Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig

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Corps Teutonia-Hercynia

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Braunschweig
Hochschule/n: Technische Universität Braunschweig
Gründung: 17. Januar 1866
Korporationsverband: Weinheimer Senioren-Convent
Zuständiger SC: SC zu Braunschweig
Farben:
Fuchsenfarben:
Wahlspruch: Neminem time, neminem laede! Amico pectus, hosti frontem!
Website: www.tefften.de

Das Corps Teutonia-Hercynia zu Braunschweig ist eine Studentenverbindung im Weinheimer Senioren-Convent (WSC). Als Corps steht sie zu Mensur und Couleur. Es vereint Studenten und Alumni der Technischen Universität Braunschweig auf Lebenszeit. Es ist die älteste Verbindung in Braunschweig.[1]

Couleur[Bearbeiten]

Die Mitglieder des Corps Teutonia-Hercynia tragen die Farben grün-weiß-rot mit silberner Perkussion. Die Füchse tragen das grün-weiße Fuchsenband. Dazu wird eine weiße Mütze und von den aktiven Corpsmitgliedern zu entsprechenden Anlässen zusätzlich eine weiße Pekesche getragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Haus des Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig in der Gaußstraße 18[2] in Braunschweig
Corpswappen als Glasmalerei im Corpshaus

Das Corps Teutonia-Hercynia ist am 14. Juni 1919 aus dem Zusammenschluss der Corps Hercynia zu Braunschweig und Teutonia zu München hervorgegangen.

Mit der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 begann auch das vorläufige Ende der meisten studentischen Verbindungen. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) veranlasste die Zusammenlegung mehrerer kleiner Verbände zu größeren und zum Schluss, am 12. Januar 1935, zur Gemeinschaft Studentischer Verbände (GStV). Hierzu gehörte auch der Dachverband der Teutonia-Hercynia, der WSC. Die Zusammenarbeit zwischen GStV und dem Studentenbund verlief aber nicht, wie man es sich erhofft hatte. So kam es am 20. Oktober 1935 zur Liquidation des Verbandes, womit sich der WSC und damit auch das Corps Teutonia-Hercynia auflöste. Allerdings wurde durch das Einwirken verschiedener Seiten, unter anderem Reichsarbeitsminister Franz Seldte, die Möglichkeit der Weiterführung eines Aktivenbetriebs ermöglicht. So erfolgte schließlich die Umwandlung des suspendierten Corps in die Kameradschaft Kehr, benannt nach ihrem ersten Vorsitzenden Joachim Kehr, mit einem regulären Aktivenbetrieb. Somit entstand eine formale Einstellung des Corpsbetriebs, nicht aber die Einstellung des Verbindungslebens als die nunmehr umbenannte Kameradschaft „Heinrich der Löwe“. Das ermöglichte eine Fortführung nunmehr politisch weniger behelligten corpsstudentischer Ideen und Prinzipien. Dies ist ein nahezu einzigartiger Verlauf in der Geschichte aller Studentenverbindungen.

Da der Universitätsbetrieb am 12. November 1945 wieder aufgenommen wurde, aber die TU unter einem großen Mangel an Räumlichkeiten zu leiden hatte, wurde vereinbart, dass der Kneipraum des Corpshauses als Hörsaal benutzt werden durfte. Der Mietvertrag mit der Uni lief im Juni 1953 aus. Lediglich der Paukboden wurde noch bis Juni 1956 für den Hochschulsport genutzt.

Durch diesen regen Verkehr auf dem Haus war es nicht verwunderlich, dass schon bald wieder ein Zusammenschluss junger Studenten zur Akademischen-Naturwissenschaftlichen Vereinigung (ANV) erfolgte. Am 15. Juni 1950 trat eine Gruppe aus der ANV aus, um die studentische Verbindung Teutonia-Hercynia zu gründen, nachdem mit der AHV geklärt wurde, dass sich diese Verbindung so nennen und auch die entsprechenden Farben tragen darf. Seit dem Stiftungsfest am 1. Juli 1950 nennt sich diese Verbindung auch wieder Corps.

Im Sommersemester 1961 wurde das Corps-Mitglied Klaus DeParade an der Technischen Hochschule Braunschweig zum stellvertretenden AStA-Vorsitzenden gewählt, und im anschließenden Wintersemester 1961/62 zum AStA-Vorsitzenden. Klaus DeParade wurde später im Vorstand des Weinheimer Verbandes Alter Corpsstudenten (WVAC) tätig. Vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2011 war er Vorsitzender des WVAC.

