“ : Julius Streicher im Kampf gegen „Rassenschande“. Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54499-5, S. 28 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Hochspringen Vgl. Volker Dotterweich: Von der "Brunnen-" zur "Rassenvergiftung": Transformation und Trivialisierung einer antijüdischen Legende - zum Beispiel A. Dinter und H. St. Chamberlain, in: Volker Dotterweich (Hrsg.): Mythen und Legenden in der Geschichte, München 2004, S. 203-241, S. 228., ISBN 3-89650-128-3
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