Horst Gerlach (Marineoffizier)

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Horst Gerlach (* 11. August 1900 in Erfurt; † 1970) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Kapitän zur See im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Gerlach diente im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtkreuzer SMS Seydlitz und wurde mit 18 Jahren Fähnrich.

Das Schiff wurde von der Mannschaft am 21. Juni 1919 vor Scapa Flow versenkt. Seit Ende des Krieges wurde er im Range eines Leutnant zur See geführt und in die Reichsmarine übernommen.

Im Zweiten Weltkrieg trat Gerlach von November 1939 bis März 1940 als Kommandant des Versuchsboots Uhlenhorst in Erscheinung. Im Mai 1940 wurde er Kommandant von Schiff 28. Dieses diente als Eskorte und Minenschiff in der Ostsee.

Am 11. Nov. 1941 wurde Schiff 28 als Hilfskreuzer der Kriegsmarine unterstellt. Gerlach, dem als Kommandanten die Wahl des neuen Namens oblag, gab ihm den Namen Stier, nach dem Sternzeichen seiner Frau Hildegard. Am 9. Mai 1942 ging die Stier auf Feindfahrt. Vom 4. Juni 1942 bis zum 27. September 1942 versenkte die Stier vier Schiffe mit 30.728 BRT. Am 7. September 1942 erwiderte der Liberty-Frachter Stephen Hopkins das Geschützfeuer der Stier. Die Stephen Hopkins versank nach einem einstündigen Feuergefecht. Auch die Stier wurde schwer getroffen. Treffer hatten die Hauptmaschine lahmgelegt und mehrere Brände ausgelöst; da das Bordstromnetz ausfiel, waren Munitionsaufzüge und Feuerlöschpumpen ebenfalls lahmgelegt. Die Stier musste aufgegeben werden. Besatzung und Gefangene stiegen auf den deutschen Versorger Tannenfels über und das Schiff wurde mit zwei Sprengladungen versenkt.[1]

Anfang 1943 war Gerlach als Kommandant eines Handelsstörkreuzers vorgesehen, aber nachdem der Handelsstörkreuzer 10 Coronel seinen kaum begonnen Einsatz abbrechen musste, sah die deutsche Marineführung ein, dass die Zeit der Hilfskreuzer endgültig vorbei war. Der Handelsstörkreuzer 11 Hansa kam nicht mehr zum Einsatz.

Gerlach wurde von März 1943 bis August 1943 Seekommandant R (Geplant für Leningrad), im Peloponnes (September 1943 bis September 1944) und in Nordholland.

Nach seiner Kriegsgefangenschaft lebte er eine Zeit lang am Existenzminimum und musste seinen Lebensunterhalt als LKW-Fahrer bestreiten. Horst Gerlach starb 1970 nach einem Schlaganfall.

Person[Bearbeiten]

Kapitän zur See Hellmuth von Ruckteschell, Kommandant des Hilfskreuzers Michel, welcher im gleichen Teil des Atlantiks operierte, hatte Zweifel an Gerlachs Fähigkeiten als Kommandant eines Schiffes und äußerte dies auch gegenüber der Admiralität. Gerlach habe nicht die nötige Härte, die diese Aufgabe erfordere. Als Einzelgänger, so befürchtete Ruckteschell, würde er seine Offiziere nicht in seine Taktik einweihen, so dass niemand seine Position übernehmen könne, falls ihm etwas zustoße.

Diese Befürchtung wurde von seiner Mannschaft, die ihn schätzte, nicht geteilt. Sein Mangel an Durchsetzungsvermögen wurde mit den Worten entschuldigt: „Er war einfach nicht für diese Aufgabe geschaffen“ Immerhin meldeten sich 80 % der Mannschaft der Stier freiwillig für den Einsatz auf der Hansa.

Horst Gerlach wurde von Zeitzeugen als freundliche Natur, als optimistischer Mann mit Sinn für Humor und als talentierter Musiker beschrieben. Seine Kritiker empfanden Sympathie für ihn.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Gröner - Die Schiffe der deutschen Kriegsmarine und ihr Verbleib 1939-1945, J.F. Lehmanns Verlag, München (1976)
  • Hans H. Hildebrand - Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945, Biblio-Verlag, Osnabrück (2000)
  • Hans H. Hildebrand, Albert Röhr & Hans-Otto Steinmetz – Die Deutschen Kriegsschiffe, Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg (1980) ISBN 3-8838-5028-4
  • Walter Lohmann & Hans H. Hildebrand – Die Deutsche Kriegsmarine, Verlag Hans-Henning Podzun, Bad Nauheim (1956)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, Manfred Pawlak Verlags GmbH, Herrsching 1981, ISBN 3-88199-0097, S. 287.
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