Seit dem Jahre 2012 unterstützt das Corps mit der TU Braunschweig junge Studierende bei der sogenannten Braunschweiger Akademia und Wirtschaft (BrAWi).[3]

Das Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig stellte vom Sommer 2015 bis zum Sommer 2016 den Ersten Vorortsprecher des Weinheimer Senioren-Convents (WSC).

Hercynia[Bearbeiten]

Das Corps Hercynia wurde am 17. Januar 1866 als akademischer Pharmazeuten-Verein mit dem Prinzip der unbedingten Satisfaktion in Braunschweig gestiftet. Davor waren Verbindungen an der Universität Braunschweig verboten[4]. Die Farben waren "Braun-weiß-grün" mit weißer Mütze bzw. weißem Stürmer. Der Wahlspruch war "utile cum dulci". Am 30. Juli 1887 wandelte sich der Verein, der von 1876 bis 1882 dem Rudelsburger Delegierten-Convent angehörte, in die freischlagende Verbindung Hercynia um und nahm den Wahlspruch Neminem time, neminem laede! an. Von 1903 bis 1906 bestand Hercynia als freie Burschenschaft; sie kehrte dann aber zur alten Verbindungsform zurück.

Am 3. März 1909 erfolgte die Erklärung zum Corps, die Aufnahme in den mit Rhenania, die nach der Suspension Teutonias seit 1902 in Braunschweig als Einzelcorps bestanden hatte, wiedergegründeten Braunschweiger Senioren-Convent sowie die Aufnahme als renoncierendes Corps in den Weinheimer Senioren-Convent (WSC). Pfingsten 1910 wurde Hercynia vollgültiges Corps des WSC. Am 14. Juni 1919 fusionierte sie mit dem Corps Teutonia zum Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig.

Teutonia[Bearbeiten]

Teutonia BS.jpg

Teutonia wurde am 26. November 1871 als Landsmannschaft an der Königlich Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule zu Aachen gestiftet. Zu den Gründern gehörte der spätere Jenaer Glasfabrikant Otto Schott. Die Farben waren "Grün-weiß-rot" mit grüner Mütze. Der Wahlspruch war "Amico pectus, hosti frontem!". Anfang April 1872 schloss sich Teutonia dem allgemeinen Landsmannschafts-Senioren-Convent an. Im Sommersemester 1876 erfolgte die Erklärung zum Corps und am 15. Juli 1876 die Aufnahme in den Aachener Senioren-Convent (SC) sowie den WSC. Im August 1877 musste Teutonia wegen des schwierigen gesellschaftlichen Umfeldes für Korporationen im katholisch geprägten Aachen und der stark sinkenden Studentenzahlen an der dortigen Hochschule suspendieren.

Teutonia siedelte zu Beginn des Wintersemesters 1878/79 nach Braunschweig über und rekonstituierte an der dortigen Hochschule am 13. Dezember 1878. Am 22. Mai 1892 wurde mit dem Corps Rhenania, das bis 1880 in Aachen bestanden und am 7. Mai 1892 in Braunschweig rekonstituiert hatte, der Braunschweiger Senioren-Convent (SC) gegründet. Am 17. Oktober 1902 musste Teutonia in Braunschweig suspendieren.

Zum Wintersemester 1905/06 verlegte Teutonia den Aktivbetrieb nach München und tat sich an der Technischen Hochschule München am 21. September 1905 wieder auf. Am 27. November 1905 wurde mit dem Corps Guestphalia (heute Corps Suevo-Guestphalia), welches als einziges Corps des WSC keine Möglichkeit zur Gründung eines SC sah und dem neu dafür konstituiertem Corps Rupertia, der SC des WSC an der Technischen Hochschule München gegründet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verfügte Teutonia nicht mehr über eine genügende Anzahl von Aktiven, um den Corpsbetrieb wieder aufzunehmen. Erschwerend kam hinzu, dass nach Ausbruch der Revolution das Corpsheim von der kommunistischen Räteregierung beschlagnahmt worden war. Teutonia beschloss daher, nach Braunschweig zurückzukehren, um am 14. Juni 1919 mit dem Corps Hercynia Braunschweig zum Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig zu fusionieren.

