Dämonologie

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Dämonologie ist die Theorie von den Dämonen, d.h. der bösen Geister, wie sie sich religionsgeschichtlich rekonstruieren lässt oder auch explizit ausformuliert in kulturgeschichtlichen Dokumenten vorliegt. Systematische Darstellungen der christlichen Theologie insb. enthielten zeitweise eine Dämonenlehre als Anhang zur Angelologie, da die Dämonen als gefallene Engel konzeptualisiert werden, deren Behandlung wiederum der Schöpfungstheologie untergeordnet ist, wobei die dogmatische Stoffbehandlung meist auch auf andere Traktate wie Soteriologie oder Christologie ausgreift. Eher im Bereich der Magie, Volksfrömmigkeit oder Theurgie (im Unterschied zum religiösen Kult) zu verortende Behandlungen von Dämonen führen neben einer Katalogisierung oftmals z.B. auch Techniken der Beeinflussung bzw. Abwehr auf.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Bezeichnen die griechischen Ausdrück δαίμων (daimon) bzw. δαιμόνιον (daimonion) zunächst sowohl Gutes wie Böses wirkende göttliche bzw. numenale Wesen, so überwiegt seit der Dämonologie von Xenokrates die Wortbedeutung im Sinne eines bösen Geistes.

Der Ausdruck "Dämonen" wird schwankend gebraucht etwa für "ehemalige Götter", "Wesen, die bedrohliche Gegenwelten verkörpern oder Krankheiten verursachen", für "übernatürliche Kommunikationsmittler" oder "Grenzgänger zwischen Göttern und Menschen".[1]

Ideengeschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

In verschiedenen Kulturen findet sich die Vorstellung, dass diverse den Menschen ereilende Schädigungen durch böse Geister bewirkt seien. Eine Systematisierung dieser Schadgeister kann erfolgen nach einer Typologie dieser Wirkungen: Sexualdämonen bewirken z.B. Unfruchtbarkeit usf.[2]

Altes Testament[Bearbeiten]

Entsprechend der in der Bedeutung schwankenden Verwendung des Ausdrucks "Dämonen" und dem Fehlen irgendeines genauen Äquivalents in semitischen Sprachen ist eine Befunderhebung für das alte Testament schwieriger. Vielfach sind insb. Parallelvorstellungen zu nahen Kulturen aufgezeigt worden.[3]

Antikes Judentum[Bearbeiten]

Im antiken Judentum (wie auch im neuen Testament) werden die Ereignisse am Himmel nicht auf Götter, sondern Dämonen zurückgeführt.[4]

Neues Testament[Bearbeiten]

Im neutestamentlichen Textcorpus finden sich verschiedentliche Bezugnahmen auf Gemeingut der Dämonenvorstellungen insb. mit dem antiken Judentum. In paulinischen Texten wird eine "Inkaufnahme" von Dämonen zwar mitformuliert, jedoch v.a. als theologisch bedeutungslos erklärt.[5]

Christiliche Patristik[Bearbeiten]

Die patristischen Theologen diskutieren die Dämonen v.a. unter Hinsicht auf die soteriologische Frage danach, wovon wir erlöst werden.[6]

Lateinisches Mittelalter[Bearbeiten]

Mittelalterliche Theologen führen die aus Patristik und Übergangszeit überlieferten Fragestellungen weiter und beziehen auch die christologische Frage mit ein, wie Christus den Teufel überwindet sowie die anthropologische Frage, wie die Ursünde zu verstehen ist.[7]

Europäische Neuzeit und Moderne[Bearbeiten]

Autoren des 19. Jahrhunderts haben desöfteren versucht, Dämonenglauben geschichtsphilosophisch bzw. religionsgeschichtlich-evolutionistisch einzuordnen und zu deuten in Bezugsetzung zu Vorstufen oder nachfolgende Stufen und Kategorien wie Animismus, Polytheismus, Monotheismus. Diese Deutungsversuche werden nach heutiger historischer Auffassung der Belegfülle schwerlich gerecht.[8]

In der Theologie des 20. Jahrhunderts wird, auch in Reaktion auf Bestrebungen einer "Entmythologisierung" des Traditionsguts, selten explizit über Dämonen gehandelt. Diskutiert wird beispielsweise, inwieweit die überlieferten Vorstellungen im Sinne "dämonischer Strukturen" zu reinterpretieren sind, oder inwiefern dabei ein "personaler" Gesichtspunkt aufrechtzuhalten ist.[9]

Die politische Philosophie Carl Schmitts wurde von Richard Faber als "politische Dämonologie" gedeutet.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frey-Anthes, Abschnitt 1
  2. Böcher, 271.
  3. Vgl. die Überblicksdarstellungen bei Frey-Anthes; Wanke; Kirchschläger.
  4. Vgl. Böcher, 271f.
  5. Vgl. etwa die Gesamtdarstellung mit Forschungsüberblick von Johannes Woyke: Götter, "Götzen", Götterbilder: Aspekte einer paulinischen "Theologie der Religionen", Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche 132, Walter de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 311018396X.
  6. Tavard, 294
  7. Vgl. Tavard, 294.
  8. Böcher, 273 mit Bezug u.a. auf Colpe, 48-551.
  9. Vgl. etwa Leo Scheffczyk: Art. Dämonologie, in: LThK Bd. 3, 6f.
  10. Vgl. Richard Faber: Politische Dämonologie, Über modernen Marcionismus, Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 382603564X.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Böcher, Gunther Wanke, Günter Stemberger, Georges Tavard: Art. Dämonen. I. Religionsgeschichtlich. II. Altes Testament. III. Judentum. IV. Neues Testament. V. Kirchengeschichtlich. In: Theologische Realenzyklopädie 8 (1981), S. 270–300
  • Walter Kirchschläger, Leo Scheffczyk, Christoph Daxelmüller, Dieter Harmening: Art. Dämon, I. Begriffsgeschichtlich. II. Religionsgeschichtlich. III. Altes Testament - Judentum - Neues Testament. (Kirchschläger), IV. Historisch-theologisch. (Scheffczyk) VI. Kulturhistorisch. (Daxelmüller) VII. Kunsthistorisch. VIII. Religionspädagogisch (Harmening), in: LThK, Bd. 3, 1-6.
  • Emil Brunner: Die christliche Lehre von Schöpfung und Erlösung, in: Ders.: Dogmatik, Bd. 2, Zürich 1950, S. 153-172
  • C. Colpe / J. Maier / J. Vrugt-Lentz / C. Zintzen: Art. Geister [Dämonen], in: RAC 9 (1976), 546-797.
  • A. Valensin / P. Messiaen / A. Beguin u.a.: Satan, in: Etudes carmelitaines 27 (1948), 521-666

Weblinks[Bearbeiten]

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