Freunde der Kinder von Tschernobyl Württemberg

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Die Freunde der Kinder von Tschernobyl Württemberg e.V. im evang. Männer-Netzwerk Württemberg ist ein deutscher gemeinnütziger Verein. Er engagiert sich seit Anfang der 1990er-Jahre in der humanitären Hilfe für Kinder, die von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl betroffen sind. Schwerpunkt ist die medizinische Hilfe im Oblast Gomel und im Rayon Wetka im Südosten Weißrusslands, die Kindererholung und Unterstützung Kindergärten und eines Gymnnasiums.

Freunde der Kinder von Tschernobyl Württemberg e.V. im Evang. Männer-Netzwerk Württemberg
Zweck: humanitären Hilfe für Kinder in Tschernobyl
Vorsitz: Heinrich Korn
Gründungsdatum: 2010
Mitgliederzahl: 27
Sitz: Stuttgart
Website: tschernobyl-kinder-stuttgart.de

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Organisation[Bearbeiten]

Die Initiative hat zwei Wurzeln:

a) Mitglieder des Evangelischen Männerwerks Württemberg nahmen im August/September 1989 an der 2. Politischen Pilgerfahrt der EKD-Männerarbeit nach Weißrussland teil. Anliegen war die Versöhnung von Deutschen mit den Völkern der Sowjetunion. Weißrussland war vom deutschen Überfall besonders stark betroffen. [1] In Gomel wurden sie auf die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aufmerksam gemacht und beschlossen, durch humanitäre Hilfe ein Stück Wiedergutmachung zu leisten. Daraufhin wurde im Männerwerk der AK Weißrussland gegründet. Er vertiefte nicht nur die Versöhnungsarbeit durch gegenseitige Besuche und Einladungen in den Folgejahren, sondern organisierte auch Medikamentenlieferungen an die Bezirkskinderklinik Gomel. Das Versöhnungsanliegen wird weitergeführt durch regelmäßige Kontakte zu den "Kindern des Krieges Gomel", einer Vereinigung, in der sich Kinder von weißrussischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zusammengeschlossen haben.[2]

 
Motto der 2. Politischen Pilgerfahrt 1989

b) Die Stuttgarter Zeitung rief im Herbst 1990 zur Hilfsaktion „Stuttgart hilft Retschiza“ auf und führte in der Zeit bis 1991 mehrere Hilfskonvois nach Retschyza, einer Stadt im Oblast Gomel durch[3]. Ihr gehörten neben Journalisten der Stuttgarter Zeit auch mehrere Ärzte und Polizisten an. Nach Ende dieser Aktion schlossen sich 1992 ihre Mitglieder mit dem AK Weißrussland zur Initiative „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ zusammen. Sie war und ist weiterhin ein Arbeitskreis des Männerwerks. Die Spenden wurden über den als gemeinnützig anerkannten „Verein zur Förderung der Männerarbeit e.V.“ abgewickelt. Nach Auflösung des Vereins 2010 wurde als Nachfolger der Verein „Freunde der Kinder von Tschernobyl“ e.V. gegründet. Seit 2014 nennt er sich „Freunde der Kinder von Tschernobyl Württemberg e.V. im Evangelischen Männer-Netzwerk Württemberg“. In dieser Bezeichnung kommt die Bedeutung der Initiative für den ganzen Raum der evangelischen Landeskirche zur Geltung. Neben über 2000 Einzelspenderinnen und Spendern, Firmen und den Stuttgarter Schülersymphonieorchesten haben über 200 Kirchengemeinden die Aktion durch Spenden unterstützt. Die Aktion hat in Südwestdeutschland immer wieder die Aufmerksamkeit der Presse gefunden. Am 26. Februar 1996 berichtete der Südwestrundfunk in einer ausführlichen Filmreportage über den 10. Hilfskonvoi.[4]

Die Freunde haben seit Beginn Hilfsgüter im Wert von über 4 Millionen Euro geliefert bzw. Kindererholung ermöglicht. Zu den aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören Ärzte (Kinder-Onkologen, Anästhesisten), Journalisten, Handwerker, Verwaltungsfachleute, Pfarrer ua.

