Harnisch Giacomo Malatestas
Der Harnisch Giacomo Malatestas ist eine italienische Rüstung, die etwa in der Zeit 1550 bis 1560 für Giacomo Malatesta (* 1530 Venedig; † 1600 in Venedig) hergestellt wurde. Malatesta nahm schon als Jugendlicher an Feldzügen Kaiser Karl V. teil, unter anderem in den Schlachten um Algier (1541) und Kleve (1543). Danach begab er sich in die Dienste Venedigs, wo er mehrfach an Kämpfen gegen die Osmanen teilnahm. Gegen Ende seiner aktiven Dienstzeit stieg er zum Oberbefehlshaber der venetianischen Truppen auf.
Die Rüstung befand sich nach dem Tod Malatestas in den Ambraser Sammlungen, jedoch war nicht bekannt, zu wem die Rüstung gehörte. Erst im Jahre 1958 gelang es dem Kurator der Waffensammlungen im Kunsthistorischen Museum Wien, Ortwin Gamber, die Rüstung als die Malatestas zu identifizieren, die er in einer Abbildung im Buch Jakob Schrenck von Notzings, einem Werk über die Ambraser Sammlungen aus dem Jahre 1601, wiedererkannte.
Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]Beschreibung[Bearbeiten]
Die Rüstung ist eine reine Kampfrüstung und besteht aus einem geschlossenen Visierhelm, Brust- und Rückenpanzer, ganzen Armzeugen, Panzerhandschuhen, Tassetten und halben Beinzeugen.
Der Helm besteht aus einem zweiteiligen Visier, das an der rechten Seite mit einem Seil und einer Mechanik versehen ist, die es ermöglicht, das Visier auch mit behandschuhten Händen zu öffnen. Der hohe Helmkamm läuft fast bis zum Nacken und am unteren Helm ist ein dreifach geschobener Ringkragen angebracht.
Brust- und Rückenpanzer sind schlicht gearbeitet, der Brustpanzer ist mit einem Mittelgrat versehen und in Form eines leichten Gansbauches (Tapulbrust) mit schmaler Taille gearbeitet. Am unteren Rand sind zwei geschobene Bauchreifen befestigt.
Die Tassetten sind jeweils vierfach geschoben und reichen bis auf die Oberschenkel.
Die Schulterpanzer ("Achseln") sind dreifach geschoben, die Oberarmröhren sind ebenfalls dreifach geschoben und mittels eines Drehgelenks mit dem Ellbogenpanzer drehbar verbunden. Die Ellbogenpanzer bestehen aus Ellbogenkachel und einem spitz zulaufenden Ellbogenpanzer. Die Unterarmröhren sind am Ellbogenpanzer, der an den Oberarm- und Unterarmenden je zweifach geschoben ist, angenietet.
Die Panzerhandschuhe besitzen hohe Stulpen und sind auf den Handrücken fünffach geschoben. Die Finger sind vielfach fein geschoben und somit als Fecht-Panzerhandschuhe konstruiert.
Die Beinzeuge bestehen aus Oberschenkel- und geschobenen Kniepanzern, die nur die Vorderseite der Beine schützen. Unterschenkelpanzer und Eisenschuhe sind heute nicht vorhanden. Ob sie zur Herstellungszeit der Rüstung vorhanden waren, ist nicht bekannt.
Dekoration[Bearbeiten]
Die einzige Dekoration der Rüstung bestand darin, dass sie komplett gebläut war. Diese Bläuung, die durch Wärmebehandlung erreicht wurde, ist heute kaum noch vorhanden.
Literatur[Bearbeiten]
- Kunsthistorisches Museum Wien, Austro-Hungarian Monarchy: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Band 18. A. Schroll, Wien 1958, S. 93.
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Rüstung (A 1381) auf der Website des Kunsthistorischen Museum Wien
- Die Rüstung bei Europeana
- Bild der Rüstung aus dem Buch von Jacob Schrenck von Notzing, 1603
