Frank Lauterjung

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Frank Lauterjung (* 1944; † 1982) war der wichtigste Zeuge des Oktoberfestattentats von 1980.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Frank Lauterjung war Hotelkaufmann in München. Lauterjung konnte so detaillierte Angaben zum Attentat machen wie kein anderer. Er stand nur wenige Meter von dem Bomenkoffer entfernt. Er überlebte er die Explosion, weil er sich wegen eines "unguten Gefühls"[1], wie er dem Spiegel später sagte, rechtzeitig zu Boden geworfen hatte. Mindestens fünfmal befragten die Ermittler des Landeskriminalamtes den Zeugen 1980 Lauterjung.

1982, zwei Jahre nach dem Anschlag verstarb er mit mit 36 Jahren an Herzversagen. Der Journalist Ulrich Chaussy weist darauf hin, dass die Ermittlungen zum überraschden Tod von Lauterjung die Ermittlungen damals von den gleichen Beamten geführt wurden, die ihn nach dem Oktoberfestattentat vernommen hatten.

Aussagen[Bearbeiten]

Lauterjung gab in seiner Zeugenaussage an, er habe am Freitagabend kurz nach 21 Uhr als Homosexueller vor dem als Schwulen-Treff bekannten Toilettenhäuschen am Wiesn-Eingang nach Sexpartnern gesucht. Den Ermittlern berichtete er, er habe den Atentätter Köhler etwa eine halbe Stunde vor dem Anschlag in der Nähe des Tatorts im angeregten Gespräch mit zwei Männern in grünen Parkas beobachtet. Die beiden Männer waren weder unter den Opfern, noch meldeten sie sich als Zeugen. Nach einer Viertelstunde sei er an der Gruppe vorbeigeschlendert, in Richtung Wiesn-Eingang, dann habe er Köhler aus den Augen verloren. Lautjung hielt Köhler nach eigenen Aussagen auch für einen Homosexuellen, einen "intellektuellen Outsider-Typ" mit Wuschelkopf und rotkarierter Jacke. Um Viertel nach zehn habe er ihn wiedergesehen. Nun allein, jetzt unmittelbar auf dem Weg zum Tatort.[2]

Lauterjung sagte aus, Köhler habe einen zylinderförmigen schweren Gegenstand in einer weißen Plastiktüte getragen, an dem er sich zu schaffen machte. Lauterjung schilderte minutiös, dass Köhler mit dem Koffer in der einen und der Tüte in der anderen Hand auf den Papierkorb zuging, den Koffer vorher abstellte und zu dem Papierkorb trat und die Bombe hineinlegte. Nach der Explosion wird dieser Koffer auch von anderen Zeugen wenige Meter neben dem zerfetzten Papierkorb gesichtet. In den Ermittlungsakten taucht dieser dieser Koffer nicht auf.[3] Schließlich führt aber der Generalbundesanwalt ihn in seinem Ermittlungsbericht diesen Koffer an.

Lauterjung konnte laut Chaussy sogar die Abmessungen der Bombe beschreiben, bevor sie rekonstruiert wurde.

Bei der vierten Vernehmung von Lauterjung wird dieser suggestiv nahegelegt, dass Köhler diese Leute, mit denen er hektisch geredet habe, gar nicht gekannt haben könnte. Und Lauterjung bejahte dies schließlich. Den Koffer, den Lauterjung bei Köhler gesehen hatte, wird ebenfalls in frage gestellt: Man bringt in der letzten Vernehmung Lauterjung den Werkzeugkoffer aus Köhlers Auto und fragt, ob das nicht der Koffer gewesen sei.[4]

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Lauterjung war bekennender Rechtsextremist. In einem Nachlass in Süddeutschland fanden sich laut Speiegel nach seinem Tod Briefe, nach denen er Mitte der sechziger Jahre beim rechtsextremen Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) eine leitende Funktion hatte. er war dort "Zweiter Bundesführer" und "Standortführer".

Nachdem Lauterjung in einem Leserbrief der NPD "aufgewärmten Gefühlsnationalismus" vorgeworfen hatte, schloss ihn der BHJ aus. Offizielle Begründung war u.a., er habe "ledig" im Aufnahmeantrag angegeben, obwohl er geschieden war. Ein BHJ-Führer äußerte damals den Verdacht, bei Lauterjung könne es sich um einen V-Mann des Verfassungsschutzes handeln. Verdächtig sei gewesen, dass er vier Wochen einfach verschwunden sei.

Kurz nachdem er beim BHJ ausgeschlossen wurde, wechselte Lauterjung zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), erst in München, dann in Berlin.

Der Spiegel legte 2010 nahe, dass Lauterjung V-Mann des Verfassungschutzes war.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Oktoberfest. Ein Attentat. von Ulrich Chaussy, Luchterhand Lit., M. (1985) mit vielen Abschnitten über die Aussagen des wichtigsten Zeugen des Attentats.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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