Düsseldorfer Schule (Elektronische Musik)

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Düsseldorfer Schule (Elektronische Musik)
Entstehungsphase: Anfang der 1970er Jahre
Herkunftsort: Deutschland
Stilistische Vorläufer
Krautrock, Elektronische Musik
Pionierbands
Kraftwerk, Can (Band), Neu!, La Düsseldorf, Cluster (Band), Harmonia
Genretypische Instrumente
Synthesizer, elektronische Effekte, Klangexperimente, Schlagzeug, Akustische Gitarre, E-Bass
Stilistische Nachfolger
Elektronische Tanzmusik, Popmusik, Electro, Techno

Die Düsseldorfer Schule der elektronischen Musik entstand in den 1970er Jahren und wird als Unterkategorie des Krautrocks klassifiziert. Prägende Bands dieser Zeit sind die aus dem Düsseldorfer Raum stammenden Gruppen Kraftwerk, Cluster, La Düsseldorf, Harmonia und Neu!. Stilistisch ist die überwiegend instrumentale Musik mit ggf. zurückhaltenden Gesangsbeiträgen von melodischen Synthesizerpattern und rhythmischen Bassläufen geprägt, die in der Regel von einem Drumcomputer begleitet werden. Ebenso wie der Krautrock, der eng mit dem Progressive Rock verwandt ist, ist die Düsseldorfer Schule experimentell und improvisationslastig angelegt. Außerdem zählt zum Krautrock auch die Berliner Schule der elektronischen Musik, die als kosmische Musik bezeichnet wird.

Stil[Bearbeiten]

Durch die nahe Verwandtschaft zum Krautrock ist auch die Musik der Düsseldorfer Schule durch experimentelle Klänge geprägt, die oft aus Improvisationen heraus entwickelt wurden. Der Einsatz eines Synthesizers und anderer elektronischer Klangerzeuger stellen dabei das Hauptmerkmal dar. Musikalisch sind repetitive Muster in teilweise bis zu 20-minütigen Stücken sehr auffällig, wie sie beispielsweise bei Autobahn (Kraftwerk) oder Neu! (Neu!) zu beobachten sind. Aber auch sehr freie atonale Klangexperimente sind in der Düsseldorfer Schule nicht unüblich (vgl. mit Cluster). In der ersten Hälfte der 1970er Jahre spielten zudem noch akustische Instrumente wie Schlagzeug, Gitarre, Flöte o.ä. eine Rolle. Im zunehmendem Verlauf und mit fortschreitender Technik wurde die Musik weitestgehend rein elektronisch erzeugt und mit der Hinwendung zum Mainstream auch kürzer und eingängiger, da nun auch Gesangsmelodien immer mehr Beachtung fanden. Die daher einem breitem Publikum zugängliche Musik war kommerziell auch erfolgreich, so dass Kraftwerk beispielsweise mit dem Titel „Das Model“ (Die Mensch-Maschine) aus dem Jahr 1978 einen Nr. 1 Hit in den Charts verbuchen konnten.

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten]

Der musikalische Stil der Düsseldorfer Schule ist sehr stark durch die Gruppe Kraftwerk geprägt worden, die auch einen Hauptvertreter dieses Genres darstellen. Auf dem 1971 erschienenem Album Kraftwerk 2 verwendete die Gruppe um Ralf Hütter und Florian Schneider erstmals einen Synthesizer, der jedoch noch von akustischen Instrumenten dominiert wurde. Zu Beginn spielte das Schlagzeug noch eine entscheidende Rolle, welches bei Kraftwerk in der Zeit von 1971 bis 1972 von Klaus Dinger übernommen wurde. Die Gruppe Cluster veröffentlichte unter dem Namen Cluster 1 (1971) und Cluster II (1972) zwei sehr experimentelle Alben mit elektronischer Musik, auf denen zum Teil sehr atonale Klangstrukturen zu finden sind. Aus Cluster ging später das Projekt Harmonia hervor, an dem der Musiker Michael Rother beteiligt war, der mit Klaus Dinger bereits bei Neu! wirkte. Harmonia veröffentlichten auf den Alben Musik von Harmonia (1974) und De Luxe (1975) sequenzierte Musikstücke, die sich bereits in eine Drone-Music Richtung entwickelten und eher an die Berliner Schule der elektronischen Musik angelehnt sind. Auf dem zweiten genannten Album fanden vergleichsweise harmonische Strukturen mit Gesangsmelodien Verwendung. Dinger, der später auch Mitglied der Gruppe La Düsseldorf wurde, prägte seine Spielweise und die frühe musikalische Charakterisierung der Düsseldorfer Schule mit einer repetitiven Motorik. Der Schlagzeuger entwickelte diesen Stil vor allem bei Neu! weiter, deren Musik stark von Improvisationen mit elektronischen Klangeffekten geprägt war.

Ehemaliges Kling Klang Studio der Gruppe Kraftwerk in Düsseldorf

Die Gruppe Can bediente sich gleichfalls repetitiver Klangkompositionen als Stilmittel ihrer Musik. Im Gegensatz zu Kraftwerk sahen sich Can nicht als Vertreter der gewöhnlichen Popmusik an, da sie sich auch deutlich an zeitgenössischen Komponisten wie Karlheinz Stockhausen orientierten. Durch den minimalistischen Einsatz elektronischer Instrumente, klassisch minimalistischer Drumsets und die typischen repetitiven Songstrukturen leisteten Can ebenso einen bedeutenden Beitrag zur Düsseldorfer Schule der elektronischen Musik.

Wie viele andere Bands aus dem Krautrock Genre nahmen auch Kraftwerk ihre Alben zunächst mit dem Produzenten Conny Plank auf, bevor sie sich mit dem Kling-Klang-Studio in Düsseldorf spezialisierten. Als paradigmatischer Wendepunkt aufgrund der fast ausschließlichen Verwendung elektronischer Klangerzeuger kann das Album Autobahn (1974) angesehen werden, in dessen Titelstück nun auch Gesang Einzug in die Musik von Kraftwerk fand. Zur selben Zeit entstand aus der Gruppe Neu! die Formation La Düsseldorf, die ihre überwiegend instrumentale Musik mit Klangcollagen und einigen Sprechzeilen anreicherten und sich damit noch an den bestehenden Stil der Düsseldorfer Schule orientierten. Auf späteren Kraftwerk Alben wie Trans Europa Express (1976) und Die Mensch-Maschine (1978) wurden weiterführend nur noch sequenzierte Melodiemuster und durchgängige elektronische Drumpatterns immer gebräulicher. Bis in die 1980er Jahre wurde die Musik zudem massentauglich, so dass Computerwelt (1981) schon als Vorläufer für die aufkommende elektronische Tanzmusik angesehen werden kann.

Bekannte Gruppen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bussy, Pascal: Kraftwerk. Synthesizer, Sounds und Samples. Die ungewöhnliche Karriere einer deutschen Band. München 1995.
  • Flür, Wolfgang: Ich war ein Roboter. Meine Zeit als Drummer bei Kraftwerk. St. Andrä Wörden 2004.
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