En-Passant-Medium

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En-Passant-Medien sind Artefakte und alle Arten von Gegenständen, die neben ihrer eigentlichen Funktion zusätzlich für die Mitteilung von Botschaften verwendet werden, z.B. Kleidung, Böden und Wände, Haut, Geld, Verpackungen, usw. Die Definition lehnt sich an der von Nebenbeimedien nach Ulrich Schmitz[1] an, unterscheidet sich aber erheblich von dieser. Wichtig ist der gemeinsame Grund: es geht um Artefakte, die nebenbei Mitteilungen transportieren, also Medien sind.

Medien, die primär zur Kommunikation geschaffen werden, sind keine En-Passant-Medien, sondern klassische Beispiele für Massenmedien (Plakate, Flugblätter, Aufkleber usw.), auch wenn Ulrich Schmitz sie als Nebenbeimedien versteht. (In wie weit zum Beispiel manipulierte Plakate aufgrund der Veränderung ihres Inhalts doch En-Passant-Medien sein können, ist strittig.) Grundsätzlich ist es wichtig, die Unterscheidung der En-Passant-Medien von Street-Art zu beachten, die auch ausschließlich zu Kommunikationszwecken geschaffene Medien umfasst.[2]

In En-Passant-Medien geht es nicht um diffuse Mitteilungen, die zum Beispiel in der Qualität der verwendeten Materialien und ihrer Verarbeitung zu finden sind (das untersucht die Textilwissenschaft), sondern um Mitteilungen in Text und/oder Bild, die auf entsprechenden Trägermedien aufgebracht sind. Dabei ist die Klarheit der verwendeten Zeichen kulturabhängig: Was für Insider eine klare Information sein kann, ist für Uneingeweihte gegebenenfalls nur ein Ornament. Manche Zeichen sind aber auch gruppenintern nur Ornament ohne konkreten Inhalt. Das wird am Beispiel vom Zugehörigkeitszeichen, die in Tattoos oder Graffiti ausgedrückt sein können, schnell deutlich. Wer die verwendete Sprache und ihre unterschiedlichen Zeichen nicht kennt, kann die Zeichen nicht voneinander unterscheiden, kann die Mitteilungen nicht lesen.

Zum Zweck der Werbung und des Schmucks werden Verpackungen - und dazu gehört auch Kleidung - gestaltet und bedruckt. Dies geschieht individuell, vor allem aber auf massenhafte Weise. Dabei werden Zeichenformen und Inhalte aus Subkulturen in die allgemeine Kultur übernommen. Der Massenmarkt versucht zunehmend schnell, sich an den Zeichengebrauch von Subkulturen anzukoppeln. Daher sind Subkulturen gezwungen, zunehmend schnell ihren eigenen - von der Masse unterscheidenden Zeichengebrauch - zu ändern.

Aufgrund der Emanzipation der Verpackung vom Produkt (vgl. Wolfgang Fritz Haug [3]) erweitert sich die Bandbreite dessen, was auf Kleidung, Verpackungen, Tragetaschen usw. mitgeteilt wird.

Die Zusammenführung zu En-Passant-Medien erleichtert die vergleichende Untersuchung der medialen Nutzung verschiedenster Objekte und Artefakte aus medienwissenschaftlicher Sicht und ermöglicht die Systematisierung der Ergebnisse zu entsprechenden Design-Entwicklungen. Die Gruppierung der En-Passant-Medien erlaubt die systematische Auseinandersetzung mit deren kommunikativen und medialen Eigenschaften, was durch Marketing-Begriffe wie Ambient Media oder sog. Guerilla-Marketing-Konzepte wie z.B. Astro-Turfing nicht geleistet wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen Schmitz, Ulrich: Sprache in modernen Medien. Eine Einführung in Tatsachen und Theorien, Themen und Thesen. Berlin, 2004: Erich Schmidt Verlag; S. 100-103
  2. Hochspringen Dittmar, Jakob F.: Im Vorbeigehen. Graffiti, Tattoo, Tragetaschen: En-Passant-Medien. Berlin, 2009: Universitätsverlag der TU Berlin.
  3. Hochspringen Haug, Wolfgang Fritz: Kritik der Warenästhetik. Frankfurt a.M., 2009: Suhrkamp TB.

Literaturangaben[Bearbeiten]

  • Dittmar, Jakob F.: Im Vorbeigehen. Graffiti, Tattoo, Tragetaschen: En-Passant-Medien., Berlin, 2009: Universitätsverlag der TU Berlin. ISBN 978-3-7983-2123-6
  • Hanzer, Markus: Krieg der Zeichen. Spurenlesen im urbanen Raum.', Mainz, 2009: Verlag Hermann Schmidt. ISBN 978-3-87439-778-0
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