Georg Dinges

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Georg Dinges (* 1891 in Blumenfeld Wolgarepublik an der Wolga; † 1932 in Sibirien) war ein deutsch-russischer Germanist und Sprachforscher der Wolgadeutschen

Bis zum Jahre 1921 war er Sprachlehrer für die deutsche Sprache an der Tschernyschewski-Universität in Saratow. Danach lehrte er dort deutsche Philologie, um dann ab 1923 eine Professur für westeuropäische Sprachen und ihre Literatur zu übernehmen. Als in Pokrowsk (ab 1931 in Engels umbenannt) im Jahre 1929 ein pädagogisches Institut gegründet wurde, nahm er dort ab 1930 die Aufgabe des Direktors wahr.

Seine hauptsächlichen fachlichen Forschungen konzentrierten sich auf die wolgadeutschen Mundarten. Durch seine Arbeiten und die damit verbundenen Veröffentlichungen auf diesem Sprachgebiet wurde er der Leiter der Zentralstelle für die Erforschung der wolgadeutschen Mundarten in Engels. Diese Einrichtung war aus einer Abteilung des Zentralmuseums der deutschen Wolgarepublik (bis 1941 existent) hervorgegangen.

Dinges veröffentlichte auch eine Karte der im Gebiet der Wolgadeutschen verbreiteten Mundarten, die bis heute wissenschaftlich genutzt werden kann. Dabei hatte er durch seine Untersuchungen bei den dort ansässigen Bauern herausgefunden, dass diese niederpreußische, rheinpfälzische, südhessische, oberhessische, ostthüringische, und obersächsische Mundarten sprachen. Da seine Forschungen zum Teil auch in Deutschland veröffentlicht wurden, kam er ab 1930 in das Blickfeld der stalinistischen Verfolgungsmaßnahmen, wobei ihm nationalistische Propaganda und konterrevolutionäre Aktivitäten unterstellt wurden.

Im Jahr 1930 erfolgte seine Verhaftung und der Verlust aller beruflichen Ämter. Er wurde 1932 zu einer dreijährigen Verbannung nach Sibirien verurteilt. Dort erlag er noch im gleichen Jahr als Hilfskraft in einem Krankenhaus einer Infektion durch Typhus. Einer seiner engsten Mitarbeiter, der Archäologe Paul Rau, wurde durch das Schicksal von Georg Dinges so betrübt, dass er sich das Leben nahm.

Schriften[Bearbeiten]

  • Beiträge zur Heimatkunde des deutschen Wolga-Gebiets, Pokrowsk (später: Engels) 1903
  • Untersuchungen zum Donaueschinger Passionsspiel, Breslau 1910
  • Über unsere Mundarten, Saratow 1923
  • Zur Erforschung der wolgadeutschen Mundarten : Ergebnisse und Aufgaben, Bonn 1925
  • Zur wolgadeutschen Wort- und Sachgeographie, Pokrowsk (später: Engels) 1927
  • Wolgadeutsche Volkslieder mit Bildern und Weisen, Berlin 1932
  • Wolgadeutscher Sprachatlas (WDSA) (mit Nina Berend), Tübingen 1997

Weblinks[Bearbeiten]

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