Curt Heuer

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Curt Heuer (* 5. Oktober 1899 in Berlin; † 1. März 1968 in Raunheim; vollständiger Name Curt Rudolf August Alfred Heuer)[1] war ein deutscher Maler, Zeichner und Karikaturist. Er gilt als einziger Schüler Heinrich Zilles.[2]

Werdegang[Bearbeiten]

Heuer wuchs in Neukölln am Wasser als Sohn eines Kaufmanns auf. Im Alter von elf Jahren lernte er 1910 Heinrich Zille beim Zeichnen am Scharmützelsee kennen. Bei diesem und weiteren Treffen im Fischerkiez auf der Spreeinsel gab Zille dem jungen Heuer Ratschläge und malte Korrekturvorschläge an die Ränder von dessen Zeichnungen. Heuer galt fortan als Zilles Schüler und blieb diesem sowie dessen Familie freundschaftlich verbunden. Bis zum Tod seiner Mutter 1915 besuchte Heuer die Höhere Fachschule für Malerei, sowie die Porträt- und Aktklasse der Berliner Akademie. Danach meldete er sich 16-jährig freiwillig zum Kriegsdienst. Seine Schullaufbahn schloss er mit dem Notabitur ab und nahm am Ersten Weltkrieg als Kampfflieger teil. Nach seiner Kriegsrückkehr 1919 verdingte sich Heuer zunächst unter anderem als Schuhverkäufer und Pianist in einem Nachtlokal. 1923 wurde er Restaurator am Kaiser-Friedrich-Museum. Danach arbeitete er als zeichnerischer Mitarbeiter in der Illustrations- und Korrespondenzzentrale in Berlin und später als Trickfilmzeichner bei Julius Pinschewer.

Während der NS-Zeit[Bearbeiten]

1934 zog Heuer nach Frankfurt-Höchst, um für die I.G. Farben das Trickfilmatelier einzurichten. Darüber hinaus war er als Restaurator und Werkszeichner für die I.G. tätig. In dieser Zeit trat er auch als Amtsleiter der NSDAP in Erscheinung.[3] 1939 wurde er zur Luftwaffe eingezogen. Wegen eines Herzfehlers wurde er allerdings frühzeitig aus der Wehrmacht entlassen. Anfang 1945 verließ Heuer Frankfurt aufgrund des Heranrückens der amerikanischen Truppen. Sein Atelier wurde geplündert, wobei nahezu sein gesamtes Werk verloren ging. Nach seiner Rückkehr wurde er verhaftet und blieb bis 1947 interniert. Im Rahmen seiner Entnazifizierung wurde er als Mitläufer eingestuft.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Verlust seines Ateliers mitsamt seinem bisherigen Lebenswerk und der Auflösung der I.G. Farben stand Heuer nach Verbüßung seiner Haft vor einem Neuanfang und arbeitete fortan als freischaffender Maler und Zeichner. Für das zu dieser Zeit aufstrebende Modehaus Toni Schiesser entwarf er ein Signet, welches zum Markenzeichen der Firma wurde. Zeichnungen und Illustrationen Heuers erschienen zunächst in der Frankfurter Illustrierten sowie der Frankfurter Neuen Presse. Für die Main-Spitze erfand er 1964 nach seinem Umzug nach Raunheim die Figuren "Knoddel und Knotterer", die bis zu seinem Tod regelmäßig erschienen.[4][5]

Würdigung[Bearbeiten]

Im Sitzungssaal des Raunheimer Stadtzentrums hängt ein Ölgemälde, welches Heuer kurz vor seinem Tod im Auftrag der Stadtverwaltung gemalt hat. Es zeigt eine fiktive Gesamtansicht Raunheims. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt ist seit 1998 im Besitz eines Lichtbildervortrags, den Heuer während seiner Zeit bei der I.G. Farben erarbeitet hat. Der Vortrag handelt von der Entstehung des Zeichentrickfilms und beinhaltet unter anderem acht Zeichnungen Heuers. Anlässlich seines 100. Geburtstages fand im Oktober 1999 eine Ausstellung mit 90 Werken Heuers im Raunheimer Rathaus statt.

Privates[Bearbeiten]

Heuer war dreimal verheiratet. Aus der dritten Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter Rolf-Amadeus Heuer (* 1951; † 2014).[6] Heuers Grab befindet sich auf dem Raunheimer Friedhof.

Bücher, die von Curt Heuer illustriert wurden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Berliner lernt Hessisch. Knoddel und Knotterer: Vor 20 Jahren wiederbelebt, Artikel von Michael Kappp in der Main-Spitze vom 7. Januar 2004
  • Das Berliner "Milljöh" an den Main verlagert. Die Stadt Raunheim ehrt ihren "Adoptiv"-Sohn Curt Heuer mit einer umfänglichen Ausstellung im Rathaus, Artikel von Thomas Bruggmann in der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 8. Oktober 1999
  • Die Werke Heuers bisher zu wenig gewürdigt. Vernissage im Rathaus - Mehr als siebzig Gäste anwesend, Artikel im Darmstädter Echo vom 7. Oktober 1999
  • Das Atelier im Schlafzimmer, die Familie auf der Couch. Die Stadt würdigt Curt Heuer zum 100. Geburtstag mit einer Ausstellung im Rathaus, Artikel im Darmstädter Echo vom 4. Oktober 1999
  • Aus der Not heraus zum Maler geworden. Stadt würdigt Curt Heuer zum 100. Geburtstag mit einer Ausstellung, Artikel von Carmen Hitzemann im Darmstädter Echo vom 27. September 1999
  • Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Erster Band. A–L (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. XIX, Nr. 1). Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7829-0444-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie: Bd. A-L, Curt Heuer, Seite 328, Verlag Waldemar Kramer, 1994
  2. Das Berliner "Milljöh" an den Main verlagert / Die Stadt Raunheim ehrt ihren "Adoptiv"-Sohn Curt Heuer, Artikel in der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 8. Oktober 1999
  3. Stephan H. Lindner: Hoechst. Ein IG-Farben-Werk im Dritten Reich. Verlag C.H.Beck, München 2005, S. 398, ISBN 978-3-406-52959-7
  4. Main-Spitze.de: Senatsabend der Prinzess-Margret-Garde vom 27. Januar 2014
  5. Main-Spitze.de: Raunheimer Künstler Rolf-Amadeus Heuer gestorben vom 16.September 2014
  6. Trauer um Rolf-Amadeus Heuer. In: Darmstädter Echo. 17. September 2014, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  7. DNB 455126666
  8. DNB 454868103
  9. Interessant ist, dass das Rathaus laut Quelle vier Jahre vor Heuers Geburt abgerissen wurde. Er muss somit nach einer Vorlage gezeichnet haben. Erratum: der Vorname Heuers wird fälschlicherweise mit K geschrieben.
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