Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker

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Bei dem Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker handelt es sich um ein vereinfachtes Funktions-Modell zur Erläuterung der Notwendigkeit konsequenter Hautpflege bei Kindern ab zwei Jahren mit Neurodermitis (Atopisches Ekzem). Das Modell wurde im Rahmen der Wohnortnahen Dermatologischen Rehabilitation von der Duisburger Spieltherapeutin Gisela Schnelle-Parker und dem Mönchengladbacher Dermatologen Bernd Kardorff entwickelt und als deutsches Gebrauchsmuster angemeldet[1]. Ziel des Einsatzes des Hautmodells sind eine langfristige, anhaltende Besserung des Hautzustandes von Neurodermitis-Patienten durch effektive Prophylaxe neuer Schübe und die damit auch verbundenen Einsparungen im Gesundheitswesen durch selteneren Medikamentengebrauch, insbesondere von Glucocorticoiden (äußerliches Kortison) und verringerte Frequenz von Klinikaufenthalten.

Aufbau und Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Modell besteht aus einer halbseitig perforierten, nach oben und unten verschlossenen Plexiglasröhre, die mit einer Art Dämmwatte gefüllt ist. An der Unterseite der Röhre befindet sich eine kleine Öffnung zum Einfüllen von Wasser mit Hilfe einer 60-ml-Spritze. Die Plastikröhre wird umhüllt von einem speziell genähten Stück trockenen (Fenster-) Leders, welches die trockene, spröde Haut beim Neurodermitis-Patienten symbolisiert. Sobald über die Öffnung der Röhre Wasser in den Innenraum gefüllt wird, saugt sich die Dämmwatte damit voll und gibt über die halbseitige Perforation langsam Feuchtigkeit an die umhüllende Lederhaut ab. Die Perforierung symbolisiert die Hautporen (anatomisch nicht korrekt aber didaktisch für Kinder einleuchtend). Die Feuchtigkeit führt dazu, dass der spröde Fensterlederüberzug halbseitig samtweich und geschmeidig wie die gepflegte Haut wird, während die nicht befeuchtete Seite trocken und spröde bleibt, wie die ungepflegte, nicht mit Fett und Feuchtigkeit spendenden Cremes eingeriebene Haut. Der „Beweis“ wird für die zu schulenden Neurodermitis-Kinder erbracht, indem anschließend die trockene Lederseite mit einer Hautlotion eingerieben wird und sich ebenso samtweich anfühlt, wie das über die simulierten „Hautporen“ von innen mit Wasser benetzte Leder. Eine Anleitung zum vereinfachten Nachbau des Hautmodells findet sich im Hobbythek-Buch „Leben mit Allergien“.

Klinische Erprobung[Bearbeiten]

Im Juni 2003 wurden die Studienergebnisse einer nicht-randomisierten Vergleichsstudie über den positive Effekt einer Kurzschulung mit dem Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker im wissenschaftlichen Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft veröffentlicht.[2]

Es wurden 30 aufeinanderfolgend vorstellig gewordene Kinder zwischen drei und sechs Jahren mit mittelschwerem atopischem Ekzem eingeschlossen. Nach 42 Tagen hatte die mit dem Hautmodell geschulte Gruppe einen signifikant geringeren SCORAD-Score als die Kontrollgruppe. Nach einer anfänglichen zweiwöchigen Behandlung mit topischer Anwendung von Corticosteroiden zeigten beide Gruppen den gleichen Score. Während sich in der Hautmodellgruppe auch ohne Anwendung äußerlicher Kortisonsalben über 4 Wochen der Hautzustand durch die anschaulich erlernte Hautpflege weiter besserte, kam es in der Kontrollgruppe wieder zu einer Verschlechterung der Neurodermitis.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gebrauchsmuster DE20009614U1; Volltext
  2. Kardorff B, Schnelle-Parker G, Kardorff M, Wahlen M, Hönig d´Orville I, Dorittke P: Erfolgreiche Reduktion des SCORAD-Scores bei Kindern mit atopischem Ekzem im 6 Wochen Vergleich durch Kurzschulung mit einem vereinfachten Hautmodell. In: JDDG. 1, 2003, S. 451-456, PMID 16295138

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Kardorff, Schnelle-Parker G., Kardorff M., Wahlen M., Hönig d´Orville I., Dorittke P. (2003): Das „Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker“. Ein spieltherapeutisches Instrument zur Kurzzeit-Hautpflegeschulung von Patienten mit atopischer Dermatitis in der Praxis. In: Haut. 14, 2003, S. 153 – 157
  • Bernd Kardorff, G. Schnelle-Parker, M. Kardorff: Kurzzeit-Hautpflegeschulung mit dem Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker. In: Bernd Kardorff: Selbstzahlerleistungen in der Dermatologie und der Ästhetischen Medizin. Springer Verlag Berlin Heidelberg 2005, ISBN 978-3540214762, S. 385 – 390
  • Schöpf E, Mueller JM, Ostermann T: Stellenwert der adjuvanten Basistherapie bei chronisch rezidivierenden Hauterkrankungen. In: Der Hautarzt. 44, 1995, S. 451-454
  • Clausen K, Ciesla R, Köhnlein B, Schon M, Wenninger K, Werfel T: Methodik und Didaktik der Neurodermitisschulung. In: Prävention Rehabil 4, 1998, S. 198-202
  • Bachert C, Kardorff B: Allergische Erkrankungen in der Praxis. 2. Auflage, Unimed-Verlag Bremen 2001, ISBN 3895995053
  • Bernd Kardorff, Schnelle-Parker G, Küppers J, Kunze J: Erkrankungsmanagement des Atopischen Ekzems im Kindesalter. In: Z Hautkr. 76, 2001, S. 77-83
  • Jean Pütz et al.: Leben mit Allergien – Wege aus dem Irrgarten. Hobbythek Egmont VGS Köln 2003, ISBN 3802515455, S. 53-54
  • Ersser SJ, Latter S, Sibley A, Satherley PA, Welbourne S: Psychological and educational interventions for atopic eczema in children. In: Cochrane Database Syst Rev. Nr. 3, 2007, S. CD004054. doi:10.1002/14651858.CD004054.pub2. PMID 17636745.

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