Schwerpunkte der Aktion[Bearbeiten]

Schwerpunkte der Aktion sind:

  1. Medizinische Hilfe: Schwerpunkt war und bleibt die Unterstützung von medizinischen Einrichtungen im Oblast Gomel durch die Lieferung von wichtigen Medikamenten (besonders zur Krebsbehandlung) und medizinischen Geräten.Partner sind: die Kinderhämatologie des Republican Research Centre of Radiation Medicine and human Ecology (Republikanisches Forschungs-Zentrum für Strahlenmedizin und Human-Ökologie) in Gomel* die Kinderpoliklinik Gomel und die Kinderchirurgie des Oblastkrankenhauses Gomel
 
Radioaktive Belastung Umgebung Tschernobyl
  1. Kindererholung:Die Initiative hat sich nach langer Diskussion dazu entschlossen, nicht wie andere Tschernobyl-Initiativen Kinder aus den verstrahlten Gebieten zur Erholung nach Deutschland einzuladen, sondern ihnen eine Erholungsmöglichkeit im eigenen Land und vertrauten Rahmenbedingungen zu bieten. So unterstützten die Freunde von Beginn an den Aufbau und Betrieb des 1994 in Betrieb genommenen Kindererholungszentrums Nadesdha am Wilejka-See im Nordwesten von Minsk. So ist ein Zentrum entstanden, das Vorbildcharakter für Weißrussland hat. Der Ansatz ist ganzheitlich: Medizinische Rehabilitation wird verbunden mit qualifizierter pädagogischer und psychologischer Betreuung. Die Freunde finanzieren 24-tägige Erholungsaufenthalte von Kindern aus der Region Gomel und Wetka, die klassenweise kommen. Geliefert wurden auch Einrichtungsgegenstände für die Kantine und die Bäderabteilung. Ganz neu ist die finanzielle Unterstützung bei einem großen Fotovoltaik-Projekt. Diese Anlage ergänzt das ökologisch ausgerichtete Konzept des Zentrums. Ziel ist die 100%-ige Versorgung durch erneuerbare Energien.
  1. Sozialarbeit: Im hochverstrahlten Rayon Wetka werden Kindergärten durch Lieferung von Möbeln und Verbrauchsmaterialen unterstützt. Das Gymnasium Wetka erhielt Materialien für den naturwissenschaftlichen Unterricht und Schulmöbel.

Zusammenarbeit mit anderen Tschernobyl-Hilfs-Organisatoren[Bearbeiten]

Die Freunde arbeiten auf Bundesebene mit anderen Tschernobyl-Hilfs-Organisationen zusammen und tauschen sich mit ihnen über Ziele und Probleme der Arbeit aus. Das gilt insbesondere bei der Unterstützung des Kindererholungszentrums Nadeshda. Die Freunde sind Mitglied im Verein "Freunde von Nadeshda" in Frankfurt/Main. Dazu gehöre auch die EKD-Männerarbeit, der Verein "Leben nach Tschernobyl" Frankfurt, der Sozialdienst der Evang. Männer Westfalen und andere.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Roth und Fred Dorn (Hrsg.): Politische Pilgerfahrt nach Chatyn. Eine Reise für Frieden und Versöhnung in die Sowjetunion. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1989, ISBN 3-579-01999-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Politische Pilgerfahrt nach Chatyn
  2. Robin Szutor, Stuttgarter Zeitung 9.5.2009: Kinder des Krieges.Die Nachkommen von Zwangsarbeitern
  3. Tschernobyl: Unser Medikament heißt Lebensmut - Stuttgarter Zeitung. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 12. Januar 2016 (de-DE).
  4. Der Konvoi zu den Kindern von Tschernobyl. Filmreportage von Stephan Schlentrich am 26. Februar 1996 im Südwestrundfunk
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