Hochzeitsrüstung des Erzherzog Ferdinand II. von Tirol

Ferdinand II, Gemälde von Justus Sustermanns (* 28. September 1597; † 23. April 1681)

Der Hochzeitsrüstung des Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (* 1529; † 1595) ist eine Rüstung, die als sogenannte "Hochzeitsrüstung" zur Hochzeit des Erzherzogs mit Anna Caterina Gonzaga 1582 in Auftrag gegeben wurde.

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BeschreibungBearbeiten

Der Hochzeitsrüstung des Erzherzog Ferdinand II. von Tirol ist eine sogenannte "Halbe Rüstung" die von dem Plattner Jacob Topf (†1597) aus Innsbruck im Auftrag des Erzherzogs gefertigt. Die Rüstung besteht aus einer offenen Sturmhaube, die mit einem getriebenen, bemalten Drachen auf dem Scheitelpunkt des Helmkammes dekoriert ist. Die Innenseite ist mit rotem Atlas ausgeschlagen. Ferner zählen Brust- und Rückenpanzer und Armzeug mit Schultern und imitierten römischen Pteryges. Die gesamte Rüstung ist im Stil "all antica" und "all romana" gearbeitet, so dass sie nach den Vorstellungen der damaligen Zeit, antiken Funden und Erzählungen, die Rüstungen der römischen Imperatoren nachahmen sollen. Die Dekore sind graviert, getrieben und vergoldet.

Der Helm ist im ganzen Getrieben und graviert, die Drachenfigur am Kamm angesetzt und auf der Helmrückseite ist eine Federhülse für den Helmschmuck angenietet. An der Vorderseite ist über der Gesichtsöffnung ein Sonnenschirm angebracht. Auf der Rüstung sind verschiedene Dekorbilder in Form von Pflanzen, Blüten und Blättern zu sehen. Verschieden breite Bänder, die vergoldet sind, teilen die Dekoration in Felder auf. Auf den Schulterpanzern sind Abbildungen von Löwenköpfen ausgearbeitet und am unteren Ende mit metallbeschlagenen Lederstreifen besetzt, die ganz im Stil der "all romana" Stücke die im alten Roma an Rüstungen verwendeten Pteryges arstellen sollen. Die Metallplatten für die Rüstung wurden, wie bei reinen Prunkharnischen üblich, sehr dünn ausgeschlagen. Nach den Treib- und Gravurarbeiten wurden die gewünschten Dekorstellen Feuervergoldet. Zur Rüstung gehört noch ein passender Waffenrock, der zur Rüstung getragen wurde.

Die Mode solche Rüstungen zu tragen entstand zuerst in Mailand um 1530. Später wurden derartige Prunkrüstungen in allen europäischen Rüstungsschmiedezentren gefertigt. Vielen der Träger gefiel es sich selbst als eine Art antiker Held wie Aeneas, Achilles oder einer der anderen Heroenvorbilder aufzutreten, und dabei seine eigenen Tugenden darzustellen. Im Falle dieser Rüstung soll sie wohl Aeneas, den Gründer Roms darstellen[1].

Dass dies der richtige "Hochzeitsharnisch" ist, ist sehr gut belegbar, da er im sogenannten Hochzeitskodex von Ferdinand II., abgebildet ist und mit der hier zu sehenden Beschreibung exakt übereinstimmt. Auch dieser Kodex ist in den Sammlungen des Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen. Im Nachlassinventar der Ambras’schen Sammlung wird die Rüstung im Jahre 1596 beschrieben: „Irer fürstlich durchlaucht etc. rüstung zu der hochzeit“ (fol. 317r und 317v). Ausführlich:

„Ain geschobene rüstung und hauben mit vergulten geeczten raifen, darüber ain leibfarb atlesses röckhl, mit silber gestuckht. Ain sattl und parsen von gleicher arbait, auf der hauben ain griener drackh mit vier grosz federbuschen, die vergult, mit leibfarber seiden, ain regiment, ain leibfarb sammete rundell.“[2]

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Bayerischer Verein der Kunstfreunde (Museumsverein), Kunstwissenschaftliche Gesellschaft in München, Staatliche Kunstsammlungen, München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst. Prestel, 1955, S. 172.
  • Austro-Hungarian Monarchy. Oberstkämmerer-Amt, Austro-Hungarian Monarchy. Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Kunsthistorisches Museum Wien: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 61. A. Holzhausen, 1965, S. 128–129.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schlosssammlung Ambras, Alle Wunder dieser Welt: die kostbarsten Kunstwerke aus der Sammlung Erzherzog Ferdinands II. (1529-1595), Verlag Kunsthistorisches Museum, 2001, ISBN 978-3-85497-026-2
  2. Website des Kunsthistorischen Museum Wien (eingesehen am 10. Oktober 2013)
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