Corpsmitglieder[Bearbeiten]

Klaus DeParade (2009)
  • Max Alvary (1851–1898), Opernsänger
  • Heinrich Beckurts (1855–1929), Chemiker und Hochschullehrer, Pionier auf den Gebieten der Analytik, Lebensmittelchemie, Alkaloidchemie und Toxikologie [5]
  • Wilhelm Blasius (1845–1912), Ornithologe
  • Heinrich Büssing (1843–1929), Erfinder und Industrieller, Ehrensenator der TH Braunschweig [6]
  • Max Büssing (1872–1934), Industrieller, Ehrensenator der TH Braunschweig
  • Klaus DeParade (1938–2012), Energiemanager, 2010 bis 2011 Vorstandsvorsitzender des WVAC
  • Walter Haenel (1862–1928), Generaldirektor der Hasper Eisen- und Stahlwerk AG, Aufsichtsrat der Klöckner Werke
  • Kurt Hassebrauk (1901–1983), Phytomediziner
  • Robert Haul (1912–2000), Professor für Physikalische Chemie an den Universitäten Bonn und Hannover
  • Felix Hoesch (1866–1933), Gutsbesitzer, MdR
  • Hans-Joachim Kanold (1914–2012), Mathematiker, Professor für Zahlentheorie an der TU Braunschweig
  • Florus Kertscher (1892–1966), Agrarwissenschaftler
  • Reinhold Krohn (1852–1932), Ingenieur, Professor für Brückenbau, Rektor der TH Danzig, MdHH
  • Mark von Laer (* 1969), Ingenieur, Mitglied des Vorstands der Andritz AG (2017-2020)
  • Wolfgang Leidenfrost (1919–2007), Professor für Thermodynamik und Wärmeübergang an der Purdue University
  • Eduard Linse (1848–1902), deutscher Architekt des Historismus
  • Rolf Theo Ocken (* 1939), Generalmajor, verantwortlich für den Abriss der Innerdeutschen Grenze (1990/91)[7]
  • Carl August Rojahn (1889–1938), Professor der pharmazeutischen Chemie und Nahrungsmittelchemie an der Universität Halle
  • Martin Schirmer (1887–1963), Professor für Bautechnik und Kulturtechnik an der Universität Bonn.
  • Otto Schott (1851–1935), Chemiker und Glastechniker, Gründer der Jenaer Glaswerk Schott & Gen. [8]
  • Franz Seldte (1882–1947), NSDAP-Politiker, Gründer und Führer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst und Reichsarbeitsminister
  • Otto Friedrich Weinlig (1867–1932), Industrieller
  • Hans Weisbrod (* 1902), Gummiwarenfabrikant

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Schüler: Weinheimer S.C.-Chronik, Darmstadt 1927.
  • Michael Doeberl, Otto Scheel, Wilhelm Schlink, Hans Sperl, Eduard Spranger, Hans Bitter und Paul Frank (Hrsg.): Das akademische Deutschland, Bd. 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger, Berlin 1931, S. 684.
  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Band 1, Würzburg 1981. S. 49–63.
  • Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: Ihre Darstellung in Einzelchroniken. 1. Auflage. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9, S. 290–291, 294.
  • Arne Grävemeyer: 150 Jahre Corps Teutonia-Hercynia. Braunschweig 2016, ISBN 978-3-00-052916-0, S. 6–7.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corps Teutonia-Hercynia Braunschweig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Biegel: Grußwort zum 150. Stiftungsfest Corps Teutonia-Hercynia.
  2. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 124.
  3. tu-braunschweig.de
  4. Prof. Dr.h.c. Gerd Biegel, Grußwort zum 150. Stiftungsfest Corps Teutonia-Hercynia
  5. Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon- 19. und 20. Jahrhundert. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 46.
  6. Gustav Goldbeck: Büssing, Johann Heinrich Friedrich Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Bd. 3. Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 4 f.
  7. „Der die Mauer schleifte“, WAZ, http://www.derwesten.de,/ 1.10.2008
  8. „Wissenschaftler, Industrieller und Wohltäter“; Preußische Allgemeine Zeitung; Folge 33-10 vom 21. August 2010.
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52.2733210.53092Koordinaten: 52° 16′ 24″ N, 10° 31′ 51,3″ O