Feldrüstung Heinrich VIII.

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Feldrüstung Heinrich VIII.

Die Feldrüstung Heinrich VIII. ist eine italienische, sogenannte Dreiviertelrüstung, die um 1544 in Italien, vermutlich in Brescia oder Mailand gefertigt wurde und für Heinrich VIII. (* 28. Juni 1491 in Greenwich; † 28. Januar 1547 im Whitehall-Palast, London) von dem Händler für Luxuswaren, Henry Albert, aus Italien importiert. Diese Rüstung, eine von mehreren, die Heinrichs gesamtes Leben wiedergeben, wurde gegen Ende seiner aktiven Lebenszeit gefertigt. Die Rüstung wurde nachweislich in der Belagerung der Stadt Boulogne im Jahre 1544 getragen. Diese Belagerung war die letzte militärische Aktion Heinrichs vor seinem Tod im Jahre 1547.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Feldrüstung Heinrich VIII. besteht aus einer Rüstung im Anime-Stil auch "Krebs" oder "Krebspanzer", die für den Kampf zu Pferde, als auch zu Fuß entworfen wurde. Bei dieser Rüstung handelt es sich also um eine Rüstung die ausschließlich für den Kriegseinsatz konzipiert und gefertigt wurde, entgegengesetzt zu den meisten anderen Rüstungen Heinrichs, die eher als Turnierrüstungen geplant waren und auch dazu genutzt wurden.

Sie besteht aus einer geschlossenen geschlossenen Sturmhaube mit einem fürfallenden Bart, einem Brust- und Rückenpanzer, geschobenen Achseln, ganzen Armzeugen, langen Tassetten, Panzerhandschuhen sowie Kniepanzern mit einem kurzen Schienenbeinpanzer. Zusätzlich gehört zu der Rüstung ein ledernes Unterzeug bestehend aus Jacke und Hose, sowie langen, ledernen Reitstiefeln. Zur Herstellungszeit gehörte noch eine Verstärkungsplatte dazu, die mit einem Rüsthaken ausgestattet war, oder die Möglichkeit bestand einen solchen zu befestigen. Diese Wechselplatte ist heute vermutlich verloren. Ebenfalls wurde ein Paar Wechselarmzeuge hergestellt, das heute nicht zusammen mit der Rüstung aufbewahrt wird, sich aber in den Royal Collections in London befindet.[1]

Alle Bestandteile bis auf den Helm und die Unterarmpanzer sind geschoben gefertigt Brust- und Rückenpanzer sind als "Anime" gefertigt, das heist der Panzer besteht aus horizontalen Bändern, die sich überlappen und durch Nieten in der Mitte der Brust und des Rückens, sowie seitlich der Brust- und Rückenmitte untereinander befestigt sind, sowie auf der Innenseite durch Lederbänder die mit jeder Platte verbunden sind und die dadurch auch ihre Flexibilität erhalten. Die Schulterpanzer und die Oberarmpanzer sind geschoben, ebenso wie die bis fast zu den Knien reichenden Tassetten. Die Kniepanzer und die kurzen Schienenbeinpanzer sind ebenfalls geschoben. Der Bart ist zweifach geschoben und mit einer schmalen, durchbrochenen Vorwölbung versehen, die als Sehschlitz dient. Der Hintergrund der Rüstung war ursprünglich geschwärzt und erscheint heute in einem Braunton. Die Dekorationen bestehen aus Blumen, Blüten- und Blattranken, Grotesken, Hunden und Kerzenleuchtern sowie aus anderen, in der Renaissance beliebten Motiven die zur Zeit der Herstellung in Italien hoch geschätzt waren. Des weiteren sind Blumen-, Blüten- und Blattelemente in horizontalen Bändern auf der Brust angebracht, sowie an den Rändern der einzelnen Rüstungsbestandteile und den einzelnen Platten. Nach der Gravur wurden alle Dekorationsbänder feuervergoldet. Die Ausführung und die Motive sind typisch für eine italienische Arbeit dieser Zeit.

Die Rüstung ging nach Heinrichs Tod in die Obhut von William Herbert, 1.st Earl of Pembroke (etwa * 1507; † 1570) über und wurde in seinem Stammsitz Wilton House von 1558 an aufbewahrt bis sie in den 1920er-Jahren zum Verkauf angeboten wurde. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Rüstung Anne de Montmorency (* 15. März 1493 auf Schloss Chantilly; † 12. November 1567 in Paris), Herzog von Montmorency und Peer Frankreichs zugeeignet, was sich als falsch erwies. Erst neuere Untersuchungen konnten die Rüstung als Eigentum Heinrich VIII. zuordnen. Sie befindet sich heute in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • The Connoisseur: An Illustrated Magazine for Collectors. Band 155 Auflage. Sampson Low, Marston & Company, 1964, S. 228.
  • Thom Richardson, Royal Armouries (Great Britain): The armour & arms of Henry VIII. Royal Armouries, 2002, ISBN 978-0-948092-49-7.
  • Robert Hutchinson: The Last Days of Henry VIII. Hachette UK, 2011, ISBN 978-1-78022-250-9, The Final Quest for Military Glory.

Weblinks[Bearbeiten]

Info Sign.svg Dieser Artikel wurde gemäß CC-BY-SA mit der kompletten Versionsgeschichte aus dem ehemaligen Waffentechnik-Wiki importiert.